Path:
Volume

Full text: Newsletter Flüchtlingsmanagement (Rights reserved) Issue12.2021 (Rights reserved)

Koordinierungsstelle Flüchtlingsmanagement Newsletter Flüchtlingsmanagement Nr. 12 – II. Quartal 2021 Liebe Leser*innen, nun befinden wir uns mitten im Sommer, in der Öffnung der Hygieneregeln und zugleich im Fussballfieber. Voran gestellt seien die Fortschritte der Impfkampagne in den Flüchtlingsunterkünften, begleitet durch eine INFO-Kampagne „Protect your health – Impfen schützt Leben“ der Koordinierungsstelle Flüchtlingsmanagement und des Trägers Albatros gGmbH, die gemeinsam mit einem professionellen Team aus Ärzt*innen, Sozialarbeiter*innen, Berater*innen und bezirklichen Vertreter*innen vor Ort zu allen Fragen, Ängsten, Mythen, Fehlinformationen zu Covid19 und den Impfstoffen berät. Eine hohe Impfbeteiligung, um Infektionen und Ansteckungen in den Gemeinschaftsunterkünften zu vermeiden, ist das Ziel. In dieser Ausgabe ist es uns ein besonderes Anliegen, den Blick auf das Netz der Berliner Integrationsinstrumente zu richten und ein Stück Fazit zur Bedeutung und Wirkung von verschiedenartigen Ansätzen und Integrationsstrategien für die Unterstützung von NeuBerliner*innen zu ziehen. Zugleich sollen Projekte illustriert werden, die stellvertretend für diverse „Brückenbauer*innen in der Migrationsgesellschaft“ stehen und das Bild der Metropole geprägt haben. Lesen Sie über die unterschiedlichen Profile, ob bezirkliche Integrationsbeauftragte und Koordinator*innen für Flüchtlingsfragen, BENN-Projekte - Berlin Entwickelt Neue Nachbarschaften, Stadtteilmütter und Integrationslots*innen des Berliner Landesrahmenprogrammes. Die Beauftragte des Berliner Senats für Integration und Migration erläutert Ihnen die Wirkungsintention und die Hintergründe der Novelle des Berliner Gesetzes zur Partizipation in der Migrationsgesellschaft (PartMig) als ein „Gesetz der offenen Tür“. Die Teilhabe von Menschen mit Migrationsgeschichte in den Verwaltungen soll gestärkt und ihre Beschäftigung als ein Anteil der Berliner Bevölkerung sichergestellt werden. Die Pandemie hat uns allen den Alltag und die Existenzsicherung von Menschen maßgeblich erschwert, dabei sind geflüchtete Kinder und Jugendliche besonderen Einschränkungen ausgesetzt. Diese Situation und die psychosozialen Folgen der Pandemie für geflüchtete Kinder und Jugendliche in Gemeinschaftsunterkünften haben wir am Jahresanfang zum Anlass genommen, in einen Newsletter Flüchtlingsmanagement intensiven Fachaustausch mit relevanten Akteur*innen und zuständigen Senatsverwaltungen zu treten. Unser Fazit soll Ihnen einen Einblick gewähren. Als ein Akteur dieses Fachaustausches stellt sich Ihnen das Gesundheitszentrum für Flüchtlinge (GZF gGmbH) in Steglitz anlässlich seines 5-jährigen Bestehens vor. Zwei große Willkommensbündnisse, „Willkommen in Reinickendorf“ und „Willkommensbündnis Steglitz-Zehlendorf“, berichten von ihren Erfahrungen und Vernetzungen und zeigen ihr ehrenamtliches Engagement unter Pandemiebedingungen. Auch in diesem Jahr ist von der Senatskanzlei für gemeinnützige Vereine und Organisationen in Corona-Zeiten ein Unterstützungsprogramm aufgelegt worden. Mögliche Handlungsansätze im Ehrenamt in Zeiten der Pandemie erfahren Sie von unserem landeseigenen Betrieb für Flüchtlingsunterkünfte, dem LfG-B, und vom Stadtteilzentrum Mittelhof. Die Umsetzung des übergeordneten Ziels und Auftrages des Abgeordnetenhauses aus 2017 zur selbstbestimmten Unterbringung von Geflüchteten und Verbesserung der Unterkunftsqualität schreitet mit der Entwicklung des Qualitätschecks für LAF-Unterkünfte und der Arbeit der Berliner unabhängigen Beschwerdestelle (BuBS) und des unterstützenden Begleitgremiums voran – dazu lesen Sie im Kapitel 3 dieser Ausgabe. Zum Schluss – wie immer – ein Aufruf in eigener Sache. Wir freuen uns sowohl über Rückmeldungen und Anregungen zum Newsletter, als auch über Beiträge für unseren nächsten Newsletter mit dem Schwerpunktthema „Arbeitsmarktsituation Geflüchteter“, der im III. Quartal 2021 erscheinen wird. Ihnen viel Freude bei der Lektüre, genießen Sie den Sommer und bleiben Sie gesund! Beste Grüße Ihr KoordFM-Team Sybill Schulz Yalda Fusha Derya Bugur Anil Aslan Leiterin Koordinierungsstelle Flüchtlingsmanagement Referentin Referentin Geschäftsstelle 2 Newsletter Flüchtlingsmanagement Inhaltsverzeichnis I. Aktuelle Daten und Fakten ................................................................................................... 5 I.1. Zugänge von Asylbegehrenden 2020/ 2021 – Stand: April 2021 ............................................................5 I.2. Berlin – Zuzug und Unterbringung in LAF-Unterkünften – Stand: Dezember 2020 .............................5 II. PartMig - Gesetz................................................................................................................ 10 II.1. Das Gesetz der offenen Tür – Die Beauftragte des Berliner Senats für Integration und Migration10 II.2. Integrationsinstrumente: Erfahrungen, Vernetzung & Perspektive .................................................. 11 Bezirkliche Integrationsbeauftragte ................................................................................................... 11 Koordinator*innen für Flüchtlingsfragen .......................................................................................... 12 Kontakte der Flüchtlingskoordinator*innen und Integrationsbüros aller Berliner Bezirke ......... 13 Netzwerke und Kooperationen im Programm BENN – Berlin Entwickelt Neue Nachbarschaften 14 Landesprogramm Stadtteilmütter ...................................................................................................... 16 Brückenbauer*innen in der Migrationsgesellschaft – die Integrationslots*innen des Berliner Landesrahmenprogramms .................................................................................................................. 18 Ehrenamt in Unterkünften: Meilenstein fürs Miteinander .............................................................. 20 III. Qualitäts- und Beschwerdemanagement ............................................................................ 23 III.1. Berliner unabhängige Beschwerdestelle (BuBS) .................................................................................. 23 III.2. Entwicklung des Qualitätschecks zur Verbesserung der Unterbringungsqualität in LAFUnterkünften für Geflüchtete ........................................................................................................................ 25 IV. Weitere Projekte und Informationen .................................................................................. 27 IV.1. Veranstaltungen ..................................................................................................................................... 27 „Expert*innentalk – Engagement von Geflüchteten in Zeiten der Pandemie“ mit Ausstellungseröffnung am 16. Juni 2021 ........................................................................................... 27 Dialogveranstaltung der Arbeitsgruppe „Akzeptanz von Vielfalt“ ................................................. 29 IV.2. Förderungen ............................................................................................................................................ 30 IV.3. Best Practice Projekte ............................................................................................................................. 31 Die Berliner Fachstelle gegen Diskriminierung auf dem Wohnungsmarkt, Fair mieten - Fair wohnen, hat am 14.06.2021 das Leitbild „Berlin vermietet fair!“ veröffentlicht. ......................... 31 DIGITAL EMPOWERMENT- endlich wieder gemeinsam lernen im FCZB.......................................... 33 IV.4. Informationen und Netzwerke .............................................................................................................. 34 Ideensammlung „Sozialarbeit in Zeiten von Social Distancing“ ..................................................... 34 Leistungen zur Anschaffung digitaler Endgeräte .............................................................................. 34 Fachaustausch zu Bedarfen von Kindern und Jugendlichen in Gemeinschaftsunterkünften während der Pandemie – ein Fazit ...................................................................................................... 35 INFO-Kampagne „Protect your health – Impfen rettet Leben“........................................................ 37 3 Newsletter Flüchtlingsmanagement 5 Jahre Gesundheitszentrum für Flüchtlinge (GZF gGmbH) in Steglitz .......................................... 40 Netzwerk „Willkommen in Reinickendorf“: Eine Initiative, die geflüchtete und zugewanderte Menschen bei der Integration und in ihrem Alltag unterstützt ...................................................... 42 Willkommensbündnis Steglitz-Zehlendorf: ehrenamtliches Engagement in der Pandemie ........ 43 IV.5. Pressemitteilungen ................................................................................................................................. 44 4 Newsletter Flüchtlingsmanagement I. Aktuelle Daten und Fakten I.1. Zugänge von Asylbegehrenden 2020/ 2021 – Stand: April 2021 1) Die Bundeszahlen sind der EASY-Statistik Nürnberg zum Stichtag: letzter Tag des Monats, 23.59 Uhr entnommen. 2) Die Bundeszahlen sind der Geschäftsstatistik des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge entnommen (Antrags-, Entscheidungsu. Bestandsstatistik). 3) Die Monatswerte können evtl. nachträglicher Änderungen nicht zu einem Jahreswert addiert werden. I.2. Berlin – Zuzug und Unterbringung in LAF-Unterkünften – Stand: Dezember 2020 Zuzug nach EASY** 2016-2021 Zeitraum Zuzug nach EASY * Zeitraum Zuzug nach EASY* Zeitraum Zuzug nach EASY* Q1/2016 9.369 Q1/2017 2.058 Q1/2018 1.973 Q2/2016 2.443 Q2/2017 1.872 Q2/2018 1.798 Q3/2016 2.532 Q3/2017 2.123 Q3/2018 1.813 Q4/2016 2.545 Q4/2017 2.232 Q4/2018 1.676 Gesamt 2016 16.889 Gesamt 2017 8.285 Gesamt 2018 7.260 Zeitraum Zuzug nach EASY* Zeitraum Zuzug nach EASY* Zeitraum Zuzug nach EASY* Q1/2019 1.725 Q1/2020 1.265 Q1/2021 1.289 Q2/2019 1.391 Q2/2020 936 Q2/2021 Q3/2019 1.600 Q3/2020 1.049 Q3/2021 Q4/2019 1.600 Q4/2020 1.339 Q4/2021 Gesamt 2019 6.316 Gesamt 2020 4.589 Gesamt 2021 1.289 *) EASY-System ist eine IT-Anwendung zur Erstverteilung der Asylbegehrenden auf die Bundesländer. Die Asylbegehrenden werden damit zahlenmäßig auf die einzelnen Bundesländer verteilt. Die quotengerechte Verteilung erfolgt unter Anwendung des sog. „Königsteiner Schlüssel“. Die Berechnung des Königsteiner Schlüssels wird jährlich von der Geschäftsstelle der Bund-Länder-Kommission durchgeführt. Dem Königsteiner Schlüssel für das jeweilige Haushaltsjahr liegen das Steueraufkommen und die Bevölkerungszahl des Vorjahres zugrunde. Im EASY-System wird jeweils der Königsteiner Schlüssel angewendet, der für das vorangegangene Kalenderjahr im Bundesanzeiger veröffentlicht wurde. 5 Newsletter Flüchtlingsmanagement Untergebrachte Geflüchtete in LAF-Unterkünften Art der Einrichtung Anzahl Kapazität Belegung nicht belegte Plätze verfügbare Plätze geblockte Plätze* Erstaufnahmeeinrichtung 11 2.476 1.359 1.117 58 1.059 Gemeinschaftsunterkunft 70 20.838 16.903 3.935 1.727 2.208 Summe aller Unterkünfte 81 23.314 18.262 5.052 1.785 3.267 Quelle: LAF- Abteilung II- Unterkünfte/ II D 1 Umzugs- und Belegungssteuerung mit Stand: 30.12.2020 Erläuterung zu geblockten Plätzen Soweit Baumaßnahmen in einer Unterkunft im Betrieb durchgeführt werden, erfordert dies einen temporären Belegungsstopp für den Zeitraum der Ausführung der Bauarbeiten. Zu unterscheiden sind hierbei bauliche Maßnahmen, die durch den Eigentümer des Gebäudes und die im Rahmen der vertraglichen Pflichten durch die Betreiber veranlasst werden. Hierzu zählen insbesondere Zimmerrenovierungen und Reinigungsleistungen nach Bewohnerauszügen. Per 31. März 2021 waren entsprechend der Anlage des Fact-Sheets 670 Plätze wegen baulicher Maßnahmen der Eigentümer und 595 Plätze wegen baulicher Maßnahmen der Betreiber nicht belegbar. Für die durchzuführenden Freizüge von Unterkünften, Umzüge aus Unterkünften sowie Korrekturen in den Belegungen der Aufnahmeeinrichtungen werden temporär Plätze reserviert, um ein geordnetes Verfahren zu ermöglichen. Per 31. März 2021 waren entsprechend der Anlage des Fact-Sheets 365 Plätze für den Freizug, Umzüge bzw. die Belegungskorrektur in Aufnahmeeinrichtungen reserviert. Während der Corona-Pandemie werden die Freizüge weiter mit dem zuständigen Gesundheitsamt des Bezirkes abgestimmt. Bei gesundheitlichen Gefahren (Corona-Pandemie, Windpocken, Bettwanzen u.ä.) werden nach Abstimmung mit den bezirklichen Gesundheitsämtern temporäre Belegungsstopps für die betroffenen Unterkünfte ausgesprochen. Per 31. März 2021 waren somit insgesamt 627 Plätze betroffen. Bei besonderen Unterbringungskonstellationen, z.B. Familien, werden einzelne freie Plätze in Zimmern, Apartments und Wohnungen nicht mit familienfremden Personen belegt (nicht passgerechte Belegung). Ebenfalls unter diesen Punkt fallen Überbelegungen, die z.B. durch die zusätzliche Aufstellung von Kinderbetten entstehen. Per 31. März 2021 wurden 685 Plätze nicht belegt, um keine familienfremden Personen mit Familien gemeinsam unterzubringen. Darüber hinaus ist eine Überbelegung von 298 Plätzen zu verzeichnen. 6 Newsletter Flüchtlingsmanagement Darüber hinaus sind Plätze nicht belegbar, weil Vertragsanpassungen bezogen auf die Kapazität, Beschaffungsprozesse für notwendige Ausstattungsgegenstände in der Abstimmung sind sowie Vorsorgekapazitäten für das Ankunftszentrum und Plätze für das Aufnahmeprogramm Griechenland vorgehalten werden. Diese nicht belegbaren Plätze sind unter „sonstige Gründe“ zusammengefasst.  