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Zweiter Band Berliner Medaillen Das Jubelfest der Französischen Kolonie, 1772

Full text: Vermischte Schriften im Anschlusse an die Berlinische Chronik und an das Urkundenbuch (Public Domain) Issue 2 Zweiter Band (Public Domain)

»dem Werder wegen des Jubelfestes der französischen Gemeine gehaltenen Gottesdienst bei, wo der beliebte Herr Prediger Erman 
»über Pf. 122, v. 6--9, predigte.« 
Weiters lieset man auf eben diesem Blatte: 
»Gestern, als am l0Oten dieses, feierte die zahlreiche französische Colonie dieser Residenzien einen für sie höchst merkwürdigen 
»Tag. Gerade vor hundert Jahren langte die erste kleine Gemeine der Französischreformirten hier in Berua an, und wurde von 
»dem Kurfürsten &riedrich Wilhelm dem Grossen glorwürdigsten Andenkens sehr gnädig aufgenomen. Die älteste Urkunde, die 
»sich in den Archiven der Colonie befindet, ist unter dem 12. Junii 1672. ausgefertiget, und My. Fornerod darinnen zum Prediger 
»bestellt. Die bekannte Wiederrufung des Edicts von Nantes, welche im Jahr 1685. erfolgte, brachte der französischen Gemeinde 
»in den sämtlichen Preuß. Landen, und besonders der berlinischen einen ansehnlichen Zuwachs von Mitgliedern. Seit ienen traurigen, 
»und für die Religion bedrängten Zeiten leben unsre französische Glaubensgenossen, als ein Muster von Eintracht und Ordnung, 
»unter uns. Der Schuz des Preuß. Thrones, und die ruhige Gewissensfreiheit , nebst andern herrlichen Vorzügen, die sie nunmehr 
»seit einem Jahrhundert ungestört geniessen, haben Wohlstand, Fleiß, und eine zahlreiche Vermehrung unter ihnen veranlaßt. Durch 
»diese Vorstellungen gerührt, begieng die Kolonie den gestrigen Tag als eine glükliche Epoche. In den sämtlichen Kirchen dieser 
»Gemeinde brachte sie bei einer zahlreichen Versammlung Gott den Zoll ihrer Freude, und um das Andenken eines so wichtigen 
»Zeitvunkts auch auf die künftigen Geschlechtsfolgen zu bringen ; so hat sie eine Gedächtnißmünze ausprägen lassen. « 
Man mus übrigens der französischen Kirche zu Berlin zum Lobe nachsagen, daß sie sich zu allen Zeiten auf einer sehr 
guten Seite gezeiget hat. Die ersten Flüchtlinge waren dem Feuer der Verfolgung, mit einem Eifer für die Religion und den 
Gottesdienst entronnen, von dem sich auch noch bei ihrer Nachkommenschaft die Spuren zeigen. Sie hatten sich in der Schule der 
Widerwärtigkeit zu einer grosen Einfalt der Sitten gebildet, von der sich ihre Nachkommen nicht ganz entfernet haben. Jhr Unglük 
war vielleicht der Grund von dem Geiste der Liebe, der brüderlichen Eintracht und der Theilnemung an ihrem gemeinschaftlichen 
Wohl, von dem auch diese noch immer belebet werden. Wenigstens wird man schwerlich eine Kirche, wie diese, finden, in der man 
zur Unterstüzung der Armut so viel gethan, und in der man mit so grosem Eifer gesuchet hätte durch gute Anstalten den traurigen 
Folgen des Elendes und des Lasters zuvor zu kommen. Wer solte einer solchen, andern zum erbaulichen Muster dienenden Gemeinde 
nicht wünschen, daß sie noch bei den spätesten Nachkommen blühen, und von Gott gescegnet sein möge!"
	        
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