Path:
VII. Im Hause der Ryke

Full text: Aus Alt-Berlin / Schwebel, Oskar (Public Domain)

3 178 —E — 
Wir können uns diesen Erbsitz der Ryke in seiner ältesten Form nicht aunders als ein 
schlichtes, kleines Haus vorstellen. Von Holz und Fachwerk nur war dasselbe erbaut; aber 
doch trug es vielleicht schon den Schmuck von Schnitzereien, und über der Thür hing sicherlich 
ein weiß bemalter, dreieckiger Holzschild, auf welchem das alte Zeichen des Geschlechtes prangte. 
Es ist dasselbe ein keck sich aufrichtender, kohlschwarzer Steinbock mit überlangem Gehörn. 
Und wovon die Ryke lebten? — Nicht vom Handel oder Gewerbe, sondern, getreu ihrem 
Ursprunge, von der Landwirthschaft. Das Geschlecht besaß Grundbesitz, Einkünfte und Pacht— 
zinsen in Gersdorf, Drewitz, Kerzendorf, Janshagen, Wirichsdorf, Schmargendorf, Mahlow, 
Wesendahl, Weißensee, Rüdnitz, Werphul, Bredow, Dannewitz, Grünthal, Potsdam, das Schulzen— 
gut in Marienfelde, Einkünfte auch noch in Tempelhof und 10 Hufen in Schöneberg. Wahr— 
scheinlich bildete das Schulzengut in Marienfelde den ältesten Besitz der Ryke. Später er— 
warben diese überaus wohlhaben— 
den Bürger von der Stadt Berlin 
auch noch den Lehnsbesitz des gan— 
zen Dorfes Rosenfelde. Dort hielten 
im 15. und 16. Jahrhunderte einst 
die Ryke Haus; — ihr Gutshof ist 
das heutige Schloßgrundstück zu 
Friedrichsfelde; denn also ward im 
18. Jahrhunderte der ältere Dorf— 
name umgeändert. Reste des Wohn— 
sitzes der Ryke in Friedrichsfelde 
haben sich leider nicht mehr er— 
halten. 
Der Wohlstand und das An— 
sehen dieses Berliner Geschlechtes 
waren also sehr bedeutend. Und 
was uns noch mehr gilt: mit dem 
Sitze im Rathe vererbte sich in dem 
Hause der Ryke vom Vater auf den Sohn auch stets die treueste Anhänglichkeit an die Stadt 
Berlin, die Fähigkeit, deren Geschäfte zu führen, und die Opferwilligkeit, mit Gut und Blut 
für die Mitbürger einzutreten. Auch dafür hier einige Beispiele! 
Man schrieb das Jahr 1343. Über der Stadt Berlin lagerte dumpfe Schwüle; sie befaud sich 
nun schon seit 183 Jahren im Banne, weil anno 1325, in unheilvoller, zerspaltener Zeit, das kühne, 
dem deutschen Kaiser Ludwig dem Bayern treu ergebene Volk von Berlin in wilder Erreguug einen 
päpstlichen Parteigänger, den Propst Nikolaus von Bernau, in der Marienkirche erschlagen und 
auf dem Neuen Markte verbrannt hatte. Zu den Folgen des Bannes gehörte auch das Stocken 
jedweden Verkehres. Die Stadt sah sich deshalb genöthigt, einen ihrer Mitbürger, den Patrizier 
Bernd von Zuden, einen Doktor des geistlichen Rechtes, welcher vermuthlich in Italien oder 
in Frankreich studiert hatte, nach der päpstlichen Residenz Avignon zu senden, um die Auf— 
hebung des Bannes zu erwirken. Das Unternehmen kostete selbstverständlich erhebliche Geld— 
summen. Für die Erstattung derselben verbürgte sich Herrn Bernd von Zuden gegenüber auch 
ein Johannes Ryke. 
un⸗
	        
Top of page
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.