Path:
Erster Band Namhafte Berliner Johann Georg Hoßauer

Full text: Vermischte Schriften im Anschlusse an die Berlinische Chronik und an das Urkundenbuch (Public Domain) Issue 1 Erster Band (Public Domain)

2 
Nach und nach hat sich diese Methode praktisch bewährt und weiter verbreitet. Ebenso mußte ich 1820 
alle Arbeit der Dreher (in Frankreich: o8tamponrs sur tour) eigenhändig verrichten, nämlich Geräthe und Berzierungen 
mittelst der Drehbank auf Holzformen herstellen. Da sich dies auf die Dauer nicht durchführen ließ, so mußte ich 
mich, so unlieb mir es war, endlich doch entschließen, einen Monteur (Zusammenseßzer einzelner Theile), Namens 
Maillard, und einige Monate später den Estamponr s8ur tor Alphons Fraget als Gehülfen aus Paris zu 
verschreiben ; später folgte auch des Lekßteren Bruder aus Anhänglichkeit zu mir. Alle drei waren Oupriers in der 
Fabrik von Tovkor aine in Paris, bei welchem ich nlt. 1818 bis Juni 1819 Contro -maitre gewesen. 
Eine gleiche Unkenntniß herrschte bei meiner Etablirung in Berlin über die Konstruktion eines Prägwerks 
(Valancier) , um größere Gegenstände als Münzen tief mit erhabenem Muster prägen zu können. 
Nach meiner Angabe und unter Beihülfe des Ministerinms hatte der Mechaniker Egols das erste im Jahre 
1823, jedoch wegen seiner noch mangelhaften Einrichtung sehr fehlerhaft hergestellt, indem es wegen der zu schwachen 
Platte federte, eine gespaltene und genietete Schranbe hatte, und nur mit Lebensgefahr und Vorsicht gebraucht werden 
konnte; ich mußte einige Jahre später aus meinen Ersparnissen einen zweckmäßigeren neuen Bügel mit stärkerer Platte 
und neuer Schraube, sowie zwei Fallwerke in der Konstruktion nach praktischer Erfahrung also einrichten lassen, daß 
auf diesem große hohle Körper von schwachem Blech sicher eingesenkt und Verzierungen tief geprägt werden konnten. 
Diese von meiner Seite mit erheblichen Kosten verbundene Verbesserung erregte sofort die Aufmerksamkeit 
des Maschinenbauers Manori, welcher dann in Berlin nach und nach für Heyland, Friedländer, Vollgold, 
Wolff, Müller und in Stettin für Schubart 2x. Prägwerke nac meiner Einrichtung anfertigte, wodurch mein 
Verfahren zu prägen verbreitet wurde.« 
Nachdem Hoßauer wenige Monate seine Thätigkeit begonnen hatte und mehrere Male durch den Besuch des Prinzen 
Caxl, welcher der neuen Arbeitsmethode ein besonders reges Jnteresse bewies, beehrt worden war, ließ das Ministerium für Handel 
und Gewerbe seine Methode bei Fabrikation edler und unedler Metallwaaren in seiner Werkstatt amtlich prüfen. Dieselbe wurde 
als neu und eigenthümlich , jedenfalls aber als in Preußen damals noch unbekannt, sowie als gemeinnüßig anerkannt und sodann von 
dem Ministerium ihm zur Anschaffung der nothwendigsten Maschinen und Werkzeuge noch die Summe von 2739 Thlr. aus der 
Staatskasse bewilligt. 
Achtzehn Monate später wurden ihm laut Verfügung des Ministeriums für Handel vom 21. Juni 1821 die auf Kosten 
der Staatskasse angeschafften Maschinen , Stempel und Werkzeuge als Eigenthum überlassen, und es wurde ihm zugleich in der 
betreffenden Verfügung bemerkt: 
»daß durch die bisherigen Fortschritte seines Etablissements und dessen jetzige gute Lage, der Zwe> der Unterstüßung 
(Einführung gemeinnüßiger Fabrikations - Methoden) größtentheils erreicht sei,« 
und das Vertrauen ausgesprochen, 
»daß Ho ßauer ferner mit Ordnung und Solidität in seinem Geschäftsbetriebe fortschreiten werde. « 
Daß Hoßauer dem in ihn geseßten Vertrauen entsprochen hat, darauf weisen die Thatsachen hin, daß ihm 1822 bei der 
hierselbst stattgefundenen ersten Gewerbe-Ausstellung die goldene Preismedaille zuerkannt und die Ersparniß von 12,800 Thlr., 
welche der Staat bis 1827 an den von Hoßaner für die Leuchtthürme an der Ostseeküste gelieferten parabolischen Hohlspiegeln, 
im Vergleich zu den englischen Preisen, gemacht hatte, überwiesen wurde. 
