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Zweiter Band Berliner Medaillen Große goldene Preis-Medaille der Königlichen Akademien der Künste und Wissenschaften

Full text: Vermischte Schriften im Anschlusse an die Berlinische Chronik und an das Urkundenbuch (Public Domain) Issue 2 Zweiter Band (Public Domain)

I< glaube man müsse bei Anfertigung einer neuen Akademischen PreisSmünze um so mehr mit Sorgfalt zu 
Werke gehen, da Alles, was von einer Akademie emanirt, an sich mehr dem öffentlichen Urtheil ausgeseßt ist; weil =- 
eine Akademie in Sachen des Geschmackes Beispiel und Typus sein soll. 
Auch ist Herr Hofmedailleur Loos ein zu trefflicher Arbeiter, um nicht zu wünschen, dieser neuen Preismedaille 
die möglichste Vollkommenheit zu geben. Anderseits verdient aber auch dieses edle Bestreben, daß sein Bemühen ihm 
durch Vorschläge, und hülfreiche Aufmunderung von Seiten des Akademischen Körpers erleichtert werde. Daher wäre 
es vielleicht zwe>mäßig, daß einem geschickten akademischen Medailleur, oder Zeichner der Entwurf der Gruppe der 
Grazien übertragen würde und daß z. B. Herx Schadow das Profilbildniß des Königs modellirte. Beides würde 
dann Herrn Hofmedailleur Loos zur Ausführung im Stempel vorgelegt. 
Berlin den 24. September 1803. 
(gez.) Hirt.« 
Das Gutachten Schadow's lautet: 
»Berlin den 4. Januar 1804. 
Ueber die für die Akademie anzufertigende Preis-Medaille gebe ich außer meinem Gutachten auch das meiner 
Collegen, auch habe ich hierüber die Meinung des Hofrath Hirt noch insbesondere eingezogen. 
Nemlich wir schlagen vor: auf der einen Seite der Medaille den Kopf des Michelangelo Buonarotti auzu- 
bringen. Dieser große Künstler war das universellste Genie, und wenn auch von jener Zeitperiode noch mehrere Männer 
aufzuweisen sind, die Meister in der Baukunst, Skulptur und Mahlerei waren, so existiren von keinem mehr in allen 
3 Fächern klassische Werke; das heißt solche, die auch noch für uns zur Nachahmung und zum studium da ständen. 
Von ihm steht noch da, der farnesische Pallast, des Kapitol und die staunen erregende Kuppel der St. Peters-Kirche. 
In Rom seine Statuen des Moses, des Christus zu Florenz, die Grabmäler der Medici in St. Lorenzo und im Fache 
der Mahlerei, das immense Werk der Sixtinischen Kapelle im Vatikan. Er allein repräsentirt gleichsam eine Uni- 
versität der Kunstfächer; und sein Bild wäre für den Künstler, die richtigste individuelle Personificirung jenes glücklichen 
Funkens, den wir Genie nennen. 
Sollte die eingeführte Observank, daß ein Königliches Jnstitut das Bild seines Monarchen eben erset, Be- 
denken erregen diesen Vorschlag anzunehmen, so kann ich dagegen anführen daß die unter päpstlicher Hoheit stehende 
Akademie von St. Lucas zu Rom, auf zwei mir bekannte Preismedaillen, einmal blos das Bildniß des Carl Maratti 
eines römischen Mahlers und das anderemal, das Bild des Marchese Pius Palestra eines großen Beschüßers der Künste, 
geseßt hat. Diese leztere Medaille besite ich selbst in Golde, als den mix zu Rom zugefallenen Preis bei der Konkurrenz 
im Jahre 1736. Auf der anderen Seite sitt eine Minerva mit den Attributen der 3 Künste, auf ihrem Schilde bildet 
die Sezwage und der Zirkel einen Triangel bei dem die Worte stehen. 
