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Zweiter Band Berlinische Bauwerke Die St. Hedwigskirche

Full text: Vermischte Schriften im Anschlusse an die Berlinische Chronik und an das Urkundenbuch (Public Domain) Issue 2 Zweiter Band (Public Domain)

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widmete. Darauf verfügte er sich zu dem vordern Eingang der Kirc<he, woselbst die Reliquien einiger heil. Märtyrer auf einem 
mit Sammet bedeckten Tische sich befanden, die später in dem Hochaltare niedergelegt wurden. Der Bischof verrichtete hier die 
vorgeschriebenen Gebete. 
Am folgenden Morgen, am Feste aller Heiligen, ward die neue Kirche früh um 6 Uhr mit zwei Reihen Soldaten beseßt, 
welche daselbst unter dem Gewehre stehen blieben. Ein ungewöhnlicher Zulauf von Menschen füllte den geräumigen Plaz, und 
die Straßen, welche zu der Kirc<e hinführen , waren abgesperrt. Niemand wurde eingelassen, wofern er nicht ein Einlaß- Billet 
vorzeigen konnte, welche Verfügung von dem Staats- Minister Freiherrn v. Zedlikß ausging. Dieser war nebst dem Gouverneur 
von Berlin, General-Lieutenant von Ramin, selbst in der Kirche gegenwärtig, damit unter ihren Augen der Wille Sr. Majestät 
des Königs desto gewisser in Erfüllung ginge, welcher diesen Tag so ruhig und glänzend als möglich gefeiert wissen wollte. 
Ebenso waren zur größeren Zierde des Festes gegenwärtig des Prinzen von Preußen Königl. Hoheit, in Begleitung ihrer 
Durchlauchten der Prinzen Friedrich August von Braunschweig und von Hessen-Darmstadt. =- So hatten sich auch eingefunden 
die Generalität, das Kabinets - Ministerium, der in Berlin anwesende Adel und ein Theil der in Potsdam garnisonirenden 
Offiziere, welche Erlaubniß erhalten hatten, der Feierlichkeit in hiesiger Residenz beiwohnen zu dürfen. Für die drei anwesenden 
hohen Personen hatte man auf einem Fuß - Teppich zur linken Seite des Hochaltars drei Stühle aufgestellt. Der Hochaltar 
war mit zwölf großen vergoldeten Leuchtern von schöner erhabener Arbeit geschmückt. In der Kirche brannten auf zwölf 
krystallenen Kronleuchtern eine Menge von Wachslichtern , und außerdem noch viele andere bei den zwischen den Fenstern ange- 
brachten und zur Kirc<weihe nöthigen zwölf Kreuzen. 
Der Fürst - Bischof begab sich gleich nach seiner Ankunft zum Eingange der Kirche, wo er vor den Reliquien die sieben 
Buß - Psalmen und die Litanei zu allen Heiligen betete; darauf segnete er das Wasser , welches zur Einweihung dienen sollte. 
Dreimal zog er in Prozession um die Kirche und besprengte die äußern Mauern derselben und den Kirc<hof mit Weihwasser 
und klopfte, so oft er an die Kirchthüre kam, mit seinem Hirtenstabe an dieselbe, worauf sie ihm zum dritten Male von einem 
Diakonus geöffnet wurde. Dann segnete der Fürst-Bischof das Innere der Kir<e und den Altar nach der für diese Fälle vor- 
geschriebenen Liturgie. Das Kästchen, in dem sich die Reliquien befanden, wurde in eine kleine Oeffnung des Altars geseßt, 
das Grab genannt; dazu eine Abschrift von den Rechten und Freiheiten, welche S. Majestät den Katholiken bewilligten; ebenso 
eine auf Pergament in lateinischer Sprache geschriebene Denkschrift. 
Bald darauf wurde der Altar von zwei Priestern mit einem Teppich von Wachsleinewand und dann mit zwei schönen 
Deen bekleidet. Nun erst wurden die Personen eingelassen, denen man Billets ertheilt hatte, und die Kirche, die man früher 
Behufs der Einweihung zum Theil hatte freilassen müssen, füllte sich ganz. Die königl. Kapelle stimmte das Te Deum an und 
als dieses zu Ende war, trat der Fürst-Bischof in vollem Ornate zum Hoh-Altare und das feierliche Amt begann um 10 Uhr. 
Die Virtuosen der königl. Kapelle, welche aus Jtalienern bestanden, schienen an diesem Tage sich selbst zu übertreffen. Es 
waren die H. Concialini, A. Uberti, Porporino, Paolo, Bedeschi, Joh. Tosoni und Lud. Grassi. Auch verdient der Chor des 
cöllnischen Gymnasiums unter der Direction des H. M. D. Buchholz für den thätigen Antheil zur Verherrlichung dieses Tages 
rühmliche Erwähnung. V. Concialini hatte die Musik des Te Deum und der Messe aus Padua verschrieben, welche P. Valotti, 
Kapellmeister bei der schönen Hauptkirche des h. Antonius daselbst, componirt hatte. Da dieser Messe das Sanctus und Agnus 
Dei fehlten, so ersezte der Reichsgraf von Zierotin, königl. General- Direktor der Schauspiele, diesen Mangel durch eine Com- 
position des in Wien lebenden Dittersdorf. Der Herr Graf übernahm selbst die Leitung der ganzen Musik. 
