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Erster Band Berliner Geschlechter Die Familie Matthias

Full text: Vermischte Schriften im Anschlusse an die Berlinische Chronik und an das Urkundenbuch (Public Domain) Issue 1 Erster Band (Public Domain)

und Führung des Betriebes sowohl dieses, als auch des von dem Postmeister Neumann von Königsberg nach Berlin eingerichteten 
Courses / sondern behielt sich nur die Aufsicht und obere Leitung vor, 
No im Jahre 1647 zum Post-Commissar ernannt, wurde 1649 auf seinen Bortrag im Geh. Staatsrath beschlossen, 
die Verwaltung und den Betrieb des Postwesens Seitens des Staates ganz zu übernehmen. Der Kurfürst genehmigte diesen 
Beschluß und übertrug nunmehr dem Matthias die ordnungsmäßige Einrichtung sämmtlicher Posten. Zunächst , als Ober- Auf- 
seher regelte Michael Matthias den Cours von Berlin nach Cleve, richtete Stationen von 3, statt der bisherigen 4 Meilen ein, 
beschaffte Geleitsbriefe ausländischer Regierungen, wählte tüchtige Postmeister und Postillone, schloß mit ihnen im Namen des Kur- 
fürsten Verträge, suchte die fahrbarsten Wege für die Posten aus, führte Postkarten , Stundenzettel und Versäumnißstrafen ein, 
schloß mit Fähranstalten Verträge wegen des vorzugsweisen Trajects der Posten über die Ströme, versah die Postillons mit Post- 
horn und Montirung, und erwirkte nicht ohne große Mühe von den fremden Landesherren die Erlaubniß, daß den Posten des 
Nachts die Stadt- und Festungsthore geöffnet wurden. Aehnliche Einrichtungen traf er demnächst auf dem Course von Berlin nach 
der Weichsel und wirkte auf der ganzen Linie durch fortgesehte Revisionen so lange, bis überall Ordnung und Sicherheit möglichst 
hergestellt war. 1650 zum Amts - Kammerrath , Hofrentmeister , General -Post- und Salzkassen - Rendanten ernannt, bearbeitete 
Michael Matthias 1651 mit den Geh. Räthen von Jena, von Kleist und von Fuchs ausschließlich die Postsachen. 1654 
vrganisirte er den Pommerschen Cours und richtete auch in diesem Jahre die Post nach Hamburg ein, wodurch Streitigkeiten mit 
dieser Stadt entstanden, die er als Kurfürstl. Commissar schlichten mußte. Zur Belohnung für seine Verdienste unterm 29. Sep- 
tember 1654 zum WVost - Director und Ober - Aufseher sämmtlicher Posten ernannt, wurde ihm die Anerkennung seiner Leistungen in 
dem betreffenden Patente, dessen Original sich im Archive des Kaiserlichen General - Postamts befindet , mit den Worten: 
»daß er ein gutes Fundament zu den Posten gelegt habe«, 
ausgedrückt, 
Mit rastlosem Eifer im Dienste seines Landesfürsten thätig, schlug er, wie sein Großvater, der Bürgermeister Thomas 
Matthias, die lo>endsten Anerbietungen aus, um nur für seinen Kurfürsten zu schaffen , zu wirken und zu leben. 
Als der Reichs- General - Postmeister Graf Lamoral Taxis den Nachtheil sah, welchen die Kurfürstlich Clevesche Post 
seiner Reichspost verursachte, schickte er 1654 einen eigenen Commissar deshalb nach Berlin, um vom Kurfürsten die Erbbelehnung 
des Postwesens in den Kurfürstlichen Staaten zu erhalten. Der Commissar versuchte zuerst den Michael Matthias, von dessen 
entscheidender Stimme viel abhing, für seinen Plan dadurch zu gewinnen, daß ex ihm die ganze Direction dieses Postwesens und 
so viel zu geben versprach : 
» daß er als ein vornehmer Edelmann davon leben könne«. 
Michael Matthias schlug dies glänzende Anerbieten nicht nur aus, sondern zeigte die ihm gemachte Offerte dem Kur- 
fürsten an und stellte überdem demselben die nachtheiligen Folgen einer Uebertragung des Brandenburgischen Postwesens an den 
Reichs - General -Postmeister derart vor, daß der Taxis'sche Antrag eine völlige Ablehnung erfuhr. 
Während Michael Matthias bestrebt war, die Landesverbindungen in den Kurfürstlichen Staaten herzustellen, lenkte er 
