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Zweiter Band Berliner Medaillen Die Schleuse, 1694

Full text: Vermischte Schriften im Anschlusse an die Berlinische Chronik und an das Urkundenbuch (Public Domain) Issue 2 Zweiter Band (Public Domain)

Solches bewegte denn seinen Nachfolger, Kurfürst Friderich 111. stat der hölzernen eine steinerne Schleusse zu errichten, um 
theils der öftern und beschwerlichen Ausbesserungen überhoben zu sein, theils aber auch und ins besondere dadurch die Zierde seiner 
Residenz zu vermehren. 
Dex Anfang zu diesen Bau wurde im Sommer, in eben demienigen Jahre 1694. gemachet, in welchem unsere darauf ge- 
prägte Münze zum Vorschein gekommen und in kurzer Zeit zu Stande gebracht. 
Solchem nach bestehet nun selbige aus den stärksten und besten steinernen Werkstüken, und ist ein Gebäude von immerwähren- 
der Dauer. Welche grose Kosten und Mühe selbige aber erfordert, solches läset sich hieraus genugsam schlüsen , da sie in der Länge 
21. Ruthen, oder 252. Fuß, in der Breite aber 24. Fuße hat. 
Man findet übrigens eine Vorstellung von selbiger in Leupolds Theatro machynarum hydrotechnicarum Tab. XLVIIL. 
und in Begters Thesauri Brandenburgici T. 111. p. 377. welche erstere wir zwar nicht gesehen, die leztere aber vor unsern 
Augen lieget. 
So wol erstgenanter Beger als der oben angeführte Marperger melden no< von mehrern Schleusen, welche Kurfürst 
Sriderich I11. zu seinen unsterblichen Ruhm mit grosen Kosten aufgeführet, und wir achten es nicht für unschiklich, so weit der Raum 
des Bogens hinreichet, von selbigen einige Nachricht zu ertheilen. 
Hierher gehören 1.) dieienigen Schleusen, welche in dem drei Meilen langen Graben oder Kanal errichtet werden musten, 
der die Oder und Spree miteinander verbindet , und durch welche insbesondere der Transport aus Schlesien ungemein erleichtert 
wird. Kurfürst Sriderich Wilhelm brachte dieses so oft vorgeschlagene und auch würklich unternomene aber ins Steken gerathene 
Werk endlich zu Stande. Nachdeme selbiger aber die Schleussen alle von Holz verfertigen liese, und dabei befunden wurde, daß 
deren Ausbesserung und Unterhaltung iährlich sehr vieles koste, so resolvirte Kurfürst Sriderich 111. 1697. anstat der hölzernen, 
steinerne aufführen zu lassen. 
Im Jahr 1699. den 1. Julius, als am Geburtstage des Kurfürsten wurde der Stein zur ersten Schleusse bei dem soge- 
nanten Reuen- Zaus geleget, und nachdeme der Bau volzogen worden, folgende Aufschrift dabei in Stein gehauen: 
Fossam inter Spream & Viadram, quae Summo per universum Imperium Romanum Commerciorum inere- 
mento Oceanum Germanicum cum Mari Balthico coniungit Divus FRIDERICVS WILHELMYVS Magnus EI. Brand. 
Maximis Progenitoribus frustra tentatam , admirando Successu primus perfecit, Dn. FRIDERICVS II, El. Brand. 
Patriae Virtutis & Divini Instituti Haeres, dilapso per aetatem Sublicio Stratumine alvei Solum fluxum nova ÜStucatione 
& palis robustisSsimis firmavit, Cataracten hunc Saxeo munimento Solidavit, & Die Suo natali ipsis Kal. Inl. A. M. 
D. C. XCIX. inter acclamationes plaususque Populorum, exordium operis primum lapidem Poni inSsSit. 
Im Jahre 1701. wurde zur Errichtung der zweiten Schleusse an dem Lissenhammer , an eben desselben geburtstage ge- 
schritten , und dißfalls folgende Aufschrift der Nachwelt zum Angedenken aufgestellet: 
Operum immortalium FelicisSimus Aucior FRIDERICVS. I. Rex Borussorum*) primo ineuntis Seculi anno 
Secundam Cataractam pro lignea lapideam, pro fragili aeternam, pro gemina & interrupta Simplicem & continuam 
nova Fossae circumdaturus hunc lapidem, primum eius ad firmitatem fundamentum , ultimum ad Posteritatem Monu- 
mentum die natali 1. Iul. MDCCI. optimis auspiciis collocari insSit. 
Im folgenden Jahre wurde weiter fortgefahren, und auf solche Weise in allem 11. Schleussen gebauet , deren Orte, Namen 
und uoch mehrere Aufschriften man beim Marperger im angeführten Buche S. 6 u. f. antrefen wird. 
Es hat aber eben dieser &riderich 111. auch 2.) durch ganz neue Wassergebäude sich grosen Ruhm erworben und die 
Schiffart ungemein befördert. Dahin insbesondere gehöret, daß selbiger den Sgaalflus von Halle aus, bis an die Elbe dergestalt 
schifbax gemachet, daß nun grose mit Waaren beladene Lastschife von Hamburg herauf bis nach Halle kommen können. 
Weil aber solches ohne Verfertigung verschiedener Schleussen nicht geschehen konte; alß musten sieben derselben gemachet 
werden. Davon sec<hs auf königliche , die siebende aber auf des Fürsten von Anhaltbernburg Kosten gebauet sind. Sie sind alle 
von Quadersteinen fest und zierlich aufgemauert, iede beim Eingang 18. Fuß, in der Mitte aber 20% Fuß breit und 220. Fuß 
lang, in der Höhe aber sind sie verschieden. 
Es sol iede derselben mehr als 20000 Reichsthaler zu bauen gekostet haben. Sie stehen aber nicht in der Saale, sondern 
in einem neben derselben gemachten Graben , weil die Schnelligkeit des Flusses und die auf demselben gebauete viele Mühlen und 
Wehren es nicht anders haben zulassen wollen. 
Die ansehnlichste und merkwürdigste unter diesen Schleussen ist die zu Trott« eine halbe Meile von Zalle. Zu welcher 
der König, als noc< damaliger Kurfürst den 3. Julius 1694. und zwar gleich nach volbrachter Stiftung der neueröfneten Universität 
zu Halle, folglich zu einer recht merkwürdigen Zeit, den ersten Grundstein geleget , dessen zum ewigen Andenken, noch folgende in 
Stein gehauene Schrift zu lesen: | 
FRIDERICVS II. Elector. Brand. III. Talii An. MDCXCIV. II. ab Inaugur. Academ., Hall. Die. Prim. ad 
Sal. Navig. posuit Lapidem. 
*) Es ist bekant das Kurfürst Sriderich 111. unter dem Namen FSriderichs I. im Jahr 1701. den Titel eines Königs von Preusen annahm, 
und sich zu König8berg die Krone selbst auf sein Haupt sezte.
	        
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