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Volume Nr. 56, 4. Oktober 1988

Full text: Amtsblatt für Berlin (Public Domain) Issue38.1988,2 (Public Domain)

1948 Steuer- und Zollblatt für Berlin 38. Jahrgang Nr. 56 4. Oktober 1988 
lediglich auf einem strikten Nachweis dieser Aufwen- des Bundesrates entsprachen; erreicht werden sollte da- 
dungen bestanden. Diesem Begehren hätte das FG nach mit die „Anpassung der Freibeträge an die Verhältnisse 
den Regeln des prima-facie-Beweises (s. hierzu näher des Wohnsitzstaates, wie dies bereits in 8 33a Abs. 1 
List in Hübschmann/Hepp/Spitaler, Kommentar zur Ab- Satz 4 EStG für den Abzug von Unterhaltsleistungen ge- 
gabenordnung und Finanzgerichtsordnung, 8. Aufl., $ 98 regelt ist“ (so die Begründung zu Nr. 9 — 8 33a — von 
FGO Anm. 6ff., mit zahlreichen Hinweisen)’aber nur dann Art. 25 des Gesetzentwurfs, BT-Drucks. 9/971 S. 88). 
entsprechen müssen, wenn das FA die ernsthafte Mög- Bereits diese Entstehungsgeschichte spricht dagegen, 
lichkeit eines im Streitfall atypischen Geschehensablau- daß die Freibeträge auch schon für frühere Veranla- 
fes dargelegt hätte (s. auch das BFH-Urteil vom 13. No- gungszeiträume zu kürzen wären und 8 33a Abs.2 
vember 1979 VIll R 93/73, BFHE 129, 53, BStBI II 1980, Satz 3 EStG 1981 nur klarstellende Wirkung zukommen 
691); desgleichen Söhn in Hübschmann/Hepp/Spitaler, Könnte. 
a. a..O., 888 AO 1977 Anm. 77). Das war jedoch nicht Eine analoge Anwendung des 8 33a Abs. 1 Satz 4 
der Fall. Ein entsprechend atypischer Geschehensablauf EStG 1979 oder ein Rückgriff auf die dieser gesetzlichen 
ist auch für den Senat nicht ersichtlich. Fixierung vorangegangene Rechtsprechung des BFH 
Dieser Würdigung steht 8 90 Abs. 2 AO 1977 nicht ent- ETUI Er das Urteil "vom: 20. SEN NOTE 
gegen. Die Vorschrift gilt gemäß 8 76 Abs. 1 Satz 4 FGO ich ab 76:5 HE 124,505; En 178,3420) verbietet 
zwar auch im FG-Verfahren.. Doch beseitigt sie nicht den 8 Ne dr be it. Dan Ja SS 
Untersuchungsgrundsatz und den Grundsatz der freien Schü Hohe u Ss Sn CHI DE le S 1cot he Mer GNS 
Beweiswürdigung einschließlich der übrigen allgemeinen USCrUCKliche un absch jeßen © gesetzlic ES Regelung 
Beweisregeln (s. auch Tipke/Kruse, Abgabenordnung- vor, daß die Kürzung der Ausbildungsfreibeträge für nicht 
Finanzgerichtsordnung, 12. Aufl., 890 AO 1977 Tz. 6 unbeschränkt einkommensteuerpflichtige Kinder gemäß 
Abs. 8). Das FA übersieht insbesondere, daß $ 90 Abs. 2 5999 w6, ® Satz 9 ESIG erst eg 
AO 1977 erst eingreifen kann, wenn ein tatsächlicher Vor- aUm d CE n ENT Wie bo ee er Wi : Halb- 
gang überhaupt beweisbedürftig ist. Daran fehlt es im RA DE rn ZeS Ol N x. ES ES 
Streitfall jedoch wegen des oben dargestellten Rückgriffs hal SC 0: DE un Der ba Ka 198 en der 
auf die allgemeine Lebenserfahrung (s. hierzu näher Tip- ES VOM 95) EZEeMDET ( BR nn 
ke/Kruse, a. a. O., 881 FGO Tz. 2 und 3). BStBl 1.82, 97 = 8 52 Abs. 25 Satz 1 EStG 1983) Ist 
; nämlich bestimmt, daß 8 33a Abs. 2 Sätze 2 bis 7 EStG 
Der Senat weicht mit seiner Auffassung schließlich erstmals für den Veranlagungszeitraum 1982 anzuwen- 
auch nicht von den BFH-Urteilen VIR 62/80 und den ist. Damit ist gesetzlich ausdrücklich geregelt, daß 
