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Zweiter Band Kunstbeilagen Das Sparr'sche Grabdenkmal in der St. Marienkirche zu Berlins

Full text: Vermischte Schriften im Anschlusse an die Berlinische Chronik und an das Urkundenbuch (Public Domain) Issue 2 Zweiter Band (Public Domain)

Zur linken Seite des Chores in der St. Marien- * mumie aus der Sparrschen Familie mit dem vorer- 
kirche erhebt sich eines der anerkannt bedeutendsten Grab- wähnten Hunde, auch die Särge des Ministers 
monumente Berlins, die Ruhestätte eines Mannes be- von Kreutz, dessen Gemahlin und Sohnes 2x. Nächst 
zeichnend , an dessen Namen sich ein hohes vaterländisches diesen sind bei der großen Kirchenreparatur (1794 oder 
Juteresse knüpft. Graf Otto Christoph von Sparr, 1817) dreizehn andere eichene Särge neueren Ursprungs 
der erste kurbrandenburgische General - Feldmarschall, hier beigesezt worden. 
ward hier am 12. Mai 1668 beigesekßt. *) Links vom Eingange nun ruht der Feldmarschall 
Das vorseitig abgebildete Marmordenkmal , un- in einem massiv aus Kupfer gearbeiteten, mit reichen 
zweifelhaft eine Schöpfung des Antwerpener Künstlers Arabesken geschmückten Sarkophage, dessen Grund 
Artus Quellinus, zeigt den Feldmarschall vor einem schwarz und golden damascirt ist. Das schon zerfallene 
Betpult knieend; zu ihm auf blickt ein Hund, sein Spkelett umhüllt ein brauner Sammetro> mit einer 
steter Begleiter und Retter aus Lebensgefahr. Die Reihe Atlasschleifen und echten schwarzen Spitzen an 
tempelartige Halle des Monuments trägt die Juschrift: den Aermelaufschlägen; dex Schädel ruht auf braunem 
Hesekiel 37, 3-=-6. »Glaubst Du, daß diese Beine Sammetkissen, sogenannte Tillystiefel bedecken die Füße. 
wieder sollen lebendig werden? 2x.« =- Hiob 19, 25. Die dem Vaterlande gewidmeten Dienste des 
» J< weiß, daß mein Erlöser lebt 26.« Jnmitten des Verewigten sind auf den Blättern der Geschichte ver- 
reich geschmückten Architravs erhebt sich das Sparrsche zeichnet. Sie verherrlichen seinen Namen in der drei- 
Wappenschild , von Mars und Minerva mit Palmen- tägigen Schlacht bei Warschau (28.--30. Juli 1656), 
zweigen gehalten, während zu beiden Seiten je zwei, und durch den glänzenden Sieg über die Türken bei 
an Geschüßen gefesselte Sarazenen siken =- eine Versinn- ' St. Gothardt in Ungarn (3. August 1664), nach- 
bildlichung des Türkenzuges 1664. dem er 1659 im Kriege mit Schweden Demmin exr- 
Durch den niedrigen mit zwei hölzernen Thür- bert hatte. 
flügeln versehenen Eingang unter dem Epitaphium Nicht minder werden seine Verdienste um die St. 
gelangt man auf sieben steinernen Stufen durch einen Marienkirche in stetem Andenken bleiben. Als am 13. 
Vorraum in die nur matt erhellte Gruft. Dieselbe Januar 1661 die Thurmspiße, vom Blitz getroffen, 
enthält , außer den Särgen des Feldmarschalls, des in Flammen stand, ließ er Geschüße auffahren und 
Reichsgrafen Georg FYriedrich und des Grafen Ernst jene eben so geschi>t als glücklich herunterschießen, 
Georg von Sparr (zu Trampe), sowie einex Kinder- wodurch das übrige Kirchengebäude gegen das weitere 
Umsichgreifen dex Flammen geschüßt wurde. Aus 
eigenen Mitteln ließ ex dann den neuen Thurmbau 
EEE ME EH 560 En Is .. beginnen und fortführen, =- nicht ohne sein durch 
Erbherrn Arnd von Sparr, durch den Tod. 1637 ward er Mildthätigkeit aller Art geschwächtes Vermögen gänzlich 
Paiscriicher "Sharn , hatte SIN MEER 2 ED, (epn zu erschöpfen. 
EEE Ie MEIN SIE INET Am 9. Mai 1668 beschloß Sparr sein thaten- 
wann ihn der Große Kurfürst für seine Armee und ernannte reiches Leben auf dem Schlosse Prenden; drei Tage später 
ihn nach der Schlacht bei Warschau zum General- Feldmar- „eolate die Beisetzung in der von ihm schon bei Lebzeiten 
schall, als welcher er später in den Reichsgrafenstand exr- 
hoben wurde errichteten Familiengruft. 
Per Magnus, 
aus Stockholm,
	        
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