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Zweiter Band Berliner Medaillen Die St. Hedwigskirche (Medaille P. P. Werner)

Full text: Vermischte Schriften im Anschlusse an die Berlinische Chronik und an das Urkundenbuch (Public Domain) Issue 2 Zweiter Band (Public Domain)

Freiheit, das höchste Wesen auf eine, ihm fasliche Weise zu verehren und auf was für einem Weg es ihm beliebt den Himmel zu suchen. 
Der falsc<e Grundsaz, daß das Glük der Staten eben auf der Einheit der Religion beruhe, der eben durch einen so unzeitigen als 
falschen Religionseifer unterstüzzet wird, ist von ihm schon längstens verworfen. Er weis den unersezlichen Verlust, welchen andere 
Länder durc<h diesen falschen Eifer sich zugezogen, und nimt dieienigen mit Freuden auf, welche die eigensinnige Andacht und über- 
triebene Frömmigkeit anderwärts verstösset. Ihm ist ieder ein lieber Unterthan, der ein ehrlicher Man ist, und ex fordert von dem- 
selben weiter nichts, als daß er ein guter Bürger sei, und durch gemeinschaftlichen Fleis und Anwendung seiner Kräfte, das seinige 
zur Aufname des Landes beitrage. Er sichet die Herschaft über die Gewissen, wie es auch in der That ist, als ein Maiestätsrecht 
desSienigen an, welchem wir alle Rechenschaft von unsern Handlungen geben müsen, und ist zufrieden, wen man nur dieienigen 
Pflichten erfüllet, die ein Länderbeherschex mit gröserm Rechte von seinem Unterthan fordern kan. 
Bei einer solchen hohen Denkungsart muste es freilich denen in der königlichen Residenz sich niederlassenden römischkatho- 
lischen Religionsverwanten ein leichtes sein, die allergnädigste Erlaubnis zu erhalten, zur Beförderung ihrer Andacht und um ihrem 
Gottesdienste desto gemächlicher und feierlicher abwarten zu können, einen öfentlichen Tempel bauen zu dörfen, und dieses um so viel 
mer, da selbigen schon zuvor vergönnet war, in 'der Stille, nach ihren Gebräuchen Gott zu dienen, 
Es kam dahero folgende königliche allergnädigste Erlaubnis vom 22, Nov. 1746. zum Vorschein: 
»Nachdeme uns die römischkatholische Religionsverwanten in Unsern sämtlichen Provinzen und Landen, besonders aber 
»dieienigen, so sich in unsern Residenzstätten Berlin häuslich niedergelassen, allerunterthänigst vorgestellet haben ; daß deren Anzal 
»sich dergestalt gehäufet, daß sie sich nunmero nicht mer an dem Orte, wo sie bishero ihrem Gottesdienste abgewartet, versamlen, 
»und solchen sämtlich beiwonen können; Dahero um allergnädigste Erlaubnis gebetten, eine Kirche auf ihre Unkosten in erwehnter 
»Stat bauen zu dörfen ; so thun wir hiermit kund durch dieses Dekret für Uns, und Unsere Nachfolger, daß Wir in Ansehung 
» dieser triftigen Ursache ihnen diese Bitte gewähret und eingestanden haben ; Verleihen und erlauben hiermit: daß erwehnte Römisch- 
»katholische, zu ihren freien und ungehinderten Gottesdienst eine Kirche so gros als sie solche immer haben wollen, oder können, mit 
»einem oder merern Thürmen, grosen und kleinen Klokken u. s. w. ohne einigen Vorbehalt oder Widerrede bauen dürfen. Zum 
»Zeichen unsrer königlichen Gnade und Wolwollens schenken und verleihen Wir ihnen ohne Entgeld einen anständigen und erforder- 
»lichen Plaz, welcher durc Unsern Komissarium und ihre besonders hierzu benante Abgeordnete ausgesuchet werden sol. Und 
»damit man zu diesen Gebäude benötigte Geldsummen und Unkosten aufbringen möge; so wollen und befelen Wir gegenwärtig, daß 
»der Pater Mecenati, Karmeliter Ordens aus der Versamlung von Mantua, französisch und italiänischer Prediger dieser beiden Nazionen, 
»so sich in Unsern Diensten befinden, die volle Macht und Gewalt habe, die Schenkung und Almosen, welche man zu diesen Gebrauch 
»anwenden wil, zusamen zu suchen und aufzubringen, sowol unter den Katholischen in Unsern Staaten und Landen, als ausserhalb 
»derselben, wo man es zum Behuf dieser Absicht am füglichsten zu sein erachten wird ; lassen ihnen ferner freie Hand, eine oder 
»merere Personen in verschiedenen Orten zu dem Ende zu substituiren, wen solche sonst erforderlicher Massen authorisiret sind und 
»die eingehende Gelder an eine sichere Hand, oder eine der besten und fürnemsten Wechselstuben in Berlin übermacht werden. Ver- 
