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Erster Band Berliner Geschlechter Die Familie von Rathenow

Full text: Vermischte Schriften im Anschlusse an die Berlinische Chronik und an das Urkundenbuch (Public Domain) Issue 1 Erster Band (Public Domain)

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erhoben werden sollten, zurückzuweisen, und seßten, im Falle ihr Bruder Jürgen vor Dietrichs Tode absterben sollte, als 
Miterbe also nicht mehr in Betracht käme, fest, daß dann Melchior dem Caspar für die Erbportion , welche ihm Lekterer abtreten 
würde, 500 Gulden zu zahlen habe. 
Sollte ferner bei Dietrichs Tode dessen Mutter noch leben und deshalb als Miterbin zur Hälfte in Betracht kommen, 
so sollte Melchior dem Caspar für die durch diese Konkurrenz geschmälerte Erbportion nur 400 Gulden und nach dem Tode 
der Mutter, deren Erbtheil ihnen dann wieder zufallen würde, wiederum 400 Gulden Abfindung zahlen. Wenn ferner Jürgen, 
der Bruder der beiden Vertragsschließer , den Tod Dietrichs erleben und mithin als Miterbe auftreten würde, so wollte Melchior 
es übernehmen, ihn zu einem Vergleiche zu bewegen. Stürbe dann Jürgen, so sollte Melchior dem Cas8paxr als Abfindung für 
dessen Erbtheil an dem Gute des Jürgen 500 Gulden zahlen. “ 
Die Jutention der Vertragsschließer ging also dahin, daß 
Caspaxr die Erbgüter des Vaters Henning, 
Melchior die des Vetters Dietrich erhalten sollte. 
Jürgen hatte keine Kinder, und wohl deshalb waren Casparx und Melchior der Ansicht, daß er sich zur Abtretung 
der Erbportion des Dietrich'schen Nachlasses bewegen lassen werde. 
Als weiteres Aequivalent für die Abtretung der auf Melchior aus dem Erbe seines Baters fallenden Erbportion 
wurde noch folgende Prästation von Ca38par übernommen : 
»So lange Melchior no< nicht verheirathet ist und keinen eigenen Hofsiß hat, soll er in Kriegszeiten die Befugniß haben, 
einen Monat lang mit reisigen Knechten und Pferden auf dem Hofe Caspars Quartier zu nehmen; er hat dann Alles, mit Aus- 
nahme des Hafers, frei, und steht es in seinem Belieben, zur Küche einen Beitrag zu zahlen; ebenso kann er nac) Beendigung des 
Krieges unter den nämlichen Bedingungen 14 Tage lang auf Ca8pars Gut Quartier nehmen. Sollte sich ferner die Schwester 
beider Brüder , Polixzena, verheirathen und sich zur Aussteuer nicht Sämmtliches vorfinden, so verpflichtet sich Ca38paxr, aus seinen 
Mitteln das Fehlende zu beschaffen. So lange das Fräulein noch unverheirathet ist, erhält derjenige, bei welchem sie in Pension 
ist, jährlich 18 Gulden aus ihren jährlichen Renten.« =- 
Obgleich nun Jürgen und die beiden Shwäher der Paciscenten dem Vertrage zustimmten , so entstanden dennoch zwischen 
Caspar und Melchior Streitigkeiten, da Lekterer der Ansicht war, daß die Güter zu gering abgeschäßt seien und Ca8parn 
das Freiquartier nicht konvenirte. Zur Beilegung der Differenzen wurde im Auftrage des Kurfürsten Joachim 11. von den 
hierzu verordneten Kommissarien Kurt Rhow und Franz Span 1564 ein Nachtragsrezeß mit folgenden Bestimmungen errichtet : 
a. Melchior verzichtet für 200, bei Vermeidung der Pfändung von Cas8par zu zahlenden Gulden auf das Recht 
des Freiquartiers. 