So in den von ihm vertretenen Branchen überall thätig und mit regem Eifer unermüdlich vorwärts strebend, verbreitete 
sich im Jahre 1823 aus den Hoßauer'schen Werkstätten die Fabrikation plattirter Waaren und das neue, bisher hier noch völlig 
unbekannte Gewerbe der Dreher (Metalldrüker). Um dieselbe Zeit fertigte Hoßauer gemeinschaftlich mit seinem früheren Lehrer, 
dem berühmten Chemiker Br&ant in Paris, einen großen Kessel von <emisch reinem Platina mit Helm und Heber, 200 Quart 
Flüssigkeit enthaltend, zum Konzentriren der Schwefelsäure an, wobei ihm zum Schweißen der Platina die Erlaubniß ertheilt wurde, 
die großen Walzwerke auf dem Kupferhammer bei Neustadt - Ew. benußen zu dürfen. Das Werk wurde von Sachkennern hinsichts 
der Größe und der Ausführung um so mehr bewundert, als bis dahin, selbst in Paris, uur Geräthe bis 10 Quart Flüssigkeit ge- 
liefert werden konnten. In dieser Zeit war es auch, wo Hoßauer auf Wunsch des Geheimen Raths Beuth und in dessen Gegen- 
wart in seiner Werkstätte die praktische Anweisung gab, wie Kupferstichplatten oxydfrei , rein und flach gespannt, gefertigt werden 
müßten, um mit den englischen und französischen konkurriren zu können. I 
Im Jnuteresse des Vereins zur Beförderung des Gewerbefleißes in Preußen lieferte Hoßauer 1824 die ersten Arbeiten 
aus Weißkupfer (Alfenide). Er hatte, abweichend von dem Verfahren der Chemiker Dr. Herm städt und Ober - Berg-Rath Frie, 
größere Quantitäten des Metallgemisches verarbeitet und die Komposition nach Anleitung einer alten Abhandlung der schwedischen 
Akademie vom Jahre 1776 vorgenommen. Seine Legirung bestand nur aus Kupfer und Nickel und erwies sich geschmeidiger als 
die von Kupfer, Zink und Nickel. 
So hatte Hoßauer in den ersten Jahren seiner hiesigen Thätigkeit durch Umsicht, Geschicklichkeit und Ausdauer nicht 
allein den Nuf seines Geschäftes begründet, sondern seine finanziellen Verhältnisse auch derart gesichert, daß er in der Lage war, einen 
eigenen Hausstand begründen zu können. Schon längere Zeit in dem Hause des Juweliers Hanff bekannt, hatt sich seine Liebe der 
Tochter desselben , Wilhelmine, zugewandt, mit welcher er demnächst den Ehebund schloß , und welche ihm bis an ihr Lebensende 
treu und unverdrossen zur Seite stand. 
Wenn nun auch geehrt und geschäßt von den Behörden und seinen Mitbürgern, konnte es bei dem raschen Aufblühen des 
Hoßauer'schen Geschäftes nicht an Neidern fehlen. So denuneirte ihn beispielsweise im Jahre 1825 der damals noch an Zunft- 
zwang gewöhnte Altmeister der Goldschmiede- Innung bei der hiesigen Polizeibehörde, daß der richtige Silbergehalt seiner Arbeiten 
zu bezweifeln sei. Bei der amtlichen Revision stellte fich jedoch nicht allein die vollständige Grundlosigkeit der Denunciation heraus, 
sondern die geprüften Gegenstände ergaben sogar einen höheren als den vorgeschriebenen Silbergehalt. Dem durch jene Anschuldi- 
gung in seiner Ehre empfindlich gekränkten Mannc wurde jedoch dadurch eine außerordentliche Genugthuung, daß König Friedrich 
Wilhelm 111. die Gnade hatte, ihm öffentlich dadurch sein Allerhöchstes Wohlgefallen an seiner Betriebsamkeit zu erkennen zu 
geben / daß ex ihm im April 1826 aus eigener Bewegung das Prädikat: 
» Goldschmied Sr. Majestät des Königs« 
verlieh und die ausschließliche Befugniß ertheilte, das große Königliche Wappen bei seiner Firma anzubringen , welche letztere Ehre 
ein um so größeres Aufsehen erregte, als sie die erste dieser Art im Preußischen Staate war:
	        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.