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V. Das "Hohe Haus" zu Berlin

Full text: Aus Alt-Berlin / Schwebel, Oskar (Public Domain)

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Es liegt uns fern, die Geschichte des Schwanenordeus hier darstellen zu wollen. Da er 
aber auf dieser stillen Stätte Alt-Berlins, 
auf Grund und Boden des heutigen Lagerhauses, 
Jeca:ct worden ist, so ist es uns eine Freude, dieser reinsten und hoheitsvollsten religiösen 
Vereinigung des Mittelalters hier wenigstens 
kurz gedenken zu dürfen. 
Die Zwecke der Ordensstiftung sind klar; 
-Friedrich wollte durch die Vereinigung seinen 
Adel zu wahrhaft edler Sitte erziehen; er sah 
in der herrlichen Kette des Ordens aber auch 
ein Band, das die Herzen seiner Unterthanen 
in der Mark mit ihm, dem Franken, fest ver— 
knüpfen sollte. Die Symbole des Ordens ent— 
sprechen völlig der mystischen Richtung der Seele 
dieses Fürsten. Die Kette besteht aus „Prem— 
sen“, — Marterwerkzeugen, welche angewendet 
wurden, um einem unglücklichen Opfer die 
Gebeine zu zerbrechen, — und diese „Premsen“ 
fassen mit ihren gezähnten Seiten — blutige 
Herzen! Es ist ein Symbol der Trübsal dieser 
Welt; — es ist eine Mahnung, das eigene 
Herz zu demüthigen, den eignen Willen zu 
bezwingen, — ein Sinnbild also der Buße! 
Daran das holde Bild der Jungfrau über dem 
Halbmonde mit der Inschrift: „Ave mundi 
domina!“, umgeben von der Aureole. St. Maria 
war in der That dem gläubigen Sohne des 
Mittelalters das reinste Ideal, — das Er— 
habenste, was je geschaffen worden, und es 
ist wahrhaft rührend, wie das deutsche Gemüth, 
— das tiefe Gemüth auch Friedrichs II. an 
diesem Ideale gehangen hat. Darunter der 
Schwan, der singend vom Leben scheidet, — 
wiederum ein Symbol der Reinheit, aber auch 
der Todesfreudigkeit! Die „Dwele“ endlich, die 
weiße Binde, welche den Schwan umzieht und 
an deren beiden Enden je fünf Glöckchen hangen: 
ein Bild des Gebetseifers und der Wachsamkeit! Nie ist ein schöner' Ordenszeichen erdacht 
worden, und bei dem poesievollen Sinne König Friedrich Wilhelms IV. war es für diesen 
Monarchen gradezu eine Nothwendigkeit, eine Wiedererweckung des Ordens zu versuchen, wie 
er dies in dem Patente vom Weihnachtsabende 1843 gethan hat. Unsere Abbildungen zeigen 
das Wappen von Brandenburg, umgeben von der Ordenskette, die Stickerei eines Meß— 
gewandes, welches sich jetzt im Antiguarium des Brandenburger Domes befindet und wahr—
	        
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