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Erster Band Namhafte Berliner Johann Georg Hoßauer

Full text: Vermischte Schriften im Anschlusse an die Berlinische Chronik und an das Urkundenbuch (Public Domain) Issue 1 Erster Band (Public Domain)

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verwandt. Vor Wesel hatte Hoßaner, der inzwischen zum Unteroffizier befördert war, das Glü>k, bei dem Ausfalle der Fran 
zosen am 30. März 1814 mit 20 Mann, einen aus cixca 30 Mann bestehenden feindlichen Posten zu verdrängen und die Position 
zu halten, bei welcher Gelegenheit er leicht am Fuße verwundet wurde. Für diese Waffenthak, und da er kurz vorher mit Umsicht 
und Entschlossenheit eine feindliche Patrouille gefangen genommen hatte, schlug ihn sein Hauptmann von Ei>stedt zum eisernen Kreuze 
vor. Da Hoßaner jedoch später versäumte, sein Erbrecht anzumelden, so wurde er mit seinem Anspruche, als er denselben geltend 
machen wollte, abgewiesen, ein Umstand, der, wenn er auch in der Folge durch eine anderweite Allerh. Gnadenerweisung ansgeglichen 
wurde, ihn noch in späteren Jahren höchst unangenehm berührte. Das Bataillon, bei dem Ho ßauer stand, war inzwischen als 
Füsilier - Bataillon dem 1. Kurm. Lw. Inf. Regt. überwiesen worden und nach Abgang des Majors von Borstel zuerst von dem 
Major von Knorr, dann von dem Major von Bornstädt kommandirt, unter dessen Befehl es nach dem Friedensschlusse in die 
ihm angewiesene Garnison Demmin rückte. Beim Ausbruch der Feindseligkeiten im Jahre 1815 wurde auch Hoßauer wieder 
eingezogen und focht mit dem Bataillon bei Ligny und Wavre. Bei der Besekung von Paris hatte er Gelegenheit, sich von dem 
Unterschiede der vaterländischen Judustrie mit der dortigen zu überzeugen, und den Entschluß gefaßt, nach eingetretenem Frieden, 
nach Paris Behufs seiner weiteren Ausbildung zurückzukehren. Als nun der Frieden geschlossen , das Bataillon nach Demmin zurückge 
kehrt und demobil gemacht worden war, führte Hoßauer seinen Entschluß nicht sofort aus, sondern versuchte erst, sich nach einem 
dreijährigen Kriegerleben wieder in seiner Branche einige Geschiklichkeit zu erwerben. Er arbeitete daher zunächst einige Zeit in deu 
Bronce - Fabrik von Werner und Miethe hierselbst und dann erst führte ex mit einer Unterstüzung von 40 Thlr. aus der Staatskasse 
und freiem Postpaß bis zur Grenze, seinen Entschluß, nach Paris zu gehen, aus, um sich dort die Arbeitsmethode für leichte Metall 
waaren anzueignen. Jn Paris gelang es ihm, es so weit zu bringen, daß ihm 1818 eine einträgliche Stelle als contre maitro 
übertragen wurde. Als Ende Oktober 1318 Friedrich Wilhelm 111. mit seinem Sohne, dem Prinzen Carl, von dem Kongreß zu 
Aachen aus, dem Könige Ludwig XYVI11. einen Besuch machte, begab sich Hoßauer nach dem Palais Sr. Majestät, Rue de Lille 78, 
wo der General - Adjutant von Wißleben, dem es gefiel, daß sich Hoßauer in militairischer Form bei ihm meldete, seinen Wunsch, 
dem Monarchen mehrere von ihm nach Pariser Methode gearbeitete Gegenstände vorzeigen zu dürfen , wohlwollend begünstigte. 
Am 1. November 1818, dem denkwürdigsten Tage in Hoßauer's Leben, hatte sich derselbe zur bestimmten Zeit mit jenen 
Arbeiten um sieben Uhr Morgens im Vorzimmer des Königs eingefunden. Se. Majestät der König erschienen denn auch bald 
in Begleitung des Prinzen Carl, des Generals von Wißkleben, des Frh. Alexander von Humboldt und des Gesandten, 
Gen. Lt. Grafen von der Golß, würdigten die Hoßauer" schen Arbeiten der gnädigsten Beurtheilung und ehrten ihn, nach Be 
fragen über seine Kriegsdienste , durch den Befehl , noch an demselben Tage in einem unmittelbar einzureichenden Jmmediatgesuche 
auseinander zu seßen , welcher Unterstüßung er bedürfe, um das in seinem Fache Erlernte im Vaterlande als neue Fabrikations - Methode 
einführen zu können. In Folge dieses Allerhöchsten Befehls reichte Hoßauer noch am 1. November eine Jmmediat - Vorstellung 
