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Volume Nr. 81, 29. Dezember 1989

Full text: Amtsblatt für Berlin (Public Domain) Issue39.1989,2 (Public Domain)

Steuer- und Zollblatt für Berlin 39. Jahrgang Nr. 8129. Dezember 1989 
wie z. B. die Höhe des Erstattungsbetrags, die Tatsache, ‘ matik: des Anscheinsbeweises, Versicherungsrecht 
daß sie, die Kläger, in den Jahren bis zur erstmaligen — VersR — 1980, 1091, 1092, m. w. N. der Rechtspre- 
Geltendmachung der Erstattung hohen finanziellen Bela- chung). 
SEE A ECTS TO ET a0 a) Der Beweis des ersten Anscheins beruht auf der 
N EN En On ner  Lebenserehnun dafür. daß sie vom Anwendung allgemeiner Erfahrungssätze, denen bereits 
Pp!  inalichen Einkommensteuerb N chei d 1975 und der das Reichsgericht (RG) die Qualität von durch das Revi- 
ion aus  ruebencen Erstattung nichts gewußt hätten. el Ab N OT O0. re in 
a ; - REDE rteil vom 7. Mai . ‚ 70). Das Tat- 
Sie wür er Sen One Oder Ka En En '”  sachengericht subsumiert bei der Anwendung der Re- 
Sehe Sr uerDesc En och Des dem. Ar Enns )e- geln dieses Beweises den Sachverhalt ebenso unter die 
scheid erkennbar gewesen. Auch habe ihr steuerlicher ES N EHER SUDETS (BGEE URGlr om aba 
Berater sie bei Abgabe der Einkommensteuererklärung por 4952 | ZR 322/51, BGHZ 7, 198, 200f.). Die Grund- 
En de en die RN infor NOS sätze des Anscheinsbeweises enthalten demnach mate- 
CS ic N  dichs N Versichen er aber GER En der riell-rechtliche Zurechnungsregeln (Diederichsen, Zur 
Ursprühgliche  inkommensteverbescheid nicht zugegan- oe M d en den N BE DO iS 
a ardr aD Cr ast und Anscheinsbeweis, Vers ; ; ; Gre- 
rn m Om REKEN N U Dan of ger, a. a. O., S. 1102). Der Anscheinsbeweis ist keine rei- 
rstattungsanSpruch auch nic EN S 9 ne Beweiswürdigungsregel, mit ihm wird nicht lediglich 
das frühere Geschäftskonto erloschen. eine — nicht revisible — Tatsachenfeststellung getrof- 
Il fen, sondern eine juristische Wertung vorgenommen 
. (Kollhosser, Anscheinsbeweis und freie richterliche Be- 
Die Revision ist begründet. Sie führt zur Aufhebung der weiswürdigung, Archiv für die civilistische. Praxis 
Vorentscheidung und. Zurückverweisung der Sache an — AcP —, 165, 46, 63). Die richtige Anwendung der 
das FG. Grundsätze des Anscheinsbeweises ist daher vom Revi- 
4: Der Ansbiuch der Kläger nach 8 36 Abs. 4‘ Satz 2 sionsgericht von Amts wegen zu überprüfen (Senatsurteil 
« - in BFH/NV 1987, 728, 731). 
EStG auf Erstattung der Einkommensteuervorauszahlun- ) 
gen 1975 entstand mit Ablauf des Veranlagungszeit- b) Der Anscheinsbeweis kommt auch im finanzgericht- 
raums 1975. Dieser Anspruch ist möglicherweise bereits lichen Verfahren in Betracht (Senatsurteil in BFH/NV 
durch die Überweisung des Guthabens auf das frühere 1987, 728, 731; BFH-Urteil vom 13. November 1979 
Geschäftskonto des Klägers (Zahlung i.S. von 8224 VIII R 93/73, BFHE 129, 53, BStBI II 80, 69%; Senatsur- 
teil vom 10. November 1987 VIIR 171/84. BFHE 151, Er ist aber für den nach $ 122 Abs. 2 AO 1977 von der 
eil vom 10. November ; ; r ist aber für den nac! S. von der 
123, BStBI II 88, 412). In diesem Fall hätte im Zeitpunkt _Finanzbehörde im Zweifel nachzuweisenden Zugang ei- 
