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Full text: Lucie Höflich / Thiess, Frank (Rights reserved - Rights managed by VG Wort (§ 51 VGG))

Er Lucie Höflich 
Als wir versuchten, aus der Summe der Eindrücke, die 
wir mit dem Namen Lucie Höflich zusammenfassen, ein 
essentielles Fazit zu ziehen, fanden wir, daß stets dort, wo 
sich ihre Persönlichkeit entschleierte, eine Vitalität ans Licht 
trat, die gleich dem Wasser eines Stromes alle Räder und 
Werke von innen her bewegte, Motor und Kraftmaß ward. 
Diese Grundbestimmung ihres Werkes gibt bereits die Linien 
des Fundamentes an, auf dem sich das Werk dann aufbaut, 
von dem aus wir weiter denken müssen. 
Hier kommen uns gewisse konstante Momente in ihrer 
Belebung eines Charakters sehr zu Hilfe. Hilft uns vor 
allem die Wahl ihrer Rollen, d er Rollen, die die ihren 
sind. Natürlich wird Lucie Höflich als eine Schauspielerin 
von hoher Qualität guc< Rollen spielen können, die ihrer 
Wesensart fremd sind, sie wird sie vielleicht recht gut spielen 
fönnen, wird sie aber stets nah der ihr eigenen untragischen 
Linie zu umbiegen. Ein Beispiel: ihre Maria Stuart. 
Eine gesunde, lebensfräftige, zu köstlihem Leben berufene 
Frau, die durc< ein dumpfes, unbekanntes Geschi>, das ihr 
Stü> für Stü> den Weg ins Freie abschneidet, zermalmt 
wird. Fatum, nicht tragisches Sh<i>sal. Not, nicht Not- 
wendigkeit. 
Damit haben wir ein konstantes Moment, das Un- 
tragische. Wer diese Schauspielerin daraufhin ansieht, findet 
es unbedingt bestätigt. Groß genug, um „tragische Rollen 
zu spielen, ent-tragisiert sie sie gewissermaßen, beugt sie unter
	        
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