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Volume Nr. 249, 23.10.1910

Full text : Friedenauer Lokal-Anzeiger (Public Domain) Ausgabe 17.1910 (Public Domain)

(Kriedenauer
Mparteiische  Zeitung  für  kommunale  und  bürgerliche
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Kesorrdrre
Jecken  kvittvock»:
Milrbla«  „Seifenblasen".

fernlpreckier:  Hrot  Sln.-Mi.  2129.  lägklch  NökUdS.

Zeitung.)

Organ  für  den  Kriedenauer  Ortsteil  von  Zchiineberg  und
Herirksverein  Büdiveft.

Keilagen
Jecken  Sonntag:
Blatter  für  ckeutlctie  grauen.

Druck  und  Verlag  von  Leo  Schultz,  Friedenau.
6«TdiäftsTt«lU:  RbeinTtr.  15.

Hnjetgen
werden  bis  1  Uhr  mittags  angenommen.
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sernlprecder:  Nmt  Sin.-Mi.  2129.

Kr.  249.

Friedenau,  Sonntag,  den  23.  Oktober  1910.

17.  Iahrg.

Aepefchw.
letzte  Nachrichten.
Berlin.  Vor  den  Augen  seines  Freundes  erschaffen
hat  sich  in  der  vergangenen  Nacht  der  21  Jahre  alte,  aus
Wien  gebürtige  Student  der  Technischen  Hochschule  Fritz
Tichy  Hübel,  der  in  der  Bergstraße  70  bei  der  Musikerwitwe ­
  Müller  wohnte.  Ueber  die  Ursache  der  Tat  fehlt
jeder  Anhaltspunkt.
Berlin.  In  der  vergangenen  Nacht  ist  in  die  Hauptkirche ­
  zu  Reinickendorf  ein  Einbruch  verübt  worden.  Die
Diebe  stahlen  die  an  den  Ehrentafeln  hängenden  Kriegs»
denkmünzen  und  Ehrenzeichen  und  erbrachen  einen  der
aufgestellten  Opferstöcke.  Kirchengeräte  oder  andere  Wertsachen ­
  fielen  ihnen  nicht  in  die  Hände.  Von  den  Einbrechern ­
  fehlt  jede  Spur.
Thorn.  Der  frühere  Voltsschullehrer  Jakob  Schabt
aus  Oslowo  (Kreis  Schwetz)  wurde  heute  früh  sieben  Uhr
durch  Scharfrichter  Schwiktz  im  Thorner  Gefängnishof  hingerichtet. ­
  Schabt,  der  26  Jahre  alt  war,  hatte  im  April
die  siebzehnjährige  Grundbesitzertochter  Gertrud  Rohtmann
durch  sechs  Revolverschüffe  getötet,  weil  sie  seine  LiebeSanträge
  zurückwies.
Kopenhagen.  Ein  veritabler  Kampf  fand  gestern
Nacht  im  Kattegat  zwischen  einer  deutschen  Galeaffe  und
einem  dänischen  Fischermotorboot  statt.  Die  Galeaffe  hatte
ftch  unglücklicherweise  verirrt  und  war  in  das  Fischernetz
des  Dänen  geraten.  Mit  Bootshaken  fielen  die  Dänen
über  den  deutschen  Fischer  her  und  verwundeten  ihn.
Toulon.  Gestern  Abend  wurde  hier  die  Schwiegertochter ­
  JuleS  Vernes  überfallen  und  beraubt.  Frau  Michel
Jules  Vernes  kehrte,  wie  unS  ein  Privattelegramm  meldet,
von  einem  Einkauf  um  6  Uhr  Abends  nach  ihrer  Wohnung
zurück.  Auf  einem  Boulevard  von  Toulon  wurde  sie  von
zwei  jungen  Leuten  unauffällig  verfolgt  und  überfallen.
Sie  entriffen  ihr  die  Börse,  die  3000  Franks  enthielt.
Die  Räuber  entkamen  im  Dunkel  der  Nacht.

