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Full text: Lucie Höflich / Thiess, Frank (Rights reserved - Rights managed by VG Wort (§ 51 VGG))

Poetische und mimische Gestaltung H 
gus dem „Nichts erschafft wie der Schauspieler. Jener hat 
nämlich die Natur als Gegebenes; der Schauspieler die nur 
in Worten und Handlungen sich manifestierende Rolle. So 
wenig aber die Natur shon Dichtung ist, so wenig ist die 
Rolle shon Schauspielkunst. Beide, der Dichter wie der 
Schauspieler, müssen, falls sie wirklich schöpferisch gestalten 
wollen, das bereits Vorhandene in sich erleben und dann 
aus dem Erlebnis heraus in ihrem Material neu gebären. 
Beide tun das Gleiche, nur in ganz verschiedener Richtung. 
Sie nehmen ein Ding auf, schmelzen es in sich um, lasset 
es ausglühen, stellen es in neuer Form hin. Das ist der 
Weg jedes Shaffens. Und der Maler, wel<her nach einem 
Modell malt, ist so wenig sekundär, wie der Bildhauer, der 
eine Tänzerin in Stein meißelt. 
Dies der erste Einwand gegen die ästhetische Gradations- 
theorie, soweit sie sih auf das Theater erstre>t. Es ist 
ein Argument als ob. Nämlich für den Fall, daß der 
Dichter der Natur bedürfe, um zu schaffen. Das Ver- 
hältnis von Kunst und Natur ist aber ein ganz anderes. Wir 
haben kein Recht, die Kunst der Natur zu versklaven, mit 
der sie nur biologisc<, gewissermaßen dur< die Vermittlung 
des Menschen verbunden ist. Wir haben kein Ne<t dazu, 
dies obendrein aus einem mißverstehenden Griehenfult her- 
aus zu tun, Denn auch der Grieche schuf ni<t na< der 
Natur, jedenfalls nicht in der Hoc<-Zeit antiker Kultur, 
wo 3. B. Porträtsstatuen streng verboten waren und be-
	        
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