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Zweiter Band Berliner Medaillen Die Medaille, sowie das große und kleine Siegel des Vereins

Full text: Vermischte Schriften im Anschlusse an die Berlinische Chronik und an das Urkundenbuch (Public Domain) Issue 2 Zweiter Band (Public Domain)

Die ersten zehn Jahre unseres Wereius. 
Bei so mannigfachen Vorarbeiten für die Geschichte Berlins, wie sie sich bis zu dem entscheidenden Auftreten Fidicins, 
seit Küster, König und Nicolai in allerlei literarischer Erscheinung, =- allerdings in dex Mehrzahl aphoristisch und dilettixend =- 
bemerkbar gemacht, konnte es nicht ausbleiben , daß Gleichstrebende sich endlich zu einer Vereinigung zusammen fanden, welche sich 
speziell mit Prüfung des bereits Erforschten, Kritik des zwar Erzählten, aber nicht Nachzuweisenden und Sammeln alles zerstreut 
Vorhandenen beschäftigte. 
Die Existenz des » Vereins für die Geschichte der Mark Brandenburg« in Berlin und dessen langjähriges, 
erfolgreiches Wirken, legten einem Verein für die spezielle Geschichte der Stadt von vornherein die allerbestimmteste Beschränkung 
für einen, anscheinend zwar eng begrenzten, aber in sich doch erweislich reich ausgestatteten Kreis auf, der sich, in richtiger Erkennt- 
niß seines möglichen Nußens , die Aufgabe einer freiwilligen Mit- und Hülfsarbeit für die Zwecke des älteren märkischen Vereins stellte. 
Es war zwar vor 17 Jahren in jenem Vereine schon der Vorschlag gemacht worden, den Arbeiten der Mitglieder einen größeren 
Kreis von Zuhörern und dadurch vielleicht Jünger zu verschaffen, =- eine Jdee, die sich in den öffentlichen Borträgen des 
Verliner Vereins, erst im Hörsaal des grauen Klosters, dann im Bürgersaale des Rathhauses als in der That wirksam erweist; = 
die streng wissenschaftliche Form und Norm der Arbeiten des Märkischen Vereins, sowie die sich ergebende Diskussion größtentheils 
Gleichbefähigter , ließ diesen Vorschlag aber unausgeführt. Offenbar mehrte sich das Interesse an der Spezial - Geschichte Berlins. 
Wilken in dem Berliner Kalender, Friedländer durch seine Berolinensien in der Spenerschen Zeitung, Mila, Wilibald 
Alexis, L. Schneider in Romanen, Novellen und Berlinischen Nachrichten in der Spenerschen Zeitung, sowie mancherlei Ano- 
nymes, ja besondere Zeitschriften , für welche von Klöden, Friedländer, Cos8maxr u. s. w. wirkten, endlich aber die weitaus 
bedeutendsten Arbeiten Fidi cins führten nicht allein naturgemäß auf den Weg zur Stiftung eines Vereins, sondern ebneten die 
Bahn so, daß sein endliches Inslebentreten ein überraschend günstiger Erfolg begleitete. 
Als nun in der Schwesterstadt Vot8dam, 1862 ein Verein mit ganz gleichem Zweck und gleicher Beschränkung entstand, 
dessen Gedeihen manche Bedenken beseitigte, gewann das längst und von vielen Seiten Gewünschte Gestalt. 
Der praktische Arzt Dr. Julius Beer war es, welcher den Verein für Berlin ins Leben rief und zwar in Gemeinschaft 
mit dem damaligen Polizei -, jehzigen Magistrats - Sekretär Ferdinand Meyer. 
Beide hatten, sowohl durch gedruckte Aufsäße wie durch Vorträge in Bezirks - Vereinen über Stoffe aus der Geschichte 
Verlins in Feuilleton - Form, die Ueberzeugung gewonnen, daß eine große Zahl von Lesern und Zuhörern durch geschickte stylistische 