Sitzung  der  Gemeindevertretung
vom  Donnerstag,  dem  20.  Oktober  1910.
(Schluß.)
Ueber  die  Beseitigung  der  Rüstern  in  der  Kaiserallee
berichtet  Schöffe  Lichtheim.  Man  habe  in  der  letzten
Sitzung  beschlossen,  die  äußeren  Baumreihen  in  der  Kaiserallee
  zu  entfernen.  Die  Entfernung  dieser  Bäume  sei  nun
doch  mit  höheren  Unkosten  verknüpft,  als  man  glaubte,  da
verschiedentlich  Wurzeln  bereits  in  die  Vorgärten  hineinreichen.
  Außerdem  müssen  die  Baumgruben  gleich  mit
guter  Erde  ausgefüllt  werden.  Tr  bitte,  dafür  bis  zu  900
Mark  zu  bewilligen.  Dies  geschieht.  —  Ueber  die  Anlagen
in  der  Wiesbadenerstrabe  berichtet  Schöffe  Lichtheim,  daß
der  Gartenbauausschuß  beschlossen  habe,  sämtliche  Rüstern
in  dieser  Straße  fortzunehmen  und  dafür  2  Reihen
Milcke  Iagck.
Roma»  von  Alfred  Wilson-Barrett.
Istckorifierte  Uebersrtzung  aus  dem  Englischen  von  Emil  Hein.
45.  OhMfetnJ  MtlttaL)
.Wir  werden  natürlich  dafür  Sorge  tragen,  daß  sie
wieder  befreit  iverden,  wenn  wir  die  Lpale  haben,"  schlug
Charters  vor.  .  ^  ,  ,  ...
O  ja/  sagte  Durand,  „bei  Tagesanbruch  werde  ich
einen  ihrer  Spione  in  der  Stadl  zu  ihnen  hinauszusenden.
Während  der  wenigen  Stunden  werden  sic  sich  sicherlich  nicht
wehe  tun,  und  sie  erleiden  oft  viel  größere  Unbequemlichkeiten,
Wochen  hindurch  und  freiwillig,  uni  sich  dadurch  gute  Zeiten
in  der  anderen  Welt  zu  erkaufen.  Sie  werden  darüber  vielleicht ­
  noch  erfreut  sein,  denn  dieses  kleine  Ungemach  hat  sie
ja  betroffen,  weil  sie  so  voll  Eifer  waren,  um  ihren  zinnernen
Götzen  die  Opale  zum  Geschenk  zu  machen.  Kümmern  Sw
sich  nicht  um  sie."  .  .  .
Während  dieses  Gespräches  hatten  sie  ein  Stuck  des  Weges
zum  Kloster  zurückgelegt.  Durands  unbeugsame  Zuversicht
war  seinen  Kameraden  kein  geringer  Ansporn  m  den,  Entscblusse,
  allen  Gefahren  zum  Trotz  die  Abenteuer  bis  zum
Ende  durchzukosten.
Es  ivar  eine  langwierige  Wanderung  in  der  purpurnen
Dunkelheit  der  tropischen  Stacht,  über  unebenen  Boden  durch
scharfes  Gras,  das  sich  in  den  Kleidern  verfing  und  manchmal ­
  wie  Stacheldraht  bis  ans  das  Fleisch  dnrchdrang.  Hier
und  da  gab  ihnen  ein  Zischen  und  ein  darauffolgendes
Rascheln  die  unangenehme  Tatsache  bekannt,  daß  sie  über
ein  Reptil  gestolpert  ivaren;  zuweilen  scheuchten  sie  eine  Kette  i
Vögel  aus,  die  mit  erschrecktem  und  heiserem  Krächsen  davonflog.
Kaum  daß  es  ihnen  möglich  war,  die  großen  Gegenstände
zu  unterscheiden,  und  sie  waren  nur  aus  ihren  Instinkt  und
Durands  unfehlbaren  Ortssinn  als  Führer  angewiesen.  Sie
machten  nirgends  Halt,  immer  vorwärts  hasteten  sie,  stranchelte»
"  über  Steintrümmer,  brachen  durch  verschlungenes,  dorniges
Buschwerk,  bis  sie  endlich  das  Rauschen  eines  Stromes  hörten,
dessen  Fluten  wirbelnd  über  ein  kelsiaes  Bett  schäumten.

