Path:
Zweiter Band Berlinische Bauwerke Die Ganisonskirche in Berlin

Full text: Vermischte Schriften im Anschlusse an die Berlinische Chronik und an das Urkundenbuch (Public Domain) Issue 2 Zweiter Band (Public Domain)

in bessere Uebereinstimmung mit dem vom König Friedrich Wilhelm 1V. geschenkten Marmor - Altar gebracht. Ferner erfuhr die 
Offizier- Familien- Loge eine beträchtliche Erweiterung und wurde die Kirche mit Luftheizung und Gasbeleuchtung versehen. Der bis- 
herige Fliesenboden erhielt einen Ueberzug von Asphalt, der schadhafte Abpuß wurde erneuert, das Dach gründlich ausgebessert und 
auf dem südlichen Giebel desselben ein Kreuz aufgerichtet. 
Am 8. November konnte die Kirc<e, welche in ihrer äußeren und inneren Erscheinung eine ganz neue geworden war, wieder 
feierlich eröffnet werden. Jn dem bis auf die lezten Pläte gefüllten Gotteshause erschien der König mit den Königlichen Prinzen, 
einer zahlreichen Generalität, hohen Staat8- Beamten und den bei der Ausführung thätig gewesenen Vau- Beamten. Nachdem der 
Feldpropst der Armee, Ober-Konsistorialrath Thielen, die Liturgie mit Worten neuer Weihe begonnen hatte, hielt der Garnison- 
Prediger die Eröffnungspredigt über 2. Chron. 7, 16: »Der Herr sprach: So habe ich nun dies Haus erwählet und geheiliget, daß 
mein Name daselbst sein soll ewiglich , und meine Augen und mein Herz soll da sein alle Wege.« 
Nachdem der Kirche noch im Jahre 1863 eine schöne Altar - Vibel und eine Agende geschenkt worden war, flossen im 
Jahre nach ihrer Wiederherstellung, 1864, die Geschenke noch reichlicher. Dieselbe Geberin, welche früher Altax und Kanzel mit 
rothen goldgestickten Deen geziert hatte, schmückte nun auch das Pult, welches bei den Abendgottesdiensten gebraucht wird, mit 
einer ähnlichen De>e, Am Palm -Sonntage bei dem Beginn der Charwoche, schenkte Jhre Majestät die Königin Augusta eine 
schwarze mit silbernen Franzen verzierte Kanzel- und Altar-Dec>e, und eine gleiche für den Kelch. Am Jahrestage der neuen Er- 
bffnung, am Sonntage nach dem Reformationsfeste, schmückte Jhre Königliche Hoheit die Kronprinzessin mit den Offizierfrauen 
der Gemeinde den Altar mit einem kostbaren Teppich, welcher von der Altarwand her über die Stufen hinab bis jenseits des Tauf- 
steins hinreicht. Der Teppich besteht aus rothem Plüsch und ist von einex mit kirchlichen und kriegerischen Emblemen bedeckten Borte 
umgeben, welche von den Geschenkgeberinnen selbst gestickt ist. 
An Festen feierte die Kirche im Jahre 1864 am Sonntage Cantate den Dankgottesdienst für den Sieg bei Düppel, das 
Todtenfest zum Gedächtniß an die in den Kämpfen Gefallenen und am 4. Sonntage des Advent den Friedensschluß in einem Dank- 
gvottesdienste. Zu leßterer Feierlichkeit waren die Truppen, welche am Tage vorher in Berlin eingezogen waren, darunter speziell 
die vier neuen Garde-Regimenter, durch Deputationen vertreten. Der Feldpropst Thielen hielt die Festpredigt und die Feier schloß 
mit dem Liede: »Nun danket alle Gott!« Durch Allerhöchste Ordre vom 30. Oktober 1866 erhielt die Kirche das hinter derselben 
errichtete ehemalige Anatomigebäude zugewiesen, welches zu einer Amtswohnung für den Feldpropst der Armee eingerichtet wurde 
und schon im folgenden Jahre bezogen werden konnte. Am 27. Juni wurde der auf Befehl Sr. Majestät des Königs wegen 
des Krieges mit Oesterreich anberaumte Bettag in der vollständig gefüllten Kirche begangen und predigte der Kadettenprediger 
Händler über Dan. 9, V. 18. Am 3. Juli wurde wegen des Sieges bei Königgrätz das Dankfest mit allem militärischen Glanze 
gefeiert, wobei der Garnisonprediger Professor Strauß über Psalm 118, 15 sprach, und als später die Garnison zurückgekehrt war, 
wurde am 11. November das Friedensfest gefeiert, dem der König mit Allerhöchstseinem Hause beiwohnte. 
