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Zweiter Band Berlinische Bauwerke Das Königliche Schauspielhaus

Full text: Vermischte Schriften im Anschlusse an die Berlinische Chronik und an das Urkundenbuch (Public Domain) Issue 2 Zweiter Band (Public Domain)

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sich noch zwei Etagen, die zusammen 16 Fuß hoch waren. Die Galerie an beiden Seitenwänden, wo die Maschinerie be- 
findlich war, stand mit der hinteren Galerie und dem Gange über dem Proscenio in Verbindung. Auf den Hauptbalken 
konnte man auf 4 Galerien zwischen dem Vorhange durchgehen. Unter vem Theater befand sich eine Maschine, vermittelst 
welcher das Wasser aus einem Brunnen bis auf den obersten Boden in ein kupfernes Reservoir gehoben werden konnte, aus 
welchem zur schleunigen Hülfe bei Feuersgefahr Schlauchspriten gingen. Man konnie vem Vernehmen nach wegen der 
Schnelligkeit, mit welcher das Feuer ober der Bühne selbst entstand und um sich griff, von diesen vortrefflichen Vorrich- 
tungen keinen Gebrauch machen. Neben dem Theater an der östlichen Seite waren in vier Etagen 34 verschiedene Gemächer 
nebst einem Korridor und ven Zimmern und Kabineten zum Anileiden der Schauspieler, zum Schreiben, zur Küche, Keller, 
Gelaß zu den Lampen u. s. w. In der obersten Etage fingen die großen Garderoben an, welche zusammen eine Länge von 
138 Fuß und eine Breite von 23 Fuß einnahmen, und zum Theil noch mit einem Hängeboden versehen waren. Zum An- 
kleiden der Statisten und Choristen war ein Saal unter dem Parterre bestimmt. Der große mit Kabineten umgebene Konzert- 
saal war 80 Fuß lang, 59 Fuß breit und 38 Fuß hoch. Die Wölbung der De>e ward durc< zwölf halbrunde Oeffnungen 
durchschnitten, wovon vrei die Fenster, die übrigen aber Bogen bildeten. Zu diesen Bogen, die in der obern Etage liegen, 
gelangt man durch zwei Treppen; 20 bis 30 Personen hatten in jeder bequemen Raum. An der einen schmalen Seite des 
Saales war das Orchester angelegt, welches in vier Abstufungen amphitheatralisch aufstieg und sammt seinem Brustgeländer 
aus einzelnen Stücken bestand, so daß es in kurzer Zeit weggenommen und aus dem Saale, wenn derselbe anderweitig 
gebraucht werden sollte, entfernt werden konnte. Aus den Sälen und Gemächern, welche den Konzertsaal umgaben, konnte 
man durch sieben Thüren in denselben gehen. Der Saal enthielt mit Inbegriff des Orchesters für tausend Personen Rlaß. 
Die Dekoration und das Ameublement des Konzertsaales waren zierlich und geschmackvoll.“ 
Zur Zeit jenes Brandes, und zwar seit dem Tode Ifflands, bekleidete Graf Brühl die Stelle des General- 
Intendanten ver Schauspiele, unter dessen geistvollen und energischen Leitung Devrient), Gern und die Damen Dühring 
verehelichte Stich, spätere Crelinger, sowie Frau v. Holtei und das Wollf'sche Ehepaar Hervorragendes leisteten. 
Nach dem Brande ließ Friedrich Wilhelm IU1l., selbst ein fleißiger Besucher des Theaters, durch Schinkel das 
herrliche Gebäude aufführen, welches noch heute der dramatischen Kunst dient und vorstehend abgebildet ist. Dasselbe zeigt 
die hellenischen Formen mit genialer Freiheit zur Gliederung eines durchaus selbstständig entwickelten, modernen Gebäudes 
verwendet, in welchem die offene Facade des Südens und die geschlossene Fagade des Nordens zu harmonischer Einheit sich 
verschmelzen. Es entzückt durch einen reich bewegten, auf das Sinnigste mit plastischem Schmuck ausgestatteten Aufbau, der 
ven idealen Zwe> ves Hauses, für jeden Beschauer verständlich, zum poetischen Ausdru> bringt. Es ist endlich in nicht 
minder bewundernswerther Weise seinem Plate angepaßt, und als Mittelpunkt eines Architekturbildes gestaltet worden, das 
in der Welt nur wenige seines gleichen findet. 2) 
Im Jahre 1828 trat Graf Brühl in den Ruhestand und an seine Stelle bis zum Jahre 1842 Wilhelm v. Redern. 
Unter ihm wirkten am Berliner Scaufpielhause Seydelmann, Rott, Grua 'und die Sonne am Berliner Theaterhimmel -- 
Charlotte v. Hagn. 
Als Graf Redern im gedachten Jahre von der Oberleitung zurü&getreten war, folgte ihm Herr v. Küstner bis 
zum 1. Juni 1851. In diese Zeit fällt bis zum Jahre 1848 das Wirken unseres Louis Schneider und verweisen wir 
hierüber auf die Arbeit) unseres zeitigen Schriftführers Dr. Beringuier. Vom 1. Juni 1851 beginnt das verdienstvolle 
Wirken unseres Mitgliedes Excellenz v. Hülsen an dieser Stelle. =- 
1) cfy. Namhafte Berliner, Tafel 3. 
2) cfyv. Deutsche Bauzeitung 1881. S. 123. 
3) cfyv. Namhafte Berliner, Tafel 5.
	        
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