Path:
2.

Full text: Lucie Höflich / Thiess, Frank (Rights reserved - Rights managed by VG Wort (§ 51 VGG))

10 Lucie Höflich 
einem Ziele zu gelangen, wo es sich darum handelt, ewig 
Bewegliches zu fixieren. Was habe ich in den Händen, um 
werten, darlegen, beweisen, erklären, loben oder tadeln zu 
können? Eine Reihe von Eindrücken, verwehte Bilder, 
scharfe, farbige, hö<st lebendige Situationen. Stimme, 
Gebärde, Haltung, Gang, Auge. Es ist, streng genommen, 
überhaupt kein Material, nichts Essentielles, Greifbares, zu 
Argumenten und geschlossenen Darlegungen Führendes. Es 
ist eine Summe hö<hst subjektiver Erlebnigeindrüe, die ich so, 
andere anders gehabt haben. Im Gesamtresultat wahrschein- 
li< ähnli<, -- aber auch nur wahrscheinlich. Wo soll man da 
zufassen, wo beginnen? Denn zu allem fehlt no< das biogra- 
phis<e Material, das dem zur Verfügung steht, der über 
einen Toten schreibt. 
Die Möglichkeit, an das Absolute im Schaffen Lucie 
Hösflichs heranzukommen, ist damit in weite Ferne gerückt. 
Das ganze ist eine Wahrscheinli<hkeitsrehnung. In jeder 
Rolle und vielleicht an jedem Abend tritt irgendwann der 
Moment ein, wo sich ein jäher Bli> in das Wesentlichste der 
künstlerischen Kraft des Schauspielers eröffnet. Aber diese 
Momente sind selten, und niht immer hat man- das Organ 
dafür, sie mitzuerleben. Bleibt dann nur die Kontur, welche 
eine Gestalt zurüläßt. Und gerade hierin sehe ich eine 
der ungewöhnlichen Eigenschaften dieser Künstlerin, daß jede 
ihrer Rollen eine ganz unverwechselbare und einprägsame 
Kontur hat. Das erleichtert dann allerdings jedes Über-
	        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.