Path:
Erster Band Namhafte Berliner Ludwig Devrient

Full text: Vermischte Schriften im Anschlusse an die Berlinische Chronik und an das Urkundenbuch (Public Domain) Issue 1 Erster Band (Public Domain)

xt 
Tatol 
27 
x1V, An den Königlichen Schauspieler Herrn Devrient. 
Jhre gestrige höchstgelungene Darstellung der Nolle des »Cromwell« und die meisterhafte Auffassung dieses Charakters 
sichert dem Stücke einen bleibenden Antheil im Publikum. Die allgemeine Anerkennung Ihres trefflichen Spiels ist Ihnen bereits 
zu Theil gegeworden. 
Mit Vergnügen benuße ich daher diesen Anlaß, um Jhnen für Jhre Leistung freundlichst zu danken. 
Berlin, den 10. April 1829. 
von Redern. 
XV, Herrn Schauspieler Devrient. 
Es thut mir leid, lieber Herr Devrient, daß ich selbst durch die aus Votsdam zurückgekehrten hohen Herrschaften er- 
fahren, wie Sie in Jhrer Nolle des » L'Esperance« so wenig bei sich waren, daß Sie dabei Jhren ganzen alten und gewöhnten 
Künstlerruhm verleugnet haben. So etwas thut mir innig weh, da ich Sie schäze und Jhnen in jeder Hinsicht zugethan bin. 
Wachen Sie über sich, ich bitte Sie recht dringend, und bedenken Sie, wie theils Jhre Gesundheit ganz untergraben wird, theils 
wie Sie durch so etwas die Achtung ganz verleßen, welche Sie dem Könige schuldig sind. 
Berlin, den 19. November 1817 
von Brühl 
VI Hochgeborner Herr Graf! 
Euer Hochgeboren gütige Zuschrift ist mir ein abermaliger Beweis Jhres Wohlwollens gegen mich, da Sie Jhren ge- 
rechten Unwillen auf eine so zarte herzliche Weise aussprechen. Seine Majestät dem Könige in der Darstellung des » L'Esperance« 
mißfallen zu haben, ist mir sehr schmerzhaft, aber meine körperliche DiSposition und der Zustand meines Gemüthes waren von der 
Art, daß ich während der Darstellung das Kraftlose und Jugeniale meines Spiels wehmüthig fühlte und nicht zu ändern vermochte. 
Die Beschuldigung des Uebermaßes im Genuß ist ein Jrrthum, ich berufe mich deShalb auf Herrn Gern den Vater, welcher 
über Tisch mein nächster Nachbar war, wo ich wenig genoß und ihm mein Leiden im Magen und Unterleib klagte, ich verließ 
sorgsam zur gehörigen Stunde den Tisch , kleidete mich in meinem Zimmer an und ging auf's Theater, woselbst mein Zustand sich 
verschlimmerte: ich füge noch hinzu, daß die Aufnahme des »L'Esperance« zu Anfang nicht von der gewöhnlichen freundlichen 
Art war / und klage mich der Schwäche an, meiner Empfindung hierüber Raum gegeben zu haben. Es soll dies nicht als Ent- 
schuldigung meines schlechten Spiels dienen , aber es ist schrecklich , daß jede Indisposition, jeder Fehler, jede Versäumniß auf 
Nechnung eines Fehlers geschrieben wird, den ich seit der lezten gütigen Warnung Cuer Hochgeboren nicht wieder begangen. Wie 
soll ich vor den Augen Seiner Majestät und des ganzen Hofes erscheinen, da man eine solche Meinung hegt? Cuer Hochgeboren 
ersuche ich dringend mit Ergebenheit, diese Meinung so viel als möglich den höchsten und hohen Herrschaften gütigst zu benehmen, 
denn sie macht mich sehr unglücklich. 
Mit der vollkommensten Hochachtung und unbegrenzten Verehrung 
Cuer Hochgeboren 
ganz gehorsamster Diener 
9. Devrient. 
Berlin, den 20. November 1317 
“HM. Hochgeborner Herr Graf! 
Jusonders hochzuverehrender Herr General - Intendant! 
Euer Hochgeboren verehrte Zuschrift habe ich leider erst sehr spät erhalten, indem dieselbe den langen Weg über Braun- 
schweig , Pyrmont und Cassel hat machen müssen, ehe sie mir hier in Leipzig eingehändigt wurde. 
