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XI. Landvogt Georg von Stein; - sein Heim, - sein Grab

Full text: Aus Alt-Berlin / Schwebel, Oskar (Public Domain)

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endlich einmal beigelegt war. 
und wenn die Kinder in der 
Herzog Hans war nämlich durchaus kein zu verachtender Gegner, 
Mark Brandenburg auch das Spottlied sangen: 
„Herzog Johann ohne Land, 
Hat sich vor Frankfurt, Reppen und 
Drossen das Maul verbrannt!“ —, 
man fürchtete den kecken Rittersmann dennoch in Stadt und Land. Gar wohl verstand er 
es, den „rothen Hahn“ krähen zu lassen. Es ist übrigens jener Reim nur einem geflügelten 
Worte nachgebildet, welches aus Schlesien stammt. Nach der „Breßlauischen General-Chronik“ 
bon Cureus, Theil II, S. 75, hatte man nämlich im Schlesierlande zuvor gespottet: 
„Hans von Sagan ohne Land 
Hat sich vor Kiefsel den Mund verbrannt“, 
weil der Herzog das feste Schloß Kiefel erfolglos belagert hatte. 
Georg von Stein wies nunmehr nach dem Tage von Camenz als Anwalt des Königs 
die Parteien in den ihnen zugesprochenen Besitz ein. Man war in der Mark ihm gar herz⸗ 
lich geneigt; war er dem Lande doch ein Bringer des Friedens geworden! Gott zu Ehren 
und Georg von Stein zu Danke läuteten am 18. Oktober 1482 die Glocken in der gesammten 
Brandenburger Mark. Freilich war die Stadt Belitz noch zu guter Letzt von dem Böhmen 
Hans Kuck, einem kühnen Partisanen Herzog Hansen's, eingeäschert worden; freilich hatte 
Frankfurt an der Oder schwere Opfer an Geld für seine Kriegsrüstungen darbringen müssen. 
Aber nun war ja der Friede geschlossen, und mit ihm kamen neue Lebenshoffnungen. 
Georg von Stein, der Friedensvermittler, wendete sich jetzt einer anderen, gleich segens— 
reichen Thätigkeit zu: Er ward ein Bauherr. Noch im Jahre 1482 erwarb er das zerstörte 
Schloß der Herren von Schönburg zu Hoyerswerda und führte dasselbe von Neuem wohnlich 
auf. Was von dem Schlosse Zossen noch vorhanden ist, — ein Rest der gewölbten Bastei 
mit den Schießscharten, — scheint gleichfalls auf ihn zurückzugehen; denn, was zu Tage steht, 
sind Backsteintrümmer des 15. Jahrhunderts. Auch die Stadt Guben scheint Georg von Stein 
neu befestigt zu haben. Den glänzendsten Bau aber führte er in seiner oberlausitzer Land— 
vogtei, in seiner Residenz Bautzen oder Budissin, auf. Es war der des Schlosses von Bautzen, 
der sogenannten „Ortenburg“. Wir finden darüber in der Lauber'schen „Reimchronik“ von 
Bautzen das Folgende aufgezeichnet: „Auf Befehl des Königs Matthias Corvinus hat Georg 
von Stein in den Jahren 1483 bis 1486 die Ortenburg herrlich wieder aufgebauet. Am 
vorderen Thurm über dem Eingange nach der Stadt zu hat König Matthias durch Herrn 
Georg ferner ein kostbar' Monument aus Sandstein anbringen lassen. Dasselbe stellte den 
König der Ungarn und Böhmen auf seinem Thronsessel dar; zwei schwebende Engel hielten 
die Krone über dem Haupte des Fürsten. Dies Bild war von den Wappenschilden von 
Ungarn, Dalmatien, Kroatien, Böhmen, Hsterreich, Schlesien, Steyermark, Mähren und beiden 
Lausitzen umringt; darunter aber stand die Jahreszahl: ‚„Anno MCCCCLXXXVI (1486). 
Auch an dieses Bauwerk knüpft eine anziehende Sage an. Dieselbe behauptet, Matthias 
Corvinus habe dem Herrn Georg von Stein nur dann erlaubt, sein Königsbild am Schlosse 
zu Bautzen anzubringen, wann dasselbe ihm völlig ähnlich sein würde. So habe denn der 
Künstler sein Werk nicht weniger als dreimal abändern müssen; er sei daher dreimal mit seiner 
Arbeit nach Budapest gezogen, bis ihm das Werk zu völliger Zufriedenheit des großen Königs 
Matthias gelungen wäre. Auf eine andere Überlieferung, welche das Bautzener Schloß und 
den Landvogt Georg von Stein betrifft, kommen wir noch zu sprechen. —
	        
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