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Full text: Lucie Höflich / Thiess, Frank (Rights reserved - Rights managed by VG Wort (§ 51 VGG))

Kunst und Leben ZS 
solle. Denn Kunst ist Werdendes, rhythmis< Durcpulstes 
und erst in seinem fertigen Phänomen (Bild, Drama, Kir<e) 
ein Räumliches, Starres, seinem Sc<i>sal Enthobenes ge- 
worden. Denn sein Sisal ist der Werdeprozeß, nicht die 
Aufnahme durc< die Kritik (!). Wäre Kunst verpflichtet, 
der Wirklichkeit in dem oben angedeuteten Sinne zu dienen, 
so hieße das etwa soviel wie, daß die Zeit abhängig vom 
Raume sei, was, wie jeder merkt, absoluter Unsinn ist. 
Darum greift jener populäre Vergleich des Künstlers mit 
Gott unbewußt in das Tiefste des Problems. Denn so wie 
Gott der schaffende Urquell aller Bewegung ist, aus der 
sih erft die Formen der Wirklichkeit gebären, so ist der 
Künstler während des Produktionsprozesses (ein Zustand, in 
dem er fast völlig mit dem Werk verschmilzt, ja, bis zu 
einem gewissen Grade ihm hörig wird) der Motor und das 
Scisal dessen, was wir Kunst nennen. Kunstschaffen steht 
darum zum Leben nicht anders als das Kunstwerk zur Wirklich- 
Feit. Und nur ein einziger, metaphysisch angesehen, durc<aus zu- 
fälliger Umstand verhindert, daß wir die Proportion. (Kunst: 
Lehen) nicht ihrem Gegenteile gleihmac<hen können, das 
ist der, daß wir nicht Gott, sondern nur Geschöpfe Gottes, 
d, h. in seine Welt hineingeboren sind. Wir können also, 
wenn wir Kunst und Leben, oder Kunstgebild und Wirk- 
lichfeit, als zwei Ufer ansehen, immer nur vom Ufer Leben 
zum Ufer Kunst kommen. Denn wir sind Menschen. Leider. 
Diese Erörterung konnte nicht fallen gelassen werden, 
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