junger  Bäume  auf  jeden  Bürgersteig  anzupflanzen.
Zwischen  den  beiden  Baumreihen  solle  nun  ein  Weg
bleiben,  der  entweder  als  Sommerweg  anzulegen  ist  oder
mit  Mosaik  gepflastert  werden  soll.  Rasenstreifen  sollen
nicht  angelegt  werden.  G.-V.  Gerken  ist  mit  dieser  Anläge
  durchaus  einoeistanden.  Er  bittet  jedoch,  den  Weg
zwischen  den  Baumreihen  nicht  zu  pflastern,  sondern  als
Sommerweg  anzulegen.  In  dem  Teil  der  Wiesbadenerstraße
  von  Rheingaustraße  bis  Laubacherstraße  mögen
jedoch  die  Mosaikstreifen  bleiben.  ES  wird  dann  auch  so
beschloffen.
Schöffe  Lichtheim  beantragt  dann,  auf  dem  Hofe  deS
Gemeindegrundstücks  Lauterstraße  Ecke  Niedstraße  einen
Bretterverschlag  zur  Unterbringung  der  Fischfäffer  zu  errichten. ­
  Die  Kosten  betragen  275  M.  Da  jedoch  der
Marktzuträgcr  12  M.  Miete  hierfür  den  Monat  zahlt,  so
kommen  die  Kosten  wieder  ein.  G.-V.  Gerken  bemerkt,
er  habe  gehört,  daß  Herr  KommissionSrat  Sachs  sein  neben
dem  Gemeindcgrundstück  gelegenes  Grundstück  verkaufen
wolle,  er  möchte  mal  hören,  ob  die  Gemeinde  auf
dieses  Grundstück  reflektiere.  Bürgermeister  Walger  erwidert, ­
  daß  dies  hier  nicht  her  gehöre.  G.-V.  Gerken
meint,  daß  dies  doch  wohl  mit  der  vorliegenden  Sache  in
Vrrbindung  stehe,  da  man  sich  dann  vielleicht  den  Bretterverschlag ­
  sparen  könne.  Bürgermeister  Walger  führt
aus,  daß  der  Bretterverschlag,  selbst  wenn  er  nur  für  ein
Jahr  errichtet  wird,  sich  bezahlt  mache.  Es  wird  die  Errichtung ­
  des  Bretterverschlages  genehmigt  und  die  Kosten
werden  bewilligt.  —  Bewilligt  werden  ferner  150  M.  für
ein  Lattengerüst  an  den  Fischständen.
Ueber  die  Einführung  einer  Wertzuwachssteuer  berichtet
Bürgermeister  Walger.  Nach  der  Bekanntgabe,  daß  eine
Reichswertzuwachssteuer  eingeführt  werden  solle,  wurde
hier  der  Antrag  gestellt,  für  Friedenau  schleunigst  eine
WertzuwachSsteuer  einzuführen.  Der  zur  Beratung  dieses
Antrages  eingesetzte  Ausschuß  habe  sich  nun  mit  dieser
Sache  befaßt  und  sei  zu  dem  Beschluß  gekommen,  von  der
Einführung  dieser  Steuer  abzusehen.  Die  Gründe  dafür
sind,  daß  cs  heute  viel  zu  spät  sei,  diese  Steuer  einzuführen, ­
  da  unbebaute  Grundstücke  hier  so  gut  wie  garnicht ­
  mehr  vorhanden  sind.  Die  Steuer  aber  auf  die  bebauten ­
  Grundstücke  zu  legen,  würde  den  Umsatz  ungünstig
beeinflussen,  da  hier  so  wie  so  schon  erhebliche  Kosten  beim
Umsatz  zu  tragen  sind.  Die  Gemeinde  würde  also  da
gleichfalls  verlieren,  indem  sie  an  Umsatzsteuer  weniger
einnähme.  Die  einzigen,  die  von  der  Wertzuwachssteuer
erheblich  getroffen  würden,  wären  die  kleinen  Billenbesitzer,
doch  auch  bei  diesen  ergäbe  sich  kein  großer  Gewinn  für
die  Gemeinde.  Man  würde  aber  andererseits  diese  Besitzer
mit  der  Steuer  noch  dafür  bestrafen,  daß  sie  Friedenau
gleichsam  gegründet  haben  und  ihr  Besitztum  unter
den  schwierigsten  Verhältnissen  in  früher  Zeit  gehalten
haben.  Aus  diesem  Grunde  ersuche  der  Ausschuß,  von  der