Per 31. März 2021 wurden 623 Plätze aus sonstigen Gründen nicht belegt. Verteilung auf Bezirke – Untergebrachte Geflüchtete in LAF-Unterkünften in ErstaufnahmeEinrichtungen und Gemeinschaftsunterkünften Bezirk Unterkünfte Plätze belegte Plätze nicht belegte Plätze verfügbare Plätze Charlottenburg-Wilmersdorf 6 1.007 831 61 115 Friedrichshain-Kreuzberg 3 704 635 52 17 Lichtenberg 11 3.566 3.068 396 102 Marzahn-Hellersdorf 9 3.725 2.804 677 244 Mitte 4 843 592 246 5 Neukölln 3 970 782 124 64 Pankow 12 3.332 2.296 802 234 Reinickendorf 4 1.057 761 59 237 Spandau 6 2.003 1.705 183 115 Steglitz-Zehlendorf 7 2.350 1.916 280 154 Tempelhof-Schöneberg 7 2.187 1.705 184 298 Treptow-Köpenick 9 1.570 1.167 203 200 Gesamt 81 23.314 18.262 3.267 1.785 Quelle: LAF- Abteilung I- Unterkünfte/ I D 1 Umzugs- und Belegungssteuerung mit Stand: 31.03.2021 Temporär geschlossene Unterkünfte wegen Sanierungsmaßnahmen Bezirk Straße Kapazität geplante Fertigstellung* Neukölln Haarlemer Straße (Altbau) 393 01.01.2022 Treptow-Köpenick Groß-Berliner-Damm 150 01.04.2022 Pankow Storkower Straße 250 01.01.2022 * Inbetriebnahme ca. 6 Wochen später (nach Erstausstattung) 7 Newsletter Flüchtlingsmanagement Wiedereröffnung temporär geschlossener Unterkünfte nach Sanierungsmaßnahmen Bezirk Straße Kapazität geplante Wiedereröffnung* Pankow Bühringstraße 355 19.04.2021 Charlottenburg-Wilmersdorf Soorstraße 160 12.04.2021 Rückbau und Schließung von Tempohomes/ Containerbauten sowie sonstiger Unterkünfte In der 4. Kalenderwoche konnte, die für ursprünglich Ende des Jahres 2020 vorgesehene Schließung der Siverstorpstraße (Kapazität: 245 Plätze) im Bezirk Pankow, realisiert werden. Hierfür wurde u.a. die Folgeunterkunft MUF Falkenberger Straße genutzt. Die Aufnahmeeinrichtung Brebacher Weg wurde zum 30.04.2021 geschlossen, wonach bereits 228 freie Plätze nicht mehr belegbar sind. Grundsätzlich stehen die Freizüge nach wie vor unter den Vorbehalt, dass diese unter Einhaltung der Regelungen der SARS-CoV-2-Infektionsschutzverordnung durchgeführt werden können. Als Entzerrungsstandort wurde in der 31. Kalenderwoche 2020 übergangsweise das Tempohome Dingolfinger Straße im Bezirk Marzahn-Hellersdorf (Kapazität: 150 Plätze) wieder in Betrieb genommen. Dieser Standort wurde als 2. Quarantäne-Unterkunft genutzt. Die Unterkunft wurde nunmehr am 31.03.2021 wieder geschlossen, der Betreibervertrag ist entsprechend ausgelaufen. Eröffnung neuer Unterkünfte In der 4. Kalenderwoche 2021 wurde am Standort Falkenberger Straße im Bezirk Pankow ebenfalls eine neue Gemeinschaftsunterkunft für Geflüchtete in modularer Bauweise eröffnet. Die beiden Gebäude bieten Platz für bis zu maximal 194 Personen. Die Wohnungen sind unterschiedlich groß und aufgeteilt, von der 1-Raum-Wohnung bis zur 4-Raum-Wohnung für größere Familien mit Kindern. In der Regel werden Räume mit 2 Personen belegt. Auf eine Umzäunung wurde verzichtet, der Spielplatz auf dem Gelände der Unterkunft ist während der Tageszeiten frei zugänglich. Der Kontakt zur Nachbarschaft wird durch eine Begegnungsstätte im Erdgeschoss der Anlage angeregt und geleitet von der „leben lernen gGmbH“ am Evangelischen Diakoniewerk Königin Elisabeth. Hier werden künftig Menschen mit Beeinträchtigung alte und neue Nachbarn willkommen heißen. In der 8. Kalenderwoche 2021 wurde im Bezirk Pankow, an der Rennbahnstraße, eine neue Gemeinschaftsunterkunft für geflüchtete Menschen eröffnet. Das LAF hat in Kooperation mit der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen zwei moderne Wohngebäude in modularer Bauweise realisiert. Die beiden dreigeschossigen Gebäude bieten Platz für bis zu 132 Menschen. Es gibt insgesamt 34 Wohnungen (1-5 Zimmer) mit eigener Küche und Bad. 12 Wohnungen sind barrierefrei. 8 Newsletter Flüchtlingsmanagement In den Neubau an der Rennbahnstraße ziehen Geflüchtete ein, die schon länger in Berlin leben und ihr Asylverfahren in der Regel bereits durchlaufen haben. Viele der Bewohner*innen lebten bislang in anderen Unterkünften im Bezirk Pankow. Um ihre soziale Unterstützung kümmert sich der landeseigene Betreiber der Unterkunft, LfG-B. Darüber hinaus steht der Bewohnerschaft das umfangreiche Beratungs- und Unterstützungsnetzwerk für Geflüchtete in Pankow zur Verfügung. In der 11. Kalenderwoche 2021 wurde im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf eine neue Aufnahmeeinrichtung für Geflüchtete eröffnet. Die Unterkunft gehört zum Campus Eschenallee und bietet bis zu 87 geflüchteten Menschen ein Zuhause für die ersten Wochen nach ihrer Ankunft. Es stehen Einzel-, Doppel- und Familienzimmer für bis zu 4 Personen zur Verfügung. Drei Zimmer sind auch für Menschen im Rollstuhl geeignet. Darüber hinaus gibt es Räume für Beratung und Hausaufgabenbetreuung und einen Speisesaal für die Einnahme der Mahlzeiten im Erdgeschoss. Geleitet wird die Einrichtung vom landeseigenen Betreiber LfG-B. Wohnungsbezug durch Asylbegehrende (abgeschlossene Mietverträge) Jahr Personen Fälle * Davon WfF** Anteil WfF % 2011 360 180 27 15 2012 550 285 120 42 2013 790 370 205 55 2014 1.300 570 260 46 2015 2.080 1.000 370 37 2016 4.160 2.136 486 23 2017 4.094 2.326 784 34 2018 2019 2.142 1.984 1.298 1.219 709 677 55 56 2020 2.097 1.232 502 41 138 113 91 69 24 37 26 54 2021 Januar Februar * Die Zahl der Fälle ist nicht mit der Zahl der Wohnungen gleichzusetzen. Volljährige Familienangehörige (außer Ehegatten) werden z.B. als eigener Fall erfasst. Vom 02.01. bis 14.06.2020 sind vom Mietsachgebiet des LAF bisher 1.949 Mietangebote geprüft worden, davon konnten 564 Angeboten zugestimmt werden (in den übrigen Fällen waren die Unterlagen unvollständig). Die Zustimmung zum Mietangebot ist nicht gleichzusetzen mit Zustandekommen/ Abschluss eines Mietvertrages. Freiwillige Rückkehr seit 2016 Art der Ausreise Anzahl Ausreisen durch freiwillige Rückkehr (REAG/GARP)* 2016 2.096 Ausreisen durch freiwillige Rückkehr (REAG/GARP)* 2017 1.107 Ausreisen durch freiwillige Rückkehr (REAG/GARP)* 2018 640 Ausreisen durch freiwillige Rückkehr (REAG/GARP)* 2019 688 Ausreisen durch freiwillige Rückkehr (REAG/GARP)* 2020 240 * bundesweite humanitäre Hilfsprogramme, kofinanziert von Bund/Ländern/EU und administriert von der International Organisation für Migration (IOM) 9 Newsletter Flüchtlingsmanagement II. PartMig - Gesetz II.1. Das Gesetz der offenen Tür – Die Beauftragte des Berliner Senats für Integration und Migration Foto: Katarina Niewiedzial, Beauftragte des Berliner Senats für Integration und Migration Wir leben in einer Migrationsgesellschaft: in einer Vielfalt der Lebensweisen, Bezüge, Sprachen und Religionen, die unsere Stadt Berlin und unser Land ausmachen. Deshalb brauchen wir eine moderne Verwaltung, die alle mitdenkt. Die Vielfalt soll sich auch im öffentlichen Dienst widerspiegeln – auf allen Arbeitsebenen. Es braucht mehr Sichtbarkeit und Repräsentanz von Menschen mit Migrationsgeschichte in der Verwaltung und eine stärkere politische Partizipation. Dafür steht das neue Partizipationsgesetz, das am 17. Juni 2021 im Berliner Abgeordnetenhaus verabschiedet wurde. Dieses „Gesetz zur Neuregelung der Partizipation im Land Berlin“ ist ein Gesetz der offenen Tür. In seiner ersten Form entstand es im Jahr 2010 auf Initiative des Berliner Landesbeirats für Integrations- und Migrationsfragen. Auch damals förderte es die Teilhabe und Partizipation von Menschen mit Migrationsgeschichte. Berlin war das erste Bundesland, das ein solches Gesetz verabschiedet hatte. Nach zehn Jahren und einer gründlichen Evaluation war jedoch klar: Das Gesetz ist noch zu wenig bekannt, die darin festgehaltenen Vorgaben sind zu wenig konkret und folglich zu wenig umgesetzt. Auch sind einige Konzepte und Begriffe nicht mehr zeitgemäß oder passen nicht zu den eigentlichen Gesetzeszielen. Dabei sind diese Ziele nach wie vor aktuell und sogar dringlicher denn je. Als Integrationsbeauftragte des Berliner Senats habe ich den Auftrag erhalten, das Gesetz zu überarbeiten. Es liefert nun konkrete Instrumente für eine größere Personalvielfalt in der Verwaltung, denn wir brauchen Menschen mit Migrationsgeschichte in den Behörden – als Fachkräfte und Vorbilder. Bislang wird die Verwaltung zu wenig als ein attraktiver potenzieller 10 Newsletter Flüchtlingsmanagement Arbeitgeber wahrgenommen – gerade auch von Menschen mit Migrationsgeschichte. Auch erreichen die Ausschreibungen diese Zielgruppe nicht. Genau das ändert sich nun mit dem neuen Partizipationsgesetz: Bei der Besetzung von Stellen und Ausbildungsplätzen sollen Menschen mit Migrationsgeschichte in besonderem Maße berücksichtigt werden. Sie müssen dafür gezielt geworben und angesprochen werden. Dafür sollen Stellenausschreibungen so formuliert sein, dass sie für Viele, die die Verwaltung bisher nicht als Arbeitgeberin präsent haben, ansprechend und verständlich sind. Die Ausschreibungen sollen über Netzwerke und zum Beispiel auch unter Migrant*innenselbstorganisationen verbreitet werden. Es geht zudem auch darum, im Auswahlverfahren Diversity-Kompetenz und Mehrsprachigkeit positiv in die Bewertung einfließen zu lassen. Das Gesetz sieht auch Förderpläne und Zielvorgaben für alle öffentlichen Stellen des Landes Berlin für Menschen mit Migrationsgeschichte vor. Eine neu geschaffene Fachstelle im Bereich Integration/ Migration soll die fachliche Ausrichtung der Verwaltungen auf die Vielfaltsgesellschaft begleiten. Für eine gezielte Personalpolitik brauchen wir eine verlässliche statistische Grundlage – ohne Zahlen keine Politik. Ein wichtiger Punkt im neuen Gesetz ist deshalb die Erhebung der Zahlen von Menschen mit Migrationshintergrund im öffentlichen Dienst, die freiwillig erfolgt. Aktuell gibt es hierzu keine verlässlichen Angaben, da der Anteil in den Behörden bislang nicht erhoben wird. In der Bevölkerungsstatistik dagegen schon: Da liegt er in Berlin bei rund 35 Prozent. Das neue Gesetz beinhaltet zudem auch viele Aspekte, die mehr Teilhabe und politische Partizipation für Menschen mit Migrationsgeschichte ermöglichen: So werden etwa die Landes- und Bezirksbeauftragten für Partizipation und Integration sowie der Landesbeirat für Partizipation gestärkt. Die Beiräte in den Bezirken werden gesetzlich verankert – nicht alle Berliner Bezirke hatten bislang einen solchen Beirat. Zudem wird ein Beirat für die Belange der Roma und Sinti mit dem Gesetz eingerichtet. Es geht uns darum, verbindliche Strukturen und Regelungen zu entwickeln, die für alle Menschen einen gleichberechtigten Zugang ermöglichen. Dafür ist das Gesetz der offenen Tür ein elementares Instrument. II.2. Integrationsinstrumente: Erfahrungen, Vernetzung & Perspektive Bezirkliche Integrationsbeauftragte In jedem Berliner Bezirk gibt es eine*n Integrationsbeauftragte*n. Sie sind Ansprechpersonen für Menschen mit Migrationsgeschichte im jeweiligen Bezirk, aber auch für Vereine, die Verwaltung und die bezirkspolitischen Gremien. Integrationsbeauftragte beraten, unterstützen und vernetzen zu den Themen Integration und Partizipation, nehmen aber auch die Rolle als Ombud für Bürger*innen 11 Newsletter Flüchtlingsmanagement wahr. Die konkreten Ziele und Aufgaben sind im Berliner Partizipations- und Integrationsgesetz festgeschrieben, das nunmehr angepasst worden ist und PartMigG heißt. Foto Landesarbeitsgemeinschaft der bezirklichen Integrationsbeauftragten: Bezirkliche Integrationsbeauftragte Da die Aufgaben sehr vielfältig sind und jeder Bezirk seine eigene Ausrichtung hat, arbeiten die Integrationsbeauftragten in Teams mit Expert*innen zu den verschiedenen Themen zusammen. Wer sich ein genaues Bild über die verschiedenen Aufgabenzuschnitte der einzelnen Teams machen möchte, findet die Informationen auf den jeweiligen Homepages der Bezirksämter. In jedem Bezirk gibt es eine*n Flüchtlingskoordinator*in. Diese sind nicht immer angedockt an das Integrationsbüro, sondern arbeiten in manchen Bezirken auch in anderen Einheiten oder Fachämtern. Sie bilden die Informations- sowie Netzwerkschnittstelle für Menschen mit Flucht- und Migrationsgeschichte sowie Beschäftigte in Gemeinschaftsunterkünften, Fachämtern, Vereinen oder ehrenamtlich Engagierte. Alle Bemühungen eint das Ziel, auf ein friedliches und respektvolles Miteinander aller Menschen hinzuwirken, die Lebenssituation und Teilhabechancen von Menschen mit Flucht- und Migrationshintergrund zu verbessern und deren soziale, kulturelle und politische Partizipation zu fördern. Nina Tsonkidis, Integrationsbeauftragte BA-Pankow Koordinator*innen für Flüchtlingsfragen Die Koordinator*innen für Flüchtlingsfragen sind Teil der Integrationsbüros der Bezirksämter und damit Informations- sowie Netzwerkschnittstellen für Menschen mit Flucht- und Migrationsgeschichte sowie Beschäftigte in Gemeinschaftsunterkünften, Fachämtern, Vereinen oder 12 Newsletter Flüchtlingsmanagement ehrenamtlich Engagierte. Die Arbeit der Koordinator*innen ist in den einzelnen Bezirken verschieden gestaltet, da sie unterschiedliche Strukturen, Akteurslandschaften und migrantische Communities aufweisen. All unsere Bemühungen eint das Ziel, auf ein friedliches und respektvolles Miteinander aller Menschen hinzuwirken, die in Berlin leben. Deshalb engagieren wir uns für die Verbesserung der Lebenssituation und der Teilhabechancen von Menschen mit Flucht- und Migrationsgeschichte, bieten Unterstützung und ermöglichen Begegnungen und Austausch. Sollten sich mit der Zeit einige Kontakte ändern, finden Sie stets die aktuellen Angaben auf der Internetpräsenz des jeweiligen Bezirksamts (Politik und Verwaltung/Beauftragte/Integration). Kontakte der Flüchtlingskoordinator*innen und Integrationsbüros aller Berliner Bezirke MarzahnHellersdorf SteglitzZehlendorf TempelhofSchöneberg Reinickendorf Spandau Neukölln FriedrichshainKreuzberg Integrationsbeauftragter: Dr. Thomas Bryant Koordination für Flüchtlingsfragen: Francisco Cárdenas Ruiz, Mail: FranciscoJose.CardenasRuiz@ba-mh.berlin.de, Tel: 030/ 90293 - 2062 Susan Hermenau, Mail: susan.hermenau@ba-mh.berlin.de Tel: 030/ 90293 - 2019 Integrationsbüro: https://www.berlin.de/ba-marzahn-hellersdorf/politik-undverwaltung/beauftragte/integration/ Integrationsbeauftragte: Laura El-Khatib Integrationsbüro: http://www.steglitz-zehlendorf.de/integration Integrationsbeauftragte: Dr. Lisa Rüter Gesamtkoordination Flüchtlingsfragen: Romy Powils Mail: romy.powils@ba-ts.berlin.de, Tel: 030/ 90277 - 6579 Integrationsbüro: https://www.berlin.de/ba-tempelhof-schoeneberg/politik-undverwaltung/beauftragte/integration/ Integrationsbeauftragte: Julia Stadtfeld Koordinatorin für Flüchtlingsfragen: Juliana Ramm Mail: juliana.ramm@reinickendorf.berlin.de, Tel: 030/ 90294 - 2012 Integrationsbüro: https://www.berlin.de/ba-reinickendorf/politik-undverwaltung/beauftragte/integration/artikel.601733.php Integrationsbeauftragter: Danilo Segina Koordinator Geflüchtetenfragen: Martin Peters Mail: martin.peters@ba-spandau.berlin.de, Tel: 030/ 90279 - 3324 Integrationsbüro: https://www.berlin.de/ba-spandau/politik-undverwaltung/beauftragte/integration/ Integrationsbeauftragte: Güner Balci Integration: https://www.berlin.de/ba-neukoelln/politik-undverwaltung/beauftragte/integration/ Gesamtkoordination Flüchtlingsfragen: Luise Budäus Mail: Luise.Budaeus@bezirksamt-neukoelln.de, Tel: 030/ 90239 - 3753 Kommissarische Integrationsbeauftragte: Friederike Krentz Integrationsbüro: https://www.berlin.de/ba-friedrichshain-kreuzberg/politik-undverwaltung/beauftragte/integration/ 13 Newsletter Flüchtlingsmanagement TreptowKöpenick CharlottenburgWilmersdorf Pankow Mitte Lichtenberg Integrationsbeauftragter: Gregor Postler Gesamtkoordination Flüchtlingsfragen: Christine Herm Mail: Christine.Herm@ba-tk.berlin.de, Tel: 030/ 90297 - 2308 Integrationsbüro: https://www.berlin.de/ba-treptow-koepenick/politik-undverwaltung/beauftragte/integration/ Integrationsbeauftragter: Leon Godeffroy (z.Z. in Elternzeit) Cem Gömüsay (stellvertretender Integrationsbeauftragter) Integrationsbüro: https://www.berlin.de/ba-charlottenburgwilmersdorf/verwaltung/beauftragte/integration/ Integrationsbeauftragte: Nina Tsonkidis Koordinatorin für Flüchtlingsfragen im Team Integration: Birgit Gust Mail: birgit.gust@ba-pankow.berlin.de, Tel: 030/ 90295 - 2431 Integrationsbüro: https://www.berlin.de/ba-pankow/politik-undverwaltung/beauftragte/integration Integrationsbeauftragte: Johanna Kösters (Integrationsbeauftragte) Noemi Majer (kommissarische Integrationsbeauftragte) Koordinatorin für Flüchtlingsfragen: Carolin Wildt Mail: