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Erster Band Berliner Denkmäler Der Roland von Berlin

Full text: Vermischte Schriften im Anschlusse an die Berlinische Chronik und an das Urkundenbuch (Public Domain) Issue 1 Erster Band (Public Domain)

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Rolandssäulen in so weit erkennen, als die Waffengeschichte jeht die wechselnde Form der Schußwaffen mit großer Bestimmtheit und 
auf vorhandene Exemplare derselben basirt, festgestellt hat. Der Schild ist aber bei den meisten nicht allein als Schußwaffe, sondern als 
Wappenschild anzusprechen, durch dessen Bild der Landesherr seine Genehmigung zur Errichtung der Rolandssäule überhaupt verkündet. 
Bei allen noch in ihrer wahrscheinlich ursprünglichen Form vorhandenen , oder in dieser renovirten Rolandssäulen ist der Kopf 
unbede>t; es fehlt also eine wesentliche Schußwaffe, der Helm; so der Magdeburger, der Halle'sche, der Halberstädtische, 
der in Belgern, Zerbst, Burg, Buch, Gardelegen und der für uns wichtigste, in Brandenburg. Topf- oder Stechhelm 
würde allerdings den freien Umblick des Auges verhindert haben, und der Roland sollte ja nicht allein den Marktverkehr beauffsich- 
tigen, sondern das immer offene Auge der Gerechtigkeit symbolisiren. 
Es ist dieses Fehlen des Helms auch deshalb wichtig, weil es den Gedanken an die Bedeutung des Streitbaren, des Kampfes 
ausschließt, denn ohne Helm war kein Ritter zum Kampf gerüstet. 
Noch ein entscheidendes und bei allen alten Rolandsbildern vorkommendes Symbol ist der Rittergürtel, den auch der 
Brandenburger Roland trägt. 
Der Rittergürtel (16 handrier, der Dupfing oder Dusingh)*) war in seiner Entstehung nur ein um die Taille 
geschnallter Gürtel , an welchem das Schwert und der Dolch getragen wurden. Während des 13. bis 15. Jahrhunderts wurde er 
aber außer zu diesem Zweck auch zur Zierde und zum Abzeichen des Ritterstandes getragen. Er war gewöhnlich aus starkem Wild- 
leder, mit Stickereien, dann aber auch mit Metallplatten, oft kunstreichster Arbeit, verziert. 
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Später blieb der eigentliche Gürtel , welcher zum Wehrgehenk diente, an seiner Stelle zwischen Brust und Hüfte; der damit in 
Verbindung stehende und von dem Gürtel gehaltene eigentliche Dupfing wurde indessen so tief getragen , daß er fast den Saum des 
Waffenro>es erreichte und über die Hüften hinunter ging. Man findet ihn in sehr verschiedenen Formen, sowohl als wirkliches 
Gehänge für das Schwert, oder nur für den Dolch, oder für beide zugleich; nur als Zier, und sogar nicht als wirkliches Aus- 
rüstungsstück , sondern nur auf den Waffenro> gestickt. Von den gravirten, getriebenen oder selbst mit Emaille und edeln Steinen 
bedeckten Schildern oder Gliedern eines Dupfing haben sich Exemplare erhalten, und zeigen unsere Abbildungen Proben derselben. 
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*) Das bei Weitem Vollständigste über dieses Hauptzeichen der Nitterwürde im Mittelalter , =- denn die Sporen waren es nur in zweiter Reihe, 
weil sie keine ausschließliche Stande8zier, sondern eine Nothwendigkeit waren, = hat Violet 16 Due in seinem »Dicetionnaire raisonne du mobilier 
frangais de Vepoque Carlovingienne 4 la renaissanee« Paris, 1872 bei Morel, V. Band Seite 180 u. f. geschrieben, und zugleich mit vortrefflichen 
Abbildungen versehen. Besseres läßt sich auch in Deutschland nicht liefern ; so wurde denn bei der Pariser Verlag8handlung angefragt, vb sie geneigt sei, 
Cliches ihrer Holzschnitte für unsere Abhandlung käuflich abzulassen ?. Herx Morel antwortete, daß ihm Cliches seiner Publikationen überhaupt um keinen 
Preis feil seien, wenn e8 sich aber um einen wissenschaftlichen Zwe> handele, und er dem »Verein für die Geschichte Berlin8« hülfreich sein könne, so sei 
er bereit, dergleichen Cliche8 und zwar unentgeltlich zu verabfolgen. Die des8halb geführte Correspondenz giebt einen erfreulichen Beweis für die Schäßung, 
welche unsere Bestrebungen auch im Auslande finden , und so freundlichem Entgegenkommen entsprechend , konnte das Anerbieten nur mit Dank angenommen werden.
	        
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