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Erster Band Namhafte Berliner Karl Friedrich von Klöden

Full text: Vermischte Schriften im Anschlusse an die Berlinische Chronik und an das Urkundenbuch (Public Domain) Issue 1 Erster Band (Public Domain)

Erwähnt sei hier no<, daß Klöden, auf Schropp's Empfehlung, mit Niebuhr bekannt wurde, welcher damals 
an seinem Epoche machenden Werk über die Römische Geschichte arbeitete. In ihm lernte er zuerst einen wahrhaft großen 
Mann kennen, durch den sein Name bald in weiteren Kreisen bekannt wurde. Denn im 2. Theile seines Werkes sagt 
Niebuhr von der Karte Italiens, die Klöden gestochen: „Zuvörderst muß ich bemerken, daß das Verdienst der geographischen 
Darstellung sowohl für diese Karte, als die des vorhergehenden Bandes nicht mir gebührt, sondern vem geschi>kten Zeichner, 
dessen Namen beide anzeigen.“ 
Bald darauf lernte ihn Plamann, ver bekannte Direktor der gleichnamigen Anstalt, kennen, und Klöden fand auch 
hier Gelegenheit, seine wissenschaftlichen Kenntnisse zu verwerthen. Anfänglich ertheilte er in den unteren Klassen vertretung3- 
weise Unterricht, später wurde er definitiv als Lehrer der Geometrie und Mineralogie angestellt. 
Die Plamann'sche Anstalt, nach Pestalozzi'sc<em Muster eingerichtet, erfreute sich eines weit verbreiteten Rufe3; 
viele ausgezeichnete Männer =- wie Friesen und Jahn -=- haben an ihr gewirkt, viele auch sind aus ihr hervorgegangen. 
Von den Leßteren sei nur der berühmteste, unser Reichskanzler, erwähnt. 
Klöden's Anstellung erfolgte inmitten der großen Ereignisse des Jahres 1813. Auch er wäre hinausgezogen mit 
den Befreiungskämpfern, hätte er nicht Weib und Kind zurücklassen müssen, und hätte er nicht aus eigener Erfahrung das 
tiefe Elend einer unversorgten Solvatenfamilie kennen gelernt! So viel jedoch in seinen Kräften stand, trug auch ev redlich 
zur Vertheidigung des Vaterlandes bei. 
Es ist bekannt, daß Berlin zu Beginn des Krieges sehr exponirt war und mehr als einmal von feindlichen Truppen 
bedroht wurde. Zum Schutze ver Stadt sollten Schanzen aufgeführt werden; da General l'Cstocq indessen keinen einzigen 
Offizier mehr besaß, welchem er das Abste>en der Werke übertragen konnte, so mußten andere Kräfte herangezogen werden. 
Der Landsturm lieferte die Arbeiter, und Klöden, welcher auch mit der Ingenieurkunst sich beschäftigt hatte, erhielt den 
Auftrag zur Bauleitung der Schanzen zwischen dem Kottbuser und Schlesischen Thor. Mit regstem Eifer und nicht ohne 
mannigfache persönliche Opfer, namentlich für seine Stellvertretung bei der Plamann'schen Anstalt, unterzog er sich diesem 
Auftrage. Dabei fehlte es nicht an manchem Kampf gegen den Widerwillen und die Disziplinlosigkeit der Arbeiter; denn 
da Klöden keinen eigentlichen Rang bekleidete, vermochte er nur mit vieler Mühe bei der zuchtlosen Masse einige Autorität 
sich zu verschaffen. Gleichwohl arbeitete er unverdrossen fort, und wenn auch zu seinem großen Leidwesen, in Folge des 
mangelhaften Entwurfes, der Schanzenbau gegen nicht wenige Regeln der Fortifikation verstieß, so wurde doch immerhin 
eine nothdürftige Befestigung hergestellt. Glücklicherweise verhinderten die Heldenthaten Bülow's und Tauenßien's das 
Bestehen eines feindlichen Angriffes für diese Befestigung. 
So ging das große Jahr 1813 vorüber. Ie mehr aber Klöden mit wissenschaftlihen Kreisen in Berbindung 
trat, desto mehr empfand er den Mangel einer eigentlichen akademischen Bildung. Er mußte also, wollte er nicht auf ein 