ein, welche Se. Majestät geruhte, von Aachen aus durch das Militair-Kabinet unterm 7. November 1818 dem damaligen Minister 
für Handel und Gewerbe zuzufertigen und die Anweisung zu ertheilen, dem Vittsteller 500 Thlr. zur Etablirung in Berlin auszuzahlen. 
Im Juni 1815) siedelte Hoßauer demnächst von Paris nach Berlin über. Nachdem er mit Hülfe der ihm aus 
Staatsfonds bewilligten Unterstüzung von 500 Thlr. und seiner Ersparnisse im elterlichen Hause in der Kaiserstraße seine Werk- 
statt eingerichtet hatte, ging er rüstig daran, den eingegangenen Verpflichtungen, seine in Paris gesammelten Erfahrungen zum 
Besten seines Vaterlandes zu verwerthen, nachzukommen. In welcher Verfassung er hier die von ihm vertretenen Kunstzweige fand 
und welche Schwierigkeiten er beseitigen mußte, um befriedigende Resultate zu erlangen, schildert er wörtlich folgendermaßen : 
»Die Technik in der Goldschmiedekunst und in anderen Metallwaaren stand, als ich im Jahre 1819 von 
Paris nach Berlin kam, hier noch auf derselben niederen Stufe der Ausbildung, wie vor hundert Jahren; man 
arbeitete die Waaren aus groben Metallstücken (Zain ); Gegenstände der Goldschmiedekunst von hervorragender 
Bedeutung waren nicht bemerkbar; von den mechanischen Hülfsmitteln zur Herstellung fabrikmäßiger Handelswaaren 
hatte man noch keine Ahnung. Gute preiswürdige Waaren wurden vom Auslande, besonders aus England und 
Frankreich, mit Vorliebe bezogen. 
Wie unkundig man ferner hier in jenem Zeitpunkte war, mag die Thatsache beweisen , daß der Altmeister der 
Goldschmiede- Junung Andrea> und der Zeichenmeister Keßner es verweigerten, auf mein zubereitetes gewalztes 
Silberblech den Stempel des geseklichen Feingehalts aufzuschlagen, weil aus Blech hergestellte Silberarbeiten nicht 
aufkommen dürften. 
Nach dem mir deshalb von Sr. Excellenz Beuth ertheilten Rathe, bezeichnete ich hinfort das Feingehalt 
meiner Gold- und Silberarbeiten mit meinem Stempel. 
Die Goldschmiede und Neusilberwaaren- Fabrikanten , welche gegenwärtig nach meiner Praxis fahricixen und 
einen bedeutenden Waarenabsaß haben, mögen aus dieser Thatsache entnehmen, auf welcher niederen Stufe man sich 
damals noch im Gewerbewesen befunden. 
Beim Beginn meines Unternehmens in Berlin beschäftigte ich mich mit der Einrichtung zu filberplattirten 
Waaren, wie sie nur in Paris und in England fabricixrk wurden ; ich arbeitete allein, nur mit Hülfe eines Hand 
langers (gargon d'atelier). 
Cin großes Walzwerk gab es in Berlin nicht, mein kleines 6zölliges, welches ich aus Paris mitgebracht, 
galt, hinsichtlich der Konstruktion, für größere hier als Modell. 
Gegen Erstattung der Betriebskosten erhielt ich die Königliche Erlaubniß, auf dein Kupferhammer bei Neustadt- 
Eberswalde sv lange ein großes Walzwerk ab und zu benußen zu dürfen, bis ich selbst ein solches beschaffen könne, um 
große Kupferbarren mit Silber zu plattirxen und Silber zu Blech auszuwalzen. 
Gehülfen für meine neue Arbeits- Methode gab es noch gar nicht in Berlin. Jch hatte die größte Mühe und 
oft vergebliche Versäumniß, um mir nach meiner Methode Gehülfen zu ziehen. Von den planeurs 8ur täb, einer 
Profession , welche aus dem Kupferschmied- und Klempnerfache besteht, hatte man in Berlin keinen Begriff. Um die 
edle Metall - Oberfläche von gold - oder silberplattirter Kupferarbeit zu konserviren , wird eine viel vorsichtigere staubfreie 
Hammerarbeit, als bei der massiven erfordert; letztere kann glatt gefeilt, geschabt und geschliffen werden, erstere aber nicht, 
Ein geschickter Kupferschmied verstand Gefäße aus Blech in bestimmte Formen mit Holzhämmern einzuziehen , 
aber nicht das glatte Planiren auf zwei Seiten; das leßtere gehört in das Fach des Klempners. Beiden technischen 
Anforderungen mußte ich mit eigenen Händen bei meiner Arbeit genügen. Erst 1822 fand ich den jungen Goldschmied 
Jacob und später den Klempner Bolte, welchen ich die Anleitung gab, geschi>kte Planeurs zu werden.
	        
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