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Volume Nr. 38, 20. Juli 1988

Full text: Amtsblatt für Berlin (Public Domain) Issue38.1988,2 (Public Domain)

Steuer- und Zollblatt für Berlin 38. Jahrgang XNr.38 20. Juli 1988 1307 
Künstler geschaffene Werk für sich, sondern die gesamte von ihm im VZ ausgeübte Tätigkeit 
zu würdigen (BFH-Urteile vom 20. 2. 1958 — BStBI Ill S.182” und vom 11. 7. 1960 — BStBI Ill S. 
453) 2). Im übrigen ist aber bei der Entscheidung der Frage, ob ein bisher freiberuflich Tätiger 
Gewerbetreibender wird, nicht auf die möglicherweise besonders gelagerten Umstände eines 
einzelnen VZ abzustellen, sondern zu prüfen, ob die allgemeine Tendenz zur Entwicklung ei- 
nes Gewerbebetriebs hingeht (BFH-Urteil vom 24. 7. 1969 — BStBI 1970 II S. 86)®. 7Die Frage. 
. ob eine Tätigkeit künstlerische Qualitäten aufweist, läßt sich im allgemeinen nicht ohne be- 
A Eu sondere Sachkunde beantworten. ®Das trifft insbesondere für die Fälle im Grenz- und Über- 
gangsbereich zwischen künstlerischer und nicht künstlerischer Arbeit zu (vgl. BFH-Urteil vom 
19. 6. 1968 — BStBI II S.543)%®. °Auch die beratende Tätigkeit eines im übrigen als Künstler 
anerkannten Modeschöpfers kann künstlerisch sein, wenn die gedankliche Leistung des 
Beraters sich in der Gestaltung der Erzeugnisse des Beratenen niederschlägt (BFH-Urteil vom 
2. 10. 1968 — BStBI 1969 II S.138)5. 1°Künstlerisch ist ebenfalls die Tätigkeit eines Kunst- 
handwerkers, der von ihm selbst entworfene Gebrauchsgegenstände herstellt (BFH-Urteil 
vom 26. 9. 1968 — BStBI 1969 II S.70)9. '!Eine künstlerische Tätigkeit liegt in der Regel vor, 
wenn ein Synchronsprecher an der Synchronisierung ausländischer Spielfilme mitwirkt 
(BFH-Urteile vom 3. 8. 1978 — BStBI 1979 II S.1317 und vom 12. 10. 1978 — BStBI 1981 II 
S. 706) ®. 1'2Rundfunksprecher entfalten in der Regel keine künstlerische Tätigkeit (BFH-Urteile 
vom 20. 6. 1962 — BStBl Ill S. 385% und vom 24. 10. 63 — BStBI Ill S.589)!%. 13Darbietungen ei- 
nes Tanz- und Unterhaltungsorchesters stellen eine künstlerische Tätigkeit dar, wenn 
sie einen bestimmten Qualitätsstandard erreichen..'*Dabei kommt es in erster Linie auf die bei 
den Darbietungen sich erweisenden Fähigkeiten der Orchestermitglieder als Musikinterpreten 
an (BFH-Urteil vom 19. 8. 1982 — BStBl 1983 II S.7)!. 1Wegen der steuerlichen Beurteilung 
der von Fall zu Fall zusammengestellten Kapellen bei Darbietungen unterhaltender Art ein- 
schließlich Tanzmusik im Rundfunk und für Schallplattenaufnahmen vgl. auch. BFH-Urteil vom 
3. 11. 1955 (BStBI 1956 Ill S.112)12, bei Musikkapellen in Gaststätten vgl. BFH-Urteil vom 10. 9 
1976 (BStBl 1977 II S.178)13. 1°Da die künstlerische Tätigkeit in besonderem Maße persönlich- 
keitsbezogen ist, kann sie als solche nur anerkannt werden, wenn der Künstler auf sämtliche 
zur Herstellung eines Kunstwerks erforderlichen Tätigkeiten den entscheidenden gestalten- 
den Einfluß ausübt (BFH-Urteil vom 2. 12. 1980 — BStBI 1981 II S.170)19.17Zu der Frage, wann 
schriftstellerische Tätigkeit bei einem Werbeschriftsteller anzunehmen ist, sind in dem 
BFH-Urteil vom 14. 5. 1958 (BStBl Ill S.316)1# Abgrenzungsmerkmale enthalten. 
(6). 'Betreibt ein Arzt ein Krankenhaus, so liegt eine freiberufliche Tätigkeit vor, wenn es 
ein notwendiges Hilfsmittel für die ärztliche Tätigkeit darstellt und aus dem Krankenhaus ein 
besonderer Gewinn nicht angestrebt wird (vgl. RFH-Urteil vom 15. 3. 1939 — RStBI S. 853). 
