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Erster Band Berliner Geschlechter Die Familie Stroband

Full text: Vermischte Schriften im Anschlusse an die Berlinische Chronik und an das Urkundenbuch (Public Domain) Issue 1 Erster Band (Public Domain)

genommen, jedoch an den Empfänger verschiedener Gründe wegen nicht abgeliefert. Wie der Brief eines Spandauer Rathmanns an 
Dietrich von Quißow ergiebt, hatte dieser auf Veranlassung des Leßteren mit einem Andreas Stroband in Berlin wegen 
der Rückzahlung Rücksprache genommen, woraus der Schluß gezogen werden kann, daß auch dieser Andreas Stroband eine her- 
vorragende Stellung in Berlin einnahm. Sein Verwandtschafts - Verhältniß mit dem Bürgermeister Henning Stroband läßt 
sich indeß ebensowenig feststellen, als das beider mit der Chefrau eines Hans Stroband, welche, nach einem Drohbriefe Dietrichs 
von Quißow an den Schulzen und die Bauern in Blankenburg , aus diesem Orte eine Neunte von 16 Scho> Groschen bezog. 
Neun Jahre später, nachdem der ehen gedachte Henning Stroband zum leßten Male in der Liste der Berliner Bürger- 
meister aufgeführt ist, erscheint im Jahre 1418 wieder ein Henning Stroband in Berlin, welcher, aus der Gleichartigkeit des Vor- 
namens zu schließen, der Sohn des Ersteren gewesen sein kann. Wenn Küster 1V. S. 393 diesen zweiten Henning Stroband, 
welcher 1421 und ferner bis 1445 ebenfalls Bürgermeister in Berlin wurde, mit dem Ersten für identisch hält, so muß diese 
Annahme um deshalb für irrthümlich angesehen werden, als es erstens allen Gebräuchen der damaligen Zeit widerspricht, daß Jemand, 
der fünf Mal hintereinander regierender Bürgermeister war, in zwölf darauf folgenden Jahren bei den Wahlen Übergangen und dann 
erst wieder und zwar nur zum zweiten Bürgermeister gewählt worden sein sollte, und zweitens, mit den allerseltensten Ausnahmen 
Niemand, der als Bürgermeister speziell Verfechter der Rechte der rathsfähigen Geschlechter war, sein Amt eher niederlegte, bis 
der Tod seinem Leben ein Ende machte. Diese Gebräuche waren so eingewurzelt, daß, da Tauf- und Sterbe- Bücher in jenen Zeiten 
nicht geführt wurden und, beim Mangel anderer Nachrichten, man mit fast mathematischer Genauigkeit das Sterbejahr eines 
Bürgermeisters bezeichnen und hiernach wieder annähernd auch das Geburtsjahr desselben berechnen kann. 
E38 muß mithin das Geburtsjahr des ersten Henning um 1350, sein Sterbejahr um 1410, das Geburtsjahr des zweiten 
Henning um 1380 und dessen Todesjahr um 1460 vermuthet werden. 
Nimmt man ferner an, daß der erste Henning 1380 im 30. Lebensjahre stand, zu welcher Zeit der zweite Henning 
geboren sein muß und der Gebrauch, dem erstgebornen Sohn den Namen des Vaters zu geben, damals allgemein üblich war, so 
kann als ziemlich sicher angenommen werden, daß der zweite Henning der Sohn des ersten Henning gewesen ist. 
Der zweite Henning Stroband nun erscheint zuerst in der Urkunde vom 26. März 1418, dur< welche der Markgraf 
Friedrich dem Heinze Donner und dem Henning Stroband die Mühle bei Spandau auf ein Jahr überläßt, und in der 
um Ostern 1419 ausgestellten , wodurch diese Ueberlassung für die Genannten auf ein Jahr verlängert wird. 
Henning Stroband scheint in besonders günstigen Vermögensverhältnissen gewesen zu sein, so daß selbst der Kur- 
fürst sein Schuldner wurde, wie die nachfolgende im Jahre 1424 von ihm ausgestellte und im Geheimen Staats - Archiv befindliche 
Quittung beweist. 
Ik Zennik Strobant, Borger tu olden Berlin, Bukenne openbar Jn dessen Mynen open Brine vor Aler- 
megelik, vor my vnd my Eruen, dat my dy Jrluchte hochgeborn vorste her ffrederik, Marghgraue tu 
brandenburgh , des hilige Romischen Rikes Ertschekamerer vnd borghgraue tu nurebergh, tho butalet alz 
huden vefftich scok bemischer groschen An mine Sculde, der ik ecm vnd minen Eruen quid, ledich vnd los 
zethe met dessen ope brine, dy gegeuen is na XP. gebort Duzent Jar III hundert Jar darna in de 
XXIII Jare An sunte walburghen dage met minen angedruckeden Ingezegel vorzegelt. 
LS SE 
In den Jahren 1421, 1423, 1425, 1427, 1429 zweiter und 1431, 1433, 1435, 1437, 1439, 1441, 1444 und 1446 
regierender Bürgermeister, fungirt er urkundlich 
1425 als Zeuge in dem Testamente einer Wittwe Katharine Schulten, wird 
1426 vom Markgrafen Johann in den Streitigkeiten des Raths und der Bürgerschaft zu Prenzlau über Einseßung eines neuen 
Raths daselbst, zu Rathe gezogen, und erscheint 
1427 als Bürgermeister und »Jnwisser« in der Belehnung des Thomas Winß mit dem Dorfe Blankenburg und Besißungen in 
Wartenberg. Im Jahre 
1429 verpfändet ihm der Markgraf Johann für 400 Scho> guter böhmischer Groschen die Urbede zu Strausberg und verträgt 
sich mit ihm wegen eines Mühlenbaues in Spandau. 
1430 erhält er vom Markgrafen Friedrich unterm 21, Juni die Antwartschaft auf Lehngüter in Wartenberg und Selchow. 
1436 hat seine Frau Anua ein Leibgedinge von der Urbede in Freienwalde 
1437 und 1438 fungirt ex als Zeuge und 
1439 als Bürgermeister in dem Vertrage der Rathleute zu Spandau mit denen zu Berlin und Cöln wegen Entrichtung der Zölle 
und Niederlagen Seitens der Einwohner dieser Städte. 
1440 erhält er vom Markgrafen Friedrich die Antwartschaft auf Leibgedinge mehrerer Wittwen in Wartenberg und Selchow. 
1441 fungirt er in dem Grenzstreit des Domkapitels in Brandenburg und der Neustadt Brandenburg und 
1441, 1442, 1445 hat er nach den Lehnsregistern dieser Jahre 4 Stücke Geldes in Brusendorf zu Lehn.
	        
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