Behandlung für die anscheinend trocknen Stoffe städtischer Geschichte zu gewinnen sei; sie fanden Ermuthigung für das Gewollte in 
vorläufiger Besprechung mit dem Chef- Redakteur der Spenerschen Zeitung, Dr. Alexis Schmidt, dem Kommerzien - Rath 
Th. Flatau, sowie mit dem städtischen Archivar Fidicin, auf den sich ja zunächst die Aufmerksamkeit vichten mußte, wo es sich 
um Rath und Hülfe in Angelegenheiten der vaterstädtischen Geschichte handelt. Von ihm empfohlen wandten sich Beer und Meyer 
an den Oberbürgermeister, Regierungs - Präsidenten a. D. Seydel, welcher dem Plane mit freudigster Anerkennung entgegen kam 
und ihm seine vollste Unterstüßung zusagte. Es wurde nun der folgende Aufruf schon im November und Dezember 1864 an 
einzelne Persönlichkeiten gesandt, welche sich durch ihr literarisches und städtisches Wirken als wahrscheinlich Beitretende der Umschau 
aufdrängten, und dann derselbe am 15. Jannar 1365 durch die Zeitungen veröffentlicht. 
»IJn der jeßigen, zumeist dem MaterialiSmus zugewendeten Zeit, sehen wir die alten Denkmäler unserer Vaterstadt 
mehr und mehr schwinden. In den Strom der Zeit, welcher zwischen der Vorfahren Grabstätte und der Wiege unserer 
Kinder dahinrauscht, ist bereits - ein großer Theil altberlinischer Geschichte versunken. Aber dennoch sind der Schäke 
viele zu heben, die im Verborgenen ruhen. Exmuntert durch die mannigfachen Erfolge, nicht nur in den leßten 
Dezennien , sondern auch in neuester Zeit, beabsichtigt das unterzeichnete Komitee einen Verein für die Geschichte 
der Stadt Berlin ins Leben zu rufen. 
Diejenigen unserer Mitbürger, welche ein thätiges Jnteresse für den beregten Gegenstand an den Tag legen, und 
dem Verein beitreten wollen, werden ersucht, ihre schriftlichen Meldungen gefälligst an eines der unterzeichneten Komitee- 
Mitglieder gelangen zu lassen und das Weitere zu gewärtigen. 
Berlin, den 15. Januar 1865. 
gez. Dr. Julius Beer. Ferdinand Meyer. 
Waren schon auf die direkte schriftliche Aufforderung in den lezten Monaten des Jahres 1864 viele und Mitarbeit verheißende 
Versonen beigetreten, so mehrten sich die Anmeldungen in Folge dieses öffentlichen Aufrufs in dem Maße, daß zu einer konstituiren- 
den Versammlung am Sonnabend den 28. Januar 1865, im Calt royal, Unter den Linden Nr. 33, geschritten werden 
konnte. Sie war zahlreich besucht und zeigte sich allseitig vom besten Willen für die Sache belebt. Dex Oberbürgermeister Seydel 
übernahm die Leitung der Verhandlungen, aus denen sich zunächst Beistimmung , dann Verpflichtung und die Genehmigung eines im 
Voraus berathenen Statutes ergab, wie dasselbe unverändert bis zum 1. Februar 1870 bestand, wo das jezt geltende an seine 
Stelle trat. 
Die erfolgte Konstitnirung als Verein machte die Wahl eines Vorstandes nöthig, welche einstimmig auf die folgenden 
Peusonen fiel: 
Borsikender: Oberbürgermeister, Regierungs- Präsident a. D. Seydel. 
Stellvertretende Borsißende: Wirklicher Geheimer - Ober - Regierungs - Nath Dr. Krausnic>, Oberbürger- 
meister a. D. ; Geheimer Justizxath und Kreis - Gerichts- Direktor Odebrecht.
	        
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