VIR 205/79 (n. v.) ab. Denn dort hatte die Vorinstanz die durch das 2. HStruktG eingeführte Kürzung der Aus- 
in keinem Fall Feststellungen zur Lernmittelfreiheit ge- bildungsfreibeträge für Auslandsaufwendungen erstmals 
troffen. für den Veranlagungszeitraum 1982 anzuwenden ist. Die- 
b) Daß im Streitfall nicht feststeht, wie hoch die vom N UCH Ur Kürten em m a 
Kläger für seine Tochter getragenen Aufwendungen wa- ESIG für Ausland 9 twend ina in Kennini d 
ren, ist nicht entscheidend. $& 33a Abs. 2 EStG ist eine 1979 en cher 9 Abs Da t ge 
typisierende Regelung. Der Ausbildungsfreibetrag wird, ESIG in Kenn der Ch DrSCHUn des BEE in  BEHE 
wenn Aufwendungen dieser Art überhaupt angefallen 124 505 BStBI II 78, 3424 und N reheson dere auch in 
sind, unabhängig davon gewährt, wie hoch die tatsächli- Kenntnis der speziell die Kürzun von Auslandsaufwen- 
chen Aufwendungen des Steuerpflichtigen waren (s. zu- dungen i. S. von 8 33a Abs. 2 N Keic betreffenden Ent- 
letzt BFH-Urteil vom 7. März 1986 IILR 177/80, BFHE heid ; d FG Nürnb Te EFG 1980, 602 
146, 386, BStBI II 86, 5542), Abschn. 3b, bb der Ent- Scheidung des MINDEST N „906: 
scheidungsgründe). Scheidet im Hinblick auf die ausdrücklich abweichen- 
N 5 de gesetzliche Regelung des 8 33a Abs. 2 EStG 1979 
2. Zutreffend hat das FG dem Kläger den Freibetrag eine analoge Anwendung des & 33a Abs. 1 Satz’4 EStG 
auch in voller Höhe von 1800 DM gewährt. auf 8 33a Abs. 2 EStG für Veranlagungszeiträume vor 
Der Senat folgt nicht der verschiedentlich vertretenen 1982 wegen Fehlens einer Gesetzeslücke aus (s. hierzu 
Auffassung, die Freibeträge nach 8 33a Abs. 2 Satz1 z.B. den Beschluß des BFH vom 21. November 1983 
EStG seien bei einer Ausbildung im Ausland auch schon GrS 2/82, BFHE 140, 50, BStBII 84,160%,  Ab- 
für das Streitjahr 1980 entsprechend & 33a Abs. 1 Satz4 Schnitt C 1 2b, ee der Entscheidungsgründe), käme nur 
EStG zu kürzen (so z. B. Schmidt/Drenseck, Einkom- eine Auslegung des $ 33a Abs. 2 EStG 1979 entgegen 
mensteuergesetz, 4. Aufl., & 33a Anm.4c; Sunder- dem Wortlaut dieser Vorschrift in Betracht. Die engen 
Plassmann, a. a. O., 8 33a Anm. 72; auch Urteil des FG Voraussetzungen, unter denen die Rechtsprechung des 
Nürnberg vom 10. Juli 1980 VI 339/78, Entscheidungen BFH die Auslegung einer Vorschrift gegen den Wortlaut 
der Finanzgerichte — EFG — 1980, 602). a con Ö ana den Ten a 
Eine ausdrückliche gesetzliche Verpflichtung zur Kür- N Un 2000, N BEE 11 a 57. BStBII 75, 4 m wei: 
zung besteht erstmals für den Veranlagungszeit- {oran Hinweisen; ebenso Tipke/Kruse, a. a. O., 84 AO 
Pen re ea BET ne BR NE ee Tz. LE ae RES u Te nn 
; . . gen auch, daß die Finanzverwaltung das Urteil des 
ne HS en DE LEMER OUT EOS TEL Nürnberg in EFG 1980, 602 ausdrücklich für über den 
1523, BStBI | 82, 2353). Sie geht zurück auf eine ge- DER Human ad SD OO BE BE 
meinsame Beschlußempfehlung des Haushalts- und des 1981, StEK EStG 8 33a Abs. 2 Nr. 26). . 
Finanzausschusses, die wiederum einer Prüfungsbitte 
4) StZBl. Bin. 1978 S. 1423 
3 SEE ln 1908 S 030 5 Bl al y0dg a Ti00 9 909 SM 
 GVEL.S 1590 ; StZBl. Bin.. 1982 S. 366 7) StZBl. Bin. 1975 S.997
	        
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