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XIII. In den Burgleyen der Steinbrecher

Full text: Aus Alt-Berlin / Schwebel, Oskar (Public Domain)

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Kaspar Theiß. — 
Hören wir zuerst von ihm! — Theiß war der hervorragendste Architekt des Kurfürsten 
Joachim II. und ein Mann, dessen Persönlichkeit mit der Geschichte der ältesten industriellen 
Anlagen im Brandenburgischen eng verknüpft ist. Trotz der geringen Anzahl von Urkunden, 
welche hinsichtlich seiner Thätigkeit auf uns gelangt sind, ist es uns dennoch möglich, ein 
anschauliches Bild dieses verdienten Mannes und seines Wirkens zu entrollen; denn noch 
heute sind Werke von ihm oder doch wenigstens authentische Abbildungen derselben vorhanden. 
Wir wissen zwar nichts Bestimmtes von seiner Heimath, noch von seinen Lehr- und Wander⸗ 
jahren, doch haben die eindringenden Forschungen des königlichen Hausbibliothekars Dohme 
es wahrscheinlich gemacht, daß die Wiege Meister Kaspar's in Sachsen gestanden hat und daß 
er, ehe er nach Berlin kam, im Dienste der Wettiner Fürsten, vielleicht bei dem Schloßbaue zu 
Torgau, thätig gewesen ist. Die sächsische Renaissance aber fußte wiederum auf französischen 
Kunstvorbildern, und es ist nicht unwahrscheinlich, daß Kaspar Theiß auf seinen Wanderungen 
einst auch den Wunderbau des Schlosses Chambord und die prächtigen Edelsitze der Touraine 
erblickt hat. 
Im Jahre 1538, nachdem das Domstift St. Erasmi aus dem alten Schlosse zu Kölln 
an der Spree in die südwärts von dem Fürstensitze belegene Kirche der Dominikaner, in das 
Schwarze Kloster“, verlegt worden war, begann der Abbruch der ersten und die Aufrichtung 
einer zweiten Hohenzollernburg innerhalb der Ringmauern von Berlin und Kölln. Das 
„Twing-Berlin“ des Markgrafen Friedrichs des Eisernen, das „frenum antiquae libertatis“, 
wie der Bürgermeister Zarlang das erste Schloß noch im 17. Jahrhundert nannte, war gewiß 
nur ein schlichter Burgbau gewesen: ein Viereck wahrscheinlich mit kleinem Hofe und mit vier 
runden Eckthürmen, von einem breiten Graben umgeben, — an künstlerisch ausgestatteten 
Räumen nur die Kapelle des Domstiftes zu St. Maria, zum heiligen Kreuze, zu St. Erasmus 
und St. Peter und Paul enthaltend. Der glänzende Hofstaat Joachim's II. aber erforderte andere 
Räume, als diese kleinen, düsteren Gemächer des „Eisenzahns“; Meister Kaspar Theiß wurde 
daher mit der Aufgabe betraut, einen neuen Fürstensitz zu Kölln aufzuführen. Wirklich ist 
von der alten Burg, welche Meister Burchard von Dasseleben anno 1449 mit Schiefer gedeckt 
hatte, nichts weiter stehen geblieben, als der untere Theil eines Rundthurmes an der Spree— 
seite, welcher nach seinem mit Edelrost überzogenen Kupferdache den Namen des „grünen 
Hutes“ erhalten hatte. 
Der Schloßbau Meister Kaspar's zog sich selbstverständlich mehrere Jahre hin; es scheint, 
daß derselbe erst im Jahre 1544 vollendet wurde. Unterdessen erblicken wir unsern Architekten 
in mannigfacher anderweitiger Thätigkeit. Im Jahre 1589 wurde eine Gewerkschaft zur Aus— 
beutung des Mineralienreichthums der Mittelmark gegründet. Ihr gehörten die folgenden 
Männer an: Ehren Peter von Ansbach, Prediger, Gregor Bage, kurfürstlicher Rath, Paul 
Molradt, Münzmeister von Berlin, Ehren Matthias Brunner, Pastor, Hans Zeidler, Nickel 
Hartmann der Jüngere, Georg Bretschneider, Georg Otto, sämmtlich Bürger zu Berlin, Bar⸗ 
tholomäus Gerstner und Baltzer Fahrenholtz, Kunz Buntschuh und Kaspar Theiß, beides Bau— 
meister, Andreas Schreck, Münzmeister, und Matthias Schmiele. Das kurfürstliche Privilegium 
dieser Gesellschaft, „in und ober der Erden allerlei Metall zu suchen“, datiert vom 8. Sep— 
tember 1539. In demselben Jahre war die Spitze der Sankt Nikolai-Kirche zu Spandau
	        
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