„Jetzt  sind  wir  in  der  Nähest  flüsterte'Durand;  „wir
müssen  darauf  gefaßt  sein,  ohne  Ruhepause  die  Geschichte
durchzumachen.  Die  beiden  Burschen,  die  geknebelt  wurden,
werden  bald  zurückerwartet  werden,  so  daß  wir  ungefähr  zu
dcnr  Zcitpukt  eintreffen  müssen,  der  für  ihre  Rückkehr  festgesetzt ­
  sein  dürfte.  Wir  täten  daher  gilt,  uns  vorher  über
unsere  Pläne  und  Absichten  klar  zu  werden.  Sic  sagen,
Charters,  daß  die  Opale  in  einem  Zimmer  sind,  dessen  Fenster
auf  den  Fluß  hinausgehen/
„Ja.  Es  ist  achteckig,  und  wie  ich  glaube,  in  einem
kleinen  Turin  gelegen."
„Ich  denke,  daß  ich  es  kenne/  sagte  Durand  in  entschiedenem ­
  Tone.  Es  hat  nur  ein  Fenjter  und  das  ist  vergittert, ­
  nicht  wahr?"
„Ja,  und  zwar  mit  schweren  Eiscnstangen,  so  daß  keine
Möglichkeit  vorhanden  ist,  auf  diesem  Wege  einzudringen."
„Ich  möchte  gerne  wissen,  ob  es  möglich  wäre,  auf
diesem  Wege  hinauszukommen,"  erwiderte  Durand.
„Ich  glaube  nicht,  denn  die  Stangen  scheinen  sehr  fest  und
sicher  in  die  Steine  der  Mauer  eingebettet  zu  seiil."
„Es  ist  gar  keine  Möglichkeit  vorhanden,  irgendwie  durch
dieses  Fenster  einzudringen,  da  es  zu  hoch  über  dem  Flusse
fliegt.  Wenn  wir  aber,  für  den  Fall,  daß  mir  in  jenem
Turmzimmer  angegriffen  werden,  durch  das  Fenster  unsere
Flucht  bewerkstelligen  könnten,  wäre  cs  ratsam.  Ich  weiß,
wo  die  Mönche  ein  Boot  vertäut  haben,  und  es  würde
sehr  viel  dazu  beitragen,  unsere  Verfolgung  zu  vereiteln,  wenn
wir  von  der  anderen  Seite  nach  der  Stadt  zurückkehren.  In
dieser  stockfinsteren  Nacht  ist  der  Fluß  auch  ein  guter  Führer.
TieS  ist  jedoch  der  Plan,  nach  dem  wir  vorgehen  müssen.
Zuallererst  müssen  wir  uns  das  Boot  verschaffen  und  es
unter  dem  Fenster  festmachen.  Tann  müssen  wir  zu  der
Pforte,  von  der  wir  den  Schlüssel  haben.  Der  Priester,  der
dort  wartet,  muß  überwältigt  und  geknebelt  iverden;  hierauf  >
werden  wir  das  Zimmer,  in  deni  die  Opale  aufgehoben  sind,
suchen,  uns  der  Opale  bemächtigen,  den  Rückzug  antreten  und  !
das  Kloster  durch  dasselbe  Tor,  bei  dem  wir  eingedrungen  '
sind,  wieder  verlassen.  Wie  sind  die  Ovale  verborgen?"

