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XII. Bei den Blankenfelde's

Full text: Aus Alt-Berlin / Schwebel, Oskar (Public Domain)

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Klosterklirche bei den „Barfüßern“ und eins in der Heiligengeist-Straße. Als Stammsitz des 
Geschlechtes ist das erstgenannte Gebäude zu betrachten. — 
Im Frühjahr 1889 ist dies alte Haus Nr. 49 der Spandauer Straße von der Erde ver— 
schwunden. Wo das edle Bürgergeschlecht so lange in Glück und Ehren hanusgehalten hat, 
erhebt sich jetzt der kolossale, selbst die Zinnen des Rathhauses überragende Schlot der Berliner 
Elektrizitätswerke. Es ist beim Abbruche des alten Patrizierhauses indessen so überaus sorgsam 
verfahren, — es sind die Schmuckteile des alten Baues so liebevoll gesammelt worden, daß 
wir vermittelst dieser architektonischen Reliquien ein klares Bild dieses Hauses und seiner Bau— 
geschichte uns zu entwerfen vermögen. Wie alle älteren Bürgerhäuser Berlins wendete auch das 
Blankenfelde-Haus der Straße nur seinen schmalen Giebel zu. Das Gebäude wies in seinen 
ältesten Theilen auf graue Vorzeit zurück; es hatten sich sogar 
Schmucktheile aus der Zeit vor dem Brande im Jahre 1380 in 
demselben erhalten. Diesen Tagen entstammt beispielsweise eine 
jetzt im Märkischen Museum befindliche Fratze, welche die über⸗ 
raschendste Ähnlichkeit mit einigen Details der Klosterkirche besitzt 
und, wie die Masken der letzteren, aus der Thonerde am Fuße 
des Tempelhofer Berges geformt worden sein mag. Die wesent⸗ 
lichsten Theile des Blankenfelde-Hauses aber gehörten der Bau⸗ 
periode von 1380 bis 1390 an. Der Keller mit den sieben 
Gewölbejochen war beim Abbruche des Haufes noch klar und 
deutlich zu erkennen. 
Von den gewölbten Räumen des oberen Baues war in dem 
Erdgeschosse das Prunkgemach noch völlig erhalten. Dasselbe 
wurde remterartig von einer gedrungenen Mittelsäule getragen, 
aus welcher sich die Kreuzgewölbe entwickelten. Das Kapitäl 
dieser Säule ist vierseitig und trägt an jeder Seite ein Wappen, 
nämlich: 
1. Blankenfelde, Sterne und Kandare, 
2. Stroband, Rose und Strohkranz, 
3. Wins, Regenbogen und drei Sterne, 
1. drei weiße Lilien in Blau. 
Das letzte Wappen ist noch nicht gedeutet, dürfte aber wohl der Patrizierfamilie Wardenberg 
angehören. Die Schlußsteine der Gewölbe wurden von großen Rosen gebildet. Wo die Ge— 
wölberippen sich an die Wände des Gemaches ansetzten, befanden sich Konsolen. Dieselben waren 
mit Köpfen geschmückt, welche wahrscheinlich den Erbauer des Hauses und seine Familie dar— 
stellen sollten. Sechs von diesen fogenannten .Diensten“ sind von besonderem Interesse. Sie 
zeigen: 
1. das Brustbild eines bärtigen Mannes, 
2. den Kopf eines Stadtjunkers mit rothem Hute, 
3. das Haupt einer Matrone mit schlichter Haube, 
4. einen „Neidkopf“, — eine gothische Fratze, 
53. ein Kapitäl mit Distelblüthen, 
. den Kopf einer Jungfrau mit einem um die Stirn geschlungenen Schleier.
	        
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