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Volume Jahresinhaltsverzeichnis 1954

Full text : Berliner Omnibus (Public Domain) Ausgabe 2.1848 (Public Domain)

184
Berliner  Zeitung

—  Held  soll  durchgegangen  sein  und  die  wohllöblichen
  Behörden  sollen  auf  ihn  vigiliren.  Wir  halten ­
  es  daher  für  nöthig,  auch  unsern  Lesern  sein  Signalement ­
  mitzutheilen.  Kops:  wankt  beständig  und
unsicher  auf  den  Schultern;  Augen:  sehen  scharf  und
finden  manches,  was  aufzusuchen  von  der  Regierung
nicht  gewünscht  wird;  Bart:  republikanisch  gefärbt;
Schultern:  wollen  wie  der  Atlas  die  Zeit  auf  sich
nehmen;  Brust:  zu  weit  für  Berlin  und  zu  eng  für
die  Orden,  die  ihm  die  Provinzen  anhängen  möchten;
Herz:  auf  der  rechten  Stelle,  nur  nicht  ganz  deutsch,
es  schlägt  für  Polen  und  Frankreich.  Besondere
Kennzeichen:  keine,  denn  er  ist  Literat  von  gewöhnlichem ­
  Schrot,  nur  daß  er  die  Zeit  und  die  deutsche ­
  Leichtgläubigkeit  besser  zu  benutzen  weiß.
—  Wenn  cs  wahr  ist,  daß  der  Schulvorsteher  E.
(Landwehrstr.)  durchaus  keine  andere  Schreibebücher
  rc.  in  seiner  Schule  duldet,  als  die  von  ihm
selbst  gekauften,  daß  ferner  sein  College,  Herr  Sch.
(alte  Jakobsstr.)  nur  deswegen,  trotz  des  Gesetzes,
keinen  Contract  mit  einem  Lehrer  geschlossen,  um
denselben  vor  den  lätägigen  Ferien  mit  halbem  Gehalt ­
  entlassen  zu  können,  dann  wäre  es  wünschenswerth,
  wenn  beiden  Herren  von  oben  herab  einmal
auf  den  Zahn  gefühlt  würde.  pl.
—  Sonst  und  Jetzt.  Sonst:  Am  16.  März
gingen  zwei  Studenten  über  den  Schloßhof,  auf  welchem ­
  ein  Bataillon  Garde  ausgestellt  war.  Sie  mußten ­
  bei  ihrer  Unterhaltung  eine  heitere  Miene  angenommen ­
  oder  vielleicht  zu  zufrieden  ausgesehen  haben, ­
  genug,  als  sie  oben  in  das  Portal  eintraten,
kam  ein  Offizier  mit  fabelhaftem  Schnurbart  auf  sie
zu  und  potsdamte  sie  im  Gardedialekle  mit  diesen
Worten  an:  Habe  gleich  gesehen,  als  Sic  in  den
Schloßhof  eintraten,  daß  Sie  was  wollten.  Als  man
ihm  darauf  entgegnete,  daß  man  zu  Lisch  gehen  wollte,
potsdamte  er  weiter:  Mache  ja  keine  Faxens,  laß
Sie  auf  de  Stelle  antiren!  Die  Beiden,  verblüfft
durch  den  Russen,  gingen  weiter,  für  den  Offizier
wohl  nicht  schnell  genug.  Dieser,  der  darin  wieder
etwas  Aufrührerisches  sah,  ließ  zwei  Mann  Garde
kommen  und  wiederholte:  Wenn  Sie  nicht  auf  die

