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Erster Band Namhafte Berliner Ludwig Devrient

Full text: Vermischte Schriften im Anschlusse an die Berlinische Chronik und an das Urkundenbuch (Public Domain) Issue 1 Erster Band (Public Domain)

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zu nehmen: zu dem mir zustehenden jährlichen Urlaub eine Verlängerung von 4 Wochen huldreichst bewilligen und mir zugleich aller- 
gnädigst gestatten zu wollen , daß ich dem an mich ergangenen Ruf des Kaiserlich Oesterreichischen Hof- Theaters nachkommen und 
während meiner Anwesenheit in Wien einige Gastrollen geben dürfe, um dadurch die Mittel zu meiner Reise zu erhalten, die ich, 
hauptsächlich zur Wiederherstellung meiner Gesundheit, anzutreten beabsichtige. Der Herr Graf von Brühl hält meine Abwesenheit 
in den nächsten beiden Monaten ohne Nachtheil für die Königliche Bühne für zulässig, und ich glaube daher der allergnädigsten 
Gewährung meiner allerunterthänigsten Bitte um so zuversichtlicher entgegensehen zu können. 
Mit tiefstem Nespekt ersterbe ich 
Eurer Königlichen Majestät 
allerunterthänigster Knecht 
| Ludwig Devrient. 
Verlin, den 29. September 1323. 
Auszug aus dem Conferenz - Protokolle am 13. Oktober 1828, 
Urlaub des Schauspielers Devrient. 
XXIII, Das Curatorium, welches in der lezten Confer?nz der General - Intendantur seine Ansichten über das vorliegende Gesuch 
des Schauspielers Devrient um Bewilligung eines achtwüöchentlichen Urlaubes mitgetheilt und dagegen gestimmt hatte, erkundigte 
sich , wie der Herr Graf von Redern diese Sache entschieden habe, und erfuhr, daß von demselben das Gesuch des 2c. Devrient 
bewilligt worden. 
Das Curatorium brachte dabei in Anregung, daß in Folge einer, durch die vorjährige Urlaubs - Ueberschreitung veran- 
laßten Ministerial - Verfügung vom 23. Oktober pr. , welche das Curatorium originaliter produzirte, der 2c. Devrient vor dem 
Antritt seines Urlaubes aus dem Inhalt des mit ihm aufgenommenen Protokolls vom 14. Juni 1825 auSsdrücklich aufmerksam 
zu machen sei. Das Curatorium fand sich verpflichtet , hier noch zu bemerken , wie es mit der dem 26. Devrient von Seiten der 
General - Intendantur gewordenen außerordentlichen Begünstigung eines zweimonatlichen Urlaubs nach Wien fortdauernd nicht ein- 
verstanden sein könne, und erinnert daran, daß der kontraktmäßige Urlaub dem 2c. Devrient mit einer hohen Summe abgekauft 
worden sei, daß durch eine solche Bewilligung Exemplifikationen veranlaßt werden würden , daß die Urlaube jederzeit im Allge- 
meinen und mit Necht als höchst nachtheilig betrachtet worden wären, daß bei einem achtwöchentlichen Urlaube an den 2c. Devrient 
eine Anzahl einträglicher Stücke und zwar gerade in der, dem Theaterbesn<e günstigsten Zeit nicht gegeben werden könnten, daß 
der 2c. Dev rient einer solchen Begünstigung zum Nachtheile der Theater - Kasse nach seinem pflichtwidrigen Benehmen bei der ihm 
im vorigen Jahre gewordenen Begünstigung mit einem vierwöchentlichen Urlaube zu Gastrollen gar nicht würdig sei, daß er bei 
seiner Kränklichkeit und einer so weiten Reise, zumal in der vorgerückten Jahreszeit , möglicherweise durch Krankheit dem Theater 