gleichzeitig die Aufmerksamkeit Friedrich Wilhelms auch auf die Wasserstraßen und eben dieser Anregung ist es zu danken, daß der 
unter Joachim 11. projektirte und theilweise auch in Arbeit genommen gewesene Kanal, welcher die Oder mit der Spree verbinden 
sollte, in verbesserter Form zur Vollendung gelangte. Die erforderlichen Arbeiten begannen 1662 und schon im März 1669 fuhren 
die ersten Schisse auf dem nunmehrigen Friedrich - Wilhelms- Kanal von Breslau nach Berlin , welche Wasserstraße daher zu jener 
Zeit den einzigen Weg für Binnenschifffahrt von den östlichen Provinzen nach Westen bildet. 
Als Michael nach dem Tode seiner Eltern in den Besitz des väterlichen Grundstücks gelangt war, legte er 1657 nicht 
allein auf seine Kosten eine hölzerne Schälung an der Wasserseite seines Besißthums in der Spree an, sondern ließ auch den durch 
das Spreegäßchen führenden Kanal üüberwölben und diese Ueberwölbung pflastern, sowie zur Verbreiterung desselben von seinen 
9 Frei- Buden 7 eingehen. Um ihm einige Erleichterung für die hierdurch erwachsenen Kosten zu gewähren, ließ der Magistrat ihm 
57 Wispel gebrannten Kalk aus den Rath2kalköfen zukommen. Im Jahre 1677 erbaute er an Stelle der hölzernen Schälung eine 
steinerne und erhielt hierfür die Erlaubniß, seinen Garten bis zum Wasser ausdehnen zu dürfen, welche Erlaubniß jedoch 1689 wieder 
zurückgenommen ward, da 1690 auf dem nach der heutigen Burg - Straße belegenen Theil seines Grundstü>s das Haus Burg- 
Straße 19, die jehige Kriegs - Akademie, erbaut wurde. Auf seinem Grundstücke errichtete Michael Matthias noch mehrere 
Gebäude; eine an dem die beiden Höfe scheidenden Gebäude der Königlichen Kriegs- Akademie angebrachte Denktafel giebt darüber 
folgende Auskunft: 
» Ao: 1582 hat Herr Joachim Steinbrecher, Chu“f. Brand. Raht und Lehnssecretaix die beede Freyhäuser: 
Undt ao: 1652 hatt desselben Sohns Tochter Sohn Herr Michael Matthias Churf. Brandenb. Ambts Kammer 
Raht und Hof- Rentmeister auch Autor und Direktor der Hoffposten in den sämptlichen Churf. Landen das eine Vordexr- 
haus erweitert undt die Windeltreppe sampt das halbe Seit undt Küchengebäw. 
auch ao: 1667 undt 1668 die andere Helfte des Seitengebäwes neben dem Hinterhause undt ao: 1671 den 
Gang über den Brunnen aus dem Grunde new erbawet. = 
Erst im 19. Jahre seiner Dienstthätigkeit und im 46. Jahre seines Lebens verheirathete sich Michael Matthias am 
11./21. Februar 1658 mit Eva Ursula, Tochter des Kurf. Kammergerichts- und Consistorialraths Reinhardt, welche ihm 6 Kinder, 
Ursula Luise, Eva Sibylle, Eleonore, Johann Thomas und Marie Sophie (das sechste Kind hat sich nicht er- 
mitteln lassen) gebar. Im glücklichsten Ehestande lebte ex 26 Jahre und starb, betrauert von seinem Landesfürsten und seinen Mit- 
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bürgern, am ie 1684. Seine Leiche wurde auf dem Kirc<hofe des alten Doms beigeseht, und ihm hier ein Leichenstein mit 
folgendem Epitaph gesezt. 
»Der Nachwelt zur Nachricht und Beispiel: 
Es hat allhier seinen für des Landes Diensten abgematteten Körper zur Ruhe niederlegen wollen , Herr Michael 
Matthias weiland Churfürstl. Brandenb. Amts -Cammer- Rath, Hof-Rent-Meister auch Urheber und Director der 
Churfürstl. Hof- Posten und Salhwesen , welcher den 9./19, Jan. An. 1612 zu Frankl. an der O. gebohren, zugleich 
ihm die Liebe gegen das Vaterland angebohren , den 21,/31. Mart. A. 1639 zu des Landes - Diensten von dem Landes- 
Vater erkohren, in welchen er was unrichtig richtig, versäumtes und fruchtloses , fruchtbar gemacht. Des Neydes 
Verhinderniß und Verfolgung überwunden, alles ohne seinen zu des Landes -Nußen, außer daß er davon getragen und 
gehabt die Ehre eines gottesfürchtigen Christen , getreuen Dieners, klugen Raths, nicht eigennüßigen Rentmeisters, ge-
	        
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