2Entsprechendes gilt hinsichtlich einer von einem Arzt oder von einem Heilpraktiker, Kran- 
kengymnasten, Heilmasseur betriebenen medizinischen Badeanstalt (vgl. BFH-Urteil vom 
26.11. 1970 — BStBI 1971 II S. 249)19. Ist dagegen eine von einem Arzt betriebene Klinik, ein 
Kurheim oder Sanatorium ein gewerblicher Betrieb, so gehören auch seine im Rahmen dieses 
Betriebs erzielten Einnahmen aus ärztlichen Leistungen zu den Einnahmen aus Gewerbebe- 
trieb (BFH-Urteil vom 12. 11. 1964 — BStBI 1965 Ill S.90)17. *Das gilt entsprechend, wenn der 
Betrieb einer medizinischen Badeanstalt als Gewerbebetrieb anzusehen ist. Schließen sich 
die Ärzte zu einer in der Rechtsform einer GbR betriebenen Laborgemeinschaft zusam- 
men, die lediglich kostendeckend Leistungen für die beteiligten Ärzte erbringt, so gehört die 
Tätigkeit des Gemeinschaftslabors zu den Hilfstätigkeiten der ärztlichen Tätigkeit; die von den 
Ärzten für Laborleistungen vereinnahmten Honorare sind Einnahmen aus selbständiger Ar- 
beit, es sei denn, daß nach den Umständen des Einzelfalls unter Einbeziehung der auf den 
Arzt entfallenden Tätigkeit der Laborgemeinschaft insgesamt gewerbliche Tätigkeit anzuneh- 
men ist. $Ein Arzt, der aus seiner mit behördlicher Erlaubnis geführten ärztlichen Abgabestelle 
für Arzneien (sog. ärztliche Hausapotheke) gegen Entgelt Medikamente an Patienten 
abgibt, wird außer bei der Abgabe im Zusammenhang mit dem sog. Praxisbedarf, einer Not- 
fallbehandlung oder der stationären Aufnahme gewerblich tätig (BFH-Urteil vom 26. 5. 1977 — 
BStBI Il S.879)19. 7Das gleiche gilt für Tierärzte bei der Abgabe von Medikamenten oder 
Impfstoffen gegen Entgelt (BFH-Urteile vom 1. 2. 1979 — BStBl II S:574'9 und vom 27.7.1978 
* _—_ BStBI IIS. 686)2® sowie für Augenärzte beim Verkauf von Kontaktlinsen und Pflegemitteln. 
8Ein Heilmasseur ist dagegen auch insoweit freiberuflich tätig, als er Fangopackungen oh- 
ı ne Massage verabreicht (BFH-Urteil vom 24.1.1985 — BStBI II S. 676)2". 
(7) 'Der Betrieb einer Unterrichtsanstalt ist dann als Ausübung eines freien Berufs 
anzusehen, wenn der Inhaber über entsprechende Fachkenntnisse verfügt und den Betrieb 
der Schule eigenverantwortlich leitet. 2Ob die Grenze der freiberuflichen Tätigkeit überschrit- 
ten wird, ist nach den Grundsätzen des Absatzes 2 zu prüfen. $Für eine spezifisch individuelle 
Leistung, wie es die Lehrtätigkeit. ist, gelten dabei besonders enge Maßstäbe (BFH-Urteile 
vom 5. 12. 1968 — BStBI 1969 II S.165)22), vom 6.11.1969 — BStBI 1970 II S. 21429, vom 13.12. 
1973 — BStBI 1974 Il S.2132%9 und vom 1.4.1982 — BStBI II S. 589)25. *+Hat der Berufsträger der 
Schule ein Internat angeschlossen, so sind für die Beurteilung der Frage, ob der Betrieb des 
Internats der freiberuflichen Tätigkeit zugerechnet werden kann, die Grundsätze des BFH-Ur- 
1) StZBl. Bin. 1958 S.945 10) S?ZBl. Bin. 1964 S. 304 (Leitsatz) 19) StZBI. Bin. 1979 S. 2008 
2) StZBl. Bin. 1960 S. 959 11) StZBl. Bin. 1983 S.919 20) StZBl. Bin. 1979 S. 562 
3) StZBl. Bin. 1970 S. 869 (Leitsatz) 12) StZBl. Bin. 1956 S. 542 21) StZBI. Bin. 1986 S. 651 
4) StZBl. Bin. 1968 S. 1868 (Leitsatz) 13) StZBl. Bin. 1977 S. 700 22) StZBl. Bin. 1969 S.720 (Leitsatz) 
5) StZBi. Bin. 1969 S. 622 14) StZBı. Bin. 1981 S. 862 23) StZBl. Bin. 1970 S. 1451 (Leitsatz) 
$) StZBl. Bin. 1969 S.452 15) StZBl. Bin. 1959 S. 254 24) StZBI. Bin. 1974 S, 648 
7) StZBl. Bin. 1979 S. 962 16) StZBl. Bin. 1971 S.950 25) StZBl. Bin. 1982 S. 1972 
8) StZBl. Bin. 1981 S. 1512 17) StZBl. Bin. 1965 S. 1264 
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