noch auf längere Zeit, als die zwei Monate , entzogen werden könne, besonders da er sich auswärts so übermäßig anstrenge, daß 
er im vorigen Jahre in Leipzig auf dem Theater ohnmächtig geworden und in Hannover seinetwegen auch eine Vorstellung habe auf- 
hören müssen. Das Curatorium bemerkte weiter, wie die Einnahmen gar nicht so günstig wären, daß man ein anziehendes Mit- 
glied der Bühne und auf wenigstens acht Wochen entbehren könne , indem im vergangenen Monate anstatt der Soll-Cinnahme 
von 15,037 Thlr. nur 9107 Thlr. eingefommen wären und die Einnahme der lezteren neun Monate um 41,000 Thlr. hinter dem 
Etat zurückgeblieben sei : die Verwaltung hiernach das Interesse habe, diesen bedeutenden Ausfall durch die mehrmonatliche Ab- 
wesenheit des größten Schauspielers hiesiger Bühne nicht noch mehr anwachsen zu lassen, sondern mit Zuhilfenahme aller Kräfte 
womöglich zu mindern, überließ jedoch das Weitere dieserhalb der Königlichen General - Jntendantur, mit dem Bemerken , daß 
auch über den Gehaltsabzug nach den ersten vier Wochen des Urlaubes zu bestimmen sein werde. 
Redern. Tzschoppe. 
9 u. 
Tzschuc>ke. 
Actum , Berlin den 15. Oktober 1828. 
Der Königliche Schauspieler Herx Devrient der Aeltere gestellte sich am heutigen Tage vor dem Unterschriebenen : 
In Folge der Aufforderungen des interimistischen General - Intendanten Herrn Grafen von Redern vom gestrigen Tage 
wird der Herr Comparent nicht nur auf den Juhalt der von ihm selbst durchgelesenen Verfügung Seiner Durchlaucht des Herrn 
Fürsten von Wittgenstein vom 23. Oktober 1827 aufmerksam gemacht, sondern ihm zugleich eröffnet : 
1) Daß außer seinem diesjährigen einmonatlichen Urlaube zu einer Reise nach Wien aus besonderer Rücksicht auf seine 
ökonomische Lage ihm noch ein Monat mehr bewilligt worden sei. 
2) Daß sein Urlaub, welcher am 20. Oktober c. beginnen sollte, mithin am 21. Dezember c. ablaufe. 
3) Daß, Falls er nicht am 20. Dezember c. Abends in Berlin zurückgekehrt sein sollte, er zu gewärtigen habe, daß 
vom 21. Dezember d. J. incl. an, ihm für jeden Tag seiner späteren Rückkehr eine von seinem Gehalte in Abzug zu 
stellende Geldbuße von 
»Cinhundert Thaleru« 
werde auferlegt werden. 
Zerr Devrient erklärte hierauf: 
Jh erkenne mit Dank die mir bewilligte Wohlthat, verpflichte mich hierdurch ausdrücklich , am 20. Dezember d. IJ. 
in Berlin zurückgekehrt zu sein, und bin damit einverstanden , daß mir für jeden Tag meiner späteren Rückkehr 
Einhundert Thaler abgezogen werden, auch bin ich damit zufrieden , daß von dem zweiten Monate meines Urlaubes 
die Hälfte meines monatlichen Gehaltes der Theater-Kasse anheimfalle, daher ich mich hiermit aller Ansprüche auf 
diese Hälfte meines monatlichen Gehaltes pro Dezember c. ausSdrücklich begebe. 
3 ' 
L. Devrient, 
u. 
Jordan. 
XXIV, An den Königlichen Schauspieler Herrn Ludwig Devrient. 
" Dem Königlichen Schauspieler Herrn Ludwig Devrient wird hierdurch vom 20. Oktober bis 20. Dezember d. J. 
ein Reise- Urlaub nach Wien ertheilt. 
Verlin , den 13. Oktober 1823. 
In Abwesenheit des Herrn General - Jntendanten. 
von Redern.
	        
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