Sehr leid thut es mir, meinem verehrten Chef durch meine zu schnelle Abreise einen trüben Augenblick verursacht zu 
haben, denn Euer Hochgeboren sind vielleicht der einzige Mensch, vor dem ich mich zu schämen habe, ihn auch nur im entferntesten 
zu verletzen. 
Der innige Antheil und die wahrhaft freundschaftliche Behandlung, die den Künstler so sehr erhebt und die mir Euer 
Hochgeboren stet8 angedeihen ließen, nöthigen mich , mein Herz vor meinem verehrten Chef flax darzulegen. 
Bei der Abreise von Berlin traf mich in Braunschweig sogleich die Nemesis, indem ich die unglückselige dortige Messe 
vergessen hatte ; nur dreimal konnte ich noch vorher spielen und zweimal spielte ich während der ersten Meßwoche meiner Tochter 
zu Liebe unentgeltlich. Jc<h reiste von dort auf dringendes Bitten Klingemanuns nach Pyrmont zu dem dortigen Direktor Pichler, 
von dem ich sehr ehren- und liebevoll aufgenommen wurde; =- aber Pyrmont war leer, =- der Mann im Unglück =- ich spielte 
ihm fünfmal, konnte ihm aber nicht mehr als 12 Louisdor für jede Vorstellung abnehmen. Je< reiste gleich darauf hierher nach 
Leipzig, wo Alles zu meinem Gastspiele vorbereitet war, die erste Vorstellung ward angeseßt, auf der Probe überfällt mich eine 
Krankheit, welche wahrscheinlich von der Strapaze der schnellen Reise und der immer geistigen Unruhe herrührt. Der Hofrath 
Küstner, welcher mich in seinem Hause so freundschaftlich aufgenommen hatte, besorgte sogleich zwei der wackersten Aerzte Leipzigs, 
die so würdigen Männer, Herr Hofrath Clarus und Doktor Saxe, durch deren Hülfe ich vom heftigen Schmerz sehr bald befreit 
und durch die zwemäßigsten Heilmittel im Körper sehr bald gereinigt wurde. Die liebevolle Vorsicht des Hofrath Küstner läßt 
nicht zu / daß ich eher die Bühne betreten darf / bis nicht alle Kräfte völlig erseßt sind, ich werde also Montag den 31. August 
erst meine Gastrollen antreten. Die Unmöglichkeit, ohne den Monat Oktober Urlaub , 3000 Thlr. für Herrn Kammergerichtsrath 
Jordan, als die Hälfte meiner Schuld zusammen zu bringen, ist einleuchtend und die Rückkehr nach Berlin ohne Erfüllung dieser 
Verpflichtung ein Gang zur Hölle, 
Euer Hochgeboren fühlen mit mir, ich bin es überzeugt, das Unselige meiner Lage, und so mache ich, bei Nichterhaltung 
eines ferneren Urlaubs, folgenden unterhänigsten Vorschlag: Die 1000 zu gewinnenden Thaler in Leipzig werden dem Herrn 
Kammergerichtsrath Jordan sogleich vom Herrn Hofrath Küstner eingehändigt, es bedarf alsdann nur noch zur Befriedigung meiner 
Gläubiger 2000 Thlr. Sollten Seine Königliche Majestät allergnädigst geruhen, mix in diesem Jahre noc 2000 Thlr. zu den 
erwähnten 1000 Thlrn. allergnädigst auszahlen zu lassen und die nun noch restirenden 3000 Thlr. binnen 1 odex 2 Jahren nach 
beliebigen Naten dem Herrn Kammergerichtsrath Jordan allergnädigst zuzusichern , so kehre ich sogleich nach hier vollendetem Gast- 
spiel zur Heimath zurück und lege mit weit mehr Freude die Früchte meines geringen Strebens zu den Füßen meines allergnädigsten 
Königs, als daß ich mich in allen Winkeln Deutschlands umhertreibe. 
Ob ich in dieser Sache redlicher verfahren kann, möge mein verehrter Chef selbst beurtheilen. Mit den herzlichsten 
Wünschen für Cuer Hochgeboren Wohlsein / füge ich die Bitte um eine baldige gnädige Resolution hinzu, und bin mit der voll- 
kommensten Hochachtung und Ergebenheit 
Cuer Hochgeboren 
ergebenster 
L. Devrient. 
Leipzig den 26. August 1324. 
Namhafte Berliner.
	        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.