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V. Das "Hohe Haus" zu Berlin

Full text: Aus Alt-Berlin / Schwebel, Oskar (Public Domain)

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trieben oder er wich freiwillig aus dem warmen Neste der Heckelwerk. Grad' in jenen 
Dezembertagen aber war Friedrich der Eiserne zu Spandau angelangt. Am Donnerstage nach 
St. Nikolai (12. Dezember) 1447 stand Balthasar Boytin vor ihm; er verlangte von seinem 
Fürsten „feiliches“ d. h. sicheres Geleit, um nach Berlin zurückzukehren und dort entweder zu 
bleiben oder sein Hab' und Gut an Ort und Stelle zu verkaufen. 
Friedrich der Eiserne gewährte diese Bitte auch sofort; diese selbstherrlichen Ausweisungen 
Seitens der Stadträthe waren durchaus nicht nach seinem Sinne. Boytin suchte daher das 
freie und sichere Geleit auch bei den Bürgern nach; — wie aber sah er sich enttäuscht, als 
der Berliner Rath ihm zurückschrieb: 
„Lewe Balzer! Willtu din Gut verkopen oder verdrifen (hinwegführen), dat lieget an dy!“ 
Das hieß soviel als: „Wir stehen nicht für deine Sicherheit. Thue, was du willst!“ — 
Machtlos, unbeachtet also ver— 
hallte damals das Wort und der Be— 
fehl solch' eines Fürsten in Berlin! 
In der That hatten sich die 
Dinge bis zum Anbruche des Jahres 
1448 in verhängnißvollster Weise zu— 
gespitzt. Die Friedensaussichten, welche 
die Verhandlungen von Prenzlau er— 
öffnet hatten, waren trügerische ge— 
wesen: Friedrich der Eiserne bedurfte 
für das Jahr 1448 sogar noch stär— 
kerer Streitkräfte gegen die Pommern. 
Er stellte also nothgedrungen neue An— 
forderungen an die Opferwilligkeit auch 
von Berlin und Kölln. Die Bürger 
aber stutzten. 
„Sind wir zu solchen Leistungen 
etwa verpflichtet?“, so fragten sie sich. 
In des Rathes Keller an der Ecke der St. Jürgen- und der Spandauer Straße ging es scharf 
her. Wie erregte das starke Bier von Bernau und der feurige Wein von Rivoli die Geister! 
Nur höhnisch wurde des Kurfürsten gedacht; er ward „an Glimpf und Redlichkeit gar hart 
geschädigt; man ging des Ärgsten mit ihm um.“ Und er, — er weilte wieder in der Ferne! — 
Zündstoff war also in Fülle vorhanden; es bedurfte nur eines Funkens, um die Flammen 
hell auflodern zu iussen. Bald brach dann auch der „große Aufstand“ aus. 
Es muß im Januar 1448 gewesen sein. Der Schloßbau näherte sich seiner Vollendung. 
Der Schieferdecker Berthold von Daßleben hatte bereits den Auftrag erhalten, die Mauern und 
die runden Eckthürme des Kastells, welche drohend auf die beiden Städte und die Heerstraße 
nach Spandau hinabschauten, unter Dach und Fach zu bringen. Ein festes Schloß, ein 
„Twing-Berlin und -Kölln“, mußte indessen nothwendig auch einen Graben besitzen, welcher 
die Burg an den dreien, nicht von der Spree geschützten Seiten umzog, und dieser Graben 
konnte sein Wasser wiederum nur aus der Spree erhalten. Die Provisoren des Baues, Ulrich 
Zeuschel voran, ließen daher die Spree oberhalb des Burggrabens durch eine Arche stauen.
	        
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