Stelle  schneller  gehen,  saß  ich  Sie  artiren,  mache
keine  Fayons.
Jetzt.  A.  Wenn  Sie  mir  noch  einmal  von
neuem  System  und  Bolkssouverainität  sprechen,  dcnuncire
  ich  und  laß  Sie  als  schlechten  Patrioten  zum
Verlust  der  Nationalkokarde  verurtheilen.
B.  Entschuldigen  Sie,  Herr  Professor  Kickericki,
man  vergißt  sich  zuweilen.  Es  kommt  mir  bisweilen
doch  zu  närrisch  vor,  daß  man  sich  durchaus  wieder,
um  gesetzlich  und  kein  schlechter  Patriot  zu  sein,  des
Juchtcageruchs  befleißigen  soll.  B.
—  (Eingesandt.)  Herr  P.,  Sie  verstehen  es
vortrefflich,  Schmeicheleien  zu  sagen,  wie  das  Gedicht:
„Die  Mädchen  sind  Schl.—"  beweist.  Wollen  Sie
nicht  vielleicht  die  Güte  haben,  uns  recht  bald  durch
ein  Gedicht  zu  erfreuen,  das  mit  den  Bersen:
Die  Männer  sind  Teufel!
Daran  ist  kein  Zweifel  rc.
ansinge?
Mehre  Ihrer  Leserinnen.
—  Die  alten  Deutschen  hatten  die  Gewohnheit,
bei  der  Feststellung  eines  Grenzpvnktes  den  Jüngsten
aus  ihrer  Mitte  tüchtig  durchzuprügeln,  um  mit  den
Schlägen  ihm  zugleich  die  Stelle  in's  Gedächtniß
zu  schreiben,  damit  er  späterhin  im  Stande  sei,  bei
etwa  vorkommenden  Streitigkeiten  durch  seine  Aussagen ­
  jene  zu  schlichten.
—  Die  Constablers  sind  seit  dem  22.  Juli  etwa
zum  dritten  Theile  in  Wirksamkeit  getreten.  Ob  das
Institut  für  die  Dauer  wird  bestehen  können,  soll,
der  bedeutenden  Kosten  wegen,  von  vielen  Seiten
bezweifelt  werden.  Die  Einkleidung  der  Constabier
kostet  blos  die  Kleinigkeit  von  87,000  Thlr.,  das
Gehalt  beträgt  jährlich  blos  469,471  Thaler.

A  ii  zeigen.
—  Von  Einem  Hochlöblichen  Polizei-Präsidio  ist
mir  die  Erlaubniß  ertheilt,  Gesuche  und  schriftliche
Aufsätze  anzufertigen.  Auch  trete  ich  als  Vertheidiger
auf.  Ramelow,  prakt.  vr.,
Oranienburgerstr.  82.
Eingang  Große  Präsidentenstr.

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Der  neuen  Einigung  wegen  kann  in  dieser  Woche  kein  Bogen  Todsünden  gegeben  werden.
ES  werden  dafür  in  nächster  Woche  2  Bogen  ausgegeben  und  alsdann  erscheint  der  Berliner  Omnibus
mit  den  Beigaben  wieder  regelmäßig.
Die  Hauptexpedition  des  Berliner  (Omnibus,  Nohstrasle  Nr.  8.
■■  •:  ■  i  a:y-rj

Bon  dieser  Zeitschrift  erscheinen  wöchentlich,  und  zwar  Freitags  oder  Sonnabends,  2  Nummern
Text  und  als  Gralis-Beilage  1  Bogen  des  Romans  von  Eugen  Sue:  „Sieben  Todsünden,"  und
außerdem  für  Berlin  noch  der  „Kirchenzettel."  Monatspreis  für  Berlin  3)  Sgr.;  für  Auswärtige
\2  Sgr.  vierteljährlich.  Alle  König!.Postanstalten  und  Buchhandlungen  nehmen  Bestellungen  darauf  an.
Bestellungen  und  Beschwerden,  letztere  mit  Angäbe  der  Botennummer,  sind  an  die
Haupt-Erpedition  des  Berliner  Omnibus,  Roßstraße  Nr.  8;,'-bet  R.  Brandes,  zw  richtend
'  '  '  ~  I  1  "  l  im'.  I  li  'IJ  s  Illll  Uli
Haupt-Erpedition:  Roßstraße  8.  —  Druck  v.  Bra»vrSHtSchulde/R»ßstr..8.  in  Berlin;  Urnui'

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