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Erster Band Berliner Geschlechter Die Familie von Rathenow

Full text: Vermischte Schriften im Anschlusse an die Berlinische Chronik und an das Urkundenbuch (Public Domain) Issue 1 Erster Band (Public Domain)

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gewährte der Kurfürst Friedrich der Catharine, Frau des Jakob Heyde>e , ein Leibgedinge an Lehngütern und zwar an den 
Prästationen im Dorfe Merow, welche Hans, Sigmund und Paul Rathenow dem Heyde>ke auf Wiederkauf gegeben hatten, 
und am 14. Oktober 1458 (Fidicin 11]. 349) belehnte der Kurfürst die Gebrüder Blankenfeld mit Hebungen im Dorfe Caulsdorf, 
die »der selige Hans Rathenow« zu Lehn gehabt hatte und die zum Theil verseßt waren. 
Hans*) und sein Verter Paul scheinen ohne männliche Nachkommen bald darauf gestorben zu sein, Sigmund dagegen 
wurde 1472 noch mit 
4 Wispel 19 Scheffel Roggen, 4 Wispel 19 Scheffel Hafer, 1 Scho> 19 Groschen Geld, dem Kir<hlehn , dem halben 
obersten und niedersten Gericht 
(Geh. Staats - Archiv Cop: 11 fol. 22a.) in Lichterfelde belehnt und lebte no< 1480, wie das folgende in seiner Rechtssache mit 
Jakob Wins ergangene Erkenntniß beweist: 
In der sach zwischen Jacob Winsen cleger an einem Jn der Sache zwischen Jacob Wins, Kläger an einem und 
und Sigmund Rothenow anderstheils nac) gnugsamer | Sigmund Rathenow am anderen Theile, ist nach gehöriger 
verhorung beder parthey, clag, antwort, gegenrede umd BVernehmung beider Partheien, Klage , Antwort, Gegenrede und 
widerrede und beslus der sachen ist durch uns. gn. hern Rete Widerrede durch Unserer gnädigen Herren Räthe für Recht erkannt, 
recht erkant, das der friden den Jacob Winß uf des armen daß der Rechtsanspruch , den Jacob Wins auf des Bauern Mathias 
mannes Mathias Runolt Jm dorff Seberg bey lantzberg Runolt Hab und Gut hat, den Sigmund Rathenow an 
ligen gut und hab hat, sol Sigm. Rothenow an seinen seinen Erbzinsen, die ihm der Bauer schuldig gewesen, und für 
erbzinsen , die Jm der arm man schuldig ist gewesen, dafur welche ex ihm die Kühe gegeben hat, nicht beeinträchtigen soll, 
er Im die kwe geben hat unschedlich sein und sey Jacob daß Sigmund Rathenow dem Jacob Wins auf jenen An- 
Winßen unb seinen Zuspruch nichts schuldi<, was aber spruch hin Nichts schuldig ist, daß aber Sigmund Rathenow 
Sigm. mer hett an den kwen Im der arme mann umb den Ueberschuß des Werthes der Kühe über den Betrag der 
sein erbzinse pflege wer gewesen, das sol er Jacob Winsen schuldigen Erbzinssumme an Jacob Wins verabfolgen soll. So 
volgen lassen. Act. Coln an der Sprew am Sonabent geschehen Köln an der Spree am Sonnabend nach Scholastica 
nach Scholastice virginis 1480. (12. Februar) 1480. 
G&G. Raumer, Codex dipl. Brandenb. ZH, 11. S,. 192.) , 
Um dieselbe Zeit, wo der Mühlenmeister Kuno Rathenow in Berlin mit den Gebrüdern von Schlieben zu (Königs-) 
Wusterhausen in Fehde lag, Albert Rathenow Bürgermeister, Jacob Rathenow Bürger, Johann Rathenow Rathmann 
in Berlin und Busse Rathenow Priester in Köln war, finden sich ein 
Claus und Friß Rathenow, 
vielleiht Enkel des Nicolaus von Rathenow, welcher 1276 als markgräflicher Vasall fungirte, in der Grafschaft 
Ruppin 
begütert. 
Eine Zusammengehörigkeit dieser Rathenows mit der Brandenburger und Berliner Familie Rathenow wird zwar von 
Einigen behauptet, ist aber bisher urkundlich nicht beweisbar gewesen. Für den Familienzusammenhang wird die Aehnlichkeit des Wappens 
angeführt, welches bei der Berliner Familie, wie Eingangs ersichtlich , sowohl dieselbe Helmzier, als auch die Figuren im Wappen- 