Höhersteigen verzichten, dem akademischen Studium sich unterziehen. Wahrhaft bewundern5werth ist der Entschluß des 
27jährigen Ehemannes, jeht no<, als „bemoostes Haupt“ unter seiner jugendlichen Umgebung, auf die Lehrbänke der 
Universität sich zu sezen. Er studirte zunächst sein Lieblingsfach, die Naturwissenschaften, nachdem er zuvor eine Art Abiturienten- 
prüfung bestanden hatte. Dann wandte er sich, auf Anrathen seiner Freunde, der Theologie zu, da ihm die Naturwissen 
schaften keine auskömmliche Lebensstellung für die Zukunft versprachen. Er hörte Schleiermacher und de Wette, die Leuchten 
der Berliner theologischen Fakultät. 
Bekanntlich war damals der RationaliSmus, dem jene Beiden angehörten, allmächtig, und unserem Klöden trat 
hiex zum ersten Male ein anderes Christenthum entgegen, als das ihm in der Jugend gelehrte. Er wurde durch diese 
Lehren, nach seinem eigenen Geständniß, immer unsicherer, bis er es vollständig aufgab, darüber nachzugrübeln. 
Um diese Zeit wurde Klöden mit Friedrich August Wolf, dem durch seine homerischen Untersuchungen berühmten 
Gelehrten, bekannt. Auf Wunsch desselben verfertigte er eine Karte der griechischen Kolonien, zu der Wolf die archäologischen 
Erläuterungen schreiben wollte. Leider ist dies Werk, auf das Klöden jahrelangen, bedeutenden Fleiß verwendet und 
das seinen Ruf noch schneller vergrößert hätte, nicht zur Veröffentlichung gelangt; Wolf nahm die Karte mit nach Marseille, 
woselbst er 1824 verstarb, und so blieb dieselbe verschollen. 
Klöden's Ruf als Kartograph verbreitete sich mehr und mehr. So zeichnete er unter anderen eine Karte zur 
Landeskunde von Palästina; dann wurde ihm von dem Königlichen General - Postamt der Auftrag zur Anfertigung einer 
großen Postkarte des preußischen Staates. 
Nunmehr löste sich das Verhältniß zu Schropp, dem Klöden so viel zu verdanken hatte = der ihm zuerst die 
Mittel gewährt, sich freier bewegen und das vorgeste>te Ziel erreichen zu können. Dankbar erinnerte Klöden sich stets 
dieses Ehrenmannes in des Wortes vollster Bedeutung. 
Seine Thätigkeit bei der Plamann'schen Anstalt war inzwischen so rühmlich bekannt geworden, daß, als im Jahre 
1817 die Königliche Negierung ein Schullehrer-Seminar in Pot5vam errichtete, sie Klöden zum Direktor desselben ernannte. 
Hierdurch wurde ihm zuerst ein weiterer Wirkungskreis eröffnet, in dem er sieben Jahre hindurch eine segensreiche Thätigkeit 
entwickelte, nachdem er die Organisation des Seminars mit dem größten Erfolg durchgeführt hatte. 
Wir haben ver Vorliebe Klöden's zur Musik schon des öfteren erwähnt. Jeßt bemühte er sich, dies Interesse 
auch in die Herzen der ihm anvertrauten Zöglinge zu verpflanzen. Oft veranstaltete er gemeinschaftliche Musikübungen, z1: 
denen, troß der beschränkten Mittel, geeignete Räumlichkeiten und die erforderlihen musikalischen Instrumente beschafft wurden. 
Neben diesem Unterricht pflegte Klöden namentlich auch denjenigen der Naturwissenschaften, wenngleich seine 
Bestrebungen oft auf Widerstand trafen. Als dann der damalige Bürgermeister von Berlin, Herr v. Bärensprung, die 
damals auftauchende Idee zur Errichtung von Realschulen mit Ausschluß der alten Sprachen in Berlin durch die Gründung 
einer Gewerbeschule zuerst verwirklichte, war es wiederum Klöden, welcher zum Leiter derselben berufen wurde. Nad.
	        
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