Path:
XII. Bei den Blankenfelde's

Full text: Aus Alt-Berlin / Schwebel, Oskar (Public Domain)

— 270 — 
Erzbischof mit ihr verhandeln, und der Klerus drang ihm das Zugeständniß ab, daß er den 
unbeugsamen Bischof Johanues Blankenfelde von Dorpat zu seinem Coadjutor ernannte. 
Sofort begannen nun die Streitigkeiten zwischen dem Berliner Bürgermeisterssohne und 
der Stadt Riga. „Dieser Johannes Blankenfeld,“ erzählt Kelch, „war ein Doctor juris, gebürtig 
aus der Stadt Berlin, und war eine Zeit lang bei der Universität Frankfurt an der Oder 
Professor gewesen. Nachgehends war er sowohl vom Kaiser als vom Papste in vielen wichtigen 
Geschäften als Legat gebraucht worden. Wie aber nun Jedermann wußte, daß er ein Mann 
von sonderbarer Geschicklichkeit, so war auch Jedermann bekannt, daß er dabei regiersüchtig, 
zornig und ein eifriger Papist war.“ Es handelte sich zunächst um die Huldigung der Stadt 
Riga an Johann von Blankenfelde. Sie wurde nicht geleistet, da der Coadjutor es verschmähte, 
die Versicherung abzugeben, die neue Religion nicht kränken zu wollen. Im nächstfolgenden 
Jahre, 1524, starb der Erzbischof Kaspar von Linden. Eine Katastrophe war bei der Sinnesweise 
des Prälaten jetzt unabwendbar. 
Johann von Blankenfelde, nunmehr Erzbischof von Riga, befand sich bei dem Ableben 
seines Vorgängers außerhalb der Stadt, wahrscheinlich auf einem der zahlreichen bischöflichen 
Schlösser. Von hier aus sandte er eine „General-Konfirmation aller rigaischen Privilegien“ 
an den Rath und forderte von Neuem die Huldigung. Allein die Stadt versagte sie ihm 
wiederum und berief sich darauf, daß der Erzbischof in Religionsangelegenheiten bereits Gewalt 
gebraucht hätte. Johann von Blankenfelde hatte angeblich den Bürgern von Kockenhusen ver— 
sprochen, ihnen Gewissenheitsfreiheit zu vergönnen, hatte jedoch sogleich, nachdem man ihn in 
die Thore eingelassen hatte, die beiden evangelischen Prediger Bernhard Brüggemann und Paul 
Bloshagen, sowie den Rektor Gisbert Schoßler vertrieben, auch einen Prädikanten von Lemsal 
verjagt. Während die Stadt Riga also in ihrer Widersätzlichkeit verharrte, gelang es dem Erz— 
bischofe Johann von Blankenfelde, sich wenigstens den Adel des Erzstiftes zu unterwerfen. Da 
ihm dieser zur Heeresfolge verpflichtet war, konnte er jetzt daran denken, Waffengewalt gegen 
Riga anzuwenden. Jetzt wendete sich der Rath an Wolter von Plettenberg. „Kommet, gnädiger 
Herr!“ so schrieb er dem Heermeister. „Schützet uns gegen den Erzbischof; so wollen wir Euch 
huldigen und in Treuen dienen; gewährleistet uns nur die Religionsfreiheit!“ Wolter von 
Plettenberg sagte gern zu; Johann von Blankenfelde aber scheint inzwischen versucht zu haben, 
mit List oder Gewalt in Riga einzudringen. Eine beträchtliche Anzahl von Domherren war 
nämlich dort zurückgeblieben. Diese versuchten, dem Erzbischofe die Thore zu öffnen; ja, es 
heißt, sie hätten versucht, das Geschütz von „unterschiedlichen Thürmen und Batterien herabzu— 
nehmen und aus der Stadt zu bringen.“ Allein der Anschlag wurde noch zu rechter Zeit entdeckt 
der Rath zog alle Häuser, Mühlen und Landgüter der Domherren ein, ließ ihnen jedoch die 
persönliche Freiheit und die Wahl ihres Aufenthaltsortes innerhalb oder außerhalb der Stadt. 
So verging ein Jahr. Anno 1525 aber zog der Heermeister Wolter von Plettenberg mit 
großer Pracht vom Schlosse Wenden nach Riga; er gewährte Religionsfreiheit, und die Bürger 
huldigten ihm allein. „Darüber,“ schreibt Kelch, „wurde der Erzbischof so entrüstet, daß er 
wohl Himmel und Hölle wider Lievland erregt hätte, so es in seinem Vermögen gestanden. Er 
haßte den Heermeister auf's Allerheftigste, fing auch an, mit Basilio, dem Großfürsten in Moskau, 
gefährliche Pläne wider Lievland zu schmieden. Insonderheit stellte er dem Großfürsten vor, 
was für ein Schimpf ihm und der russischen Nation dadurch widerfahren wäre, daß man die 
russischen Kirchen in Lievland geplündert hätte.“ Dieser Punkt erregte allerdings den Groß—
	        
Top of page
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.