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Volume Nr. 38, 20. Juli 1988

Full text: Amtsblatt für Berlin (Public Domain) Issue38.1988,2 (Public Domain)

Steuer- und Zollblatt für Berlin 38. Jahrgang Nr.38 20. Juli 1988 1183 
gabe ihres Werts genau zu verzeichnen sind (BFH-Beschluß vom 23. 6. 1971 — BStBl Il 
S.709)%, ist auf Grund einer körperlichen Bestandsaufnahme (Inventur) zu erstellen; 
| 8241 Abs. 1 HGB und Abschnitt 36 Abs. 4 bleiben unberührt. °Die Inventur für den Bilanzstich- 
tag braucht nicht am Bilanzstichtag vorgenommen zu werden. 4Sie muß aber zeitnah — in 
der Regel innerhalb einer Frist von zehn Tagen vor oder nach dem Bilanzstichtag . — 
durchgeführt werden. 5Dabei muß sichergestellt sein, daß die Bestandsveränderungen zwi- 
Sn schen dem Bilanzstichtag und dem Tag der Bestandsaufnahme anhand von Belegen oder 
@ 8X Aufzeichnungen ordnungsgemäß berücksichtigt werden. Können die Bestände aus besonde- 
ren, insbesondere klimatischen Gründen, z. B. Schneefall bei Lagerung im Freien, nicht zeit- 
nah, sondern erst in einem größeren Zeitabstand vom Bilanzstichtag aufgenommen werden 
so sind an die Belege und Aufzeichnungen über die zwischenzeitlichen Bestandsveränderun- 
gen strenge Anforderungen zu stellen. 
+ (2) 'Auf Grund des 8.241 Abs. 2 HGB kann das Inventar für den Bilanzstichtag auch ganz 
oder teilweise auf Grund einer permanenten Inventur erstellt werden. ?Der Bestand für 
den Bilanzstichtag kann in diesem Fall nach Art und Menge anhand von Lagerbüchern (La- 
gerkarteien) festgestellt werden, wenn die folgenden Voraussetzungen erfüllt sind: 
1. In den Lagerbüchern und Lagerkarteien müssen alle Bestände und alle Zugänge und Ab- 
gänge einzeln nach Tag, Art und Menge (Stückzahl, Gewicht oder Kubikinhalt) eingetragen 
werden. 2Alle Eintragungen müssen belegmäßig nachgewiesen werden. 
2 1Hn jedem Wirtschaftsjahr muß mindestens einmal durch körperliche Bestandsaufnahme 
geprüft werden, ob das Vorratsvermögen, das in den Lagerbüchern oder Lagerkarteien 
ausgewiesen wird, mit den tatsächlich vorhandenen Beständen übereinstimmt (BFH-Urteil 
vom 11. 11. 1966 — BStBI 1967 Ill S.113)2. 2Die Prüfung braucht nicht gleichzeitig für alle 
Bestände vorgenommen zu werden. °Sie darf sich aber nicht nur auf Stichproben oder die 
Verprobung eines repräsentativen Querschnitts beschränken; die Regelung in 8241 Abs. 1 
HGB bleibt unberührt. *Die Lagerbücher und Lagerkarteien sind nach dem Ergebnis deı 
Prüfung zu berichtigen. SDer Tag der körperlichen Bestandsaufnahme ist in den: Lagerbü- 
chern oder Lagerkarteien zu vermerken. 
„ 1Über die Durchführung und das Ergebnis der körperlichen Bestandsaufnahme sind Auf- 
zeichnungen (Protokolle) anzufertigen, die unter Angabe des Zeitpunkts der Aufnahme von 
den aufnehmenden Personen zu unterzeichnen sind. 2Die Aufzeichnungen sind wie Han- 
delsbücher zehn Jahre aufzubewahren. 
(3) 'Nach 8 241 Abs. 3 HGB kann die jährliche körperliche Bestandsaufnahme ganz oder 
teilweise innerhalb der letzten drei Monate vor oder der ersten zwei Monate nach dem Bi- 
lanzstichtag durchgeführt werden. Der dabei festgestellte Bestand ist nach Art und Menge in 
einem besonderen Inventar zu verzeichnen, das auch auf Grund einer permanenten Inventur 
(vgl. Absatz 2) erstellt werden kann. °Der in dem besonderen Inventar erfaßte Bestand ist auf 
den Tag der Bestandsaufnahme (Inventurstichtag) nach allgemeinen Grundsätzen zu bewer- 
ten. “Der sich danach ergebende Gesamtwert des Bestands ist dann wertmäßig auf den Bi- 
lanzstichtag fortzuschreiben oder zurückzurechnen. Der Bestand braucht in diesem Fall — 
im Gegensatz zur Inventur nach den Absätzen 1 und 2 — auf den Bilanzstichtag nicht nach 
Art und Menge festgestellt zu werden; es genügt die Feststellung des Gesamtwerts des Be- 
stands auf den Bilanzstichtag. Die Bestandsveränderungen zwischen dem Inventurstichtag 
und dem Bilanzstichtag brauchen ebenfalls nicht nach Art und Menge aufgezeichnet zu wer- 
den. 7Sie müssen nur wertmäßig erfaßt werden. ®Das Verfahren zur wertmäßigen Fortschrei- 
bung oder Rückrechnung des Gesamtwerts des Bestands am Inventurstichtag auf den Bilanz- 
stichtag muß den Grundsätzen ordnungsmäßiger Buchführung entsprechen. °Die Fortschrei- 
bung des Warenbestands kann dabei nach der folgenden Formel vorgenommen werden, 
wenn die Zusammensetzung des Warenbestands am Bilanzstichtag von der des Warenbe- 
stands am Inventurstichtag nicht wesentlich abweicht: Wert des Warenbestands am Bilanz- 
stichtag = Wert des Warenbestands am Inventurstichtag zuzüglich Wareneingang abzüglich 
Wareneinsatz (Umsatz abzüglich des durchschnittlichen Rohgewinns). '°Voraussetzung für 
die Inanspruchnahme von steuerlichen Vergünstigungen, für die es auf die Zusammensetzung 
der Bestände am Bilanzstichtag ankommt, wie z. B. bei der Bildung der Preissteigerungsrück- 
I lage nach 8 74 EStDV, bei der Bewertung nach 8 74a EStDV oder bei dem Bewertungsab- 
schlag für bestimmte Importwaren nach 8 80 EStDV, ist jedoch, daß die tatsächlichen Bestän- 
de dieser Wirtschaftsgüter am Bilanzstichtag durch körperliche Bestandsaufnahme oder 
durch permanente Inventur nachgewiesen werden. 
(4) Die Erleichterungen der Absätze 2’und 3 gelten nicht 
ı. für Bestände, bei denen durch Schwund, Verdunsten, Verderb, leichte Zerbrechlichkeit 
oder ähnliche Vorgänge ins Gewicht fallende unkontrollierbare Abgänge eintreten, es sei 
denn, daß diese Abgänge auf Grund von Erfahrungssätzen schätzungsweise annähernd 
zutreffend berücksichtigt werden können; 
1) StZBl. Bin. 1972 S. 433 
2) StZBl. Bin. 1967 S.510
	        
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