Einführung  der  Steuer  Abstand  zu  nehmen.  G.-V.  Richter
bedauert  lebhaft,  daß  ein  derartiger  Antrag  hier  gestellt
wurde.  Er  hält  den  Ausschuß  überhaupt  garnicht  für  befugt, ­
  einen  solchen  Beschluß  zu  fassen.  Denn  in  der  Sitzung
vom  21.  April  habe  die  Gemeindevertretung  sich  grundsätzlich ­
  mit  der  Einführung  einer  Wertzuwachssteuer  einverstanden ­
  erklärt.  Der  Ausschuß  hatte  die  Aufgabe,  eine
Steuerordnung  auszuarbeiten  und  der  Gemeindevertretung
vorzulegen.  Das  hatte  der  Ausschuß  nicht  getan.  ES  sei
ja  zu  bedauern,  daß  man  an  eine  derartige  Steuer  nicht
schon  früher  gedacht  habe.  Man  hätte  aber  auch  jetzt  die  Sache
nicht  so  weit  hinziehen  sollen.  Am  21.  April  wurde  der
grundsätzliche  Beschluß  gefaßt  und  heute  komme  man  erst
wieder  auf  diese  Steuer  zurück.  —  Mit  großer  Mehrheit
wird  beschlossen,  von  der  Einführung  einer  Wertzuwachssteuer
  Abstand  zu  nehmen.
Bürgermeister  Walger  erstattet  den  Bericht  über  die
Verhandlungen  des  VerkehrSauSschusses  über  den  Antrag
Schönebergs  auf  Einführung  von  Umsteigekarten  auf  den
Linien  A,  B  und  E.  Der  Ausschuß  habe  beschlossen,  diesem
Antrage  zuzustimmen,  jedoch  mit  der  Maßgabe,  daß  der
10  Pfennig-Tarif  nicht  durchbrochen  werde.  In  dem
Schöneberger  Antrag  sei  nämlich  vorgesehen,  daß  di«
Umsteigekarten  5  Pfennig  teurer  sein  sollen.  Nun  habe
man  aber  von  Friedenau  aus  Gelegenheit,  mit  anderen
Linien  für  10  Pfennig  über  den  Potsdamer  Platz  hinauszukommen. ­
  So  könne  man  nicht  freiwillig  sich  für  den
15  Pfennig-Tarif  bereit  finden.  ES  habegroßeMühe  gemacht,
für  die  Vororte  den  10  Pfennig-Tarif  zu  erhalten,  diesen  wolle
man  auch  nun  beibehalten.  G.-B.  Gerken  ergänzt  Herrn
Bürgermeister  dahin,  daß  im  Ausschuß  auch  ausgeführt
wurde,  daß  man  bei  Umsteigekarten  für  15  Pf.  z.  B.  auch
Gelegenheit  hätte,  mit  Linien,  die  andere  Richtungen  als
durch  die  Leipzigerstraße  haben,  wie  z.  B.  nach  Moabit
weiter  zu  kommen.  Die  Strahenbahngesellschaft  würde  sich
dann  sagen,  wenn  der  10-Pfennig-Tarif  auch  für  die  Umsteigekarten
  bestehen  bleiben  sollte,  sie  führe  damit  den
5  Pfennig-Tarif  ein.  Bürgermeister  Walger  erklärt,  eS
fei  richtig,  daß  dies  im  Ausschuß  ausgeführt  wurde,  er
habe  dies  aber  nicht  erwähnt,  da  man  jo,  wenn  man  mit
anderen  Linien  bis  zum  Potsdamer  Platz  fahre  und  dort
auf  eine  andere  Linie  umsteige,  ebenfalls  zweimal  bezahlen
müsse.  Der  Antrag  SchönebergS  lautet  aber  nicht  auf  Einführung ­
  von  Umsteigekarten  überhaupt,  sondern  nur  auf
Einführung  von  solchen  Karten  auf  den  Linien  A,
B  und  E  Dem  Beschlusse  deS  Ausschusses:  Dem  Antrage
Schönebergs  auf  Einführung  von  Umsteigekarlen  auf  den
Linien  A,  B  und  E  mit  der  Maßgabe  beizutreten,  daß  der
10  Pfg.-Tarif  nicht  durchbrochen  werde,  wird  zugestimmt.
Ueber  die  Kioskftage  führt  Bürgermeister  Walger  aus,
daß  der  vereinigte  Bau-  und  Gartenbauausschuß  getagt
habe.  Zwei  Tage  nach  der  letzten  Gemeindevertreterfltzung
sei  jedoch  die  Klage  deS  Herrn  Koch  eingegangen  und  so

