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Zweiter Band Berlinische Bauwerke Die Ober-Post-Direktion

Full text: Vermischte Schriften im Anschlusse an die Berlinische Chronik und an das Urkundenbuch (Public Domain) Issue 2 Zweiter Band (Public Domain)

1] 
Wäre hiemit die Zeit der Entstehung des Monuments einigermaßen fixirt, so etwa auch die Beantwortung der Frage: 
wen die Hauptfigur desselben vorstelle? Es kann nämlich nur die Wahl sein zwischen dem Feldmarschall Otto Christof oder dem 
Grafen Erust Georg. Für jenen spricht das Herkommen, auf dergleichen Denkmalen den Stifter darzustellen; für diesen, daß ex 
der Erste zur Gruft hinabstieg. Daß im leßten Falle nicht das Wappen der älteren Grafenlinie, sondern das einfache Sparr'sche 
das Grabmal krönt, dürfte nicht irren: es sollte eben eine Gesammtfamiliengruft werden. Allein, wofern sonst die vorhandenen WPor- 
traits Okto Christofs und Ernst Georgs ähnlich, so ähnelt der knieende Fürbitter von Marmor eben keinem von ihnen =- obwohl 
es freilich immer mißlich, ein gemalt Portrait und eine Büste zu vergleichen. Soll aber durchaus eine Aehnlichkeit da sein, so ist 
sie freilich eher noch mit dem Portrait Ernst Georgs, als mit dem Otto Christofs vorhanden, und so hat denn auch König 
entschieden. Dagegen kann eine genaue Vergleichung des auch als Kupferstecherarbeit nicht üblen Portraits Otto Christofs auf 
der 527 sten Seite des 1663, also noch bei seinen Lebzeiten erschienenen Theil VI. des Theatyr. Europ. mit dem Kopfe des Denk- 
mals an der Jdentität beider kaum einen Zweifel belassen. Ueberdies ists durchaus unwahrscheinlich , daß das Monument in dem 
furzen Zeitraum vom September 1666 bis in den Anfang 1668, also binnen Eines Jahres hergestellt worden sei, anderer Jucon- 
venienzen nicht zu gedenken, und das müßte's doch sein, wenn es den Grafen Ernst Georg vorstellen sollte, dem eben nur sein Vor- 
antritt im Tode und zur Gruft solches Anrecht erworben haben könnte. Dazu kommt die ganze Anlage des Einganges zur Gruft, die 
entschieden von vornherein auf das hochragende Monument berechnet war, welches sicher beim ersten Entwurf mit in Anschlag kam; 
statt daß jede spätere Herstellung es mehr oder minder als ein Zufälliges erscheinen lassen müßte. J< halte mich demnach für 
völlig überzeugt, daß das Monument eben nur den Stifter, Otto Christof, vorstelle. Ganz absurd ist die Angabe 
bei Küster a. a. O., daß die Hauptfigur der bei Lepanto gefallene Johanniter-Comthur Joachim Spaxrxr sei 
In dem helmhaltenden Edelknaben hinter der knieenden Hauptfigur will dann die Sage einen von Hake erkennen 
(Küster, König). Je<h gestehe, daß ich der Quelle der Sage vergeblich nachgeforscht. Die Sitte der Zeit, dem Kriegsdienst be- 
stimmte Söhne schon in den Knabenjahren graduirteren Truppenführern beizugeben, ist bekannt; desgleichen, daß man dazu gern 
Verwandte oder Befreundete ausersah. Auch fanden Verwandtschaftsverhältnisse zwischen den Sparrxs und den Hake's im 
16ten Jahrhundert statt, und finden sich, allerdings spätere, Spuren naher freundschaftlicher Beziehungen. Die Sache ist eben mög- 
lich, und dann pflegt, wenn nicht vielleicht auch hier eine Verwechselung mit spätern Zeiten und Personen unterläuft, dergleichen 
Traditionen meist noch ein Etwas von reellem Gehalt beizuwohnen. 
Solche Tradition auch nennt als den Künstler Artus Quellinus (König S. 76. Nicolai 353 zweifelnd) und 
zwar genauer den zu St. Truijen geb. Artus Quellinus den Sohn, Schüler seines gleichnamigen Vaters (Nagler Künstlerley. 2c.). 
Auch die Quelle dieser Sage habe ich nicht zu entdecken vermocht. Der Zeit und den mannigfachen Beziehungen nach, welche damals 
von hier aus nach Holland stattfanden, wäre's wohl möglich. Selbst der vielfache und langjährige Aufenthalt Otto Christofs 
Sparr am Niederrhein hätte auf die Wahl des Künstlers von Einfluß sein können. Vielleicht auch , daß ein schärfstes Auge eine 