carolin.wildt@ba-mitte.berlin.de ,Tel.: 030/ 90183 - 3749 Integrationsbüro:https://www.berlin.de/ba-mitte/politik-undverwaltung/beauftragte/integration Integrationsbeauftragte: Bärbel Olhagaray Zuwanderungskoordinatorin: Irina Plat Mail: irina.plat@lichtenberg.berlin.de, Tel: 030/ 90296 - 3596 Integrationsbüro:https://www.berlin.de/ba-lichtenberg/politik-undverwaltung/beauftragte/integration/artikel.256465.php Einige FlüKos beim Online-Jour fixe Ende März (von links oben nach rechts unten: Fr. Krenz, Hr. Cárdenas, Fr. Gust, Fr. Plat, Fr. Majer, Fr. Powils, Fr. Lichtenauer, Fr. Hermenau) Netzwerke und Kooperationen im Programm BENN – Berlin Entwickelt Neue Nachbarschaften Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen startete das Programm „BENN-Berlin Entwickelt Neue Nachbarschaften“ im April 2017 in 20 Berliner Quartieren mit Gemeinschaftsunterkünften für Geflüchtete. Der Zuzug von meist mehreren hundert Geflüchteten in die Quartiere 14 Newsletter Flüchtlingsmanagement hat Auswirkungen auf die Infrastruktur wie zum Beispiel Kitas und Schulen, die Nutzung von Grünund Spielflächen aber auch auf das soziale Leben. Ziel von BENN ist die Förderung der Integration und des sozialen Zusammenhalts auf lokaler Ebene. Die an den Standorten eingesetzten BENN-Teams arbeiten von Vor-Ort-Büros aus. Sie sind Kümmerer und Ansprechpartner*innen für die ansässige Bewohnerschaft und die Geflüchteten. So werden Begegnung und Interaktion gefördert und Brücken zu lokalen Infrastruktureinrichtungen, Initiativen oder Vereinen gebaut. Aufgabe der BENN-Teams ist es auch, Dialoge und die Diversitätsoffenheit im Stadtteil zu fördern und darauf einzuwirken, dass die neuen Bedarfe Berücksichtigung finden. Vor allem steht aber das Empowerment der alteingesessenen Bewohnerschaft und der zugezogenen Geflüchteten im Vordergrund. In Gesprächen, Nachbarschafts-foren, bei Kiezspaziergängen oder in Sprachcafés werden Anliegen und Ideen generiert, die dann mit den zur Verfügung stehenden Sachmitteln umgesetzt oder von Akteur*innen im Stadtteil aufgegriffen werden sowie in Verwaltungshandeln einfließen. Die BENN-Teams treffen an den jeweiligen Standorten auf unterschiedlichste Netzwerke und Kooperationspartner*innen. Neben den klassischen Akteur*innen der Nachbarschaftsarbeit gehören unter anderem Unterkunftsbetreiber, Bildungsverbünde, Sportvereine und Wohnungsunternehmen zu den Partnern im Rahmen der sozialräumlichen Integration. Die erste Phase der Programmumsetzung war gekennzeichnet davon, Kontakte aufzunehmen, Vertrauen aufzubauen und das „neue“ Thema in bestehenden Strukturen zu verankern. Auch wurden neue Angebote zur Zusammenarbeit entwickelt. Mittlerweile sind starke Netzwerke und Kooperationen entstanden, die gemeinsam vielfältige Aktionen im Stadtteil organisieren. In Berlin Buch arbeitet das BENN-Team beispielsweise eng mit dem Bildungsverbund zusammen, um die Bedarfe geflüchteter Kinder und Jugendlicher im vorschulischen, schulischen und Freizeitbereich zu vertreten. Aus dieser Zusammenarbeit sind die AG Deutschkurse und die AG Nachhilfe/ Ausbildung Buch entstanden. Hier werden mit der Jugendberufsagentur, der Volkshochschule, den Unterkünften, Schulen und Sozialarbeiter*innen und weiteren Akteur*innen Foto Albatros gGmbH: Bildungsverbund und BENN präsentieren Bildungs- und Freizeitangebote in Berlin-Buch Angebote zum Übergang Schule-Beruf und zur Ausbildung abgestimmt und vernetzt. Die enge lokale Kooperation hat insbesondere während der letzten Monate viel Hilfe in der schwierigen Lernsituation der Kinder in den Unterkünften ermöglicht, so wurden Lernräume errichtet und ausgestattet und Homeschooling unterstützt. Als kulturelles Bildungsprojekt wurde durch ansässige Künstler*innen in Kooperation mit lokalen Akteur*innen und gefördert durch BENN, das Pankower Jugendamt und 15 Newsletter Flüchtlingsmanagement ein Wohnungsunternehmen 2019 „#meinmeinKiez“ umgesetzt (https://meinmeinkiez.de/). Bewohner*innen des Stadtteils, mit und ohne Fluchterfahrung und aus allen Generationen, fotografierten bei gemeinsamen Stadtteilspaziergängen ihren Stadtteil aus ihrer jeweils individuellen Perspektive. In einem partizipativen Prozess wurden Fotos für eine Ausstellung im öffentlichen Raum ausgesucht, die über einige Wochen jeden Tag in einer gemeinsamen Aktion ausgetauscht wurden. In ihrer Arbeit werden die BENN-Teams durch die jeweiligen Bezirke und die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen unterstützt. Das lokale Wissen wird in den gemeinsamen Steuerungs- und den Fachämterrunden auf Bezirks- und Senatsebene aufgegriffen und mit Maßnahmen der Fachämter verknüpft. Die aufgezeigten Bedarfe wirken so teilweise auch in die Regelstrukturen hinein. Neben der lokalen Vernetzung weist damit auch das Foto Albatros gGmbH: Workshop Ausbildung und Beruf im BBH LernLaden in Buch ressortübergreifende Arbeiten für die Verbindung von Integration und Stadtentwicklung eine enorme Bedeutung auf. Durch die Verknüpfung von Landesprogrammen, bezirklichen Maßnahmen und den lokalen Aktivitäten werden Sozialräume gezielt gestärkt. Die bisherigen Erfahrungen im Programm BENN zeigen, dass neben den Integrations-prozessen auch die allgemeine Quartiersentwicklung positiv gefördert wird. Aufgrund der Erfolge wird das Programm ab dem Jahr 2022 weitergeführt, zunächst mit neun Standorten. Weitere Informationen: www.stadtentwicklung.berlin.de/staedtebau/foerderprogramme/benn Kontakt: Ute Krüger, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen, Referat Integrierte Quartiersentwicklung, E-Mail: ute.krueger@sensw.berlin.de Landesprogramm Stadtteilmütter Der Anteil von Kindern mit Migrationshintergrund in Berlin ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Die wachsende Zahl von Kindern mit Migrationshintergrund bringt es mit sich, dass die Vermittlung von frühkindlicher Bildung, Sprachkenntnissen, Informationen zum Schulsystem sowie von anderen wichtigen Rahmenbedingungen für ein gutes Aufwachsen stärker in den Fokus rücken. Deswegen werden seit dem Jahr 2006 in Berlin Stadtteilmütter qualifiziert und eingesetzt, die im Rahmen eines Peer-to-Peer-Ansatzes Familien mit Migrationshintergrund mit Kindern bis zu zwölf Jahren beraten und begleiten. 16 Newsletter Flüchtlingsmanagement Stadtteilmütter sind selbst Mütter mit Migrationshintergrund und damit Teil der Zielgruppe. Sie besuchen Familien mit Migrationshintergrund zu Hause (das heißt auf Anfrage auch in Gemeinschafts- unterkünften), treffen sie im Familienzentrum und an anderen familienrelevanten Orten (Familienbüro, Erziehungs- und Foto: SenBJF, 11.06.2019, Pressetermin bei Senatorin Sandra Scheeres Familienberatungsstelle, Kinder- und Jugend-gesundheitsdienst etc.). Darüber hinaus stehen sie in Kitas und Schulen im Rahmen von Elterncafés für Gespräche zur Verfügung. Stadtteilmütter sind Vorbilder für andere Frauen mit Migrationshintergrund, werben für Sprachförderung und frühe Bildung und tragen mit ihrem Wirken maßgeblich zur Stärkung der Erziehungskompetenzen bei. Sie kooperieren eng mit den Fachkräften der Bildungsinstitutionen und Regeldienste und sind damit zugleich ein wichtiger Baustein bei der Prävention von Kinder- und Familienarmut. Dieser niedrigschwellige Ansatz schafft eine gute Grundlage für die gesellschaftliche Teilhabe von Familien mit Migrationshintergrund. Mit dem Senatsbeschluss vom 4. Juni 2019 wurde die erfolgreich evaluierte Arbeit der Stadtteilmütter langfristig gesichert. Mit dem Start des neuen Landesprogramms zum 1. Januar 2020 wurde die Arbeit der Stadtteilmütter auf ein festes Fundament gestellt und für sie sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsmöglichkeiten geschaffen, welche ihre Arbeitskonditionen verbessern. Hierfür wird bis einschließlich 2024 mit Ausgaben von insgesamt rund 43 Millionen Euro gerechnet. Seit Anfang 2020 werden 150 Stadtteilmütter im Landesprogramm Stadtteilmütter beschäftigt. Noch dieses Jahr sollen 30 weitere Stadtteilmütter eingestellt werden. Während der seit nunmehr über einem Jahr andauernden Corona-Pandemie haben es die Stadtteilmütter verstanden, den so wichtigen persönlichen Kontakt zu den von ihnen betreuten Familien jeweils entsprechend den geltenden Regelungen aufrecht zu erhalten: zunächst via Telefon und Messenger Diensten wie WhatsApp, später durch Treffen in Parks oder bei gemeinsamen Spaziergängen und mittlerweile auch wieder vereinzelt zu Hause mit dem Tragen von Masken und unter Einhaltung des vorgeschriebenen Abstands. Die Stadtteilmütter reagieren sehr kreativ auf die aktuelle Situation. So bieten sie zum Beispiel Online-Vorleseaktionen bzw. Online-Basteln an oder packen Aktivitätentaschen mit Spielen, Spielsachen und Büchern zum Ausleihen für die Familien. „Als Stadtteilmütter waren wir in Zeiten der Pandemie für einige Familien zeitweise die einzigen Ansprechpartnerinnen. Wir haben den Familien notwendige (Corona-)Informationen, wenn möglich in verschiedenen Sprachen, weitergeleitet. Die Stadtteilmütter haben die Familien oft zu Elterngesprächen in der Schule begleitet, damit sie die Familien beim Homeschooling gut unterstützen können.“ (Mona Ramadan aus Kreuzberg) 17 Newsletter Flüchtlingsmanagement Insgesamt besteht ein sehr enges Verhältnis zwischen den Stadtteilmüttern und den Familien, die sie begleiten und beraten. Die Stadteilmütter kümmern sich um die verschiedensten Anliegen und Probleme und sind so eine große Unterstützung für eine gelingende Integration: „Während der Arbeit habe ich mit Menschen zu tun. Besonders in den Eltern-Cafés trifft man viele Frauen. Wir besprechen unsere Themen und sammeln Informationen. Es hören dort viele zu und machen mit, das macht mir sehr viel Spaß. Besonders viel bedeutet mir, wenn die besuchten Familien großes Vertrauen zu mir haben. Wenn die Frauen Schwierigkeiten haben, dann wenden sie sich an mich. Ich bin ihre Stadtteilmutter. Ich habe immer ein offenes Ohr für sie. Die Frauen geben mir ihre Telefonnummern. Sie wollen von mir informiert werden. Ich leite oft Flyer und interessante Informationen weiter.“ (Kerime Karabacak aus Neukölln) „[Ich] versuche, den Familien in verschiedenen Situationen zu helfen. Ich begleite die Frauen zu Vorsorgeuntersuchungen beim Kinderarzt, zur Kita-Anmeldung oder zu Elternabenden. Auch die zweisprachige Erziehung ist ein wichtiges Thema, das ich mit den Frauen bespreche. Ich arbeite […] meistens mit syrischen Familien. Aber auch mit Menschen aus Libyen, Ägypten, dem Libanon oder dem Irak. Religion spielt dabei keine Rolle. Wir haben früher im Irak ja auch mit ganz unterschiedlichen Religionen zusammengelebt. Religion war eine Nebensache für uns.“ (Iqbal AlBriefkani aus Neukölln) „Ich arbeite seit 2015 mit geflüchteten Familien in Berlin Mitte. Ich kenne die Schwierigkeiten und die Hilflosigkeit, da ich selbst auch als Geflüchtete vor Jahren nach Deutschland gekommen bin. In der Notunterkunft bin ich je nach Bedarf und Anfrage unterwegs. Ich begleite und unterstütze die Familien zu verschiedenen Themen und Termine. Die Familien vertrauen mir als Stadtteilmutter sehr, da ich ihre Probleme kenne. Meine Termine in den Unterkünften sehen jedes Mal anderes aus, mal begleite ich die Frauen zu Vorsorgeuntersuchung, mal unterstütze ich bei der Beantragung vom Kitagutschein und bei der Kitaplatzsuche, erkläre Corona-Maßnahmen, oder ich melde die Eltern für die Deutsch-Sprachkurse an und Begleitung sie zur Schuluntersuchung. Die Familien brauchen viel Unterstützung und gut, dass es uns als Stadtteilmütter gibt.“ (Khonaw Dashti aus Mitte) Franziska Jung, SenBJF Abteilung V Brückenbauer*innen in der Migrationsgesellschaft – die Integrationslots*innen des Berliner Landesrahmenprogramms Am 1. Oktober 2013 wurde das Landesrahmenprogramm Integrationslots*innen initiiert und wird von der Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales des Landes Berlin gefördert. Das Programm startete zunächst mit insgesamt 69 Integrationslots*innen, die bei 12 verschiedenen Trägern in allen Berliner Bezirken angestellt waren. Von Beginn war es als lernendes und 18 Newsletter Flüchtlingsmanagement bedarfsorientiertes Programm angelegt. Aus diesem Grund wurde es angesichts des verstärkten Zuzugs von Geflüchteten in den Jahren 2015 bis 2018 auch kontinuierlich ausgebaut. Die Unterstützung geflüchteter Menschen erfolgte zunächst als Modellprojekt, wurde dann aber sukzessive in die Regelstruktur des Landesrahmenprogramms überführt. So können alle Menschen mit Flucht- oder Migrationsgeschichte das Angebot der Integrationslots*innen nutzen, unabhängig davon, wie lange sie schon in Berlin leben. Das Landesrahmenprogramm stand seitdem natürlich nicht still: In den letzten Jahren wurde insbesondere die Zusammenarbeit mit den Fachämtern in den Bezirken sukzessive ausgebaut und so auch immer wieder Anstöße zur interkulturellen Öffnung der Berliner Verwaltung gegeben. Auch mit Blick auf die Gruppe der EU-Zuwander*innen, insbesondere aus Rumänien und Bulgarien, aber auch aus Italien oder Spanien, wurden bei Neueinstellungen entsprechende Sprachbedarfe berücksichtigt. Stand März 2021 umfasst das Landesrahmenprogramm 17 Projekte bei 16 verschiedenen Trägern. Die Leistungen der 207 Integrationslots*innen werden in mehr als 40 Sprachen angeboten. Die Klient*innen erhalten ein niederschwelliges Angebot. Sie können all ihre Alltagfragen adressieren – von A wie Anmeldung einer Wohnung beim Bürgeramt, über K wie Kontoeröffnung, bis Foto: Dagmar Morath: Sommerfest Landesrahmenprogramm Integrationslots*innen 2019 hin zu Z wie Zahnarzttermin vereinbaren. Kleinere Anliegen werden von den Integrationslots*innen selbst bearbeitet, bei allen anderen Anfragen wird an die richtige Fachberatungsstelle verwiesen. Darüber hinaus begleiten die Integrationslots*innen zu verschiedenen Behörden und Institutionen wie dem Jobcenter, der Ausländerbehörde oder dem Standesamt. Sie verfügen über eine breite Expertise in vielen Themengebieten. „Qualifizierte Lots*innen sind fachlich in der Lage, bereits während der Begleitung wertvolle Auskünfte zum Thema zu geben“, sagt Peggy Patzig, Teamleiterin in Marzahn-Hellersdorf (Caritasverband für das Erzbistum Berlin e.V.). Auch die beteiligten Institutionen haben den Wert der Integrationslots*innen erkannt, ergänzt Ute Tigges, Leiterin des Teams in Neukölln (CHANCE BJS gGmbH): „Andere Behörden und Beratungsstellen schätzen ebenso die Sprach- und Kulturmittlung durch die Lots*innen. Sie vereinfacht nicht nur die Verständigung, sondern auch das gegenseitige Einfühlungsvermögen in die Situation des anderen.