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V. Das "Hohe Haus" zu Berlin

Full text: Aus Alt-Berlin / Schwebel, Oskar (Public Domain)

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Burglehns erhielt der kurfürstliche Sekretarius Johann Brunner am Sonntage Laetare 
1487, „also, daß er deshalb keine Beschwerung haben oder tragen, allerlei bürgerliche Nah— 
rung und Handel darinnen und daraus treiben, auch fremdes Getränk einlegen möchte.“ Es 
ist dies das heutige Grundstück Klosterstraße 36. Nach ihm erscheinen als Besitzer dieses Hauses 
die sehr verdienten Grafen von Hohenstein, die Gebieter von Schwedt und Vierraden. Darum 
hatte dieses hochsinnige Herrengeschlecht, dessen Sinnesart stets frisch blieb wie die Luft seiner 
harzischen Heimat, drüben im grauen Kloster sich seine Gruft erkauft. Die Hohensteiner konnten 
das weitläufige Grundstück mit seinen Marställen u. dergl. recht wohl verwerthen. da sie einen 
'ast fürstlichen Hausstand und Hofhalt führten. 
Schon im Jahre 1508 aber erscheint ein Jakobus Wins als Besitzer dieses Burglehns. 
Von den Winsen nun ist gar viel zu sagen. Das Geschlecht soll aus der Stadt Winsen an 
der Lühe herstammen, und der erste Brandenburger Wins, Tömke genannt, soll im Jahre 1331 
am Cremmer Damme die Flucht des Markgrafen Ludwig geschützt und einen den Fürsten 
dedrohenden Pommer erschlagen haben. 
„Zu Boden stürzt der Pommer 
Vor dieses Strahles Wucht; 
So deckt am Cremmer Damme 
Der Wins Herrn Ludwigs Flucht. 
Zum Ritter ward geschlagen 
Der Wins an jenem Tag; 
Der Markgraf gab zurücke 
Ihm redlich Schlag für Schlag.“ 
—A 
auf dem Cremmer Damme von 1331 längst in das Reich der Fabeln und Märchen ver— 
wiesen hat. 
Zu Berlin erscheint dieses Rathsgeschlecht erst gegen das Jahr 1390. Nickel Wins, Raths— 
herr um 1410, war allerdings ein gar streitbarer Mann: doch das Geschick war ihm nicht 
eben hold. Wusterwitz erzählt: 
„Am Mittwoch vor Nativitatis Mariage hat Dietrich von Quitzow seine Reuter versammelt 
und sich vernehmen lassen, als wollt' er nach Preußen ziehen, dem Orden d'rin zu gute, ist 
aber vor Berlin kommen, in Meinung, die Sache bei'm Haupt anzufangen, und hat den 
Bürgern daselbst die Kühe und Schweine, ohne alle vorhergehende Entsagung weggetrieben 
und auf das Schloß Bötzow gebracht. Da ihm aber die Berlinischen nachgeeilet, hat er etliche 
rödtlich verwundet und sechzehn Namhaftige hinweggeführt, darunter ein fürnehmer Mann, 
mit Namen Nickel Wins, gewesen, welchen Dietrich mit den Füßen in harte, eiserne Fesseln 
zämmerlich und schändlich als den ärasten Dieb und Räuber. da er doch ein ehrlicher Mann 
var, setzen lassen.“ 
Der ritterliche Dietrich! Natürlich mußte sich der gefangene Rathsherr mit schwerem 
Belde loskaufen. 
Die späteren Winse widmeten sich entweder dem Rathsdienste in den beiden Städten 
Frankfurt an der Oder und Berlin oder sie lebten als freie Landsassen auf ihren Gütern, deren 
bedeutendstes das Dorf Birkenwerder im Norden von Berlin war. Einige Wins erscheinen 
auch als kurfürstliche Secretaxii. Unser Jakobus Wins aber war ein hochangesehner Consul; 
er hatte Grundbesitz zu Seeburg und Falkenberg. Auch seine Nachkommen wirthschafteten
	        
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