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Erster Band Namhafte Berliner Ludwig Devrient

Full text: Vermischte Schriften im Anschlusse an die Berlinische Chronik und an das Urkundenbuch (Public Domain) Issue 1 Erster Band (Public Domain)

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FXV, Höchstverehrter Herx Graf! 
Euer Excellenz freundlichen Güte erlaube ich mix eine Angelegenheit gehorsamst zu empfehlen, die für das hiesige König- 
liche Theater von besonderer Wichtigkeit ist. Der Königliche Schauspieler Ludwig Devrient hat von mir einen Urlaub auf 
2 Monate für Wien erhalten. Für die ihm so sehr günstig gewordene Aufnahme unterlasse ich nicht Euer Evcellenz ganz ergebenst 
freundlichst zu danken: mit dem Bemerken, daß ich mit großem Vergnügen jede Gelegenheit ergreifen werde, Jhnen, Herr Graf, 
die Zeichen meiner höchsten Ergebenheit zu bethätigen. Zugleich beehre ich mich Euer Evcellenz anzuzeigen, daß der Urlaub des 
Devrient mit dem 20. Dezember zu Ende läuft, derselbe sich auch vor seiner Abreise anheischig machte, bei 100 Thlr. Strafe 
für jeden Tag zur festgesezten Zeit wieder hier zu sein ; ich bitte daher inständigst , den Devrient in Wien nicht länger festzu- 
halten und sein Gastspiel möglichst so einzurichten , daß er zu gehöriger Zeit abreisen kann und mir dadurch die unangenehme Noth- 
wendigkeit erspart wird, über ihn die bestimmte Strafe zu verhängen. 
Da ich die Persönlichkeit des Devrient kenne, so stelle ich die Gewährung meiner Bitte nur Euer Evcellenz gehorsamst 
anheim, und übergebe die Sache in Ihre Hände. 
Genehmigen Euer Excellenz die Versicherungen der unbegrenzten Verehrung und wahrhaften Hochachtung 
Ihres 
ganz ergebenen Dieners 
von Redern. 
Berlin, den 14. November 1828. 
An den K. K. Ober- Kammerherrn , Herrn Grafen von Czernim , Excellenz. 
XXVI, Hochverehrter Herr Graf! 
Auf die schäßzbare Zuschrift vom 14. November 1828 beeile ich mich Euer Hochgeboren zu exwiedern / daß dem König- 
lichen Schauspieler Devrient von Seiten der hiesigen Hof - Theater - Direktion kein Hinderniß gemacht werden wird, zur gehöri- 
gen Zeit nach Berlin zurückzukehren. Jc< muß zugleich zum Lobe des Devrient erklären , daß er selbst die Nollen , die er noch 
geben wird, sich so gewählt hat, daß ihm hinlänglich Zeit übrig bleibt, in Verlin noch eher einzutreffen , als sein Urlaub zu 
Ende ist. Empfangen Sie, Hochgeborener Herr Graf, mit dieser Eröffnung die Ausdrücke der ausgezeichneten Hochachtung und die 
Versicherung, daß es mir stets recht angenehm sein wird, Gelegenheit zu finden, Ener Hochgeboren Beweise jener Bereitwilligkeit 
zu geben, mit der ich zu sein die Ehre habe 
Cuer Hochgeboren ergebener Diener 
Czernim. 
Wien, den 25. November 1828. 
An den Hochgeborenen Herrn Grafen von Redern, Jutendant des Königlichen Hoftheaters in Berlin. 
XXVII, Der Königliche Schauspieler Herx Devrient hat in der jüngsten Zeit an einer pleuretischen Affektion und Bluthusten 
gelitten und ist von beiden Beschwerden so weit wieder hergestellt, daß er im Stande ist, seinem Amte wieder vorzustehen , auch 
init Wahrscheinlichkeit zu erwarten ist , daß keine weiteren Folgen von diesen Uebeln ihn bedrohen , so daß er mit der Zeit und bei 
einiger Schonung wiederum in denselben Zustand kommen wird, in welchem er sich seit einer Reihe von Jahren befunden hat. 
Berlin, den 23. Mai 1832. 
Dr. Boehr. 