schilde der Ruppiner Familie trägt. Es mag dahin gestellt bleiben, ob die Wappenähnlichkeit als Beweis der Zusammengehörigkeit 
beider Familien angenommen werden kann, oder ob nicht vielmehr die Berliner Familie das Wappen der gleichnamigen Ruppiner 
Familie nur in anderer Schildestheilung und anderen Farben adoptirt hat. Bemerkt sei hierbei gleichzeitig, daß die von den ver- 
schiedenen Rathenows der Ruppiner Familie geführten Wappen in der Zeichnung und Stellung der Wappenbilder sehr verschieden 
sind, in der Hauptsache jedoch das Wappen von dem Plönikßer Zweige der Familie, wie es Seite 10 gezeichnet, und von dem 
Ruhlsdorf - Pinnower Zweige, wie es Seite 13 gegeben, geführt worden ist. 
Obgleich die nähere Bezeichnung des Besizthums des Claus und Friß Rathenow nicht angegeben ist, so muß doch 
als unzweifelhaft angenommen werden , daß dieses kein anderes als das jehige Rittergut Plöniß bei Wusterhausen a. D. gewesen 
ist, wo die Rathenows, in Uebereinstimmung aller Nachrichten , schon in der Mitte des 14. Jahrhunderts mit einem Rittersitze 
ansäßig waren. 
Claus und Friß gelobten im Jahre 1398 (Riedel A. IV. 80) mit den Städten Wusterhausen a. D.,; Ruppin und 
Gransee, den Herren von Gulen, von Ziethen, dem Herrn von Redern und anderen, als Landstände der Grafschaft Ruppin, im 
Auftrage und im Namen ihres Lehnsherrn, des Grafen Ulrich und der Gräfin Günther von Lindow, dem Markgrafen Jobst von 
Brandenburg die Heeresfolge. 
*) Willibald Alexis (W,. Häring) hat in seinem vaterländischen Roman »Der Roland von Berlin« den Bürgermeister Hans von Nathenow 
eine so hervorragende Rolle spielen lassen und die Familien - Beziehungen der Rathenows auf eine Weise angegeben, daß man zu der Annahme gelangen 
muß, der Verfasser habe seine Darstellungen auf wirklich historischem Grunde aufgeführt. Er läßt Hans Rathenow mit einer Brigitte vermählt und Vater 
zweier Söhne: Christoph, welcher vor 1448 ertrank, und Nudolf, der ebenfalls vor dieser Zeit verstorben war, svwie einer Tochter El8beth sein. Als 
Hansens Bater nennt ex Matthäus von Nathenow und wieder als dessen Vater den Bürgermeister Albrecht von Rathenow, der mit Fides 
Wardenberg vermählt gewesen sein soll. Im 11. Theile des gedachten Romans, S. 181 schildert der Verfasser die Scene, wv Hans seiner Tochter 
El8beth den Stammbaum der Familie erklärt und Folgendes über denselben ausführt: 
»Gerhard, der Bürgermeister war unter dem großen Waldemar, als Berlin und Cöln durch sein Werk und seine kluge Rede 
beim Markgrafen die Hände verschlangen und eine Stadt wurden. Auch den Balthasar, unter dessen Consulat, wie die Urkunden sagen, 
die steinerne Mauer erbaut wurde um das alte Berlin. Auch den alten Dietrich, einen Mann von Eisen, auf dessen Schultern Albrecht 
der Bär seinen Arm legte, da ex müde ward in dex Schlacht vom Niedermeßeln, und sprach zu ihm: Du sollst mein Pfeiler sein, und ich will 
Dein Schild sein. Der saß, ein freier Mann, in dem Ort, so jezt die Stadt Rathenow ist, und zog erst später unter den Otto's in das 
alte Berlin, wo er ein Bürger ward. Die Tafel führte bis zurück in die sächsischen Wälder, und waren die Nathenvw's, auch ehe sie 
den Namen führten von dem wendischen Orte, freie Männer gewesen, Herren über Land und Leute und gewaltig in den Schlachten , und 
hold und tren ihren Herzvogen, aber nicht unterthänig.« 
Es bedarf wohl keiner besonderen Versicherung, daß diese Darstellungen eben nur der Phantasie des Dichters angehören, dem allerdings ein Ver- 
dienst, das Jnteresse für die Geschichte Berlin's genährt zu haben , nicht abzusprechen sein wird.
	        
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