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Zweiter Band Berliner Medaillen Die Fidicin-Medaille (von E. Weigand, 1872)

Full text: Vermischte Schriften im Anschlusse an die Berlinische Chronik und an das Urkundenbuch (Public Domain) Issue 2 Zweiter Band (Public Domain)

in der Mitte ein Helm mit der Markgräflichen Krone gewählt, aus welcher ein Brandenburgischer Adler hervorwächst, die 
Eroberung und Germanisirung der Mark unter Albrecht dem Bären andeutend. Die Form des Topf-Helms ist diejenige, welche sich 
auf Siegeln Albrechts des Bären findet). Ihm folgt rechts der Kurhut, links die Königskrone, und oben schwebt zwischen den 
Enden des Kranzes die Kaiserkrone des neuen Deutschen Reichs. 
Zwischen dem Markgräflichen Helm und der Königskrone liegt das Berliner Siegel, welches sich an einem Gewerksprivilegium 
für die Kürschner vom Jahre 1280 befindet ?). Es führt die hier nicht mit aufgenommene Umschrift: Sigillum Burgensium de 
Berlin sum, 
Diesem Wappen rechts gegenüber, zwischen dem Markgräflichen Helm und dem Kurhat, das kleine Berliner Stadtsiegel, wie 
es an einem Reverse der Rathleute zu Berlin und Cöln vom Jahre 1338 hängt ?). Der schreitende Bär trägt das Brandenburgische 
Wappenschild an einem Bande schwebend über sich. 
Zwischen der Königskrone und der Kaiserkrone befindet sich das Siegel, wie es zuerst im Jahre 1460 vorkommt, der 
schreitende Bär, über ihm der krallende Brandenburgische Adler. Es führt die Umschrift: Sigillum eivitatis antiqui berlin *). 
Endlich das große Stadtwappen vom Jahre 1709 mit den Brandenburgischen und Preußischen Adlern und dem Berliner 
nün aufrechtstehenden Bären im Schächerkreuz*). 
Als Umschrift : 
Der Verein für die Geschichte Berlins 
Gestiftet den 28. Januar 1865 
und als Inschrift in der Mitte des Kranzes : 
Seinem Fidicin 
zum 9. März 1872. 
Unter dem Markgräflichen Helm befinden sich die Initialen des Künstlers E. W. 
Ernst Fidicin, der Historiograph Berlins, erblickte am 27. April 1802 in Potsdam das Licht der Welt. Er genoß seine 
erste Ausbildung in der höheren Bürger- und sodann auf der »großen Schule«, dem später zum Gymnasium umgestalteten »Lyceum«. 
Sein Vater, ein Bürger Potsdams, hatte ihn für das Studium der Theologie bestimmt, das aber seinem, früh schon von der Liebe 
zur Alterthumskunde beseelten Forschergeiste nicht entsprach. Zwingende Verhältnisse bestimmten ihn, nachdem er seiner einjährigen 
Militairpflicht genügt, sich dem Büreaufache zu widmen, für welches er am 9. März 1822 -- seinem Ehrentage =- bei dem da- 
maligen Stadtgericht in Potsdam verpflichtet wurde, wo er später auch in den städtischen Dienst eintrat. Im Jahre 1828 trat Fidicin 
als Aktuarius bei dem Königlichen Kammergericht in Berlin ein. Und hier, in der Hypotheken- und Lehns - Abtheilung, bot sich dem 
geistig strebsamen Jüngling ein veiches Material für seine Forschungen in der vaterländischen Geschichte dar. Hunderte von alten 
Lehns - Copiarien der ehemaligen Brandenburgischen Lehnskanzlei , geschriebene Codices seit dem 13. Jahrhundert =- eine unschäßbare 
Quelle für die ältere Geschichte des Landes und der Städte, deren Kenntniß ihm später zu statten kommen mußte =- wurden ihm 
zur Benußung für seine wissenschaftlichen Zwecke von den betreffenden Behörden bereitwilligst gestattet, selbst nachdem der größte 
Theil dieser Geschicht8quellen an das Königliche Geheime Staats - Archiv abgeliefert worden war. 
Nach seinem Uebertritt in die städtische Verwaltung, 1829 (zuerst als Registrator, später als Büreauvorsteher ), war es 
hauptsächlich die Geschichte Berlins, welcher er in ihren Quellen nachzuforschen sich bestrebte, und um deren Kenntniß er sich später 
bei der Mit- und Nachwelt so hoch verdient gemacht hat. Zwar erkannte Fidicin sehr wohl die Schwierigkeiten einer solchen For- 
schung, aber seine große Willensfraft, die nicht leicht vor Hindernissen zurückbebte, wie sie im späteren Leben ihm noch oft entgegen- 
treten sollten =- unterstüßt durch einen wesentlichen Förderer seiner wissenschaftlichen Bestrebung, den damaligen Oberbürgermeister 
Krausni> = diese Willenskraft half ihm »durch Nacht zum Licht!« 
Ein Archiv der Stadt bestand nur dem Namen nach, und zwar in einer geringen, keineswegs übersichtlich geordneten An- 
zahl älterer, die Stadt betreffenden Urkunden. Fidicin suchte die vielfachen Lücken aus den verschiedenen Archiven des Landes und 
der Märkischen Städte zu ergänzen ,/ und so erschien als Frucht seiner Studien im Jahre 1837 sein erstes bedeutendes Werk unter 
dem Titel »Historisch - diplomatische Beiträge zur Geschichte der Stadt Berlin«. Die ersten 3 Bände dieses Urkundenbuches enthalten, 
außer den von ihrem Verfasser bis dahin gesammelten Urkunden und Regesten 2c., einen der wichtigsten , für die ältere Rechts- und 
Verfassungsgeschichte höchst merkwürdigen Codex, das im Jahre 1397 aus älteren Quellen zusammengetragene Berliner Stadt- 
buch. Dieses, seit länger als hundert Jahren der Stadt entfremdet gewesen, wurde im Jahre 1836 in der städtischen Bibliothek zu 
Bremen wieder aufgefunden und von dem dortigen Senat in liberalster Weise zurückgegeben. 
Fidicin's Sorge war nunmehr auch darauf gerichtet, die der Stadt in früherer Zeit ebenfalls abhanden gekom- 
menen Urkundenbücher , bestehend aus mehreren Bänden älterer Abschriften von zum Theil verloren gegangenen Original - Urkunden, 
wieder zu ermitteln. Diese, mit einer Nachlese noch anderer Urkunden versehen, bilden den im Jahre 1842 erschienenen 4. Band 
!) Voßberg, Die Siegel der Mark Brandenburg, Tafel A. 1. 
?) Siehe unser Urkundenbuch Seite 13. 
3) Siehe unser Urkundenbuch Seite 74 und unsere Chronif Seite 78. 
 Fidicin, Historisch - diplomatische Beiträge I1. Tafel 1. Fig. Il]. und Seite 393. 
?) Fidicin, Historisch - diplomatische Beiträge I]. Tafel II11. Fig. XVI. und Seite 395.
	        
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