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Zweiter Band Berlinische Bauwerke Die Ganisonskirche in Berlin

Full text: Vermischte Schriften im Anschlusse an die Berlinische Chronik und an das Urkundenbuch (Public Domain) Issue 2 Zweiter Band (Public Domain)

auf einem viereckigen So>el von der Höhe der Kirchensize und sind mit demselben 42 Fuß. hoch. Darauf liegt ein hohes Gebälke, 
aus Unterbalkon und Fries und einigen darüber befindlichen Gliedern bestehend ; den Fries im Mittelschiffe zieren Triglyphen. 
Die scheitrechte De>e ist über dem Mittel- und Nebenschiffe in große Füllungen abgetheilt. Das Chor wird von kleineren, gegen 
die größeren Säulen sich anlehnenden Pilastern getragen und durch Dorische Säulen unterstüßt. Der Altar steht am Ende des 
Mittelschiffes , auf zwei Stufen erhöht, und erhielt einen rothseidenen Behang, welcher vorn mit dem Eisernen Kreuze geschmückt 
war. Hinter demselben ist das Musikchor ; die alte Kanzel wurde entfernt und an ihre Stelle die bisher im Dome gebrauchte gesetzt. 
Die Balgkammer der Orgel aber, die sonst seitwärts in dem Anblick jedes Beschauei8 war, wurde unter der Orgel an- 
gebracht und die Gedächtnißtafeln der im Kriege 1813 -- 1815 gefallenen Baterlandsvertheidiger von den Regimentern der hiesigen 
Garnison sind in einem der Nebenschiffe aufgestellt. 
König Friedrich Wilhelm IU1. schenkte der Kirche ein von Begas gemaltes Altarbild, Jesus in Gethsemane am Oel- 
berge vorstellend, ferner 2 große gußeiserne Kandelaber, 2 dergleichen Leuchter und 1 Kruzifiy für den Altar, welchen leßteren, 
sowie die Kanzel , die Großfürstin von Rußland (Schwester des Königs) mit einer blauen und mit silbernen Sternen geschmückten 
Decke zieren ließ. 
Während des Umbaues hatte der Gottesdienst in der Neuen Kirche stattgefunden und wurde am 29. Oktober 1817, in 
den Tagen des 300jährigen Jubiläums der Reformation, der erste Gottesdienst, verbunden mit der Einweihung, in der restaurirten 
Kirche abgehalten. Der König erschien mit dem ganzen Königlichen Hause, und die Prinzen und Prinzessinnen legten Lorbeerkränze 
an den Stufen des Altars im Gotteshause des Heeres nieder, durch dessen glänzende Siege das Vaterland befreit worden war. 
Am 30. November fand in der Kir<he die Aufstellung der Gedächtnißtafeln für die Ritter des Eisernen Kreuzes statt, zu 
welcher sämmtliche in Berlin anwesenden Ritter versammelt waren. Die Inhaber der Kreuze am weißen Bande hatten in der Kirche 
auf den Emporen Plaß zu nehmen und dort den Zug der Ritter des Kreuzes am schwarzen Bande zu erwarten, welche sich im 
Nittersaale des Königlichen Schlosses versammelten und von hier aus den feierlichen und militairisch geordneten Zug in die Garnison- 
kirche antraten. Nach der Predigt begaben sich die Königlichen Prinzessinnen an den Altar, wo die Gedächtnißtafeln aufgestellt waren, 
und bekränzten dieselben unter dem Donner der im Lustgarten aufgestellten Kanonen. Die damaligen Gedächtnißtafeln sind bis auf 
den heutigen Tag unverändert geblieben, 
Die Eile, mit welcher im Jahre 1817 die Wiederherstellung der Kirche betrieben worden war, erforderte schon 1833 ein- 
greifende Reparaturen. Während derselben wurde die »Parochialfirche von der Garnisongemeinde benußt und nach ihrer Beendigung 
schenkte König Friedrich Wilhelm 111. dem Gotteshause im Jahre 1835 noch ein zweites großes, von Hensel gemaltes Altar- 
bild, Christus vor Pilatus darstellend, 
Im Jahre 1849 wurde die Garnisonschule, welche schon 1825 ein drittes Sto>werk erhalten hatte, aufgehoben und das 
Schulhaus von nun ab als Garnison - Kirchenhaus , in welchem die Prediger, der Küster und Kirchendiener Wohnungen erhielten, 
verwandt. Für die Kirche ließ König Friedrich Wilhelm IV. einen Marmor-Altar unter glänzendem Dache erbauen, an dessen 
Giebel das Kreuzes8zeichen des Kaisers Constantin in verschlungenen griechischen Anfangsbuchstaben des Namens Christi angebracht 
