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Zweiter Band Berlinische Bauwerke Die St. Hedwigskirche

Full text: Vermischte Schriften im Anschlusse an die Berlinische Chronik und an das Urkundenbuch (Public Domain) Issue 2 Zweiter Band (Public Domain)

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Mittel, 19,000 Thlr. aufzubringen, um diejenigen, welche diese Summe zu fordern haben, zu verhindern, daß die Kirche an die 
Berliner Juden überlassen werde, von denen Anerbietungen gemacht worden sind, sie zu kaufen und in eine Synagoge umzu- 
wandeln. Mehrmals haben sich die Berliner Katholiken an Seine verstorbene Heil. gewendet und ihn beschworen, nach dem 
Beispiel Benedikt XIV. ruhmreichen Andenkens einen mitleidsvollen Blik auf eine so große Anzahl Katholiken werfen zu wollen, 
die bei dem schlechten Zustande der so zu sagen »Scheune«, darin jetzt celebrirt wird, bald ganz ohne Betsaal sein werden. 
Wir haben den verstorbenen Papst Clemens ARI]1. angefleht, nach dem Beispiele seines unvergeßlichen Vorfahren uns in 
einem Consistorium den Cardinälen, den Mitgliedern des heil. Collegium, den Oberen der geistl. Orden, allen geistl. und welt- 
lichen Fürsten, die unserer h. Kirche angehören, zu empfehlen; allein selbst diese Gnade ist uns nicht gewährt worden. Se. Heil. 
hat sich nicht herabgelassen, unsere demüthigen Bitten zu berücksichtigen, noch auch die ganz unverhofften Privilegien zu bedenken, 
die Sr. Maj. der König von Preußen der in seiner Hauptstadt neu zu erbauenden Kirche bewilligt hat, und die verloren gehen 
würden, wenn diese Kirche verkauft werden müßte, um die 19,000 Thlr. Schulden zu deen. 
Se. Heil. hat nicht erwägen wollen, daß der König von Preußen eine ganz besondere Theilnahme für unsere Kirche haben 
muß, da er ganz fürzlich abermals 1200 Thlr. zugewendet hat, um die Zinsen des laufenden Jahres zu bezahlen und auf 
diese Weise uns das Gebäude noch ein Jahr zu erhalten. 
Endlich hat Se. Heil. auch nicht beherzigen wollen, daß dieser Fürst nachlassen kann, uns zu beschüßen, wenn er sieht, wie 
wenig Werth der h. Stuhl auf die Beweise des wahrhaft väterlichen Wohlwollens legt, das den Berliner Kätholiken bewiesen 
worden ist =- auch ist es gefährlich, einen protest. König zu beleidigen, der die schönsten Bisthümer Deutschlands in seiner 
Gewalt hat. 
Alle diese Erwägungen geben uns die Hoffnung, daß Ew. Eminenzen an dem Schi>sal unserer armen verlassenen Kirche 
Antheil nehmen und die apostolische Kammer beauftragen werden, uns einige Unterstüzung zukommen zu lassen , damit wir an 
dem inneren Ausbau der Kirche arbeiten können, während ein Breve uns erlaubte, eine allgemeine Collekte zu veranstalten, um 
die Kirche zu vollenden und deren Schulden zu tilgen.« 
Der neu erwählte Papst Clemens XIV. sagte jekt seinen Beistand zu , und machte hierüber der Neffe des vorgenannten 
Grafen Schaffgotsch am 21. Sept. 1770 aus Rom an seinen Onkel folgende Mittheilung : 
»M. l. Onkel! IJ habe die Ehre, Sie zu benachrichtigen , daß ich gestern das Glü> und die Freude gehabt, mich Sr. 
Heil. vorzustellen. J<h habe ihm, einem eben so liebenswürdigen als ehrw. Fürsten, die Bedürfnisse unserer Kir<e in der dringendsten 
Weise vorgestellt, und es hat dem h. Vater gefallen, mir darauf zu erwiedern, daß er in Folge des Gespräches, welches ich einige 
Tage früher mit Sr. Em. dem Cardinal Palavicini gehabt und das ihm von diesem mitgetheilt worden war, bereits Anord- 
nungen getroffen habe, auf daß diese Angelegenheit bald und ernstlich in Angriff genommen werde! »Denn«, sagte er, »das 
Wohl dieser Kir<he, welche das Glü> hat, unter dem Schuße eines so mächtigen Fürsten zu stehen, liegt mir zu sehr am Herzen, 
