Path:
Erster Band Namhafte Berliner Wilhelm Heinrich von Grolman

Full text: Vermischte Schriften im Anschlusse an die Berlinische Chronik und an das Urkundenbuch (Public Domain) Issue 1 Erster Band (Public Domain)

Zu einer Zeit im Staatsdienste stehend , in welcher das Vaterland die größte Schmach der Erniedrigung zu erleiden hatte, 
sehnte auch von Grolman, als treuer Diener seines Königs, ungeduldig den Augenbli> herbei, wo Preußen die Fesseln der Fremd- 
herrschaft abstreifen konnte. Freudig begrüßte er daher den Aufruf Friedrich Wilhelm's 111. an Sein Volk vom 17. März 1813 zur 
Bildung der Landwehr, und von Grolman war einer der ersten, welche sich dem Militaix - Gouvernement zur Disposition stellten , um 
mit ihrem Leben für die Rettung des Vaterlandes einzustehen. 
Das Anerbieten des zwei und dreißigjährigen Kammergerichts - Raths , dem durch Allerhöchste Kabinets - Ordre vom 13. April 
1313 der Eintritt in den Königlichen Militair- Dienst gestattet war, wurde bereitwilligst acceptirt, und wir sehen ihn sofort in der 
Eigenschaft als Major zum Kommandeur eines der von Berlin gestellten Jufantexie - Bataillone, und zwar des 1. Bataillons 4. Kur- 
märkischen Landwehr Jnfanterie- Regiments ernannt. 
Die ihm übergebene Truppe war eines der besten der von der Residenz aufgebrachten fünf Bataillone. Es zählte, als das 
zuerst gebildete, nicht allein die meisten Freiwilligen , sondern bestand , was seinen militairischen Werth) bedeutend erhöhte, zum größten 
Theile aus jungen Berliner Bürgern , welche als Nationalgardisten wenigstens in Etwas schon eine militaixische Ausbildung erhalten 
hatten. Das Resultat dieser günstigen Umstände zeigte sich bei der Ende Juni stattgehabten Inspizirung der Landwehrtruppen, denn 
der betreffende Bericht des Obersten von Boyen vom 1. Juli 1813 sagt über die von Grolman kommandirte Truppe: 
»daß das Bataillon seine Evolutionen recht gut gemacht, der Kommandeur es, mit Berücksichtigung seiner kurzen Dienst- 
zeit, recht zweckmäßig geführt hätte und dieser, wenn er in gleichem Schritt fortfahre , ein brauchbarer Stabsoffizier 
werden würde.« 
Am 15. Mai 18313 rückte von Grolman mit seinem Bataillon nach Pot8dam und stand nach mehrfachen Hin- und Hex- 
Märschen am 19. August im Regimentsverbande im Lager bei Zachow zwischen Brandenburg und Keßien. Sämmtliche in dieser 
Gegend versammelte Truppen wurden von dem General - Lieutenant von Hirschfeld kommandirt , welcher durch das von Grolman'sche 
Bataillon am 22. und 23. August die Dörfer Baumgartenbrü>, Geltow und Caput besezen ließ und dasselbe bei seinem Marsche 
gegen den General Girard dem Seitendetachement seiner Division zuordnete. Am 27. August stieß Hirschfeld bei Lübniß, unweit 
Belzig, auf den Feind. Troß des ungestümen Angriffs der Landwehr- Reiterei und ungeachtet des persönlichen Muths der diesseitigen 
Truppen, welche, mit Ausnahme des 1. Reserve- Regiments , nur der Landwehr angehörten , stand die Schlacht gegen 4 Uhr Nach- 
mittags äußerst mißlich , schien jedoch kurz darauf durch das Erscheinen einiger Sotnien Kosac>ken eine günstigere Wendung nehmen 
zu wollen. Hirschfeld beschloß deshalb gegen 5 Uhr noch einen zweiten Angriff zu wagen, wobei die im Centrum stehenden Truppen 
das Vorgehen des rechten Flügels abwarten sollten. 