ist und ein Sinnbild der Siegeskraft <ristlicher Krieger giebt. 
Im Jahre 1855 tagte der Deutsche evangelische Kirchentag in der Garnisonkirche und der Schlußgottesdienst dieser Ver- 
sammlung, in dem Evangelische aus den verschiedensten Ländern unter Posaunenklang das Lied »Nun danket alle Gott« aunstimmten, 
gehört mit zu den großartigsten Feiern, deren Zeuge die Kirche gewesen ist. 
Da bei der steten Erweiterung Berlins die beiden angelegten Militär - Kirchhöfe fast in den Mittelpunkt der Stadt gerückt 
waren und schon seit längerer Zeit ihre Verlegung außerhalb derselben beabsichtigt worden war, sv wurde durch die Gnade Sr. Ma- 
jestät des Königs Wilhelm ein neuer Kirchhof hinter der Hasenhaide, unmittelbar neben dem Friedhofe der 1813 in den hie- 
sigen Lazarethen Verstorbenen, angewiesen. Die Einweihung desselben erfolgte am 5. Oktober, gleichzeitig mit der Beerdigung des 
Kommandeurs des Magdeburgischen Jäger- Bataillons (Nr. 4), Majors v. Gayette, in Gegenwart des General - Feld - Marschalls 
Grafen v. Wrangel und einer zahlreichen Versammlung höherer Offiziere und Militär- Beamte. Die Weihe vollzog der Garnison- 
prediger Strauß, welcher seiner Rede Joh. 5, VB. 28. 29.: 
»Es kommt die Stunde, in welcher Alle, die in den Gräbern sind, werden seine Stimme hören, und werden hervor- 
gehen, die da Gutes gethan haben, zur Auferstehung des Lebens, die aber Uebles gethan haben, zur Auferstehung 
des Gerichts «, 
zu Grunde legte. Die Musik bei der Feier führte das Musikchor des Kaiser Franz Garde- Grenadier - Regiments Nr. 2 aus und nach 
dem Segen gab das Garde- Schüzen - Bataillon die Salven über das Grab und den Kirchhof. 
Die Kirche, welche von unbekannter Damenhand am Weihnachtstage Decken aus kostbarem rothen Stoff mit goldenen 
Stickereien für den Altar, die Abendmahlsgeräthe , den Taufstein und die Kanzel erhalten hatte, war seit ihrer letzten Reparatur 
im Jahre 1835 im Laufe der Zeit und durch den vielfachen Gebrauch im Junern wie im Aeußeren unansehnlich geworden, so daß 
eine durchgreifende Reparatur von allen Seiten gewünscht wurde. 
Kurz nach der Krönung Sr. Majestät des Königs im Jahre 1863 befahl Allerhöchstderselbe denn auch, da eine Repa- 
ratur den Mängeln nicht abzuhelfen im Stande war , eine gründliche Restauration des Kirchengebäudes. Nachdem noch am 15. Fe- 
bruar 1863 die hundertjährige Erinnerung des Hubertsburger Friedens und die fünfzigjährige Erhebung des Jahres 1813 festlich 
begangen worden war, bei welcher Gelegenheit die Tafeln der Ritter des Eisernen Kreuzes und der in den Kämpfen Gefallenen mit 
Gunirlanden geschmüct waren, wurde am Pfingstfeiertage der leßte Gottesdienst in der Kirche gehalten und der Gemeinde während 
des Umbaus die Kloster-, Heiligegeist- und Elisabethkirche zur Benußung eingeräumt. 
Die Arbeiten am Gotteshause, welche dem Baumeister Becker und nach dessen Tode dem Bauführer Bor<ardt über- 
tragen wurden, nahmen unter der Oberleitung der Geh. Ober- Bau-Räthe Fleischinger und Stüler und des Regierungs- und 
Bauraths Nieß gleich darauf ihren Anfang. Vor Allem wurden die alten Fenster entfernt und statt derselben Fenster mit einer 
Einsaß- Architektur aus gebrannten Thonmassen mit Bleiverglasung eingeseht. Das Innere erhielt durch einfachen Anstrich der Wand- 
und Detenflächen einen mehr kirchlichen Ausdruk, während kriegerische Sinnbilder, Kreuze und Sprüche der heiligen Schrift an ge- 
eigneten Stellen angebracht wurden, auf die eigenthümliche Bedeutung der Kirche als Gotteshaus Preußischer Krieger hindeutend. 
Die bisher nicht angestrichen gewesenen Bänke erhielten einen eichenholzartigen Anstrich, die Orgel wurde frei gelegt und einige Fenster 
neu eingeseßt, um der Kirche mehr Licht zu geben. Die Kanzel wurde mit einem größeren Schalldeckel versehen und in ihrem Aeußeren
	        
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