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VII. Im Hause der Ryke

Full text: Aus Alt-Berlin / Schwebel, Oskar (Public Domain)

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Auch die anderen Mitglieder des Geschlechtes Reiche, wie sich jetzt die Familie zu nennen 
anfing, hatten unter der fürstlichen Ungade zu leiden. Erst im Jahre 1472 scheint 
Joachim Reiche, Bernd's III. Sohn, Begnadigung von Seiten der Hohenzollern erlangt und 
den Sitz seiner Väter, das Dorf Rosenfelde, wiedererlangt zu haben. Auch zu Straußberg, 
in Wesendal und Schmargendorf war er begütert; doch waren diese Besitzungen allerdings 
nur ein kärglicher Rest des ehemaligen Reichthums seines Geschlechtes. 
Indessen, die Ryke von Berlin sollten einen schöneren Ruhm erwerben, als den, die 
begütertste Familie ihrer Vaterstadt zu sein. In Bernd III. war der Freiheitsstolz dieser 
alten Bürger Berlins gebrochen worden; die Nachkommen des Rebellen von 1447,8 aber lernten 
es einsehen, daß die Hohenzollern es wahrhaft landesväterlich mit ihren Unterthauen meinten; 
sie schlossen sich daher den nenen Fürsten ihrer Zeit mit begeisterter Treue an und erlangten 
auch gar bald das höchste Ansehen bei ihnen. Denn sie waren stets ein festes, stolzes, getreues 
und hochsinniges Geschlecht; sie hielten sich frei von Krämergeist und kleinbürgerlicher Eng— 
herzigkeit und lebten stolz wie die Edelleute auf ihrem Hofe zu Rosenfelde, — allezeit bereit. 
dem Vaterlande und der Vaterstadt mit ihren besten Kräften zu dienen. 
Es sind noch drei Geschlechtsfolgen der Reiche, mit welchen wir uns hier näher zu be— 
schäftigen haben. 
Die erste derselben wird durch Joachim J. Bernd's III. Sohn, vertreten. Derselbe muß 
1448, bei des Vaters Tode, noch ein ganz junges Kind gewesen sein; denn er verstarb erst 
im Jahre 1518. Noch heute hängt in unsrer Nikolaikirche sein schöner Wappenschild und 
sein Helm; eine Inschrift aber meldet: 
„Anno domini 1518 des Sonntags nach . . . . . . . ist gestorben der ehrbare Joachim 
Reiche der ältere, dem Gott gnädig und barmherzig sei.“ 
Er hatte den kleinen Altar in St. Nikolai gestiftet. Im Jahre vor seinem Tode 1517 
hatte er noch die Freude gehabt, seinen Sohn Joachim II. neben sich zum Bürgermeister er— 
hoben zu sehen. Allein ein solches Ereigniß war wider das Gewohnheitsrecht der Stadt 
Berlin, und der Kurfürst Joachim J. konnte die Wahl daher nicht bestätigen. Welche Ehre aber 
lag für den alten Herrn in diesem Beweise des Vertrauens, welches die Bürgerschaft den Reiche's 
entgegenbrachte! 
Joachim Reiche II. aber war Bürgermeister von 1526—1536. Er begleitete den Kur— 
fürsten Joachim J. als Rath auf fast allen seinen Reisen; „er ist getreu und gut,“ sagt eine 
alte Chronik, „auf vielen Landtagen und Heereszügen erfunden worden.“ Deshalb konnte er im 
Jahre 1521 auch jene „Ordnung“ entwerfen, nach welcher das Aufgebot der brandenburgischen 
Städte in Krieg und Frieden, „sitzen, gehen und reiten“ sollte! Wir haben uns diesen 
Joachim Reiche also als einen erusten, stattlichen Bürger vorzustellen, welchem die Rüstung 
nicht minder wohl anstand, als die Pelzschaube und das Zobelbarett. 
Auch Joachim II. ward in St. Nikolai bestattet. Ein schönes Bild, welches er gestiftet 
— 
.Anno domini 1540 Sonnabends nach Ostern ist im Herrn verschieden der ehrbare 
Joachim Reiche, der Aeltere, Bürgermeister zu Berlin. Desselben Seel' Gott gnädig und 
barmherzig sei“. 
In St. Nikolai aber stifteten ihm seine Söhne Hieronymus und Joachim ein noch vor— 
handenes, sehr schönes Epitaph von Marmor, Christus, den auten Hirten darstellend. Eine
	        
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