% Ein zu Wusterhausen belegener, dem Caspaxr zugehöriger Garten soll, so lange Meld<ior zu Wusterhausen wohnt, 
in dessen Venuzung und Besitz bleiben. 
Melchior verpflichtet sich, 1000 Gulden als Lehen zu konstituiren, an dem er seinen Brüdern die gesammte Hand 
bewilligen will. Sollte Melchior früher ohne leibliche Lehnserben versterben, so fallen diese 1000 Gulden und selbst, 
wenn der Nachlaß mehr enthalten sollte, in Rücksicht darauf, daß sein Vermögen als Lehnsgut originirt, an die 
nächsten agnatischen Lehnserben. Bemerkt wurde hierbei, daß auch Jürgen dieselben Anordnungen in Bezug auf seinen 
Nachlaß getroffen habe. 
Im Uebrigen sollte e8 bei den Vertragsbestimmungen von 1561 bewenden und der Nachtrag dem Kurfürsten 
zur Konfirmation vorgelegt werden. 
Im Jahre 1589 beschwerte sich Melchior beim Landesherrn über unerlaubte Verkäufe von Lehngütern , insbesondere des 
Driplaßes bei Plöniß, die Caspar ohne Rechtsgrund vorgenommen hätte. 
Aus diesen Beschwerden ist Folgendes hervorzuheben: 
Henning, der Vater, hat zu seinen Erben seine 4 Söhne: 
Balzer, Caspar, Melchior und Jürgen, eingeseßt. 
Balzer hatte 2 Söhne, welche seinen Tod überlebt haben, 
a. Henning T 1550; 
b. Hans Jacob T 1564. 
Melchior beantragt: 
a. Untersagung der unerlaubten Alienation von Lehnsgütern, 
b. Herausgabe des auf ihn gediehenen Erbtheils des ohne leibliche Descendenten verstorbenen Jürgen und der 
Neffen Henning und Hans Jacob. 
27. Jürgen (Georg), der jüngste Sohn Hennings (13), trat, nachdem er seinen Gutsantheil an Plönitz seinen 
Brüdern verkauft hatte, in Herzoglich Mecklenburgische Dienste. Als Vogt von Doberan war er bei der Säcularisirung des dortigen 
Klosters im Jahre 1552 thätig, und als solchen belieh ihn am 11. Februar 1554 der Herzog Johann Albrecht 1. mit dem Domhofe 
in Güstrow, den seine Gattin Elisabeth von Bülow auf ihre Lebenszeit gekauft hatte , mit dex Bedingung, daß der Hof, im Falle 
Jürgen ohne männliche Leibeserben sterben würde, an den Landesherrn zurückfallen , er aber während seiner Lebenszeit den Hof 
in baulichem Zustande erhalten sollte. Später ward Jürgen Amtmann zu Schwan und starb kinderlos vor 1530. (Jahrb. des 
Vereins für Meclenb. Geschichte und Alterthumskunde. Bd. 24 S. 47, 48. Bd. 27 S. 38, 39.) 
28. Achim, der Sohn Dietrichs (15), starb ohne Nachkommenschaft. 
29. Kersten (Christian), der zweite Sohn Dietrichs (15), nach dem Plönizer Manuscripte mit Anna von Schönermark 
verheirathet , wurde Vater zweier Söhne, Daniel (36) und Ca8par (37), sowie einer Tochter Eva, welche 1578 Wilhelm von 
Pfuhl auf Arnsfelde heirathete und 1000 Gulden Aussteuer erhielt. (Staatsarchiv Cop. March. LXXX. 76.) 
30. Claus, der jüngste Sohn Dietrichs (15), wurde Vater einer Tochter Dorothea, welche Philipp von Rohr 
heirathete , und eines Sohnes, Namens Wulf. 
Beide Brüder empfingen am Tage Fabian und Sebastian 1572 für sich und ihren Vetter Franz (33) mit Caspaxr (25), 
Melchior (26) und Jürgen (27), und mit den um diese Zeit im Elsaß befindlichen Söhnen Balzers (24), sowie mit Dietrich (32), 
die Familien- Lehen zur gesammten Hand. 
Berliner Geschlech“-» 
Tafel 9 86.1
	        
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