Die Fahnen und Standarten der Garnison waren, geleitet von einer Kompagnie des 2. Garde-Regiments zu Fuß, in die 
Kirche gebracht und unter der Kanzel aufgestellt; der Feldpropst Thielen predigte über Psalm 50, 14 und 15 und während des 
Schlußgesanges der außerordentlich zahlreichen Versammlung : »Nun danket alle Gott!« wurden 101 Kanonenschüsse abgefeuert, 
An Geschenken erhielt die Kirche in diesem Jahre zum Osterfeste 2 große Altarkerzen. 
Am 6. Juli 1867 wurde der zweite neue Garnison-Kirchhof vor dem Oranienburger Thore in der Müllerstraße, welcher 
ebenfalls eine Kapelle und eine Leichenhalle erhalten hat, eingeweiht. 
Die Weihe, verbunden mit der Beerdigung des Unterarztes Lehmann, vollzog der Garnisonprediger, dessen Rede 
1. Cor, 15, 42-44: 
» Es wird gesäct verweslich und wird auferstehen unverweslich, 
Es wird gesäet in Unehre und wird auferstehen in Herrlichkeit. 
Es wird gesäet in Schwachheit und wird auferstehen in Kraft, 
Es wird gesäet ein natürlicher Leib und wird auferstehen ein geistlicher Leib.« 
zu Grunde lag. 
Für beide Militär - Kirc<höfe in der Hasenhaide und in der Müllerstraße bildete die Linie vom Brandenburger Thore, die 
Linden entlang durch die Königs- und Landsbergerstraße die Grenze; die Leichen aus den Gegenden nördlich dieser Linie erhalten ihre 
Grabstellen auf dem Kirchhofe in der Müllerstraße, die aus den Gegenden südlich auf dem in der Hasenhaide. 
An Geschenken gingen der Kirche 1867 am Gründonnerstage resp. zu Ostern 4 große Altarkerzen und eine schwarze Tauf- 
steindece mit silbernen Kreuzen und 1868 wieder 2 große Altarkerzen zu. 
Die Jahre 1870-1871 waren besonders reich an Festlichkeiten der Kirche, 
Am 27. Juli wurde der Kriegsbettag unter außerordentlicher Betheiligung der Gemeinde gefeiert. Der Predigt des Gar- 
nisonpredigers Frommel war der Text: 2. Buch der Könige 17, 14--20 zu Grunde gelegt und Tausende von Abendmahlsgästen 
haben in den Wochen vor dem Ausmarsch der Garde sich in der Kirche noch gestärkt in der Treue bis zum Tode. 
Auch die durchziehenden Korps, wie das Pommersche, feierten in derselben das heilige Abendmahl. 
Der Sieg bei Wörth, dessen Bedeutung erst am Sonntag den 7. August durch ein eingetroffenes Telegramm des Königs 
bekannt wurde, den die Kommandantur beim Beginn des Hauptgottesdienstes mittheilte, wurde zuerst in der Garnisonkir<e gefeiert, 
und das Lied » Nun danket alle Gott« stehend gesungen, in das sich der Donner der Geschüße mischte, 
Der General - Superintendent Dr. Brückner hielt nach dem Tage von Sedan unter lebhafter Betheiligung der Gemeinde 
über das Wort: »Der Herr hat Alles wohl gemacht« eine später im Druck erschienene Predigt. 
Am 3. März 1871, Nachmittags 4 Uhr, als die Nachricht vom geschlossenen Frieden eingetroffen war, wurde in der 
Kirche ein Dankgottesdienst, welchem Deputationen beiwohnten, durch den Garnison-Pfarrverweser Bähr gehalten | 
Am 18. Juni wurde in Anwesenheit Sr. Majestät des Kaisers und der Königlichen Familie, vieler Deutscher Fürsten, 
der Heerführer und einer ungeheuren Menschenmenge, welche die Kirche nur zum Theil zu fassen vermochte, der Dank- und Friedens- 
Gottesdienst gehalten. Der evangelische Feldpropst las die Liturgie und ertheilte den Segen. Der Garnisonpfarrer predigte über 
den Text des Lobgesanges Mosis: »Der Herr ist meine Macht und mein Psalm und mein Heil 26.«, welche Predigt auch im Druck 
erschienen ist. Eine Kollekte für die »Kaiser- Wilhelm-Stiftung« gab einen Ertrag von nahezu 400 Thlru.
	        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.