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Volume Nr. 31, 30. Mai 1990

Full text: Amtsblatt für Berlin (Public Domain) Issue40.1990,2 (Public Domain)

1050 Steuer- und Zollblatt für Berlin 40. Jahrgang Nr. 31 30. Mai 1990 
mögen gehören; jedenfalls hat das FG zutreffend er- b) Auch bei Wirtschaftsgütern, bei denen erfahrungs- 
kannt, daß sie i. S. des 86 Abs. 1 Satz 1 und Abs.2 gemäß eine wirtschaftliche Abnutzung nicht eintritt, kann 
i. V.m. 87 Abs. 1 Satz 1 EStG nicht abnutzbar sind. nach der Rechtsprechung eine technische AfA zu 
berücksichtigen sein, wenn sie durch bestimmungsge- 
I. Einkommensteuer mäßen Gebrauch erfahrungsgemäß einer technischen 
1. Bei Wirtschaftsgütern des Anlagevermögens, deren Abnutzung im Sinne eines körperlichen Verschleißes 
Verwendung oder Nutzung durch den Steuerpflichtigen durch Gebrauch unterliegen (Urteil in BFHE 146, 76, 
sich erfahrungsgemäß auf einen Zeitraum von mehreren BStBIII 86, 355”; Meincke in Littmann/Bitz/Meincke, 
Jahren erstreckt, sind die Anschaffungskosten nach 86 2a. O., & 7 EStG Anm. 61a; Ehmcke in Blümich, Ein- 
Abs. 1 Satz 1. V. m. $ 7 EStG in Höhe der jährlichen AfA ED Körperschaftsteuergesetz, Ge- 
abziehbar. AfA ist allerdings bei körperlichen Gegenstän- Werbesteuergesetz, Kommentar, 13. Aufl, $7 EStG 
den nur möglich und denkbar, wenn sie abnutzbar Anm. 73; vgl. Klein, Finanz-Rundschau — FR — 1986, 
sind(BFH-Urteil vom 31. Januar 1986 VI R 78/82, BFHE 249; Heuer, Deutsches Steuerrecht‘ — DStR — 1983, 
146, 76, BStBI II ‘86, 355"). Gleichermaßen ist die Be- 356; kritisch Werndl in Kirchhof/Söhn, a.a.O., 87 
wertungsfreiheit nach 8 6 Abs. 2 EStG davon abhängig, Anm. A 249). 
daß abnutzbare bewegliche Wirtschaftsgüter des Anla- Beschränkt sich allerdings der körperliche Verschleiß 
gevermögens angeschafft worden sind. im wesentlichen auf geringfügige Umwelteinflüsse und 
a a x i 2 vollzieht sich die Abnutzung deshalb in so großen Zeit- 
Abnutzbar in diesem Sinne sind Wirtschaftsgüter, En ; h . 
wenn sich deren Nutzbarkeit durch den Steuerpflichtigen N  ShnI e N N NUT REURLET Ta nd Dr he 
Teak Wear EI um araB ar anoı MM ale technische ANA Im Hinbick auf he Gering 
begrenzten Zeitraum erstreckt (Herrmann/Heuer/Rau- FOOIOKEN A jeweiligen VeranlagunQSzeitaum Siehe 
h. Einkommensteuer: und Körperschaftstelergeselz lich vernachlässigt werden. Solche Wirtschaftsgüter sind 
Pat eb  nUeSCtzen PR KoMmerlar. 9 Aufl, 8 DES 6 deshalb nicht abnutzbar i. S. der 88 6 und 7 EStG (Urteile 
. A A f in BFHE 124, 172, BStBI II 78, 164%; in BFHE 146, 76, 
Abel a AA ES An SO Warn BStBI 11 1986, 355”; ebenso Meincke in Littmann/Bitz/ 
in Kirchhof/Söhn, Einkommensteuergesetz, Kommentar, MA © ya do: Gen En 0RS S NS 
8 7 Anm. A 248). Wirtschaftliche oder technische Abnut- „54. vgl. Heuer in DStR 1983 356) So sind z.B Kunst. 
zung sind dabei jeweils für sich zu beurteilen und berech- gegenstände, die in Räumen aufbewahrt und in der Regel 
tigen jeweils für sich gesehen zur AfA (Urteil in BFHE 146, sachgemäß behandelt werden, nach der Rechtspre- 
76, BStBI IL 1986, 355"; vgl. auch $7 Abs. 1 Satz5 chung keine abnutzbaren Wirtschaftsgüter i. S. der 88 6 
EStG). und 7 EStG (Urteile in BFHE 124, 172, BStBI II_78, 164%; 
a) Einerwirtschaftlichen Abnutzung unterliegen in BFHE 146, 76, BStBl II 1986, 355"). 