“ Vom Landesrahmenprogramm profitieren jedoch nicht nur die Klient*innen, sondern auch die Integrationslots*innen selbst. Erklärtes Ziel des Programms ist seit jeher die Förderung beruflicher 19 Newsletter Flüchtlingsmanagement Perspektiven von Menschen mit Migrationshintergrund, die über keine bzw. geringe formale berufliche Qualifizierung verfügen oder deren Qualifikation in Deutschland nicht anerkannt ist. Das Landesrahmenprogramm ermöglicht den Integrationslots*innen eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung und den Einstieg in den ersten Arbeitsmarkt. Zukünftig sollen durch passgenaue Angebote wie Coachings und Qualifizierungen die beruflichen Perspektiven der Lots*innen noch weiter unterstützt werden. Die Erfahrung zeigt, dass die Integrationslots*innen überall dort besonders erfolgreich arbeiten, wo sie gut vernetzt sind. „Zusammenarbeit heißt nicht nur punktuelle Übersetzungen“ sagt Peggy Patzig. Es geht um Zusammenarbeit auf Augenhöhe, die die Expertise der Integrationslots*innen anerkennt. Aus diesem Grund sind Kooperationen und Netzwerkarbeit ein wesentlicher Bestandteil des Landesrahmenprogramms. So sind die Integrationslots*innen fester Bestandteil in bezirklichen Gremien und ein etablierter Kooperationspartner der Gemeinschaftsunterkünfte sowie anderer integrations-fördernder und gemeinwesenorientierter Programme – etwa BENN (Berlin Entwickelt Neue Nachbarschaften) und den Stadtteilmüttern. Letztere waren noch bis Ende 2019 Teil des Integrationslots*innenprogramms, bevor die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie im Frühjahr 2020 ein eigenes Landesprogramm für die Stadtteilmütter implementierte. Die vorhandene Nähe zwischen den Integrationslots*innen und Stadtteilmüttern ist jedoch geblieben, bekräftigt Ute Tigges: „Gegenseitiger vertrauensvoller Umgang, Austausch über aktuelle Themen und Probleme und regelmäßiger Gedankenaustausch prägen die Zusammenarbeit mit den Stadtteilmüttern Neukölln. In beiden Projekten sind wir ganz nah dran an der Lebenswirklichkeit und am Alltag der Migrantinnen und Migranten.“ Katharina Thanner, SenIAS Abteilung I Ehrenamt in Unterkünften: Meilenstein fürs Miteinander Da fast alle Geflüchteten – zumindest in ihrer Startphase – in Geflüchteten-Unterkünften leben, spielt auch hier das Ehrenamt eine große Rolle. Noch immer engagieren sich viele Menschen ehrenamtlich in der Flüchtlingsarbeit und leisten einen unverzichtbaren Beitrag. Ohne dieses Engagement wären die vielfältigen Unterstützungsangebote, die es in den Unterkünften gibt, undenkbar. Doch Engagement muss gemanagt werden, um alle Beteiligten zufrieden zu stellen und auch glücklich zu machen. Die Funktion „Ehrenamtskoordinator*in“, kurz EAK, gehört daher zu den hauptberuflichen Unterstützerstrukturen und ist seit 2016 fest Foto Matthias Bielor: Spielplatzinitiative Marzahn e.V., ein von BENN finanziertes Ferienprojekt 20 Newsletter Flüchtlingsmanagement im Stellenschlüssel der Berliner Flüchtlingsunterkünfte verankert. Dies gilt auch für uns, den LfG-B, der als landeseigener Betrieb 20 Berliner Flüchtlingsunterkünfte inhaltlich und organisatorisch managt. Das Aufgabenspektrum der Ehrenamtskoordination umfasst zudem die Vernetzung mit der Zivilgesellschaft, die Projektarbeit, die Mitarbeit in Gremien, die Fördermittelakquise und die Vernetzung in den Sozialraum. Mit Hilfe von bedarfsorientierten Projekten und der Vernetzung der Bewohnerschaft in die bestehenden Angebote im Sozialraum unterstützen wir den Prozess des Ankommens und fördern langfristige Integrationsprozesse. Eine gute Zusammenarbeit der EAK mit Kooperationspartner*innen und Akteur*innen aus Kiez und Bezirk, sowie ein fester und bunter Pool an Ehrenamtlichen sind für die Bewohner*innen, Freiwillige, die Unterkunft, den Sozialraum und die Gesellschaft per se ein Gewinn. Die Bedeutung der Funktion EAK innerhalb und außerhalb einer Unterkunft ist dem LfG-B bewusst. Wir haben auch die Herausforderungen, vor denen die Kolleg*innen stehen, vor Augen. EAK sind sehr dynamische Positionen, die viel Kommunikation und Fingerspitzengefühl erfordern. Aufgrund von Größe/ Belegung einer Unterkunft sind einzelne Ehrenamtskoordinator*innen beim LfG-B auch mal für zwei Unterkünfte zuständig (natürlich möglichst im gleichen Bezirk), was spannend, aber natürlich auch fordernd ist. Doch wie passt Netzwerken, Ehrenamt und persönlicher Austausch zu Pandemiezeiten zusammen? „Die Pandemie stellt Planung und Durchführung der Aktivitäten vor große Herausforderungen. Manche Angebote pausieren und sorgen auch auf Seiten der Bewohner*innen für Frust. Angebote, die weiterhin stattfinden können, müssen überdacht werden, um den Hygiene-Richtlinien gerecht zu werden“, sagt Claudia Spitzenberger, EAK in der GU Kiefholzstraße. Um die Pandemie für die Ehrenamtlichen zu überbrücken, entwickelt der LfG-B aktuell eine online Ehrenamtsakademie, damit sich Engagierte bei Bedarf und Interesse weiterqualifizieren können. Natürlich steht dieses Lernangebot später auch externen Ehrenamtler*innen offen. Ehrenamtskoordinationen können in ihrer Funktion viel gestalten, auf- und ausbauen. Deborah Brüggemann, LfG-B Berlin Die Ehrenamtliche Arbeit von Geflüchteten im Stadtteilzentrum Mittelhof Infrastrukturförderprogramm Stadtteilzentren Seit vielen Jahren engagieren sich im Land Berlin Stadtteilzentren in der Nachbarschaftsarbeit und schaffen mit ihrer generationenübergreifenden und integrativen Arbeit die Voraussetzungen für gesellschaftliche Teilhabe und bürgerschaftliches Engagement aller Berliner*innen. 21 Newsletter Flüchtlingsmanagement Stadtteilzentren sind leicht erreichbar und stehen allen Altersgruppen und Nationalitäten offen. Die Angebote reichen von sozialer Beratung, Lehr- und Kursprogrammen über kreative Gestaltung, Selbsthilfegruppen bis zur aktiven Gestaltung der gemeinsamen Lebenswelt. Die dazugehörigen Selbsthilfe-Kontakt- und Beratungsstellen vervollständigen das Angebot der Stadtteilzentren im Bereich der Selbsthilfearbeit. Die Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales fördert gesamtstädtische Stadtteilzentren mit Hilfe des Infrastrukturförderprogramms Stadtteilzentren (IFP STZ). Weitere Informationen unter: https://www.berlin.de/sen/soziales/buergerschaftliches-engagement/stadtteilzentren/ Zu den wichtigen und vielfältigen Aufgaben der Stadtteilzentren gehört es, durch Integration ein von ethnischen, religiösen und weltanschaulichen Unterschieden gekennzeichnetes urbanes Umfeld gemeinschaftlich zu gestalten und undemokratischen, intoleranten und fremdenfeindlichen Positionen aktiv entgegen zu wirken. Stadtteilzentren helfen hier im jeweiligen sozialräumlichen Kontext auf unterschiedlichste Weise durch inhaltlich speziell zugeschnittene Projekte. Ein Beispiel hierfür ist das ESF-Projekt „Qualifizierung & Ehrenamt – Zugewanderte fördern“ des Trägers Mittelhof e.V. Der Mittelhof zugewanderte e.V. fördert Menschen durch Coaching, Qualifizierung und die Vermittlung in eine ehrenamtliche Tätigkeit. Das Projekt arbeitet vor Ort sehr niedrigschwellig (durch Verknüpfung mit der offenen Stadtteilarbeit) und ganzheitlich Foto Mittelhof e.V.: arabische Frauengruppe (Projektteil-nehmer*innen werden in ihrer gesamten Lebenssituation gesehen und begleitet). So finden Frauen und Männer aller Bildungshintergründe gleichermaßen Zugang zu dem Projekt. Besonders nachgefragt werden Qualifizierungen zu Schlüsselkompetenzen wie Deutsch, Englisch und IT. Die Projektteilnehmer*innen engagieren sich   in Selbsthilfegruppen, um sich ehrenamtlich gegenseitig zu stärken und an Schritten auf ihrem beruflichen Weg gemeinsam zu arbeiten, in Einsatzstellen (z.B. Kitas, Café, Handwerkerteam) oder in selbstinitiierten Bereichen (ehrenamtliche Redaktionsgruppe, Covid19-Masken nähen, ehrenamtlich entwickelte Instagramkampagne), um zu lernen und Erfahrungen für die berufliche Integration zu machen, 22 Newsletter Flüchtlingsmanagement  als Sprachmittler*in/Lots*in, Nachhilfelehrer*in oder Mentor*in, um Hilfe zurückzugeben, die sie oft selbst bekommen haben und selbst dazuzulernen, bzw. sich ein berufliches Standbein aufzubauen. Besonders wichtig in der Begleitung der Projektteilnehmer*innen ist das Arbeiten in einem engen Netzwerk mit ehrenamtlichen Unterstützer*innen, spezialisierten Beratungsstellen und Behörden, denn die Lebenslagen der Menschen sind oft komplex und erfordern ein vernetztes Vorgehen verschiedener Akteur*innen. Die Angebote konnten seit Beginn der Covid-19-Pandemie in großen Teilen in digitale Formate (digitaler Stundenplan für online Angebote) und in „Angebote an der frischen Luft“ überführt werden. Die persönliche Begegnung bleibt für viele zugewanderte Menschen ein großer Wunsch, da so Kontakte zu deutschsprachigen Menschen gepflegt und weiter ausgebaut werden können. https://www.mittelhof.org/angebote-fuer-gefluechtete-menschen/projekte/ Marchura, SenIAS Abteilung III III. Qualitäts- und Beschwerdemanagement III.1. Berliner unabhängige Beschwerdestelle (BuBS) Unterstützendes Begleitgremium der BuBS Geflüchtete Menschen haben seit Jahresanfang in Berlin die Möglichkeit, ihre Bedarfe frei zu artikulieren, ihre Kritik zu äußern und auf Engpässe und Mängel zu verweisen. Die Berliner unabhängige Beschwerdestelle (BuBS) soll als Sprachrohr für Geflüchtete dienen, um eine Verbesserung der Lebensbedingungen in allen Berliner Flüchtlingsunterkünften zu gewährleisten. Im Februar 2021 konnte der Träger „Johanniter-Unfall-Hilfe e.V.“ die BuBS mit einem Team aus Leitung, Sozialberater*innen und Beschwerdelots*innen starten. Muttersprachliche Sprechstunden werden per Telefon, Email und Online angeboten; die neue Webseite (www.bubs.berlin) gibt Auskunft über die Arbeit und Zuständigkeit der neuen Beschwerdestelle. Seit April 2021 gibt es eine zentrale Anlaufstelle für Beratung und zur Aufnahme der Beschwerden in Berlin Neukölln – Donaustrasse 78. Die aufsuchende Arbeit in den Unterkünften des Landesamtes für Flüchtlingsunterkünften (LAF) ist entsprechend der Pandemieauflagen im Sommer gestartet. Eine Besonderheit, die durch die BuBS angeboten wird, ist die Einreichung von anonymisierten Beschwerden. Hierbei besteht keine Notwenigkeit, die eigenen Personalien anzugeben, sondern eine E-Mail-Adresse für die Rückmeldung ist ausreichend. Der Träger der Beschwerdestelle, die Johanniter-Unfall-Hilfe e.V. (JUH), ist eine der größten Hilfsorganisationen in Deutschland - mit rund 25.000 Beschäftigten, über 40.000 ehrenamtlich Helfenden sowie 1,2 Millionen Fördermitgliedern. 2014 erweiterte JUH ihr Angebot um 23 Newsletter Flüchtlingsmanagement den Bereich der Flüchtlingshilfe. Die damaligen Arbeitsschwerpunkte waren die ambulante und stationäre Betreuung sowie die Beratung von Menschen mit Fluchterfahrung. In den letzten Jahren hat sich der Fokus ihrer Arbeit gewandelt. Aus dem bisherigen Arbeitsbereich „Flüchtlingshilfe und Integration“ haben sie vor zwei Jahren den eigenständigen Fachbereich „Integration und Interkulturelle Öffnung“ geschaffen. Seit der akuten Flüchtlingshilfe liegt ihr Schwerpunkt auf der langfristigen Unterstützung von Geflüchteten bei ihrer Integration in ihre neue Heimat. Foto Berliner unabhängige Beschwerdestelle (BuBS): Die Personen von links nach rechts: Masumeh Parsakia, Sarah Hopp, Maike CaiuloPrahm, Ahmad Ouso, Malte Wehrs, Hasan Tabanaj, Hanna Abraha, Anahita Askari, Najah Karsun, Agnes Faber und vorn: Grzegorz Wierciochin Mithilfe des neuen Begleitgremiums von Vertreter*innen aus operativen Bereichen der Flüchtlingsunterbringung, Unterstützer*innen und Geflüchteten werden mit Beginn der BuBS die Beschwerdeprozesse begleitet, um aus verschiedenen Perspektiven der Akteur*innen und Vertragsinhaber*innen die Qualitätssicherung anhand von aktuellen Beschwerden zu verbessern. Es dient als Fortsetzung des Beirat-Formates aus dem in 2018/2019 durchgeführten Pilotprojekt „Unabhängiges Beschwerdemanagement in Flüchtlingsunterkünften“ und soll einen praxisnahen Austausch und eine bessere, nachhaltige Lösung von Beschwerden gewährleisten. Angedacht ist ein Turnus von 6 bis 8 Wochen, wobei die erste Sitzung des Begleitgremiums mit Start der BuBS Beschwerdestelle im Februar 2021 stattgefunden und das Gremium bereits dreimalig getagt hat. Die Schwerpunkte des Begleitgremiums bestehen darin, aktuelle Themen und Probleme sichtbar zu machen, den Erfahrungs- und Umsetzungsaustausch zu fördern sowie die Koordinierung des Wissenstransfers zwischen den Akteur*innen zu alltäglichen Abläufen und Prozessen in den Unterkünften. 24 Newsletter Flüchtlingsmanagement Darüber hinaus werden in jeder Sitzung Auswertungen einzelner und aktueller (anonymisierter) Beschwerden der unabhängigen Beschwerdestelle und ungelöste Beschwerden aus anderen Beschwerdestellen vorgenommen, deren Zuständigkeiten ungeklärt sind, ein besonderer Bedarf besteht und bei welchen die Beschwerdeabhilfe verzögert wurde. Das Begleitgremium hat die Möglichkeit, bei Bedarf im Rahmen eines Anhörungsrechtes themenbezogen ein*en Vertreter* in den Fachbeirat entsenden zu dürfen. Dieser tagt vierteljährlich und befasst sich mit der Auswertung der anonymisierten Beschwerden der Geschäftsstelle und den Hinweisen auf ggf. strukturelle Defizite und Problemstellungen des Begleitgremiums. Des Weiteren wurde eine Geschäftsordnung für das Begleitgremium der BuBS erstellt, welche als Grundlage für die Arbeitsweise der Mitglieder gilt, die sich aus Vertreter*innen von LAF, SenIAS, bezirkliche Flüchtlingskoordinator*innen, Netzwerk Berlin Hilft, Netzwerk Westend hilft, Be an Angel, LfG-B, BIM, Verband der Sicherheitswirtschaft, LIGA der Wohlfahrtsverbände, Betreiber*innen, Geflüchteten und des Trägers JUH der Beschwerdestelle zusammensetzen. KoordFM, JUH e.V. Kontakt: Berliner unabhängige Beschwerdestelle (BuBS) Donaustraße 78, 12043 Berlin Tel. 030/ 816901 – 2570 Öffnungszeiten der Beschwerdestelle: Montag bis Freitag von 9-17 Uhr https://www.bubs.berlin/ Allgemeiner Kontakt: info@bubs.berlin Kontakt für Beschwerden: beschwerde@bubs.berlin III.2. Entwicklung des Qualitätschecks zur Verbesserung der Unterbringungsqualität in LAFUnterkünften für Geflüchtete Unter Federführung des Landesamtes für Flüchtlingsangelegenheiten (LAF) und in enger Kooperation mit der Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales wird in diesem Jahr die Entwicklung des „Qualitätschecks“ für Flüchtlingsunterkünfte vorangetrieben. Er hat zum Ziel, in Verbindung mit weiteren Instrumenten des Qualitäts- und Beschwerdemanagements zur Verbesserung der Unterbringungsqualität in Unterkünften des Landes Berlin beizutragen. Dazu wurden in einem ersten Schritt bis zum Sommer 2021 die behördliche Qualitätssicherung weiterentwickelt sowie die Grundlagen für eine ergänzende externe Evaluation durch einen unabhängigen Träger erarbeitet, um diese in einem zweiten Schritt umzusetzen. Die 25 Newsletter Flüchtlingsmanagement kürzlich etablierte unabhängige Beschwerdestelle (BuBS) ergänzt diese beiden Komponenten. Schließlich soll eine zukünftige „Qualitätskonferenz“ dazu beitragen, über die gewonnenen Erkenntnisse kontinuierlich gute Praxis in der Unterbringung zu etablieren. Die partizipative Entwicklung des ersten Schritts des Qualitätschecks hat Ende letzten Jahres mit der Beauftragung der externen Beratung ‚Ramboll Management GmbH‘ begonnen. An der folgenden Diskussion wurden Vertreterinnen und Vertreter der Senats- und Bezirksverwaltung, der Unterkunftsbetreiber und Sicherheitsdienstleister, der haupt- und ehrenamtlichen Organisationen der Geflüchteten-Hilfe sowie der Bewohner*innen von Unterkünften selbst beteiligt. Es wurde erarbeitet, wie die Unterbringungsqualität in Unterkünften für Geflüchtete ganzheitlich – d.h. unter Berücksichtigung