des von der Vorinstanz angenommenen Verjährungsfrist- nes schriftlichen Steuerverwaltungsaktes nicht anwend- 
ablaufs — 31. Dezember 1982 — kein Erstattungsan- bar. 
spruch der Kläger mehr bestanden. Die zur Beantwor- D x x iS beruht auf dem Resü 
tung dieser Frage notwendigen Feststellungen hat das . Der EN N Cr tab em ken 
FG jedoch nicht getroffen. Die revisionsrechtliche Über- Z% reicher a er arar Ss e ES OCE VON En ennt- 
prüfung der Vorentscheidung muß sich also auf die vom MSSEH CINET SEGEN Za von N Made die sie bei Te 
FG angenommene Verjährung des Erstattungsanspruchs SSNsgleichen Ereignissen immer wieder gewonnen ha- 
3 ben. Diese wesensgleichen Ereignisse müssen serien- 
BESChTSKEN; mäßig typisch gleich verlaufen. Wo sich ein rechtlich zu 
2. Die Vorentscheidung beruht auf der für die Entschei- beurteilendes Geschehen immer wieder gleicht oder sich 
dung des’ Rechtsstreits ausschlaggebenden Feststel- ähnliche Verbindungen von Ursache und Wirkung stän- 
lung, der Einkommensteuerbescheid 1975 vom 8. Febru- dig zeigen, wird der Richter kraft sich stetig wiederholen- 
ar 1977 sei den Klägern auch in diesem Jahr zugegan- der Lebenserfahrung von einem feststehenden Ereignis 
gen, wodurch mit Ablauf des Jahres 1977 die Verjäh- auf ein anderes Schließen, weshalb im allgemeinen‘ von 
rungsfrist zu laufen begonnen und nach fünf Jahren „typischen Geschehensabläufen“ gesprochen wird (San- 
(8 228 AO 1977), also mit Ablauf des Jahres 1982, geen- den, Der prima-facie-Beweis in der Verkehrsrechtspre- 
det habe. Da die Kläger den Zugang des Steuerbe- chung des BGH und seine Ausstrahlung auf die Haft- 
scheids bestritten haben, hat das FG diese Frage unter pflichtschäden, VersR 1966, 201). So beruht der An- 
Heranziehung der Grundsätze über den Anscheinsbe- _scheinsbeweis letztlich auf der Erfahrung, daß gewisse 
nes Da Uan De ES Ne PER” sans SED Tan N alas N aen en En 
eweis) zuungunsten der Kläger entschieden. Es hat da- aß umgeke! estimmte Folgen auf einen typischen 
bei jedoch die Grundsätze des Anscheinsbeweises ver- OGeschehensablauf hindeuten (BVerwG-Urteile in Buch- 
kannt, deren Einhaltung vom Revisionsgericht zu über- holz, a. a. O., und vom 26. Mai 1966 II C 11.63, Buch- 
prüfen B ON vieler: Urteil des Bundesverwaltungsge- holz, 310,8 86 VwGO Anhang Nr. 34, jeweils m. w. N. der 
Boah En et vom NEST OS IE ne ar EEE CT Hartmann in Baumbach/Lauterbach/ 
uchholz, Sammel- und Nachschlagewerk der Recht- ers/Hartmann, Zivilprozeßordnung, 46. Aufl., 8 286 
sprechung des Bundesverwaltungsgerichts, 310, 886 Anhang 3 B; Tipke/Kruse, Abgabenordnung-Finanzge- 
VwGO Anhang Nr. 37; Urteile des Bundesgerichtshofs richtsordnung, 12. Aufl., 8 96 FGO Anm. 11). Der Beweis 
— BGH — vom 18. Dezember 1952 VI ZR 54/52, BGHZ des ersten Anscheins enthält eine Anwendung von Erfah- 
8, 239; vom 24. Oktober 1955 II ZR 345/53, BGHZ 18, rungsregeln auf einen bestimmten Geschehensablauf in 
311, 318; Senatsurteil vom 13. Januar 1987 VIER 10/84, dem Sinne, daß bei einem feststehenden typischen Ge- 
BFH/NV 1987, 728, 731; Greger, Praxis und Dog- _schehensablauf und nach den Erfahrungen des Lebens 
2) sızal. Bin. 1988 5.1075 3) SıZBl. Bin. 1980 S.651 
180
	        
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