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Zweiter Band Berliner Medaillen Die Heraldische Ausstellung Berlin 1882

Full text: Vermischte Schriften im Anschlusse an die Berlinische Chronik und an das Urkundenbuch (Public Domain) Issue 2 Zweiter Band (Public Domain)

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Au3 Privatbesit waren viele alte Erzeugnisse der Goldschmiedekunst vertreten, vor allem sei hier genannt die 
Waldmannskette der Familie von Keller mit vem Wappen des im Jahre 1489 enthaupteten Han 3 Waldmann, Bürger- 
meisters zu Zürich, welcher die Kette auf dem Wege zum Schaffot seinem Freunde Felix von Keller übergab und dessen 
Nachkommen sie no<h heute besitzen. =- In dem System des Katalogs gehörten zu den Goldarbeiten auch die Orden. E3 
waren die deutschen, österreichischen und russischen vollzählig vertreten und fesselten viele Besucher freilich weniger wegen 
ihres künstlerischen oder heraldischen Werthes, sondern aus einem andern nicht näher zu bezeichnenden =- aber leicht zu 
errathenden Grunde. Unser Verein hatte die Orden5werke unseres verewigten Vorsißenden Louis Schneider aus 
seiner Bibliothek zur Orientirung zu den Orden beigefügt. 
Münzen und Medaillen waren auch eine große Anzahl ausgestellt, wir erwähnen hier nur die Sammlungen des 
Landgerichtsrath8 R. Dannenberg in Berlin und die des Kaufmanns Neichenbach in Plauen. 
Aus unedlem Metalle fanden sich gleichfalls viele mit Wappen gesc<mücte Gegenstände vor, so aus Schmiedeeisen 
eine Thür, eine Thurmspite, ein gut stylisirter Adler von P. Marcus in Berlin, von demselben auch mehrere vollendet 
schön gearbeitete Hängeleuchter, vervollständigt durc<h Holzshnißereien von dem Berliner Künstler Th. Beyer. 
Heraldische Darstellungen in „Stein“ waren nicht viel vorhanden, weil sie ihrer Schwere wegen nicht gut trans- 
portirt werden können. Das wichtigste Stü> war der große Gedenkstein für die gräflich von Behr'sche Kirche in Semlow. 
Daneben erregte Bewunderung der vom Hauptmann von Rosenberg ausgestellte Bokal aus einem einzigen Stü> Nauchtopa3. 
Die Gruppe „Holz“ war zahlreich vertreten. Neben alten Originalen gefielen besonders die modernen Möbel 
mit Wappen aus dem Magazin des Herrn Kuntzsch in Wernigerode, so die Möbel in dem heraldischen Zimmer der Herren 
von Keller und Warne>e. Die Berliner Firma „Gebr. Hettwig“ hatte ein ganzes Zimmer mit „heraldischen“ 
Möbeln ausgestellt, die auch zierlich und geschmackvoll waren. = Die in dem Besiße des Herrn Warne>e befindlichen 
alten Holzmodelle zu Nürnberger Lebkuchen fanden durH unser Mitglied, Bonbonfabrikant Franz Schulz wieder neue Ber- 
werthung. Er buk darin und stellte den Theilnehmern des oben erwähnten Bankets eine Anzahl Exemplare zur Verfügung. 
'In der Gruppe „Thonwaaven“ fanden sich viele hübsche Stücke in Majolika, Fayence und Porzellan von dem 
13. Jahrhundert an bis zur Iceßtzeit, alles mit Wappen geziert; dasselbe gilt von den folgenden Gruppen: Glas, Meer- 
shaum, Berlmutter, Elfenbein, Bein, Horn und Schildpatt. Ein besonderes Eingehen würde zu weit führen. 
E53 folgt die Gruppe „Leder“. Hier war recht viel geleistet. Neben alten Einbänden aus der Dre3ödener Biblio- 
thef und aus der des Herzogs von Anhalt fanden sich moderne Erzeugnisse vorzüglichster Art von den Firmen Hupp 
in München und Hulbe in Hamburg. Dur sie ist der mittelalterliche Lederschnitt oder die Lederplastik wieder aufge- 
nommen. An sie hat sich ein Berlinex Buchbinder, Cdm. Blankenburg (Magdeburger Plaß) angeschlossen und Hervorragendes 
geliefert. An eingelegten Lederwaaren hatten die Berliner Firmen Kade und Pfleiderer recht Gutes ausgestellt und 
fanden auch viele Käufer. 
Die Textilindustrie war sehr vertreten. Neben re<ht guten alten Vorbildern fanden sich viele styllose modernc 
Sachen. Hoffentlich wird die Ausstellung hier segen5reich wirken. Viele Arbeiten schöner Hände (gestickte Kissen und vergl.) 
verrathen mehr Wollen als Berständniß. WVon Berliner Geschäften lieferte Gutes nur die Hofkunststikerin Fräulein 
Bessert-Nettelbe>. 
In der Gruppe „Papier“ nahm die Starke'sche Hofkunsthandlung in Görliß einen hervorragenden Plat ein. 
Sie zeigte, wie man heraldische Darstellungen in guter Form auf Papier bringen kann. Ihre Farben- und Lichtdrucke 
waren prachtvoll. 
Portrait-Bildnisse waren als Beitrag zur Genealogie in den Nahmen des Katalogs aufgenommen. Interessant 
war eine Reihe Ahnenbilder des Grafen Stillfried, sowie das von Herrn Warne>e ausgestellte Portrait des Wiedey- 
täufers Johann von Leyden. 
Die Gruppe „Photographie“ zeigte viele hübsche Blätter, deren Original heraldischer Art war. Auch 
sah man hier eine in Aquarell- Farben gemalte Photographie des „Herold“, welcher am Stiftungsfeste 1882 in unserem 
Berein den Prolog sprach. 
In eine besondere Abtheilung vereint, in einem besonderen (stylvoll von der Berliner Firma Müller & Co. 
eingerichteten) Zimmer waren diejenigen Gegenstände aufgestellt, welche sich auf die Heraldik, Genealogie und Sphragistik 
des Hauses Hohenzollern bezogen. Da lagen die ältesten Siegel der Grafen von Zollern mit dem einfachen schwarz-weiß 
gevierteten Schilde, die Urkunde über die Verleihung der Erbkämmerer-Würde, die Insignien der Markgräflichen und Kur- 
fürstlichen Würde ; da stand ver Thronsessel, welchen Friedrich 1. noch als Kurfürst benußte, bewacht von zwei Originalrüstungen 
Brandenburgischer Markgrafen, = daneben ruhten die Kronen des deutschen Kaiser8 und der Kaiserin (freilich) leßtere nur 
im Modell, da die Originale noch nicht angefertigt sind). Es fanden sich ferner die ReichSinsignien, der Schmu des Kur- 
fürsten Johann Georg, die Einbände ver Silberbibliothek ves Herzogs Albrecht und vieles Andere mehr. 
Möge diese kurze Skizze über die „Heraldische Ausstellung“ die Erinnerung an diese bei unseren Mitgliedern, die 
wohl alle dieselbe besucht haben, wach erhalten, dann ist der Zweck derselben erreicht. Demselben Zwecke dürften übrigens 
die heraldischen Meisterwerke, welche nach Photographien in Lichtvruck bei unserem Mitglieve R. Strider erscheinen, und 
zu denen Professor Hildebrandt einen kurzen Text geschrieben, dienen. 
Berlin, im Januar 1883 
Dr. jur. Beringauier,
	        
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