»sichern alle und iede vor Uns und Unsere Nachfolger, daß weder Sie noch wir iemals zugeben noch gestatten wollen, daß Diese 
»Kirche zu einen andern Gebrauch, als wozu sie nunmero gewidmet ist, nämlich zum öfentlichen Gottesdienste der römischkatholischen 
»Religion angewendet werde, « 
Es ist leicht zu erachten, daß diese königliche allergnädigste Concession niht alleine die ganze katholische Kirche in grose 
Freude gesezzet, sondern auch die Freigebigkeit auf eine ganz besondere Weise werde rege gemachet haben. Selbst der heilige Vater 
zu Rom, war nicht unempfindlich, sondern bezeigte sein Vergnügen hierüber in einer bei einem angestellten Konsistorio an die Kar- 
dinäle gehaltenen besondern lateinischen Rede, deren Hauptinhalt wir in deutscher Sprache liefern wollen. 
»In denenienigen Ländern, welche unter der Herschaft des brandenburgischen Hauses sich befinden, sind auch nach den west- 
»phälischen Friedensschlusse annoch einige Spuren der katholischen Religion übrig geblieben, und besonders hält sich zu Berlin 
»kein geringer Haufe der Katholiken auf. In dem Rechnungsbuche der heiligen Congregation de propaganda Fide, finden sich viele 
» Eyempel derienigen Wohlthaten, welche die Regenten sothaner Länder sowol denen Katholiken als auch denen Missionarien erwiesen 
»haben, ungeachtet sie selbst von der Gemeinschaft abgewichen. Der gegenwärtige Herr scheinet das Wolwollen seiner Famille gegen 
»die Katholiken gleichsam geerbet zu haben. Kaum war er gewahr worden, daß die Kirche, in welcher die Katholiken zusamen zu 
» kommen pflegen, so enge war, daß sie vor derselben Menge nicht zureichte, so gab er nicht allein die Erlaubnis, eine neue Kirche zu 
»bauen, sondern wies auch einen bequemen Ort dazu an, und trug noch vielmer freygebig bei, was zu Verfertigung der Kirche 
»notwendig ist, Er ist sogar persönlich dabei gewesen, wie der erste Grundstein geleget worden, so im verwichenen Sommer ge- 
»schehen, und zwar mit dem herlichsten Pomp, nach allen angewendeten geistlichen Ceremonien, welche von der Kirche dieserhalben vor- 
»geschrieben werden, Er hat auch für sich und seine Nachfolger versprochen, daß diese Kirche zu keiner Zeit zu einen andern End- 
»zwek angewendet werden solle, als wie sie gegenwärtig unter dessen höchsten Authorität von den Katholiken erbauet wird ; denen er 
»auch vergönnet, allenthalben Almosen zusamen zu bringen, damit der Kirchenbau zu Ende gebracht werden möge. Nechst diesem 
»hat er sehr genaue und fleisige Vorsicht angewendet, damit das zu dieser Sache zusamen zu bringende Geld nicht verloren gehe, 
»sondern einzig und allein zu den Bau der neuen berliner Kirche angewendet werde.« 
Da inzwischen die zu diesen Kirchenbau hin und wider gesamleten Kollekten häufig einliefen und ein ansehnlicher Vorrat 
zu Bestreitung der Baukosten einsweilen da war, so wurde den auch der Grundstein mit allen in solchem Falle, unter den Katholiken 
gewönlichen Solennitäten und Gebräuchen, in Gegenwart einer unbeschreiblichen Menge hoher und niederer Personen, insbesondere aber 
des königlichen Generallieutenants und Kommandanten in Berlin, Grafens von Haake, welchem die Sache besonders aufgetragen war, 
geleget. Man legte in diesen Stein, die oben angefürte Münze, mit des Königs Brustbild, den Concessionsbrief in französischer und 
deutscher Sprache, und bedekte selbigen mit einer kupfernen Platte, darein folgende Aufschrift gegraben war: 
SVPER HANC PETRAM XDIFICABO ECCLESIAM MEAM. Matth: XVI. SEDENTE BENEDICTO 
XIV. PONT. OPT. MAX. ET REGNANTE FRIDERICO. I1. BORVSSORVM REGE, CVIVS CONCESSV NEO- 
/EDIFICAND?T TEMPLI ROMANO CATHOLICI ST. HEDWIGI SILES. PRINCIPI DICATI LAPIS ANGV- 
LARIS POSITVS EST |MDCCXLVIIL DIE XIII. MENSIS IVLIL d. i. Auf diesen Zelsen wil ich bauen meine 
Gemeinde. [Matth. XVI. Da Benedikt der vierzehente auf dem päbstlichen Stule sas, und Sriederich der zweite, 
Rönig 'von Preusen regirte, ist 'auf dessen Erlaubnis der Grundstein zu der neu zu erbauenden römischkatholischen 
Ri, welche der heiligen |Zedwig, einer schlesischen Prinzessin gewidmet ist, geleget worden , im Jar 1747. den 
13. Julius. 
Die Kirche selbst wurde nac) Art der sogenanten Rotonda zu Rom erbauet, und in allen Stükken nach selbiger einge-
	        
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