des Betriebs, der Unterkunft und des Sozialraums – erhoben und bewertet werden kann. Der Prozess baut dabei auf mehreren Vorgänger- und Begleitprojekten auf, die seit dem Abgeordnetenhausbeschluss aus dem Jahr 2018 zur Umsetzung des Auftrages konzipiert wurden. Ein „Rahmenplan Qualitäts- und Beschwerdemanagement für wohnungslose Menschen sowie Berliner*innen in Vertragsunterkünften des LAF“ wurde durch die Koordinierungsstelle Flüchtlingsmanagement partizipativ erarbeitet (Mai 2018 bis Juni 2019). Des Weiteren wurde das unabhängige Beschwerdemanagement durch KoordFM mit wissenschaftlicher Begleitung durch die Alice Salomon Hochschule im Rahmen eines einjährigen Pilotprojektes in 12 Unterkünften und 9 Stadtbezirken erprobt und mündete in der Errichtung der Berliner unabhängigen Beschwerdestelle (BuBS), die am 8. Februar 2021 in Trägerschaft der Johanniter Unfallhilfe e.V. gestartet ist (www.bubs.berlin). Hervorzuheben ist insbesondere die Beteiligung des LAF und der SenIAS an einem bundesweiten Projekt von Save the Children e.V. zur Erprobung eines Unterbringungs-TÜVs für Kinder in drei LAFUnterkünften und dessen Weiterentwicklung zum Kinderrechte-Check (2019/2020). Das hier entwickelte Prüfmodell wird im Qualitätscheck zur Anwendung auf LAF-Unterkünfte und bezogen auf alle Bedarfsgruppen weiterentwickelt. Der digitalen Auftaktveranstaltung am 17. März 2021 mit über 50 Teilnehmern folgten als nächste Meilensteine des Projekts „Qualitätsscheck“ thematische Workshops sowie Interviews mit Bewohner*innen der Unterkünfte und Expert*innen. Mit zusätzlichen Erkenntnissen aus Referenzprojekten wurde im Juni 2021 ein vorläufiges Prüfinstrument konzipiert, in zwei Pilotunterkünften erprobt und in der Abschlussveranstaltung am 23. Juni 2021 vorgestellt. Die Ergebnisse werden kurzfristig in die Qualitätssicherung des LAF einfließen und bilden die Grundlage, um längerfristig eine externe Evaluation der Unterbringungsqualität zu entwickeln. Anna Schulenburg, LAF Abteilung II 26 Newsletter Flüchtlingsmanagement IV. Weitere Projekte und Informationen IV.1. Veranstaltungen „Expert*innentalk – Engagement von Geflüchteten in Zeiten der Pandemie“ mit Ausstellungseröffnung am 16. Juni 2021 Anknüpfend an den Expert*innentalk „Empowerment von Geflüchteten und Förderung des Ehrenamtes in Berlin“ anlässlich des Internationen Tages für Menschenrechte im Dezember 2020 wurde mit Geflüchteten, den Neu-Berliner*innen, und Projektvertreter*innen das ehrenamtliche Engagement unter den erschwerten Bedingungen der Pandemie thematisiert. Die Integration und Partizipation geflüchteter Menschen ist zentrales Ziel des Flüchtlingsmanagements in Berlin. Die beeindruckende Unterstützung von Berliner*innen für geflüchtete Menschen – bei der Begleitung zu Behörden, beim Zugang zu Bildung, bei der Freizeitgestaltung, bei der Hilfe nach einer geeigneten Unterkunft, bei der Wahrnehmung von Rechten und vielem mehr – wird durch die Bereitstellung von Ehrenamtsmitteln mit etwa 400.000 € jährlich durch die Senatsverwaltung für Integration Arbeit und Soziales (SenIAS) und dem Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten (LAF) gefördert. In diesem Jahr wurde der Förderschwerpunkt auf Kinder und Jugendliche bei den Mini- und Midiprojekten gesetzt. Über die vielfältigen Anträge entscheiden jeweils divers zusammengesetzte Jurys, u.a. mit Geflüchtetenvertreter*innen. Im ersten Teil der Videoveranstaltung ging es um das Sichtbarmachen der vielfältigen Projekte, die durch Geflüchtete und Unterstützer*innen mit Videos und live-Berichten vorgestellt wurden. So konnte man einen prägnanten Einblick in die jeweiligen Ansätze und spezifischen Zielgruppen gewinnen. Im zweiten Teil diskutierte die Leiterin der Koordinierungs-stelle Flüchtlingsmanagement, Sybill Schulz, die Bedeutung Engagements des in ehrenamtlichen der aktuellen Foto SenIAS: Podium der Videokonferenz vom 16.06.2021 – links: Elke Breitenbach, Mitte: Sybill Schulz, rechts: Ahmad Yasin Pandemiezeit mit der Integrations-senatorin Elke Breitenbach, dem Protagonisten der Ausstellung, Ahmad Yasin, der Initiatorin des „Runden Tisches Geflüchtete Frauen“ der Charité Berlin, Dr. Christine Kurmeyer, der Vorstandsvorsitzenden Oromo Horn von Afrika Zentrum e.V., Aster Gemeda und dem Vorsitzenden vom Sport und-Kulturclub Salam e.V., Dr. Ibrahim Alsayed. 27 Newsletter Flüchtlingsmanagement „Ohne ehrenamtliches Engagement wären viele Menschen in der Stadt einsam geworden. Sie haben in der Pandemie nicht aufgehört zu helfen“, so Breitenbach. Zugleich verwies Kurmeyer auf die Verantwortung des Staates: „Wir brauchen einen Staat der Verantwortung übernimmt, man kann nicht alles ehrenamtlich machen.“ Die geförderten Projektträger und Podiumsteilnehmer*innen schilderten die Hürden infolge Covid-19 und notwendigen Anpassungen ihrer Austausch- und Beratungsformate und wie sie versucht haben, den Kontakt mit den Geflüchteten aufrecht zu erhalten – ob in Gemeinschaftsunterkünften und im SozialFoto SenIAS: Videokonferenz 16.06.2021 raum. Trotz der Pandemie konnten auch im Jahr 2021 erneut Ehrenamtsprojekte von und mit Geflüchteten mit einem Finanzierungsumfang von etwa 70.000 Euro gefördert und durchgeführt werden. Die anschließende virtuelle Ausstellungseröffnung „Eindrücke“ mit Bildern von Zahra Ramazani, Shirin Shanibaqi, Ahmad Yasin und Srour Alwani veranschaulichte das künstlerische Schaffen von jungen und zugleich erfahrenen Künstler*innen in Berlin und in ihren Herkunftsländern. In ihren Bildern erzählen die zwei Schülerinnen von ihren Fluchterfahrungen aus dem Irak und Afghanistan. Sie gaben uns Einblick in verschiedene Lebenswelten und Notsituationen, in kulturelle Werte und Symbolik, mit derer sie Erlebnisse verarbeiten und der Öffentlichkeit präsentieren. Der in Aleppo geborene freischaffende Maler und Bildhauer Yasin lebt seit 2017 in Berlin und berichtete von der engagierten Zusammenarbeit mit Salam e.V. und seinen neuen Ideen der Kunstbegegnung in Gärten. Die Ausstellung können Sie bis Ende August dieses Jahres auf zwei Etagen der Senatsverwaltung in der Oranienstraße 106 in Kreuzberg von 9 bis 18 Uhr montags bis freitags besichtigen. Kontakt: fluechtlingsmanagement@senias.berlin.de KoordFM, SenIAS 28 Newsletter Flüchtlingsmanagement Dialogveranstaltung der Arbeitsgruppe „Akzeptanz von Vielfalt“ Die dritte Dialogveranstaltung der AG Akzeptanz von Vielfalt der Senatsverwaltung für Integration Arbeit und Soziales fand am 15. Juni 2021 in der Bucher Flüchtlingsunterkunft des Landes- betriebes LFG-B statt. Die Dialogidee entstand in einem Gespräch zwischen der Leiterin KoordFM und dem Rabbiner Teichtal, dessen Anregung war, einen offenen Kommunikationsraum mit Bewohner*innen in den Gemeinschaftsunterkünften vor Ort zu schaffen. Im Austausch über die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der religiösen und weltanschaulichen Einstellungen der Geflüchteten haben nunmehr verschiedene Vertreter*innen von Kirche, Islam, Judentum, Atheismus mit Frauen und Männern diskutiert, und in Anbetracht der geltenden Hygienebedingungen den Diskurs im Freien in zwei parallelen Gruppen fortgesetzt. Der Fokus lag im Zuhören, seine Position in seiner Muttersprache kundtun, in der Begegnung mit dem Anderen oder Gleichen auf Augenhöhe, im Verständnis füreinander. Im Vorfeld der Dialogveranstaltung wurde ein Glücksrad aufgebaut, das die Demokratielots*innen, die auch den spannenden Youtube Channel R.futureTV betreiben, im Rahmen einer Ehrenamtszuwendung durch SenIAS für das Format entworfen haben, welches nunmehr zum dritten Mal in einer LAF-Unterkunft durchgeführt worden ist. Dreht man das Rad, bekommt man eine Frage zu verschiedenen Kategorien wie Grundgesetz und Menschenrechte, Religionen und Weltanschauungen, Regeln des Zusammenlebens, Frauenrechte, Minderheitenschutz, etc. gestellt, die zu einem inhaltlichen Austausch anregen sollen. Das Ratespiel kam bei allen Veranstaltungen sehr gut bei den Bewohner*innen an, ganz besonders bei den jüngeren. Als Dialogpartner*innen haben Hassan Hussein (Atheist mit irakischem Hintergrund), Dr. Yunus Yaldız (Islamwissenschaftler), Dr. Grzegorz Wierciochin (Berliner unabhängige Beschwerdestelle/ BuBS) und Wolfgang Mochmann (Evangelischer Religionslehrer, Gemeindekirchenrat der Kirchengemeinde Buch) mitgewirkt. Jeder geladene Gast ist Teil einer anderen Glaubens- bzw. Weltanschauungsgemeinschaft (Christentum, Judentum, Islam, Atheismus). 29 Newsletter Flüchtlingsmanagement Vorab wurden verbindliche Regeln aufgestellt: 1. Bitte ausreden lassen 2. wertschätzen 3. keine diskriminierende Sprache verwenden 4. Beiträge kurz fassen 5. Verschwiegenheit: Alles Gesagte bleibt im Raum. Die Hauptmoderation der Veranstaltung übernahm Sybill Schulz als Initiatorin der AG gemeinsam mit Monika Hebbinghaus vom LAF. Die Workshops moderierten Katja Labidi (Humanistischer Verband Berlin Brandenburg) und Malte Wehrs (Berliner unabhängige Beschwerdestelle/ BuBS). Die Eingangsfrage „Was bedeutet für Sie Glück?“ konnten alle etwa 80 Teilnehmer*innen beantworten. Dabei wurden sehr private und bewegende Momente aus ihrer persönlichen, aber auch aus ihrer religiösen Anschauung heraus miteinander geteilt, auf die eigene Biografie eingegangen und über die Schwierigkeiten eines „glücklichen“ Lebens in Deutschland berichtet. Die Gesundheit und die Familie spielten eine große Rolle. Die Diskussionsfreude der Teilnehmer*innen und die Aussage einer afghanischen Bewohnerin, dass sie erstmals mit den Mitbewohner*innen derartig ins Gespräch gekommen sei, hat unseren Dialogansatz in den Unterkünften vor Ort erneut bestätigt. Nun werden wir gemeinsam mit den 9 institutionellen AG-Mitgliedern ein Fazit ziehen und die Nachhaltigkeit bzw. Fortführung besprechen. KoordFM, SenIAS IV.2. Förderungen Unterstützung für gemeinnützige Vereine und Organisationen in Corona-Zeiten Die Senatskanzlei plant eine Neuauflage der Soforthilfen für gemeinnützige Vereine und Organisationen, die infolge der Pandemie in Zahlungsschwierigkeiten geraten sind. Bereits im letzten Jahr wurden im Rahmen der so genannten „Soforthilfe X“ ca. 90 Organisationen mit finanziellen Mitteln unterstützt. Für das Jahr 2021 stehen erneut Mittel zur Verfügung. Anträge sollen ab Sommer 2021 auf der Website der Investitionsbank Berlin gestellt werden können. 30 Newsletter Flüchtlingsmanagement Grundsätzlich antragsberechtigt sind Vereine und Organisationen mit Sitz in Berlin, die gemeinnützige, mildtätige oder kirchliche Zwecke verfolgen und in denen freiwilliges und ehrenamtliches Engagement eine tragende Rolle spielt. Wie im letzten Jahr wird es sich grundsätzlich um ein Nothilfeprogramm handeln. Zusätzlich sollen dieses Mal aber auch zukünftig geplante Ausgaben zum Zwecke des Infektionsschutzes oder zur Aufrechterhaltung der satzungsgemäßen Tätigkeiten bis zu einem Betrag von 3.000 Euro geltend gemacht werden können. Bereits jetzt können gemeinnützige Organisationen die Überbrückungshilfe III des Bundes beantragen. Weitere Informationen zur Beantragung der Überbrückungshilfe III sind auf der Website der Investitionsbank Berlin verfügbar: https://www.ibb.de/de/foerderprogramme/ueberbrueckungshilfe-3.html Sobald ein Datum für den Start der Antragsphase des Soforthilfeprogramms der Senatskanzlei feststeht, wird dieses breit kommuniziert. Geplant ist, dass mit Start der Antragsphase auch ein Beratungsprojekt für potenzielle Antragstellerinnen und Antragsteller zur Verfügung steht. So sollen alle Organisationen möglichst gut bei der Beantragung der Mittel unterstützt werden. Weitere Informationen hierzu werden vor Beginn der Antragsphase bekannt gegeben. Aktuelle Informationen zu den Hilfsprogrammen werden von der Senatskanzlei auf der Plattform bürgeraktiv veröffentlicht: http://www.berlin.de/buergeraktiv/informieren/corona-hilfe/hilfsprogramme/ Die Senatskanzlei fördert außerdem ein Projekt zur Unterstützung gemeinnütziger Organisationen bei der Digitalisierung. Auf der Seite www.digital-vereint.berlin finden Ehrenamtliche und Organisationen zum Beispiel ein kostenloses Videokonferenz-Tool und eine Chat-Software zur freien Nutzung. Außerdem sind im Rahmen des Projekts Fortbildungen und Workshops rund um die Digitalisierung in der Zivilgesellschaft geplant. Aktuelle Informationen hierzu gibt es ebenfalls auf www.digital-vereint.berlin. Lukas Heimes, Senatskanzlei, Abteilung IC IV.3. Best Practice Projekte Die Berliner Fachstelle gegen Diskriminierung auf dem Wohnungsmarkt, Fair mieten - Fair wohnen, hat am 14.06.2021 das Leitbild „Berlin vermietet fair!“ veröffentlicht. Die Berliner Fachstelle gegen Diskriminierung auf dem Wohnungsmarkt, Fair mieten - Fair wohnen, hat in Zusammenarbeit mit ihrem Fachbeirat und einer Vielzahl zivilgesellschaftlicher und wohnungswirtschaftlicher Akteur*innen ein Leitbild „Berlin vermietet fair!“ erarbeitet. Wir haben Dr. Christiane Droste als Koordinatorin der Fachstelle gefragt: Wie hat die Fachstelle das Leitbild erarbeitet und wer unterstützt, wer unterzeichnet es? 31 Newsletter Flüchtlingsmanagement Die Fachstelle verantwortet den Leitbildprozess konzeptionell und damit auch seine partizipative Entwicklung. Sie erhielt in diesem Prozess Unterstützung von ihrem Fachbeirat und einer Vielfalt zivilgesellschaftlicher und wohnungswirtschaftlicher Akteur*innen. Diese Beteiligung war uns sehr wichtig, um auf beiden Seiten – Wohnungswirtschaft und Interessenvertretung jener Gruppen, die sich häufig mit Diskriminierung ausgesetzt sehen – Akzeptanz zu finden. Das Leitbild gibt mit neun Leitsätzen eine Orientierungshilfe für faire Bewerbung, Vergabe, Vermietung und Verwaltung von Wohnraum. Es findet Unterstützung bei den Mitgliedern unseres Fachbeirats und auch darüber hinaus findet es bereits Interesse: Das Projekt „Wohn-helden“ teilte zur Auftaktveranstaltung seine Unterstützung mit. Auch an politischer Unterstützung mangelt es nicht: In dieser Veranstaltung brachten die Staatssekretärinnen Margit Gottstein (SenJustVA) und Wenke Christoph (SenSW) die Notwendigkeit eines solchen Leitbilds, die Handlungsbedarfe in ihren Verantwortungsbereichen, Wertschätzung Dr. Christiane Droste für den Prozess und die vorliegende Form Leitbilds sehr deutlich zum Ausdruck. Mit der Bekanntgabe zweier Erstunterzeichner im Bereich Vermietung, der allod Immobilien- und Vermögensverwaltungsgesellschaft mbH & Co. KG mit ihrem Geschäftsbereich Vermietung/ Hausverwaltung sowie eine im Fachbeirat vertretene Hausverwaltung, Ulrich Braun Immobilien, startete die Kampagne zur Motivation einer Vielzahl weiterer wohnungswirtschaftlicher Akteur*innen, sich dem Leitbild zu verpflichten. Sie sprechen von Unterzeichner*innen und Unterstützer*innen: Wo liegt der Unterschied? Unterzeichner*innen vermieten oder verwalten Wohnraum: als landeseigene oder privaten Unternehmen, als „kleine“ Vermieter*innen, Träger betreuter Wohnformen oder Bezirke mit eigenem Wohnangebot für Menschen in Wohnungsnot. Unterstützer*innen tragen durch ihre Kommunikation zum Leitbild dazu bei, es zu verbreiten. Eine Gelingensbedingung ist es z.B., dass die im Vorfeld aktiv beteiligten wohnungswirtschaftlichen Verbände sich