In Folge dessen erhielt von Grolman den Befehl, mit der Attaque zu beginnen, sobald das rechts von ihm stehende 
Bataillon des Elb - Regiments zum Angriff schreiten würde. Da ihm dies jedoch zu lange währte, das feindliche Feuer auch immer 
heftiger wurde, so seßte er sich, begleitet von seinem Adjutanten , dem späteren Geheimen Kommerzien- Rath Baudouin, an die 
Spiße seines Bataillons und erstürmte den Windmühlenberg bei Hagelsberg , wo der Schwerpunkt für die Entscheidung lag. Seinem 
Beispiel folgten die übrigen Führer, der Feind wurde im Dorfe zusammengedrängt und hier ein derartiges Gemeßel angerichtet, daß 
von der ganzen Girard'schen Division kaum 3000 Mann im traurigsten Zustande nac) Magdeburg entkamen. 
Als Belohnung für seine bewiesene Tapferkeit und Umsicht erhielt von Grolman die damals höchste Belohnung des 
Kriegers , das eiserne Kreuz 11]. Klasse. 
Nach dem Gefechte von Hagelsberg, gewöhnlich die Landwehrschlacht genannt, rückte von Grolman mit zu dem Belagerungs- 
heere vor Magdeburg; hier zeichnete er sich bei einem Ausfalle der Franzosen am 16. Dezember besonders aus, machte sodann den 
Marsch des Kronprinzen von Schweden nach dem Rheine zu mit und nahm dann bei der Belagerung von Wesel nicht unerheblichen 
Antheil. Nachdem die Festung kapitulixrt hatte und der Friedensschluß erfolgt war, rückte von Grolman am 30. Juli 1814 in 
Berlin ein. 
Alle Herzen schlugen dem mit Ruhm bedeckten Krieger freudig entgegen , und sein Empfang war ein begeisterter. Doppelt 
schäßte er die Wiedervereinigung mit seinen Lieben, denn nicht allen war es beschieden, nach so schweren Drangsalen die Vaterstadt 
wieder zu begrüßen. Aber nur kurze Zeit sollte es ihm vergönnt sein , der Ruhe zu genießen, welche ein schwer erkämpfter Friede 
zu gewähren pflegt. Noc< mit der Abwickelung seiner militairischen Verhältnisse beschäftigt , rief die Rückkehr Napoleons von Elba 
ihn wieder in das Feld. 
Am Freitag den 21. April 1815 marschirte von Grolman mit seinem Bataillon von Berlin ab und stand vier Wochen 
später, am 21. Mai, wenige Stunden von Namur in Cantonnirungen. 
Am 15. Juni Nachmittags 4 Uhr erhielten die dort versammelten Truppen den Befehl , sofort aufzubrechen , da Napoleon 
die diesseitigen Vorposten bei Charleroi angegriffen und zurückgedrängt hatte. Das von Grolman'sche Bataillon focht am 16. zuerst 
bei Tongrenelle, bis es gegen 6 Uhr Abends, als der Kampf auf der Linie Sombref bis Balatre sich entspann , von dem Brigadier, 
Obersten von Luk, persönlich jenseits Tongrines geführt wurde , um die dortige Chaussee gegen feindliche Kavallerie zu deen. Am 
17. Juni rückte es durc< Gemblouy nach Wavre und schlug hier am 18. mit dem 2. und 3. Bataillon des 30. Jufanterie-Regiments 
und den drei Bataillonen des 3. Kurmärkischen Landwehr- Infanterie - Regiments alle Versuche des Feindes, den Ort zu nehmen, 
mit heldenmüthiger Tapferkeit ab. Auch in den Kämpfen des 19. Juni zeichnete sich von Grolman mit seinem Bataillon derart aus, 
daß ihm der Monarch, als ein Zeichen höchster Anerkennung, speziell für die Schlacht von Wavre, das eiserne Kreuz 1. Klasse verlieh. 
Nach der Schlacht von Ligny und Wavyre machte von Grolman den Zug gegen Paris, sowie den Einzug in die feindliche 
Hauptstadt mit , und er war es, der am 22. September die dem Berliner Landwehr - Regiment Allerhöchst verliehene Fahne empfing,
	        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.