„Sie  sind  noch  immer  in  dem  Sacke,  in  dein  wir  sie  zuletzt
hatten,  und  sie  sind  in  der  Höhlung  des  Sockels  einer  Buddhastatue
  verborgen,  die  in  einer  Ecke  des  Zimmers  steht."
„Die  Figur  kann  in  die  Höhe  gehoben  werden?"
„Ja,  sie  steckt  wie  ein  Zapfen  in  der  Höhlung."
„Das  wissen  wir  also.  Wenn  wir  in  der  Ausführung
unseres  Vorhabens  gestört  werden  sollten,  so  muß  derjenige,
der  gerade  am  leichtesten  loskommen  kann,  in  das  Zimmer
dringen  und  sich  der  Opale  bemächtigen,  ivährend  die  andern
zwei  die  Mönche  hinhalten.  Dann  müssen  wir  uns  den
Weg  ins  Freie  erkämpfen.  Das  ist  doch  ganz  klar?"
„Alles  ganz  klar,"  sagte  Charters.
„Vollkommen,"  führte  Anson  hinzu.  „Man  darf  nicht
vergessen,  daß  es  ein  Kampf  auf  Tod  und  Leben  sein  wird.
Wenn  wir  angegriffen  werden,  müssen  wir  sie  zurückschlagen,
denn  auf  der  Entweihung  ihres  Tempels,  wie  wir  sie  beabsichtigen, ­
  steht  der  Tod."
Und  wieder  stampften  sie  über  unebenen  Boden,  und
wieder  rissen  sie  sich  an  scharfen  Gräsern  und  dornigem
Gebüsche,  das  sie  durch  brechen  mußten  blutig,  jetzt  jedoch
mit  noch  vermehrter  Vorsicht  und  sorgfältiger  Vermeidung
jedes  überflüssigen  Geräusches.  Dann  gebot  Durand  ihnen  stillczustchen,
  denn  sie  befanden  sich  nun  am  Rande  eines  Abhanges ­
  und  jenseits  davon  gähnte  ein  Abgrund,  schwarz  wie
Tinte,  der,  wie  sie  wußten,  der  Fluß  war,  denn  aus  der
Tiefe  drang  das  Rauschen  seiner  Wellen  schwach  zu  ihnen
herauf.
„Wir  müssen  hier  weitergehen,"  flüsterte  Durand.  „Aber
folgen  Sie  mir  nur  reckt  behutsam,  denn  das  Ufer  ist  hier  sehr
steil.  Eine  Strecke  weiter  wird  cs  flacher,  und  wir  können
dort  zum  Wasserspiegel  hinuntersteigen  und  das  Boot  erreichen.
Auf  Durands  Geheiß  erfaßte  Charters  den  Schoß  seines
Rockes  und  Anson  folgte  Charters  in  der  gleichen  Weise
nach  Art  der  Indianer.  Tic  Sicherheit  der  drei  hing  nun
ganz  von  Durand  ab,  dessen  Sinne  aber  so  fein  und  scharf
waren,  daß  ein  Unfall  schwerlich  zu  befürchten  war.
Bald  zeigte  der  Boden  ein  merkliches  Gefälle,  das  bald  so
abschüssig  wurde,  daß  sie  ihren  Weg  nur  mit  seitwärts  ge-
            
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