nun auch ihren Mitgliedern gegenüber zum Leitbild bekennen. Ein erster Schritt: Der Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU) informierte seine Mitglieder und die Fachwelt bereits über seine Internetseite. Inwiefern trägt das Leitbild zur Integration in Berlin bei? Wir haben einen breit gefassten, inklusiven Integrationsbegriff: Wir positionieren uns und unsere Arbeit im Kontext einer postmigrantischen Stadt, in der Vielfalt Normalität und Migration durch fluchtbedingte Zuwanderung nur weiter diversifiziert ist. Vielfalt bildet sich gleichzeitig in verschiedenen Lebensstilen und Kulturen ab, in sozialen Lagen, Familien-formen, unterschiedlicher religiöser Praxis und queeren Lebenswelten. Zu unserem Verständnis von Integration gehört auch, 32 Newsletter Flüchtlingsmanagement die Bewohner*innen Berlins zu unterstützen, die mit einer Behinderung leben. Eines haben alle gemeinsam: den Bedarf an selbstbestimmtem Wohnraum. Viele von ihnen teilen leider auch etwas anderes: Diskriminierungserfahrungen im Bereich des Wohnens. Selbstbestimmtes Wohnen und diskriminierungsfreie Nachbarschaften sind jedoch eine Grundvoraussetzung für Integration und Partizipation. Indem es dazu beiträgt, Diskriminierung beim Zugang zu Wohnraum, im Vermietungsprozess, im Mietverhältnis und in der Nachbarschaft zu reduzieren, trägt das Leitbild sowohl zur Partizipation in der Migrationsgesellschaft als auch der Inklusion in Berlin bei. Weitere Informationen finden Sie unter: www.berlin-vermietet-fair.de Dr. Christiane Droste, UrbanPlus Droste&Partner PGbR / UP19 Stadtforschung + Beratung GmbH DIGITAL EMPOWERMENT- endlich wieder gemeinsam lernen im FCZB Ab 11. August starten im FrauenComputerZentrumBerlin (FCZB) im Projekt DIGITAL EMPOWERMENT fünf neue Lerngruppen für Frauen mit Fluchtbiografie, die ihre Computer- und Sprachkenntnisse verbessern möchten, um eine berufliche Perspektive zu entwickeln. Die Teilnehmerinnen lernen, wie Internet, Computer und Smartphone funktionieren und wie sie diese Technologien nutzen können, um sich selbstständig zu informieren, zu orientieren und Deutsch zu lernen – für die Arbeitssuche, im Alltag und im Beruf. Inhalte:  Nutzung von Internet, Computer und Smartphone  E-Mail, Internetrecherche, Office-Programme, Apps etc.  Deutschübungen für Alltag und Arbeitswelt, z.B. in Online-Sprachlernkursen  Beratungs- und Informationsangebote aus Berlin und online  Exkursionen Foto: FrauenComputerZentrumBerlin Das Präsenztraining findet unter Einhaltung der Infektionsschutzauflagen in einer kleinen Lerngruppe statt. Im Fall erneuter Ausgangsbeschränkungen wird die Weiterbildung online und per E-Mail durchgeführt. Gerne besprechen wir mit jeder Frau individuelle Lösungen. Wir beraten zu den Teilnahmevoraussetzungen und unterstützen bei technischen Fragen. Frauen, die zu einer Risikogruppe gehören, können sich die Lernaufgaben per E-Mail zuschicken lassen. 33 Newsletter Flüchtlingsmanagement Kostenlose Lernzeiten: mittwochs 10 – 13 oder 14 – 17 Uhr donnerstags 14 – 17 Uhr freitags 9 – 12 bzw. 13 – 16 Uhr Mehr Informationen finden Sie auf der Website. Zusätzlich zu den Lernmöglichkeiten im FCZB führen wir das Angebot auch einmal wöchentlich in kooperierenden Gemeinschaftsunterkünften durch, die einen Computerlernraum für interessierte Frauen bereitstellen können. Das Projekt wird gefördert aus Mitteln der Senatsverwaltung für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung, Abteilung Frauen und Gleichstellung. Kontakt: Projektleiterin Elisa Marchese Tel. 030 / 617970-0 E-Mail: info@fczb.de | marchese@fczb.de IV.4. Informationen und Netzwerke Ideensammlung „Sozialarbeit in Zeiten von Social Distancing“ Die beiden Projektleiterinnen Frizzi Heiner und Yana Kravtsova eines Integrationsfondsprojektes haben sich im Austausch mit der Flüchtlingskoordinatorin Romy Powils aus dem Bezirk TempelhofSchöneberg Gedanken gemacht, wie Soziale Arbeit in Zeiten von Social Distancing in den Unterkünften funktionieren und gestaltet werden kann. In einem Workshop sind Erfahrungen aus den Unterkünften des Bezirk Tempelhof-Schönefeld eingeflossen. Es ist ein praxisorientiertes Dokument (https://www.berlin.de/koordfm/themen/modellprojekte/) entstanden, das sich wie eine Art Checkliste liest, dabei sind zu Themen wie Arbeitsorganisation und Netzwerkarbeit, Integration und Partizipation, Beratung und Unterstützungsarbeit, Räumlichkeiten schaffen, Kinder und Jugendliche Handlungs- und Anpassungsstrategie für die Soziale Arbeit gesammelt worden, die sich bereits auch in der Praxis bewährt haben. KoordFM, SenIAS Leistungen zur Anschaffung digitaler Endgeräte Schüler*innen mit Bezug von Leistungen nach dem SGB XII oder dem AsylbLG können unter bestimmten Voraussetzungen rückwirkend ab dem 1. Januar 2021 gemäß dem Rundschreiben Soz Nr. 03/2021 Leistungen für die Anschaffung digitaler Endgeräte inklusive Drucker und einer 34 Newsletter Flüchtlingsmanagement Erstausstattung mit Druckerpatronen erhalten. Entscheidend ist neben der Teilnahme am Pandemie bedingten Distanzunterricht, das die Schülerinnen und Schüler nicht im Besitz der entsprechenden Geräte sind und diese auch nicht von der Schule erhalten können. Der Nachweis für einen entsprechenden Anspruch wird durch die Schulen erbracht. Weiterer Informationen zum Thema Homeschooling und Unterstützungsangebote rund um das Thema Bildung für Geflüchtete und sowie alles zum Thema Beantragung eines digitalen Endgerätes im Rahmen des Leistungsbezuges nach dem AsylblG (inkl. der erforderlichen Formulare) sind – auch als mehrsprachiger Podcast - auf der Homepage: https://www.berlin.de/laf/leistungen/bildung/ zu finden. Dr. Katja Buttig, SenIAS, Abt. Soziales Fachaustausch zu Bedarfen von Kindern und Jugendlichen in Gemeinschaftsunterkünften während der Pandemie – ein Fazit Seit Beginn der Pandemie wird die Beschulung, das sog. „homeschooling“ der Kinder und Jugendlichen in den Unterkünften in verschiedensten Gremien thematisiert, um Verbesserungen in der technischen Ausstattung und in der Betreuung unter Einhaltung geltender Hygienemaßnahmen zu erreichen. Im Januar und März dieses Jahres hat KoordFM eigens zu einem fokussierten Fachaustausch über die aktuellen Bedarfe der Kinder und Jugendlichen während der Pandemie in den LAF-Unterkünften geladen. Mit Vertreter*innen der Berliner Verwaltung, Unterkunftsbetreiber, Beratungsorganisationen und Willkommensbündnisse, lokalen und nationalen Projekten wurde der Fokus auf die Beschulung, gesundheitliche Versorgung sowie Freizeitangebote gelegt. In der Betrachtung der psychosozialen Folgen der Pandemie für geflüchtete Kinder und Jugendliche in Unterkünften zeigt sich, dass eine Mehrzahl soziale Isolation erleiden, die durch den Wegfall von Schule und sozialer Unterstützung mit einem erheblichen Strukturverlust in ihrem Alltagsleben einhergeht. Im Ergebnis ist ein zunehmender Leistungsabstand zu beobachten. Die gesundheitliche Versorgung stellt sich ebenso schwierig dar. Es ist eine massive Verschlechterung der psychischen Gesundheit der Kinder und Jugendlichen zu verzeichnen, die sich unter anderem über vermehrte Meldungen von Schlaf- und Konzentrationsstörungen bis hin zu depressiven Stimmungen äußert. Insbesondere sei der Ausfall der Schuleingangsuntersuchung für die Zielgruppe der geflüchteten Kinder besonders nachteilig gewesen. Wichtig ist, dass Auffälligkeiten bzw. Entwicklungsverzögerungen, psychische und körperliche Beeinträchtigung zeitnah von den Eltern über die Sozialdienste bzw. über die Schule an die schulpsychologischen und inklusionspädagogischen Beratungs- und Unterstützungszentren (SIBUZ) gemeldet werden. 35 Newsletter Flüchtlingsmanagement Gleichzeitig gingen Expert*innen von erhöhten Kindeswohlgefährdungen in den Unterkünften aus, die möglicherweise durch die reduzierten personellen Ressourcen der Sozialdienste nicht erfasst werden. Zugleich wurde auf die notwendige analoge Versorgung und Unterstützung in den ASOGUnterkünften hingewiesen. Die Bedarfe an psychiatrischer und psychotherapeutischer Versorgung sind umfassend und vielfältig. Dringend benötigt werden zusätzliche Ressourcen für den Einsatz von therapiebegleitender Sprachmittlung sowie begleitender Sprachmittlung für Elterngespräche in Schule und Kita. Eine zentrale Forderung in diesem Kontext ist eine Anpassung der HonVSoz an HonVGes für Dolmetscherleistungen. Diese befindet sich bereits in der Umsetzung. Für die aktuelle – und auch künftige – pandemische Realität ist es unerlässlich, dass ein regelmäßiger persönlicher Kontakt durch pädagogische Fachkräfte zu den Kindern und Jugendlichen stattfindet und dass diese als Zielgruppe für Notbetreuung aufgenommen werden. Eine Erleichterung würde die Gleichstellung der Kinder und Jugendlichen mit denen in stationären Einrichtungen der Jugendhilfe darstellen, bpsw. bei der Versorgung mit Endgeräten für Homeschooling. Für eine regelmäßige soziale und schulische Teilhabe ist eine flächendeckende WLAN-Versorgung inkl. Medien- bzw. Technikschulung unabdingbar. Darüber hinaus bedarf es sicherer Rückzugsräume als kindgerechte Spiel- und Lernorte sowie Freizeit- und Ausweichmöglichkeiten. Alle Praxiserfahrungen der Teilnehmenden haben die Bedeutung und Notwendigkeit von Präsenzangeboten, unter Beachtung geltender Hygienevorschriften, im Bereich Lernförderung und Freizeit durch die persönliche und aufsuchende Arbeit der Projekte hervorgehoben. Für die Zeit, in der sich die pandemische Situation epidemiologisch entspannt, sollten im Vorfeld adäquate Angebote zum Ausgleich des Leistungsabstandes für die Zielgruppe vorbereitet werden. KoordFM, SenIAS 36 Newsletter Flüchtlingsmanagement INFO-Kampagne „Protect your health – Impfen rettet Leben“ in Berliner Flüchtlingsunterkünften von Mai bis Juni 2021 auf Initiative der Koordinierungsstelle Flüchtlingsmanagement (KoordFM) In 6 Wochen konnten insgesamt ca. 1.000 Erwachsene sowie Kinder und Jugendliche in LAF-Unterkünften direkt über die Face-to-Face INFO-Kampagne zum Impfen erreicht werden, je etwa 2/3 haben der Impfung zugestimmt und 1/3 hatte noch Rückfragen bei ihren Hausärzt*innen wegen Vorerkrankungen bzw. wegen Schwangerschaft/ Stillzeit oder benötigten nochmals 1-2 Tage Zeit zum Überdenken und Rücksprache mit ihrer Familie. Foto: KoordFM, SenIAS Hintergründe: 18.262 Geflüchtete leben in Berlin in 81 Unterkünften des LAF, davon haben ca. 50% einen geklärten Aufenthaltsstatus (Stand 31.03.21). Aufgrund unterschiedlicher Schätzungen zur Impfbereitschaft von geflüchteten Menschen, die im Rahmen der Erstumfrage im April 2021 von den Unterkunftsbetreibern an das LAF gegeben worden sind, hat KoordFM eine INFO-Kampagne vor Ort in den Unterkünften gestartet. Parallel haben einige Bezirke (u.a. Reinickendorf, Pankow) Multiplikator*innenveranstaltungen Online mit ärztlichen Vertreter*innen der Gesundheitsämter durchgeführt und zusätzlich Projekte wie Family Guide u.a. für die Sensibilisierung vor Ort eingesetzt. Nunmehr ist die erste Sensibilisierungskampagne in Flüchtlingsunterkünften beendet, die nur dank Unterstützung von Kooperationspartner*innen wie Charité Berlin, Geflüchtete Runder Tisch Frauen, Gesundheitsamt und Zentrum für sexuelle Gesundheit und Familienplanung Friedrichshain/ Kreuzberg, Familienplanungszentrum – BALANCE, Albatros gGmBH und engagierten Einzelpersonen, die direkt oder indirekt mitgewirkt und vernetzt haben, unverzüglich realisiert werden konnte. Fotos: KoordFM, SenIAS 37 Newsletter Flüchtlingsmanagement Gemeinsam mit dem Krisenstab SenIAS wurden Materialien zur Vorbereitung und Aufklärung zusammengestellt sowie ein Flyer mit Piktogrammen in 10 Sprachen mit dem LAF erstellt. Darüber hinaus wurde der Pharmakonzern bzgl. des Impfstoffes Johnson & Johnson kontaktiert, da vielfältige Gerüchte und Falschinformationen kursierten, denen wir face-to-face begegnen wollten. Unsere Resultate in den Unterkünften können wir zwar nicht direkt herleiten, aber die Erhöhung der Impfquote (gesamt: ca. 40 % laut LAF-Angabe) und die Reaktionen der Bewohner*innen sprechen für sich. Teilweise wurde eine Impfquote bis 80 % in Unterkünften erreicht, wobei Impfungen bei Hausärzten noch anstehen; Kinder unter 16 Jahre sind noch nicht enthalten. Insgesamt waren wir innerhalb von 6 Wochen an 22 verschiedenen Standorten (Unterkünfte unterschiedlicher Kategorien: Erstaufnahmeeinrichtung, Gemeinschaftsunterkünfte mit Apartmentstruktur und Altbauten mit Gemeinschaftsküchen und -bädern) und haben durchschnittlich zwischen 40 bis 100 Erwachsene je Unterkunft erreicht, die sich direkt für eine Impfung eingetragen haben bzw. motiviert worden sind. Darüber hinaus haben wir eine Vielzahl von Kindern und Jugendlichen zum Umgang mit Covid-19 sensibilisiert. Mit etwa 40 engagierten Fachkräften aus Syrien, Iran, Deutschland, Usbekistan, Afghanistan, Libyen, Elfenbeinküste, Sudan, Israel und der Türkei wurde die Impfaufklärung vor Ort gemeinsam mit den Teams und diversen Dolmetscher*innen des LAF umgesetzt. Die von KoordFM koordinierte Kampagne wurde Ende Mai durch unseren Kooperationspartner Albatros gGmbH in weiteren Unterkünften fortgesetzt. Einige Unterstützer*innen des neuen Netzwerkes (Ärztinnen und Sozialarbeiterinnen) haben weiterhin Foto: KoordFM, SenIAS mitgewirkt. Friedrich Kiesinger und Melanie Rohrer von Albatros gGmbH zur Kampagne: "Wir freuen uns, dass wir mit unseren internationalen Teams nicht nur die Test- und Informationskampagne während des Ramadans in verschiedenen Moscheen mit der Beauftragen des Berliner Senats für Integration und Migration und in Zusammenarbeit mit dem LAF erfolgreich durchführen durften, sondern nunmehr die wichtige Informations- und Aufklärungsarbeit zur Vorbereitung der wichtigen Impfungen in vielen Berliner Einrichtungen der Geflüchtetenhilfe weiterführen konnten. In beiden Aktionen haben wir durch das direkte Zugehen auf die Menschen durch muttersprachliche Expert*innen, die Bereitschaft für Tests und Impfungen nachhaltig positiv beeinflussen können. Schon jetzt sind wir mit der konkreten Umsetzung weiterer Brückenprojekte in die verschiedenen Zuwanderungscommunities befasst." 38 Newsletter Flüchtlingsmanagement Impfen für Geflüchtete kompakt:  Impfpilot mit 3 Einrichtungen startete am 30.04.2021 (mobile Impfteams).  Fortsetzung der Impfung mit mobilen Impfteams seit 03.05.2021 durchschnittlich 3 Unterkünfte je Tag. Stand 04.06.2021: 4.213 Impfdosen verimpft.  Personal wird seit 14.05.2021 durch mobile Teams in den Unterkünften geimpft; das Security-Personal kann mitgeimpft werden, wenn in der Unterkunft tätig, und ist durch die Unterkunftsleitung ebenso anzumelden wie Personal und Bewohner*innen.  Umfassendes, mehrsprachiges Informationsangebot und Beratung zur Impfung durch muttersprachliche Fachkräfte.  Jugendliche im Alter von 16-17 Jahren können ebenso am Impftag vor Ort geimpft werden.  Bei den ehrenamtlich Tätigen, die auch am Impftag geimpft werden können, kommt es auf die Tätigkeit an, wenn diese in der Unterkunft regelmäßig und dauerhaft tätig sind und somit ein vergleichbares Ansteckungsrisiko wie Personal haben.  