Als Gehülfen des H. Fürst - Bischofs bei dem heil. Amte fungirten folgende: H. v. Pöpelmann, Canonicus von Ermeland 
und Erzpriester von Bromberg ; H. v. Troits, Canonicus von Breslau und Haus-Prälat Sr. Päpstl. Heiligkeit ; H. Abt Graf 
v. Krasicky ; H. Abt Landi, königl. preuß. Hof- Poet; P. Amand Jennes, ehemaliger Superior aller im Brandenburgischen 
befindlichen Missionäre; P. Heinrich (Elberfeld), damaliger Superior, und die Missionäre P. Kirchhof, P. Augustin und 
P. Nicolaus. Ferner Calam, Hauscaplan bei der hies, königl. kais. Gesandtschaft ; H. Breier, bischöfl. Pönitentiarins zu Breslau. 
Die ganze Feierlichkeit ging würdig von Statten; überall herrschte Ordnung und feierliche Stille. Einen großen Eindruck 
machte das Betragen des Kronprinzen, in dem Hoheit gepaart mit Ehrfurcht und Aufmerksamkeit, sich aussprachen. 
P. Seinrich , erster Geistlicher und Direktor der kath. Gemeinde, nebst den Aeltesten unterließen niht, Sr. Majestät den 
König durch ein unterthäniges Schreiben vom 2, Nov. von der Einweihung der Kirche und der ganzen Feierlichkeit zu benach- 
richtigen. Der König ertheilte ihnen hierauf folgende huldreiche Antwort: 
»Se. Königl. Majestät haben so eben das Danksagungsschreiben empfangen, welches der Prediger und Direktor nebst den 
Aeltesten der katholischen Kirche zu Berlin an Se. Majestät abgelassen haben, um sich im Namen aller in Berlin wohnenden 
Römischcatholischen für die Erlaubniß zu bedanken , vermöge welcher ihnen in der Hauptstadt eine eigene Kirc<e zugestanden 
worden. Se, Majestät haben bei dieser Gelegenheit Jhren Unterthanen katholischer Religion mit Vergnügen die Wirkungen 
Hochdero toleranten Gesinnungen genießen lassen, und sind nicht weniger gesonnen, gedachte Gesinnungen nebst Dero Königl. 
Schuß und Gnade der Gemeinde ferner angedeihen zu lassen. 
Potsdam, 4. Nov. 1773. Friedrich. « 
Die Kirche ward der heiligen Hedwig gewidmet, welche einst Herzogin von Schlesien war. Ihr Vater war Berthold 
von Andechs, Markgraf von Meran, Graf von Tyrol, Fürst, oder Herzog von Kärnthen und Jstrien. Jhre Mutter war die 
Tochter des Grafen Dedon von Rochlitz. Hedwig hatte 3 Schwestern und 4 Brüder. Agnes, die älteste ihrer Schwestern, 
heirathete Philipp August, König von Frankreich ; Gertrudis, die zweite, vermählte sich mit Andreas, König von Ungarn, mit 
dem sie die h. Elisabeth zeugte; die dritte war Aebtissin zu Kißingen in Franken. Jhre Brüder hießen: Berthold, Ekbert, 
Heinrich und Otto, Der erste starb als Patriarch von Aquileja, der zweite als Bischof von Bamberg; Heinrich und Otto 
theilten sich unter die Länder ihres Vaters, und zeichneten sich als tapfere Feldherren aus. Die heil. Hedwig erhielt ihre erste 
Erziehung in dem obengenannten fränkischen Kloster und wurde dann mit Heinrich 1., Herzog von Schlesien, vermählt, welcher 
aus dem uralten Geschlechte der Piasten in Polen abstammte. Gott segnete diese Ehe mit 6 Kindern; S Knaben: Heinrich, 
Conrad und Boleslaus; und drei Mädchen: Agnes, Sophia und Gertrudis. Jhr Sohn Heinrich 11. fiel in einem Treffen 
gegen die Mongolen bei Liegniß, und die heil. Hedwig hat sowohl in dieser verhängnißvollen Zeit) welche ganz Deutschland 
mit ihren Gewitterwolken bedrohte, als auch bei andern Gelegenheiten bewiesen, daß die Religion nicht blos Frömmigkeit, 
sondern Muth und wahre Seelengröße verleihe. Noch bevor 1238 der Herzog gestorben war, begab sie sich in das Kloster zu 
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