TQVA POTESTAS etc. 
Auf der andern Seite unserer Medaille könnte die Juschrift die etwa von einem Palmen- oder Lorbeerzweige 
eingefaßt würde, sagen, in welchem Regierungsjahre des Königs, sie dem Fleiß und ausgezeichnetem Talent, den Zög- 
lingen des Geschmac>s, oder den Kunstgenossen geschlagen wurde. 
Nach Herrn Hofrath Hirt's Aeußerung gegen mich glaubt derselbe, man müsse deshalb bekleidet die Grazien 
darstellen, weil es die Schwierigkeit in der Ausführung mindert; hierauf muß ich bemerken. daß dies zugegeben werden 
könnte wenn fie wie Matronen verhüllt sein dürften, da man aber doch nur höchstens eine transparente Drapperie wählen 
dürfte, wo alle Konturen des Nackenden beibehalten bleiben, so möchte wol die Schwierigkeit nicht geringer sein; und 
jo wünschte ich daß die Akademie nicht eher die Grazien ausspendete, als bis sie ganz sicher wäre, daß die Darstellung 
der lieblichen Jdee entspräche. | 
(3e3.) G. Schadow.« 
Endlich das Gutachten des Rektors Fritsch: 
»Nachdem ich die Gutachten des Herrn Vice-Direktor Schadow und Herrn Hofrath Hirt vom 21. August und 24 Sep- 
tember 1803 gelesen, so bin ich völlig der Meinung des letzteren, das auf der Hauptseite des Königs Portrait, und nur der Kopf mit 
etwas Schulter, in antiken Kostüm vorgestellt werde; und zwar mit der Umschrift die Herr Hofrath Hirt vorgeschlagen hat. 
Ob nun gleich bei jeßiger angenommenen Meinung diese Mevaille nur bestimmt ist in der Kunst- 
(Marginal Verfügung) und Handwerk-Schule bei der Akademie, wie auch bei denen von derselben in den Provinzen abhängenden 
Da bei den jetzigen Kriegerischen als eine Aufmunterung zum Nacheifer im Fleiße zu dienen, so ist es doch recht das durch die Sinnbilder 
NO ROHT NGE GErFiiFEn MH der drei Künste auch den Lehrlingen der Handwerker angedeutet werde, das nur diese sie leiten könne in 
sv haben des Derr Curatox ihren Professionen zu dem Soliden und Sinnreichen in ihren Arbeiten noh das Schöne und gefällige hin- 
Een EE ET sear be- zuzufügen. =- Aus hier erwähnten Gründen, könnte auf der Rückseite ein den Grazien gewidmeter Altar 
sind alfs ad EEE vorgestellt werden auf welchen der Ehrenkranz liegt, am Fuße dieses Altares ist gewissermaßen angelehnt, 
legen vder dergleichen hiermit dex antike Torso. Als Sinnbild des erreichten höchsten Grades der schönen Form. Der Hammer und 
umzufimgen: Meißel für Bildhauerei, Palet und Pinsel für Mahlerei und Seßwage, Winkel und Zirkel für die Bau- 
Berlin d. 20. Oct. 1805. kunst. Eine zweite Jdee zur Rückseite dieser Medaille enthielte ebenfalls den Altar der Gratien (welcher 
(ge3.) Sak. wie bei der vorhergehenden, den Simbolen der Künste zur Stüße dienet) , in etwas kleinevem Verhältniß. Eine 
Minerva ohne Schild und Lanze, opfert hier am Altar den Grazien, und bedeutet hier die Philosophie der 
Kunst. Beide Inschriften würden zu beide Jdeen passen. 
Ih habe auch ohne die geringsten Ansprüche drei Zeichnungen auf zwei Blatt diesem beigefügt, nur um meine Jdee deutlicher 
zu machen; denn der geschite Bildhauer welcher dem Medailleur ein Modell in Thon oder Wachs vorarbeiten müßte, braucht keine 
Vorzeichnung. 
Borpsi 74 = 
Berlin den 27. August 1805. (gez.) Fritsch.« 
LS. Schneider.
	        
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