Für Bewohner*innen, die berufstätig sind oder relevante Prüfungen und Seminare in (Hoch)-Schulen haben, können entsprechende Bescheinigungen durch die Betreiber ausgestellt werden. Diese gelten nicht als Arbeitsbefreiung oder Krankenschein, sondern dienen lediglich zur Information.  Die Impfungen werden in den Unterkünften durch mobile Teams von SenGPG fortgeführt; nach erstem Impfdurchgang werden weitere Impfangebote geschaffen (Ziel: in jedem Bezirk ein zentrales Angebot). „Als Kooperationspartner*innen freuen wir uns über die bestens organisierte und erfolgreiche Infokampagne der Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales zum Impfen gegen Covid19. Wir konnten in den vielzähligen Unterkünften für Geflüchtete viele Menschen zu Ihren Fragen, Unsicherheiten und Ängsten zur Impfung gegen Corona beraten und feststellen, dass sich ein Großteil davon, trotz vorheriger Bedenken für die Impfung entschieden haben. Vielen Dank für die Teilnahme an der Impfkampagne. Wir machen gerne bei weiteren Terminen mit.“, so die beiden Sozialarbeiterinnen Julia Peter und Michaela Huck aus dem Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg, Zentrum für sexuelle Gesundheit und Familienplanung. Es wurde also schon viel erreicht. Dennoch ist es zu früh, die Anstrengungen nun einzustellen. Vielmehr ist es eine dauernde Aufgabe und Herausforderung, weiter um jede Impfung zu kämpfen, um insbesondere in den Gemeinschaftsunterkünften einen noch besseren Schutz zu erreichen. Die SenIAS setzt sich daher dafür ein, auch in Zukunft weitere Impfangebote zu geflüchteten Menschen zu bringen und Informationsangebote zu organisieren, denn am Ende zählt jede Spritze im Kampf gegen Corona. KoordFM, SenIAS 39 Newsletter Flüchtlingsmanagement 5 Jahre Gesundheitszentrum für Flüchtlinge (GZF gGmbH) in Steglitz Der große Andrang geflüchteter Menschen in 2015/ 2016 und die Änderung des Asylbewerberleistungsgesetzes bilden den politischen und rechtlichen Hintergrund der Gründung des Gesundheitszentrums für Flüchtlinge in Steglitz. Gründer und gleichberechtigte Gesellschafter der gemeinnützigen GZF GmbH sind der gemeinnützige Verein XENION - Psychosoziale Hilfen für politisch Verfolgte e.V (www.xenion.org) und die PIBB–Psychiatrie Initiative Berlin Brandenburg (www.pi-bb.de). Gründungsidee war die Zusammenführung der beiderseitigen Kompetenzen: so verfügt XENION über eine jahrzehntelange Erfahrung als spezialisiertes psychosoziales Beratungsund Behandlungszentrum für traumatisierte Flüchtlinge und Überlebende von Folter und anderen schweren Menschenrechtsverletzungen. Die PIBB-Psychiatrie Initiative Berlin Brandenburg hingegen steht als sektoren- und berufsgruppenübergreifendes Netz im Bereich der GKV für eine innovative, „integrierte“ Versorgung schwer psychisch erkrankter Menschen. Die PIBB ist die Managementgesellschaft des VPsG, des gemeinnützigen Vereins für Psychiatrie und seelische Gesundheit (www.psychiatrie-in-berlin.de), in dem seit 2003 gesellschaftlich relevante Themen psychiatrischer Erkrankung und Behandlung breit diskutiert werden. So befasst sich der VPsG mit seinen über 200 psychiatrieprofessionellen Mitgliedern u.a. auch mit Fragen der migrationsassoziierten Herausforderungen und der Förderung von Kultur- und Religionssensibilität in der Psychotherapie und Psychiatrie. Zu den Aktivitäten des AK „Religion & Psychiatrie“ des VPsG wird auf das Buch „Religionssensible Psychotherapie und Psychiatrie“, an dem auch mehrere GZFAkteur*innen mitgewirkt haben, verwiesen: https://www.kohlhammer.de/wms/instances/KOB/appDE/nav_product.php?product=978-3-17035625-2&world=BOOKS Die Implementierung eines psychiatrischen und psychotherapeutischen Behandlungszentrums für Flüchtlinge als ermächtigte Institutsambulanz im Rahmen GKV-finanzierter Regelversorgung stellt eine neue, bislang bundesweit noch wenig genutzte Möglichkeit dar, traumatisierte, psychisch erkrankte geflüchtete Menschen, zeitnah und adäquat zu behandeln. In den ersten 18 Monaten nach Ankunft in Deutschland übernimmt das Landesamt für Flüchtlinge die Kosten psychiatrischer und Foto: GZF gGmbH 40 Newsletter Flüchtlingsmanagement psychotherapeutischer Behandlungen; danach erfolgt die Finanzierung über die beteiligten gesetzlichen Krankenkassen. Voraussetzung der Leistungserbringung ist eine Ermächtigung durch den Zulassungsausschuss für Ärzte und Psychotherapeuten, der gemeinsam von den Krankenkassen und der Kassenärztlichen Vereinigung gebildet wird. Die Abrechnung erfolgt grundsätzlich über die KV. Mit dem LAF und auch den Bezirksämtern konnte zudem ein adäquates Abrechnungssystem zur Kostenerstattung der Dolmetscher-/Sprachmittler-Einsätze etabliert werden. Tatsächlich überfordert die Komplexität des psychiatrischen und psychotherapeutischen Behandlungsbedarfes in aller Regel die Möglichkeiten ohnehin schon überlaufener niedergelassener Psychiater*innen und Psychotherapeut*innen. U.a. konnten das GZF und XENION jetzt gemeinsam ein Qualifizierungs-programm für die ja sehr häufig erforderlichen Dolmetscher*innen auflegen, das sehr gezielt auf die trianguläre Situation der Therapien ausgerichtet ist. Qualifizierung, rascher und kontinuierlicher Einsatz von Sprachmittler*innen sind wesentliche Voraussetzung gelingender psychotherapeutischer und psychiatrischer Behandlung. Derzeit sind im GZF drei Psychiater, eine Kinder- und Jugend-psychiaterin/-psycho-therapeutin sowie zwei psychologische Therapeutinnen tätig. Betreut werden über 200 Patient*innen. Es sind Menschen mit harter, traumatischer Biographie, die aus dem Iran, dem Irak, aus der Türkei, aus anderen Ländern des Nahen und mittleren Ostens, aus Ländern der russischen Föderation oder als unbegleitete Minderjährige aus Ländern Afrikas - nicht selten mit kriegstraumatischer Vergangenheit - kommen. Es sind Menschen, die politische Verfolgung und Traumatisierungen unterschiedlichster Art erlitten haben. Das GZF ermöglicht für diese Menschen eine psychiatrische und psychotherapeutische Behandlung, die sich an einem ganzheitlich ausgerichteten Krankheitsverständnis und an Kriterien kultursensibler Behandlung orientiert. Wichtiges strukturelles Ziel ist der Aufbau und die Förderung dezentraler, integrationsorientierter Versorgungsstrukturen für geflüchtete Menschen und die Sicherung der Finanzierung i.R. der Regelversorgung. Kontakt: Dr. Norbert Mönter Gesundheitszentrum für Flüchtlinge Willdenowstr.38, 12203 Berlin Tel: 030 / 85960070, E-Mail: info@gzf-berlin.org 41 Newsletter Flüchtlingsmanagement Netzwerk „Willkommen in Reinickendorf“: Eine Initiative, die geflüchtete und zugewanderte Menschen bei der Integration und in ihrem Alltag unterstützt Wir leisten mit unserer ehrenamtlichen Arbeit vor Ort „Hilfe zur Selbsthilfe“ zum Beispiel durch Deutschkurse und Hausarbeitshilfe, mobile Lese- und Spielangebote, Frauen- und Sprach-Cafés, Sportaktivitäten für jedes Alter, Informationsaustausch u.v.a.m. Im Rückblick auf ein Jahr mit COVID19 zeigt sich für unsere ehrenamtliche Arbeit ein differenziertes Bild. So haben wir zusätzliche Projekte entwickelt, die unter Pandemie-Bedingungen möglich, aber auch wichtig und notwendig waren (sind). Dazu gehören:    eine mobile Fahrradwerkstatt, bei der Frauen nach Absolvierung eines Fahrradkurses (organisiert von BENN MV) gespendete alte Fahrräder wieder fit machten und nach Reparatur behalten durften das Digital-Projekt, das in Kooperation mehrerer Spender, Träger und Ehrenamtlicher, Kindern (und deren Eltern) in den Unterkünften ermöglicht, auch bei Corona-Maßnahmen am Unterricht (at home) teilzunehmen. das Projekt Mama macht Urlaub, das 6 Frauen ermöglichte, 3 Tage in Templin ohne Männer, Kinder, die täglichen Pflichten und ohne Begleitung Urlaub zu machen. Die Ehrenamtlichen Heidi Busch-Ahmad, Hans-Peter Heidrich und Ingolf Metzner wurden für ihr Engagement mit dem Reinickendorfer Integrationspreis 2021 ausgezeichnet, der unter dem Motto „Integration trotz Corona“ stand. Die Angebote direkt in den Unterkünften mussten jedoch eingestellt bzw. auf 1:1Betreuung umgestellt werden. Foto Heinrich Westerkamp: Digitalprojekt Für unsere überwiegend älteren Engagierten bedeutet dies eine monatelange Unterbrechung ihrer kontinuierlichen Arbeit vor Ort und damit der gewachsenen persönlichen Beziehungen. Viele Foto BENN MV: Fahrradwerkstatt Ehrenamtliche haben zwar während dieser Zeit telefonisch Kontakt gehalten; auch die private Familienbetreuung wurde fortgesetzt; hier wird aber zu gegebener Zeit eine Neustrukturierung nötig sein. Ute Korthals, Geschäftsstelle Willkommen in Reinickendorf e.V. 42 Newsletter Flüchtlingsmanagement Willkommensbündnis Steglitz-Zehlendorf: ehrenamtliches Engagement in der Pandemie Das im Mai 2014 gegründete, ausschließlich ehrenamtlich tätige Willkommensbündnis für Flüchtlinge in Steglitz-Zehlendorf ist erster Ansprechpartner für die freiwillige Arbeit mit Geflüchteten im Berliner Südwesten. Mit hunderten Ehrenamtlichen engagiert es sich in drei Bereichen:    Unterstützung u.a. durch Begleitung, Nachhilfeunterricht und Prüfungsvorbereitung, Organisation von Sachspenden, Wohnraumvermittlung, Orientierung auf dem Arbeitsmarkt, Dolmetsch- und Fahrdienste sowie die Schaffung von Begegnungsmöglichkeiten. Vernetzung mit den Betreibern der im Bezirk gelegenen Unterkünfte, im Themenfeld arbeitenden Organisationen, den zuständigen Fachverwaltungen sowie anderen Bündnissen und Vereinen in Berlin. Formulierung und Durchsetzung von Forderungen nach umfassender Anerkennung des allgemeinen Menschenrechts auf Asyl mit den Mitteln der gesellschaftspolitischen Einflussnahme. Durch die anhaltende Pandemie werden viele dieser Tätigkeitsfelder massiv beeinträchtigt. So gibt es kaum noch persönliche Begegnungsmöglichkeiten mit den neuen Nachbarn. Das bisherige Sportcafé, das interessierte Geflüchtete mit Vereinen zusammengeführt, der regelmäßige Lauftreff und die bereits mehrfach mit dem Zehlendorfer Bali-Kino veranstalteten Interkulturellen Kinotage finden nicht mehr statt. Zusätzlich stehen wichtige Begegnungsorte, wie die bezirklichen Bibliotheken, schon lange nicht mehr zur Verfügung und öffentliche Veranstaltungen, wie das Interkulturelle Fest des Bezirks, wurden abgesagt. Gleichwohl geht die Arbeit weiter: Der Runde Tisch, bei dem sich jeden Monat alle wesentlichen Akteure in der bezirklichen Flüchtlingsarbeit zum Informationsaustausch treffen, wird, wie auch die regelmäßigen individuellen Sprechstunden Unterstützung und bis ein auf Großteil Weiteres der online durchgeführt. Dadurch sind der tägliche E-Mail-Verkehr und die Anzahl der Telefonate erheblich angestiegen und das ehrenamtliche Engagement hat sich verstärkt auch auf die Wochenenden ausgedehnt. Auch weil es deutlich mehr Sachspendenangebote und Nachhilfeanfragen als vor der Pandemie gibt. Dagegen wird die Vermittlung von ohnehin kaum vorhandenen Wohnungen noch mehr erschwert. Weitere Informationen: www.wikobuesz.berlin Günther Schulze, Willkommensbündnis für Flüchtlinge in Steglitz-Zehlendorf 43 Newsletter Flüchtlingsmanagement IV.5. Pressemitteilungen LAF, 28.06.2021: Erfolgreiche Abschlussveranstaltung: Neuer „Qualitäts-Check“ verbessert die Flüchtlingsunterbringung in Berlin Unter Federführung des Landesamtes für Flüchtlingsangelegenheiten (LAF) und der Koordinierungsstelle Flüchtlingsmanagement, Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales, ist in einem partizipativen Prozess das System der Qualitätssicherung in den landeseigenen Flüchtlingsunterkünften reformiert worden. In der dritten Phase der Entwicklung haben mehr als 130 Personen drei Monate lang an der Entwicklung des neuen „Qualitäts-Checks“ mitgearbeitet, darunter Vertreterinnen und Vertreter von Landes- und Bezirksverwaltungen, Ehrenamtsnetzwerke und Initiativen der Flüchtlingshilfe ebenso wie geflüchtete Bewohnerinnen und Bewohner sowie Betreiber von Unterkünften. An der Abschlussveranstaltung nahm auch Senatorin Elke Breitenbach teil. Ziel des Prozesses ist es, die Unterbringungsqualität in Unterkünften des Landes Berlin nachhaltig zu verbessern und weiter zu entwickeln. Über die vertraglich garantierte Qualitäts- und Leistungsbeschreibung des Betreibers der Unterkunft hinaus werden künftig weitere Kriterien guter Unterbringung definiert und geprüft, um ein ganzheitliches Bild zu einer Unterkunft zu gewinnen. Dazu gehören der Sozialraum, der bauliche Zustand und die Lage der Unterkunft. Künftig sollen bei Begehungen nicht nur Mängel behoben, sondern auch Stärken im Sinne von Best Practice- Beispielen abgefragt werden. Im Ergebnis bekommen Unterkünfte im Qualitäts-Check keine Gesamtnote mehr, sondern werden in einem Ampelsystem für jedes Themenfeld bewertet, sodass sich ein differenzierteres Gesamtbild ergibt. Darüber hinaus wurde in dem von einer Unternehmensberatung begleiteten Prozess ein „Dashboard“ der Unterkünfte entwickelt, das eine berlinweite Steuerung und Weiterentwicklung guter Unterbringungsqualität ermöglicht. Die neuen Prüfinstrumente wurden bereits in zwei Pilotunterkünften erprobt. Ziel des LAF ist es, nun einen breiten Dialog für Unterbringungsqualität zu etablieren und eine jährliche Qualitätskonferenz einzuberufen, die Empfehlungen für gute Unterbringung ausspricht. Elke Breitenbach: „Der Qualitätscheck ist ein gutes Instrument, weil darin die Perspektive der Geflüchteten miteinbezogen wird und ihnen mehr Selbstbestimmung und Mitsprache ermöglicht: im Entwicklungsprozess selbst, bei der Durchführung der behördlichen Qualitätsprüfung, im Rahmen der geplanten unabhängigen Evaluation und schließlich durch die Vertretung Geflüchteter in der Qualitätskonferenz.“ Jana Borkamp, Abteilungsleiterin Unterkünfte im LAF: „Schon durch den Entwicklungsprozess haben wir viel voneinander gelernt und eine gute Plattform geschaffen, auf der wir nun in den weiteren Austausch gehen können, um die Qualität bei der Unterbringung von Geflüchteten weiter zu 44 Newsletter Flüchtlingsmanagement entwickeln. Dabei finde ich die Öffnung des Blicks über die Unterkunft hinaus auf das städtische Umfeld und die soziale Infrastruktur wichtig. Wir möchten den Dialog weiterführen und laden alle Akteure zu einer jährlichen Qualitätskonferenz ein.“ Sybill Schulz, Leiterin der Koordinierungsstelle Flüchtlingsmanagement (SenIAS): „Es war ein langer Prozess, um den politischen Auftrag in neue Formen des Qualitäts- und Beschwerdemanagements zu übersetzen. Mit der Entwicklung des Qualitätschecks haben wir hierfür ein gutes Instrumentarium geschaffen, welches nunmehr einen erweiterten Fokus zur Bewertung der Unterbringungsqualität und der Rahmenbedingungen beinhaltet. Aus meiner Sicht haben unsere diversen Austauschformate und die aktive Teilhabe der Geflüchteten im Rahmen der regelmäßigen Expert*innentalks hierfür eine gute Basis gelegt. Mit dem Start der Berliner unabhängigen Beschwerdestelle (BuBS), die ebenfalls Teil dieses Prozesses war, können wir die behördliche Prüfung um die Perspektive der Betroffenen erweitern.