Wirtschaftsgüter, wenn deren wirtschaftliche Verwend- Diese Grundsätze gelten (entgegen der Auffassung 
barkeit für den Steuerpflichtigen zur Erzielung von Ein- des Klägers in gleicher Weise auch) für Gebrauchsge- 
künften — unabhängig von deren materiellem Verschleiß genstände, wenn sie nicht dem Gebrauch entsprechend 
(technischer Abnutzung) — erfahrungsgemäß zeitlichbe- ihrer jeweiligen Bestimmung, sondern wie Kunstgegen- 
schränkt ist (vgl. Urteil des A DEE Ka — RFH n stände in'erster Linie als Sammlungs- und Anschauungs- 
vom 12. Dezember 1928 VI A 274/28, RStBI 1929, 87). objekte dienen. 
Wirtschaftsgüter, deren Wertschätzung weder von deren Das FG ist di Grundsät 
bestimmungsgemäßer Verwendbarkeit zur Erzielung von 85 182 von diesen STUNdSSIZEN aUSBEBANGSN: 
Einkünften noch vom Wandel des Zeitgeschmacks ab- 2. Ob im Einzelfall Wirtschaftsgüter einer wirtschaftli- 
hängig sind, wie beispielsweise Kunstgegenstände, de- chen oder technischen Abnutzung unterliegen, ist Tat- 
ren Wert erfahrungsgemäß ständig steigt, sind nicht ab- frage (vgl. BFH-Urteile vom 28. September 1971 
nutzbar in diesem Sinn. Bei ihnen kommt nach der Recht- VIll R.73/68, BFHE 103, 468, BStBI II_72, 176”; in BFHE 
sprechung deshalb eine AfA wegen wirtschaftlicher Ab- 146, 76, BStBI Il 86, 355"). Der BFH als Revisionsge- 
nutzung in der Regel nicht in Betracht (BFH-Urteile vom richt ist hierbei an die tatsächlichen Feststellungen des 
2. Dezember 1977 Il R 58/75, BFHE 124, 172, BStBIII FG gebunden, soweit in bezug auf diese keine zulässigen 
(978, 164%; in BFHE 146, 76, BStBI II_86, 355”; BFH- und begründeten Verfahrensrügen geltend gemacht wor- 
Beschluß vom 2. September 1988 Ill B 31/88, BFH/NV den sind ($ 118 Abs. 2 FGO). Die Vorentscheidung läßt 
1989, 129). Dabei ist unerheblich, ob der Wert der einzel- anhand der tatsächlichen Feststellungen keine Rechts- 
nen Wirtschaftsgüter den für die Inanspruchnahme der fehler erkennen. 
Bewertungsfreiheit gemäß $ 6 Abs. 2. EStG maßgebli- San 
chen Betrag überschreitet oder nicht. Diese Grundsätze V S Te Abe FOOT ahanaen EEE Un 
gelten entgegen der Auffassung des Klägers in gleicher sich bei den Wirtschaftsgütern der Sammlung um histo- 
Weise für Gebrauchsgegenstände, jedenfalls dann, wenn tische. berufsspezifische Objekte. deren Wer SCHSL 
sie allein wegen ihres Alters und ihrer berufshistorischen ir on ve SP deren N en od ei Er 
Bedeutung, nicht jedoch wegen ihrer funktionsspe- kenntnissen ran EN Sn - DISC d SR. 0067 es rn 1 
zifischen rentierlichen Nutzbarkeit ‚angeschafft und h K bh „VON VErANGETUNGEN: GES eitge- 
dem Zeitgeschmack enthoben sind, weil sie als Gegen- SCMACKS aPhäNgIG IST, deren Wer vielmehr ausSSChNEß- 
stände von historischem Wert, mithin als Sammlungsob- lich von Alter, Seltenheit und Bedeutung in der jeweiligen 
jekte, erfahrungsgemäß keinem Wertverzehr unterliegen Zeit der Herstellung oder Nutzung der Gegenstände be- 
(vgl. Urteil in BFHE 146, 76, BStBI II 1986, 355). stimmt wird. Die Annahme, daß erfahrungsgemäß histo- 
x ’ rische Objekte, die Gegenstände des Sammlungsinter- 
1) StZBl. Bin. 1986 S. 1588 Te TE 
2) StZzBl. Bin. 1978 S.1037 3) StıZBl. Bin. 1972 S.823 
160
	        
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