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Erster Band Berliner Geschlechter Die Familie Matthias

Full text: Vermischte Schriften im Anschlusse an die Berlinische Chronik und an das Urkundenbuch (Public Domain) Issue 1 Erster Band (Public Domain)

Jedermann verließ sich auf ihn, Alles wies man an ihn; sein Haus war stets von Bittenden umlagert, seine Person bei jedem 
Ausgange auf der Straße mit Gläubigern des Hofes und mit Mahnern umringt. Aus Liebe zu seinem Fürstlichen Herrn ertrug er 
solche Zudringlichkeiten mit der Geduld eines Märtyrers und besänftigte die Ungestümen mit Vertröstungen und beruhigenden Worten. 
Jay, ex versetzte sogar eigene Kostbarkeiten au die Juden, um in dringenden Fällen Geld zu schaffen. Oft auch verschrieb er sich an 
einheimische und fremde Kaufleute zum Bürgen. Troßdem fehlte es bei Hofe manchmal doch noch an Mitteln zu den ersten Bedürf- 
nissen. Als 1562 Joachim auf den Reichstag nach Frankfurt zu reisen beabsichtigte , mußte das dazu erforderliche Geld erborgt werden. 
Einige versprochene Darlehne aber blieben aus und fast hätte deshalb die ganze Reise unterbleiben müssen. In Cassel aber befiel 
den Kurfürsten eine Krankheit; er war genöthigt, dort längeren Aufenthalt zu nehmen, und diese Verzögerung erschöpfte vollends 
den geringen Geldvorrath. Matthias half auch hier wieder durc<h einige Anleihen aus der Verlegenheit. Endlich traf der Fürstliche 
Zug in Frankfurt ein, wo indessen bald die Noth auf's Höchste stieg, so daß Matthias den Hofstaat aus seinem eigenen Vermögen 
und durch seinen Kredit erhalten mußte. Auf den Landtagen 1564 und 1565 endlich beredete dieser treue Diener die Landstände, 
eine Schuldenlast von 600,C00 Thlrn. zu übernehmen, um die schreiendsten Gläubiger zu befriedigen. 
Noch am 1. Januar 1571, bevor der Kurfürst zur Jagd nach Köpni> fuhr, mit Christian von Sparr, Matthias von 
Saldern und einigen Anderen zur Kurfürstlichen Tafel gezogen, ereilte auch Thomas Matthias, gleich nach dem in der Nacht vom 
1. zum 2. Januar erfolgten Tode Joachim Il. in Köpni> ein ähnliches Geschi> wie den Hofjuden Lippold, die schöne Gießerin 
und Andere, 
Seine Schreibstube wurde geöffnet, seine Papiere und Zimmer versiegelte man und er wurde zur strengsten Rechenschaft gefordert. 
Vei der Haussuchung fand man nicht 10 Gulden baares Geld in seinem Hause, keine Hypotheken , keine Wechsel über ausgeliehene 
Kapitalien; vielmehr seine väterlichen Erbgüter verpfändet, seine Kleinodien versezt und Schuldverschreibungen auf Rechnung des 
Hofes in Menge. Nach der härtesten Untersuchung ward seine Rechtschaffenheit anerkannt, ihm jedoch von seinen abgenommenen 
Aemtern nur die Bürgermeisterstelle wieder übergeben. Aber seine Vorschüsse und sonstigen Verschreibungen ersezte ihm Niemand, 
jay man entzog ihm sogar die Einnahme von seinem Amte größtentheils, um die Gläubiger zu beruhigen. 
Im Jahre 1574 wieder Bürgermeister in Berlin, hatte Thomas Matthias 1576, um der Pest, welche in Berlin 
» gräulich zu rumoren angefangen « und viel Menschenleben zum Opfer forderte, zu entgehen, sich nach seiner Vaterstadt Branden- 
burg begeben, wo er am 7. Juli desselben Jahres sein thatenreiches Leben beschloß und in seines Vaters Gruft daselbst beigesekt 
wurde. Jn der dortigen St. Gotthards - Kirche befand sich bei der Orgel sein Epitaph : 
Thomas Matthias, illustrissimi Electoris Brandenburgensis Joachimi 11. Consiliarius patri Suo 
Christiano Matthiae Consuli hujus Urbis dignissimo d. 31. Aug. Anno Domini 1549 vita defuncto, F. F. 
Ipse Filius 7. Julii An. Domini 1576 cum pestis causa Berlino huc se contulisset, mortuus est. VUterq. in 
hac aede Sepultus. Renovatum Ao. 1698 d. 22. Julii. 
Auch in Verlin in der Nikolai-Kirche wurde ihm die noch heut daselbst vorhandene, seitwärts wiedergegebene Gedächtnißtafel 
errichtet, welche, da er auf dieser 
SZ mit seiner ersten Frau abgebildet 
KX ist, ihm unzweifelhaft von seinen 
M aI Kindern erster Ehe gewidmet ist, 
er | Zum Beweise seinex dem Kuxr- 
<= 15 AEGI fürsten Joachim 11. bewiesenen 
een EE NAST 5317 Treue wird erzählt, daß sich bei 
; seinem Tode nicht so viel vorge- 
funden habe, um das Begräbniß 
aus seinem Nachlaß bestreiten zu 
können. Ex selbst soll seinen 
Lebenslauf also beschrieben haben : 
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NN NEN IE üe EN NGT EEE TTM ÜMIT) ! 000 NN 4 NN Der Verstorbene war ein großer 
Liebhaber der Gelehrten gewesen und hatte sie auf jegliche Weise unterstüßt, so rühmt ihm der Propst Buchholzer nach: »daß er 
ein Vater und Patron aller Gelehrten gewesen sei und zum Ministerio und Schulen auf's treulichste geholfen habe.« 
Ueber seine Brüder Georg und Christian ist Näheres nicht bekannt geworden, doch erscheint es möglich, daß einer
	        
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