“ In der vierten Phase der Qualitätscheck-Entwicklung ist die ergänzende externe Begutachtung geplant. SenIAS, 25.06.2021: Berlin erhält zusätzlich fast 37 Millionen Euro aus dem Europäischen Sozialfonds für soziale Projekte - Sozialsenatorin Breitenbach plant weitere 24/7-Unterkünfte für obdachlose Menschen Das Land Berlin erhält im Rahmen des Europäischen Sozialfonds (ESF) zusätzliche Mittel in Höhe von 36,8 Mio. Euro aus der Europäischen Aufbauhilfe REACT-EU. Das hat Sozialkommissar Nicolas Schmit am Freitag bei einem gemeinsamen Treffen mit der Berliner Senatorin für Integration, Arbeit und Soziales, Elke Breitenbach, am Freitag bekanntgegeben. Nicolas Schmit und Elke Breitenbach besuchten am Freitagmorgen eine 24/7-Obdachlosenunterkunft der GEBEWO pro gGmbH in Prenzlauer Berg. Der Kommissar informierte sich vor Ort über die Situation obdachloser Menschen in Berlin und sprach mit Beschäftigten des vom Europäischen Hilfsfonds für die am stärksten benachteiligten Personen (FEAD) unterstützten Projekts „Frostschutzengel“ und die Berliner Maßnahmen zur Beendigung von Obdachlosigkeit bis zum Jahr 2030. Aus dem zusätzlichen Finanzpaket der EU fließen in diesem und im kommenden Jahr allein 11 Millionen Euro in die Corona-Wohnungslosenhilfe. Das Geld wird die Senatssozialverwaltung dafür verwenden, um obdachlosen Menschen weiterhin besondere Unterkünfte im 24/7-Betrieb mit Versorgungs- und Beratungsangeboten anzubieten. In der Corona-Pandemie hat Berlin mit diesen Unterkünften im Tag-und-Nacht-Betrieb gute Erfahrungen gemacht. Nicolas Schmit, EU-Sozialkommissar: „Die Corona-Pandemie hat uns alle getroffen. Die EU hat gemeinsam den Weg der Solidarität beschritten und heute beschlossen, dass Berlin fast 37 Millionen 45 Newsletter Flüchtlingsmanagement Euro zusätzliche EU-Mittel für soziale Projekte erhält. Das Geld hilft Schülern aus benachteiligten Familien, Menschen, die von Armut und sozialer Ausgrenzung betroffen oder bedroht sind und fördert innovative Lösungen in den Bereichen Medizin- und Gesundheitsversorgung. Der Europäische Sozialfonds stellt damit sicher, dass der Aufschwung allen Menschen neue Möglichkeiten eröffnet.“ Elke Breitenbach, Senatorin für Integration, Arbeit und Soziales: „Einen Großteil der zusätzlichen EUMittel werden wir dafür verwenden, wohnungslosen Menschen in der Stadt neue Unterkünfte im 24/7-Betrieb anzubieten. Unsere Erfahrungen mit diesen Unterkünften in der Corona-Pandemie haben gezeigt, dass sich das Leben vieler obdachloser Menschen verbessert, wenn sie in einer sicheren Unterkunft leben, dort verpflegt und beraten werden und zur Ruhe kommen können. Solche Unterkünfte gehören zu den ersten Maßnahmen und Projekten, die wir jetzt umsetzen, damit wir unser gemeinsam mit der EU formuliertes Ziel erreichen, die Obdachlosigkeit bis zum Jahr 2030 zu beenden.“ SenIAS, 27.05.2021: Einladung zur 5. Strategiekonferenz zur Wohnungslosenhilfe vom 31. Mai bis 8. Juni im Online-Format Zum 5. Mal treffen sich in den kommenden Tagen engagierte Fachleute der Wohnungslosenhilfe, Sozialarbeitende, obdachlose Menschen, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Politikerinnen und Politiker zur Berliner Strategiekonferenz zur Wohnungslosenhilfe – in diesem Jahr coronabedingt in einer Online-Konferenz. Rückblick-Zwischenstand-Ausblick – so lautet das Motto der siebentägigen Konferenz in diesem Jahr. In Gesprächsrunden und täglichen Websessions geht es darum, Bilanz zu ziehen und einen Ausblick auf die kommenden Jahre zu geben. Die zentrale Frage lautet: Was muss getan werden, damit Berlin das von der EU formulierte Ziel erreicht, Obdachlosigkeit bis zum Jahr 2030 zu beenden? An der Online-Konferenz beteiligen sich auch internationale Gäste. So wird der EU-Sozialkommissar Nicolas Schmit zur Auftaktveranstaltung am Montag, 31. Mai ab 17 Uhr die Strategien der EU zur Abschaffung der Obdachlosigkeit vorstellen (Zeit: 18.45 Uhr). An der Abschlussveranstaltung am 8. Juni wird der Geschäftsführer der Y-Foundation, Juha Kaakinen aus Finnland teilnehmen, der einen Vortrag zum erfolgreichen Housing-First-Projekt in seinem Land halten wird. Elke Breitenbach, Senatorin für Integration, Arbeit und Soziales: „Auf unserer 5. Strategiekonferenz werden wir mit allen Beteiligten eine Bilanz der vergangenen Jahre ziehen und uns verständigen, welche Erfahrungen wir gemacht haben. Eine zukunftsfähige Berliner Wohnungslosenpolitik können wir nur gemeinsam mit allen Akteurinnen und Akteuren der Berliner Wohnungslosenhilfe entwickeln. Um die Wohnungslosigkeit in Berlin bis zum Jahr 2030 zu beenden, brauchen wir einen Pakt der 46 Newsletter Flüchtlingsmanagement Stadtgesellschaft, an dem sich der Senat, die Bezirke, die demokratischen Parteien und die Verbände und sozialen Träger des Hilfesystems beteiligen.“ LAF, 18.05.2021: Neuer Impfstoff, mehr Aufklärung: Zwischenbilanz der Impf-Kampagne in Unterkünften für Geflüchtete Rund ein Drittel der Geflüchteten in den Unterkünften des Landesamtes für Flüchtlingsangelegenheiten (LAF) lassen sich durch mobile Teams vor Ort impfen. Das zeigt eine erste Zwischenbilanz der Impfkampagne, die am 29. April gestartet ist. Bis zum 14. Mai wurden 18 von 80 Unterkünften durch mobile Impfteams erreicht, rund 1.100 Personen erhielten eine Impfung. Dies sind rund 36,6 Prozent der Erwachsenen, die in den betreffenden Wohnheimen leben. In dieser Woche sind weitere Impf-Einsätze in 15 Unterkünften geplant. Die mobilen Impf-Teams sind eine niedrigschwellige Ergänzung zum Regelsystems der Gesundheitsversorgung. Geflüchtete können sich auch über eine Arztpraxis oder im Impfzentrum impfen lassen. Ältere Menschen und Risikopatienten innerhalb der Bewohnerschaft haben zum Teil bereits früher ein Impfangebot erhalten. Zu Beginn der mobilen Impfkampagne in Unterkünften kam der Impfstoff von Johnson & Johnson zum Einsatz. Nach der Empfehlung des RKI, diesen Impfstoff nur noch an Personen über 60 Jahren zu geben, wurde die Impfkampagne ab dem 5. Mai mit dem Impfstoff Biontech fortgesetzt. Alexander Straßmeir, Präsident LAF: „Wir sind froh, dass die Impfkampagne zügig wieder aufgenommen werden konnte und wir nun einen Impfstoff einsetzen können, von dem wir hoffen, dass er eine breite Akzeptanz findet. Durch Aufklärungsgespräche und gut verständliche Informationsmaterialien wollen wir die Impfbereitschaft der Menschen in Unterkünften weiter erhöhen. Die gute Nachricht: Auch die Mitarbeitenden in den Unterkünften erhalten nun ein Impfangebot durch die mobilen Teams. Das ist eine gute und richtige Entscheidung, die ich sehr begrüße.“ Die Aufklärungsgespräche zum Impfen werden derzeit von der Koordinierungsstelle Flüchtlingsmanagement der Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales gemeinsam mit der Charité und weiteren Partnern in den LAF-Unterkünften durchgeführt. Sie werden unterstützt von der Sprachmittlung des LAF. Mehrsprachige Aufklärungsvideos und Informationsmaterialien zum Impfen gibt es hier Weitere mehrsprachige Informationen rund um Corona gibt es hier 47 Newsletter Flüchtlingsmanagement SenIAS, 03.05.2021: Impfkampagne für geflüchtete Menschen in Unterkünften startet diese Woche In dieser Woche beginnt die Impfkampagne für geflüchtete Menschen in den Unterkünften des Landesamtes für Flüchtlingsangelegenheiten (LAF). Mobile Ärzte-Teams fahren in die Unterkünfte und machen allen volljährigen Bewohnerinnen und Bewohnern ein Impfangebot. Die Impfkampagne wird in allen 80 Standorten durchgeführt. Jugendliche Bewohnende zwischen 16 Jahren und 17 Jahren werden zu einem gesonderten Termin geimpft. Die Impfkampagne wurde vorbereitet von der Senatsverwaltung für Gesundheit in Zusammenarbeit mit der Taskforce Covid des LAF und dem Krisenstab der Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales. Bereits am vergangenen Freitag haben mobile Ärzte-Teams die ersten Impfungen mit dem Vakzin des Herstellers Johnson & Johnson in drei ausgewählten Unterkünften des LAF durchgeführt. Senatorin Elke Breitenbach: „Geflüchtete Menschen in Gemeinschaftsunterkünften gehören aufgrund ihrer Lebenssituation zu den besonders gefährdeten Gruppen und haben deshalb laut der Bewertung der Ständigen Impfkommission eine hohe Priorität. Ich hoffe, dass sich viele Menschen für eine Impfung entscheiden. Doch auch geflüchtete Menschen haben Bedenken, so wie in allen Teilen der Bevölkerung. Mit mehrsprachigen Informationen in den Einrichtungen wollen wir die mögliche Impfskepsis verringern und Fehlinformationen richtigstellen.“ Alexander Straßmeir, Präsident LAF: „Ich bin froh und erleichtert, dass wir heute mit der ImpfKampagne in Unterkünften starten konnten. Dass wir dabei den erst vor kurzem zugelassenen Impfstoff des Herstellers Johnson & Johnson einsetzen können, ist ein großer Vorteil: Denn er muss nur einmal gespritzt werden, um einen vollständigen Impfschutz aufzubauen. So können wir in kurzer Zeit viele Menschen vor einer Erkrankung und schweren Verläufen schützen. Durch den Einsatz von mobilen Teams stellen wir sicher, dass jeder, der möchte, ganz unkompliziert seine Impfung erhält.“ Die Impfkampagne wird durch Informationsvideos in 15 Sprachen begleitet, die das LAF in Zusammenarbeit mit dem Amtsarzt Patrick Larscheid erstellt hat. Zudem wird eine Informationskampagne zum Impfen in einzelnen Unterkünften des LAF durchgeführt. Ärztinnen und Ärzte der Charité sowie Mitarbeitende des Familienplanungszentrums Balance und des Runden Tisches Geflüchtete Frauen klären vor allem Frauen und Mütter in den Unterkünften über den Impfstoff auf. Bereits im März 2020 haben die Integrationsbeauftragte und das LAF eine mehrsprachige Informationskampagne initiiert, die stetig weiter ergänzt wird. Über Online-Plattformen und soziale Medien wird umfassend über alle wichtigen Themen informiert: Von Hygienemaßnahmen, Infektionsschutz und Aufenthaltsfragen über Zugänge zu Corona-Hilfspaketen bis hin zu BildungsPodcasts für Familien im Homeschooling. 48 Newsletter Flüchtlingsmanagement www.berlin.de/laf/leistungen/gesundheit/infektionsschutz/ www.berlin.de/lb/intmig/service/corona-info/ LAF, 15.04.2021: Nach Sanierung: Wiedereröffnung der Gemeinschaftsunterkunft Soorstraße In der Soorstraße 83 in Charlottenburg-Wilmersdorf hat das Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten (LAF) nach umfangreichen Sanierungsarbeiten eine Unterkunft für Geflüchtete wiedereröffnet. Das technisch auf einen modernen Standard gebrachte Backsteingebäude aus der Gründerzeit (Baujahr 1896), in früheren Zeiten das Hauptzollamt, hat Platz für bis zu 160 Personen. Als Betreiber für die verkehrsgünstig gelegene Unterkunft im Westend wurde im Rahmen eines öffentlichen Vergabeverfahrens die Tamaja Gemeinschaftsunterkünfte GmbH ausgewählt, die in Berlin bereits mehrere Unterkünfte betreibt. Seit dem Frühjahr 2019 stand das denkmalgeschützte Gebäude aufgrund der Sanierung nicht als Unterkunft zur Verfügung. Seitdem erfolgte eine Strangsanierung, es wurden Fenster ausgetauscht und die Sanitärbereiche erneuert. Die Böden wurden geschliffen und versiegelt, die Wohn- und Funktionsräume erhielten einen frischen Anstrich. Außerdem wurden Datenleitungen unter Putz verlegt, damit im Gebäude ein flächendeckender W-LAN-Empfang möglich ist. Die Gemeinschaftsunterkunft verfügt über 101 Zimmer für 1-2 Personen. Ein Teil der Zimmer hat eine Verbindungstür und ist für Familien geeignet. Neben Gemeinschaftsküchen und gemeinschaftlich genutzten Sanitärbereichen gibt es Schulungs- und Beratungsräume, einen Waschmaschinenraum sowie einen Kinderspielplatz im Hof. Alexander Straßmeir, Präsident LAF: „Schon vor der Sanierung wurde das Gebäude an der Soorstraße als Unterkunft für Geflüchtete genutzt. Die umfangreichen Sanierungsarbeiten in dem denkmalgeschützten Gebäude zeigen, mit welch hohem professionellem Niveau sich das LAF, gemeinsam mit bezirklichen und landesweiten Partnern, für gute Wohnmöglichkeiten für Geflüchtete einsetzt. Ich bin mir sicher, dass wir in Kooperation mit dem engagierten Ehrenamt und einem erfahrenen Betreiber den Weg zu einer gelungenen Integration der Geflüchteten bereiten.“ Reinhard Naumann, Bezirksbürgermeister Charlottenburg-Wilmersdorf: „Wie gut, dass die bereits seit Sommer 2013 bestehende und damit älteste Unterkunft für geflüchtete Menschen in Charlottenburg-Wilmersdorf nach erfolgreicher Sanierung wieder genutzt werden kann. Die „Soorstraße“ steht für den Beginn des herausragenden zivilgesellschaftlichen Engagements in unserem Bezirk, unter anderem für die Gründung von „Willkommen in Westend“. Die Unterkunft war die Initialzündung unserer gelebten Willkommenskultur im Bezirk! Ich freue mich, dass dieser Standort im Kiez und damit verbunden die so wichtigen ehrenamtlichen Strukturen durch das LAF erhalten werden konnten.“ 49 Newsletter Flüchtlingsmanagement Normalerweise veranstaltet das LAF in Unterkünften vor der Eröffnung einen Tag der offenen Tür für die Nachbarschaft und alle Interessierten. Das ist in der Pandemie-Situation leider nicht möglich. Deshalb gibt hier einen virtuellen Einblick ins Gebäude per Video, Fotos und Antworten auf häufig gestellte Fragen. Das LAF ist in Berlin für die Registrierung, Unterbringung und Versorgung von Geflüchteten zuständig. Derzeit leben in den knapp 80 Unterkünften des LAF in ganz Berlin mehr als Foto: LAF, Außenansicht GU Soorstr. 18.000 geflüchtete Menschen. Ziel der Arbeit der Flüchtlingsbehörde ist es, gemeinsam mit verschiedenen Senatsverwaltungen und den Bezirken eine deutliche Verbesserung der Wohnqualität für Geflüchtete zu gewährleisten und somit die Integration zu fördern. ____________________________________________________________________________________________ Vielen Dank für Ihr Interesse und bis zur nächsten Ausgabe im III. Quartal 2021. Ihr Team der Berliner Koordinierungsstelle Flüchtlingsmanagement www.berlin.de/koordfm fluechtlingsmanagement@senias.berlin.de Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales www.berlin.de/sen/ias/ ______________________________________________________________________________________________________________________________ Hiermit informieren wir Sie gemäß der EU-Datenschutzgrundverordnung darüber, dass wir Ihre veröffentlichten bzw. uns mitgeteilten Kontaktdaten gespeichert haben und diese unregelmäßig für die Zusendung von Informationen unserer eigenen Publikationen und Veranstaltungen nutzen werden. Sie haben das Recht auf Löschung dieser Daten und Widerspruch gegen die weitere Verwendung. In diesem Fall senden Sie uns bitte eine Mail (Betreff: Löschung). Weiterhin haben Sie das Recht auf Korrektur Ihrer Daten, Einschränkung der Verarbeitung für bestimmte Zwecke sowie auf Anrufung des Datenschutzbeauftragten der Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales datenschutz@senias.berlin.de und der zuständigen Datenschutzaufsichtsbehörde. Weitere Informationen zum Datenschutz sowie Fragen bezüglich der Datenverarbeitung und der Wahrnehmung Ihrer Rechte können Sie sich kostenlos an unseren Datenschutzbeauftragten wenden. Gern erteilen wir Ihnen auf die Anfrage Auskunft darüber, welche personenbezogenen Daten über Sie bei uns gespeichert sind. Wenn Sie keinen Newsletter und keine fachlichen Informationen mehr erhalten möchten, senden Sie bitte eine E-Mail an fluechtlingsmanagement@senias.berlin.de – vielen Dank. 50
Top of page
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.