gewisse Aehnlichkeit , zumal in den kleinen Ornamenten des Denkmals, mit dem Stil des älteren Artus Quellinus, wie er uns 
in seinen Arbeiten am Amsterdamer Rathhaus in seines Bruders bekanntem Werk über dieselben entgegentritt, entde>en mag. 
Dennoch kennt die hiesige Kunstgeschichte von Werken des Artus Quellinus, außer diesem fraglichen Monument, nur eben so 
fragliche ehdes im Pokdamer Lustgarten, auf dem Rundel nach der Havel zu befindlich gewesene » vier Prinzen von Oranien von 
Marmor« (Nicolai 1167). Das Denkmal selbst trägt, soweit ersichtlich, keines Künstlers Namen oder Chiffer. =- Wie denn 
aber, wenn des Begräbnisses Erbauer und Ausschmücer jener französische Architekt und Bildhauer Joh. Arnold Villers gewesen, 
der gerade im Todesjahr Sparrs 1668 nach Baiern ging, mit des großen Kurfürsten Empfehlung, daß er »seiner Kunst wohl er- 
fahren, auch gute Dienste allhier erwiesen habe«? (Nicolai: Baumeister, Vildh. 2x. S. 67.) 
Das Monument hat übrigens mehrfache, wenn auch nicht gerade erhebliche Verleßungen und kleine Alterationen erlitten, 
weil es, vermöge wohl jener Kirchenreparatur von 1817, ganz oder zum Theil von der Wand abgenommen gewesen. 
Von der Sparr'schen Familie haben inzwischen aller Wahrscheinlichkeit nach nur die genannten drei: Ernst Georg, 
Otto Christof und Georg Friedrich ihre Ruhestätte in der Gruft gefunden. 1766 waren (Kirchenacten zufolge) sechs große 
und zwei kleine Kinderleichen darin beigeseßt und etwa no< Plaß für zwei bis drei. Die Todtenregister nennen bis dahin außer 
den drei Sparrs, den 1733 verst. bekannten Minister v. Creuß und ein ihm 1713 vorangegangenes Kind. 1791 wird noch dessen 
Wittwe (?) »Frau Gertrud v. Creuß Exc.« daselbst beigesezt. Wer die übrigen, ist nicht genau bekannt: Aufschriften mehrerer 
Särge ergeben, soweit erkennbar, wiederholt den Namen Weißel. 
Der Anbli> der Gruft ist jeht etwas wüst. Rechts am Eingang steht lediglich ein Kindersarg ; links nach der Tiefe sind 
eine kaum mehr unterscheidbare, beträchtliche Anzahl von Eichensärgen =- weit mehr als die Angabe von 1766 besagt -- bis zu 
dreien über einander geschichtet. Wahrscheinlich wurden sie zumeist erst in Folge der mehrerwähnten, umfänglichen Reparatur der 
Marienkirche, aus anderen ausgeschütteten Grüften hier untergebracht. Die schweren Sparr'schen Metallsärge stehen zu hinterst 
und unterst, fast völlig unzugänglich ; einer == ich muthmaße der Erust Georgs =- in einer besonderen Vertiefung unter 
den übrigen. 
Die sonstigen ehdes im obern kleinen Saal des Erbbegräbnisses aufbewahrten Spaxrr'schen Reliquien befinden sich jekt im 
Chor der Kirche. Es sind an der Südseite die Gedächtnißtafel zu Ehren des bei Lepanto gebliebenen Joachim Sparr und die 
leben8großen, mit Juschriften versehenen Portraits Otto Christ ofs und des Grafen Ernst Georg. Die gleichgroßen inschriftlosen 
Portraits an der Nordseite stellen zweifellos Ernst Georgs Söhne, die Grafen Vladislaus und Johann Erust vor. Den 
Ersteren kennzeichnet der Degen an der rechten Seite und der rechte, in rother Binde getragene Arm. Er hatte denselben 1664 
vor Kanischa verloren. Das Bild müßte demnach zwischen 1664 und 1669 , seinem Todesjahr , gemalt worden sein. Johann 
Exnust wird durch die Aehnlichkeit mit seinem Bruder hinlänglich bezeichnet. Sein Portrait müßte inzwischen erst nach 1668 ent- 
standen sein, da es ihn als Nitter des Johanniter - Ordens darstellt, in welchen er nicht früher als am 22. September des genannten 
Jahres aufgenommen ward. Es sind eben die Portraits jener vier Sparr8, für welche ursprünglich und namentlich das Erb- 
begräbniß gestiftet wurde. 
Die abweichenden Angaben über diese Bildnisse bei Küster, Nicolai und König sind entschieden falsch. 
Von den »zweien Tafeln auf Zinn, des Grafen (Erust Georgs) Söhne vorstellend«, von denen Küster, der übrigens 
nur drei lebensgroße Bilder anführt, a. a. O. ferner spricht, findet sich der Zeit keine Spur mehr.
	        
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