Path:
Zweiter Band Berlinische Bauwerke Die Ganisonskirche in Berlin

Full text: Vermischte Schriften im Anschlusse an die Berlinische Chronik und an das Urkundenbuch (Public Domain) Issue 2 Zweiter Band (Public Domain)

Aus dieser Einnahme war bisher das Waisenhaus erbaut, der Stall zum Schulhause umgeändert, der Zaun und das 
Todtengräber-Häuschen auf dem Garnison - Kirchhof errichtet und das Dickmann'sche Haus nebst Plaß, sowie die Prediger-Häuser 
angekauft worden. 
Vesoldet wurden aus qu. Fonds: 
a) der Garnison-Hospital- und Armenprediger, 
1) der Rektor der Garnisonschule, 
ec) der Kantor, 
dq) der Organist, : 
e) 2 extraordinäre Kollegen, 
f) die Mädchen - Lehrerin, 
g) die Waisen- Mutter und 
h) der Krankenwärter, 
ferner mußte aus den Kirchen - Einkünften der Lebensunterhalt , sowie die Bekleidung und Bettwäsche der Militär- Waisenkinder be- 
stritten und schließlich 300 armen Soldatenfrauen und Wittwen alle 10 Tage ein gewisses Almosen gegeben werden. 
Der Tod König Friedrich 1. im Jahre 1713 änderte viel in den Verhältnissen der Kirche und ihrer Anstalten ; die Bei- 
träge der Garnison fielen von 1715 ab fort, bei der Schule wurden nur 2 Lehrer und der Organist behalten, die im Waisenhause 
befindlichen Kinder kamen in das große Friedrichs - Hospital, das Waisenhaus wurde mit zum Lazareth gezogen und die aus der 
Kirchenfasse bisher unterstüßten Soldatenfrauen und Wittwen wurden an die städtische Armenkasse verwiesen. 
Schon in den leßten Regierungsjahren König Friedrich 1. war die Wallstraße durch eine Brücke über die Spree ( die 
damalige »große Vomeranzen - Brücke , jezige Friedrichs - Brücke«) mit dem Bastion verbunden worden, auf welchem sich das Orangerie- 
haus befand, von wo aus wieder eine Brücke über den dortigen Graben nach dem Paradeplatz (späteren Lustgarten) führte, so daß 
die Passage vom Schlosse zur Garnisonkirche über 2 Brücken erfolgen mußte. 
So war die Umgebung der Garnisonkirche, als die Kirche und das Schulhaus von großem Unglück betroffen wurden. 
Wie schon erwähnt, war der alte Vertheidigungsthurm an der Spandauerstraße bisher vom Abbruch verschont geblieben 
und seit längerer Zeit zur Unterbringung von Artillerie- Material benußt worden. Im Jahre 1720 kam der Befehl , den Thurm 
zu entleeren, um mit seiner Abtragung beginnen zu können. 
Montag den 12. August 1720 waren 12 Bombardiere damit beschäftigt, die Munitionsvorräthe aus demselben fortzu- 
schaffen , als gegen ein Viertel 11 Uhr Vormittags durch einen nicht aufgeklärten Zufall das vorhandene Pulver explodirte, der 
Thurm mit furchtbarem Knalle in 5 Stücke zerrissen wurde und diese, erst durch die Gewalt des Pulvers in die Höhe geworfen, 
auf die nächsten Gebäude niederfielen. 
Abgesehen von bedeutenden Veschädigungen der ganzen Umgegend, wurden der westliche Theil der Kirche, in welchen die 
Spitze des alten Thurmes fiel, das Schulhaus und die östliche E>e des daneben liegenden ehemaligen Bau - Kommissariat -Hauses, 
welches um diese Zeit der Oberst v. Glasenapp bewohnte, vollständig zerschmettert und 72 Personen getödtet. 
König Friedrich Wilhelm 1., kurz vor diesem beklagenswerthen Ereigniß von der Wachtparade zurückgekehrt, wollte 
sogleich an die Unglücksstätte eilen; da man indeß eine abermalige Explosion befürchtete, so blieb der Besuch bis auf den Nachmittag 
verschoben. Um 2 Uhr erschien der König an Ort und Stelle, befahl die Wegräumung des Schutts, sowie die Fortschaffung der 
Verwundeten und wies sofort eine Summe für die Soldatenkinder an. Kurze Zeit nach der Katastrophe aber befahl Se. Majestät 
den Neubau der Kirc<e, des Schulhauses, sowie den Bau eines Prediger-Wittwen-Hauses und ordnete speziell an, daß die neue 
Kirche auf derselben Stelle mit Hinzunahme des Grundstücks der Schule und eines Theils des Festungsbanhofes errichtet werden 
sollte. Die Länge der neuen Kirche wurde auf 185 Fuß, die Breite auf 100 Fuß (incl. der Mauern) und die innere Höhe (excl. 
des Daches) auf 54 Fuß bestimmt. Außerdem sollte die Kirche 56 große und kleine Fenster und 8 große Thüren erhalten. 
Mit der Leitung des Baues wurde der Geh. Rath und Ober - Bau - Direktor Gerlach betraut, unter dem die Maurer- 
meister Wendtlandt und Berger, sowie die Zimmermeister Kemmeter und Säuberlich die Maurer- resp. Zimmerarbeiten 
ausführten. 
Noch im September 1720 begann der Bau, im Winter war die alte Kirhe mit dem Fundamente gänzlich abgebrochen 
und ausgegraben und der Aufbau im folgenden Jahre derart beschleunigt, daß schon im Juli 1721 mit der Aufrichtung des Holz- 
werks zum Dache der Anfang gemacht werden konnte, welches letztere gegen Weihnachten völlig aufgerichtet war. Ende Mai 1722 
war der Bau vollendet und konnte die feierliche Einweihung auf Sonntag den 31. Mai festgeseßt werden. Einen Thurm hatte die 
Kirc<e nicht erhalten, dagegen waren über den Eingangsthüren runde Felder angebracht, in welchen sämmtlich sich ein der Sonne 
zufliegender Adler mit der Ueberschrift : 
Non Soli cedit 
befindet, welches Symbol auch die Kirchensiegel erhielten. 
Unter dem Felde der Mittelthür wurde die Inschrift: 
GARNISON-KIRCHE 1722 
und über dem Mittelfenster in einem Schilde der Königliche Namenszug mit der Krone angebracht. 
Was die innere Ausstattung der neuen Kirche betraf, so beabsichtigte man zuerst die Orgel der alten Kirche zu benußeny 
als sich diese jedoch zu klein erwies, wurde sie der Nikolaikirche in Potsdam übereignet und zur Erbauung einer neuen Orgel die 
Summe von 1200 Thlr. angewiesen. Jn Folge dessen schloß das Gouvernement mit dem Orgelmacher Wagner unterm 24. Ja- 
nuar 1724 einen Kontrakt, und schon Mitte Dezember des folgenden Jahres war das neue Werk vollendet, so daß es am ersten 
Weihnachtsfeiertage zuerst benußt und im Beisein Sr. Majestät, Allerhöchstwelcher das Festprogramm selbst entworfen und die Art 
und Weise über die Abhaltung des Gottesdienstes in der Kirche eigenhändig verfügt hatte ('Anlage A.) eingeweiht werden konnte. 
Die Bausumme war jedoch bedeutend überschritten worden, denn die 34 Fuß breite und mit Bildhauerarbeit schön verzierte neue 
Orgel kostete nach ihrer Vollendung 3343 Thlr. 4 Gr.
	        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.