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VIII. In St. Marien

Full text: Aus Alt-Berlin / Schwebel, Oskar (Public Domain)

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bilder! Und dort das anspruchsvolle Monument der Kaufmannsfamilien Simon und Königs— 
dorff im Zopfstile: — das Alles bedarf einer baldigen, gründlichen Reinigung und Wieder— 
herstellung. 
Rechuen wir einige moderne Bilder hinzu, so haben wir aufgezählt, was außerhalb des 
Chorraums an Kunstschmuck vorhanden ist. Ehe wir uns aber dem hohen Chore zuwenden, 
muß noch auf einige verloren gegangene Monumente hingewiesen werden. 
Der Rektor Küster erwähnt nämlich in seiner Beschreibung von St. Marien u. A. ein 
Denkmal des älteren Joachim Reiche, Bürgermeisters von Berlin, welcher 1540 verstarb. Bei 
dem gewählten Kunstgeschmacke, mit welchem die Reiche ihre Monumente ausstatteten, ist das 
Fehlen dieses nicht näher beschriebenen Denkmals sehr zu beklagen. Es fehlen ferner die 
Todtenschilde der alten Patrizierfamilie Schmid, welche eine Zeit lang das Berliner Gericht 
besaß, — Wappentafeln von 1515 und 1516. Ferner die Monumente zweier Herren von 
Canitz auf Düben und Großburg in Schlesien vom Jahre 1572. Die beiden Brüder Wulf 
und Lassel von Canitz waren ihrer Lehen wegen — der „Halt“ Großburg in Schlesien 
dependierte vom Bisthum Lebus, — nach Berlin gekommen und wurden von einem tragischen 
Geschicke ereilt: Wulf starb am 27. Dezember 1572, Lassel am 1. Januar 1573. — Wüthete 
auch damals wieder eine Seuche in Berlin? — Wir vermissen endlich zwei Tafeln mit den 
originellen Inschriften: 
„George Prunner man mich nandt, 
Von Deckendorf in Bayerlandt, 
Zu Döbeln wohnt, von da mich wan? 
Kegen Berlin, nam do mein End. 
Mit Ehren trugck mein graues Haar 
Bis in mein ein und achtzigst Jar.“ 
Starb anno 1585. den 26. Marti— 
und: 
„Walburgis Tentzerin mein Nam 
Zu Waltheim meinen Ursprung bekam., 
Lebt ehligck gantzer vierzig jar 
Und vierzehn Kinder Mutter war. 
Sechzig jar alt nam ich mein Endt, 
Befehl mein Seel' in Gottes Hendt“ 
Starb amno 1577 in der Christnacht. 
Wo sind all' diese Dinge hingekommen? — Unsere Kirchenböden haben gar viel verzehrt 
pon alten Bildern und Grabestafeln! 
Doch es zieht uns zum hohen Chore hin, welcher — Dank königlicher Munificenz, — 
in feierlich gedämpftem Lichte schimmert, da die drei mittleren Fenster der überaus zierlichen 
Anlage mit Glasmalereien versehen worden sind. Das Kleinod des Chores von St. Marien 
aber ist die Sparr'sche Gruft mit dem berühmten Denkmale des Feldmarschalls Otto Christoph von 
Sparr von Artus Quellinus, mit den vielen schönen Bildern niederländischer Meister, den 
Ahnentafeln und den geöffneten Särgen. Auf diese oft beschriebenen Sparr'schen Monumente 
soll hier nicht weiter eingegangen werden; nur eine Sparr'sche Inschrift heben wir ihres ge⸗ 
schichtlichen Werthes wegen hervor; sie lautet:
	        
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