als daß ich nicht Alles thun sollte, um sie möglichst bald in einem Zustande zu wissen , daß darin Gott, wenn auch nicht mit 
Glanz, doch mit Anstand angebetet werden kann.« 
Troßzdem verzögerte sich der Kirchenbau noc< bis 1773, in welchem Jahre die Bau - Direktion unterm 1, Januar an Se, 
Heiligkeit den Papst schrieb: 
»Heil. Vater! Die Katholiken von Berlin beeilen sic, Ew. Heil. die ehrfurchtsvollen Gefühle der Dankbarkeit zu Füßen 
zu legen, dieweil der H. Graf Carl von Schaffgotsch, Malteserritter 2c., mitgetheilt hat, wie ex durch den H. Cardinal WPallavicini 
erfahren, daß Ew. Heil. die Angelegenheit unserer neuen Kirche in Erwägung gezogen und zunächst die Absicht ausgesprochen 
haben, aus den Geldern der Propaganda uns die Summe von 7000 Skudi zu bewilligen, damit wir diese schöne Kirche, wenn 
auch nicht nach dem von Sr. Majestät unserm König angegebenen Plane, so doch wenigstens zur nothwendigsten Einrichtung für 
den Gottesdienst vollenden können. 
Ew. Heil. werden aus den beigefügten Berechnungen ersehen, daß zur Vollendung dieser Kirhe eine Summe von mehr als 
30,000 Thlr. nöthig sein würde. Wenn wir uns aber für's Erste auf die nothwendigsten Ausgaben beschränken, so wird, wie 
wir glauben, eine Summe von 14--15,000 Thlr. genügen, um die Kirche so weit zu fördern, daß im nächsten August die 
erste hl. Messe darin gefeiert werden kann. 
Wir haben die zuversichtliche Hoffnung, daß die Handlung der Wohlthätigkeit und Liebe, die Ew. Heil. beabsichtigen, in 
mehr als einer Hinsicht gute Folgen haben wird, und daß die frommen Seelen des preußischen Staates auf dieses schöne 
Beispiel hin auch wünschen werden, Theil an diesem gesegneten Werke zu nehmen. 
Unser Monarch selbst wird auch bei dieser Gelegenheit vielleicht noch etwas für uns thun durch die Vermittlung des 
Ministers Baron von Zedliß, der zwar nicht selbst katholisch ist, uns jedoch durch eine besondere Theilnahme beehrt, und kürzlich 
no< durch Se. Majest. den König 2000 Thlr. verschaffte, mit denen wir zu arbeiten anfangen wollen , während wir auf die 
Unterstüzung Ew. Heil. hoffen. Vielleicht, daß Höchstdero erhabnes Beispiel von allen kath. Souveränen befolgt wird. 
Gott möge Sie, hl. Vater, noch recht lange erhalten zum Heile der Kirche und zu unserem Troste 2. 
Berlin, 1. Januar 1773.« 
Darauf hin ging noch eine Menge von Bittgesuchen an viele Prälaten und Klöster , besonders in Polen ab, und kaum 
war die erneute Theilnahme des Papstes für den Kirc<henbau bekannt geworden, als der 18 Jahre unterbrochene Bau mit März 
desselben Jahres wieder aufgenommen und derart gefördert wurde, daß schon am 1. November 1773 die Konsekration der Kirche 
durch den Bischof von Ermeland, Fürsten Krasicky, erfolgen konnte. 
Ein Bericht über diese Feier sagt Folgendes: 
»Am 30. October kam der Fürst- Bischof aus Potsdam, wo er sich einige Tage bei Sr. Majestät*) aufgehalten hatte, nach 
Berlin. Auf den 31., Sonntags, begab er sic) gegen Abend nach der Kir<e und nahm in Gegenwart einer Deputation der 
katholischen Gemeine die Weihe der Glo>en vor, wovon er die eine der h. Jungfrau Maria und die andere der h. Hedwig 
*) Als bei Tafel der König bezüglich des Fürstbischofs äußerte, »er hoffe unter seinem Mantel mit in den Himmel zu kommen« = entgegnete 
der geistreiche Herr mit Anspielung auf die jüngst unternommene Säkularisation seines Fürstenthums: »Ew. Majestät haben nur den Mantel derartig 
beschneiden lassen, daß ich keine Contrebande darunter zu bergen vermag. « 
Berlinische Banwerke, 
Tafel "
	        
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