Der hohen General- Jntendantur der Königlichen Schauspiele beehre ich mich in Gemäßheit des verehrten Auftrages vom 
21. Mai 1832 Nachstehendes zu berichten : 
Der Königliche Schauspieler Herr Devrient leidet notorisch bereits seit mehreren Jahren an mit Rheumatismus und 
Gicht verbundenen Nervenaffektionen in den verschiedensten Formen, welche denselben von Zeit zu Zeit befallen und die bereits zu 
paralytischen Folgen der Hände Anlaß gegeben haben. Das allerleßte Leiden sprach sich als Lungenentzündung aus. Die lange 
Dauer der Kränfklichkeit, die sehr geschwächte Konstitution des Patienten, sowie das tiefe Begründetsein der Krankheit macht eine 
völlige Herstellung nicht wahrscheinlich. Nach dem beiliegenden Zeugnisse des Dr. Boehr glaubt derselbe ihn von den Lungen- 
beschwerden ganz befreien zu können. Geschähe dies aber auch, so wäre dadurch die frühere habituelle Kränflichkeit nicht gehoben. 
Der Königliche Schauspieler Herr Lemin leidet seit ungefähr 15 Jahren an Hämorrhoidal- Beschwerden, welche sich mit 
Verderbniß des Digestionssystems und mit einem habitnell gewordenen, bei jedem Stuhlgange eintretenden Mastdarmvorfalle ver- 
bunden haben. Das Unterleibs - Uebel hat zugleich auch das Nervensystem mit in Anspruch genommen und wird so Ursache mannig- 
facher Leiden des Patienten. Die lange Dauner des Uebels und sein tiefes Begründetsein machen eine völlig gründliche Her- 
stellung unwahrscheinlich. 
Daß beide Patienten fortan einem öfteren Kränkeln unterworfen sein werden / ist mit Wahrscheinlichkeit vorauszusehen. 
Unerachtet dessen können sie jedoch unter begünstigenden Umständen eine lange Reihe von Jahren ihr Leben fristen. Ob nun dieses 
Kränkeln nur so oft eintritt, daß sie bei demselben dennoch für ihren Dienst hinlänglich brauchbar bleiben dürften, wage ich nicht 
zu beurtheilen , da ich dieselben nicht beständig beobachtete und da es mir unbekannt ist, wie oft sie sich in den lezten Jahren 
durchschnittlich ihren Dienstverpflichtungen durch ihr Unwohlsein zu entziehen gezwungen waren. 
Verlin, den 23. Mai 1832. C. von Graefe. 
An Eine Königliche General - Jntendantur der Schauspiele hier. 
XXVIII, Die sämmtlichen Mitglieder des Königlichen Schauspiels , welche das heute früh um 4 Uhr erfolgte Ableben des unver- 
geßlichen Künstlers Louis Devrient mit mir zu betrauern haben, werden hierdurch in Kenntniß gesezt , daß dessen Beerdigung 
am Mittwoch den 2. Januar, Morgens 9 Uhr, von der in der Friedrichsstraße Nr. 183 belegenen Wohnung des Verstorbenen aus, 
stattfinden wird. 
Verlin, den 30. Dezember 1832, 
General - Jutendant der Königlichen Schauspiele. 
von Redern. 
YXxIx, Seine Majestät der König haben mit Bedauern die Nachricht des Todes des Herrn Devrient, eines so ausgezeichneten 
Künstlers, erhalten , und wollen den Wunsch der Herren Collegen desselben, bei der heutigen Vorstellung durch Anlegen eines Flors 
um den linken Arm dessen Andenken zu ehren, allergnädigst genehmigen, wenn nämlich bei früheren ähnlichen Fällen 
ein gleiches Zeichen der Trauer angelegt worden ist. 
Hochachtungsvoll empfiehlt sich von Thümen. 
Berlin, den 30. Dezember 1332. 
Seiner Hochgeboren des Königlichen Kammerherrn, General - Jutendanten , Nitters, Herrn Grafen von Redern. 
Pro Regist. 
Die öffentliche Trauer ist hiernach unterblieben , da eine ähnliche noch nicht stattgefunden hatte. 
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